Die Famulatur ist für Medizinstudierende eine wichtige Möglichkeit, den Klinikalltag kennenzulernen und erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit einer Famulatur in der Neurologie, insbesondere am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Marburg, und bietet Einblicke in die Aufgaben, Lerninhalte und das Arbeitsumfeld.
Der Weg zur Famulatur in der Neurologie
Gegen Ende des dritten Semesters, etwa ein halbes Jahr vor den Sommerferien, begann das Thema Famulatur unter den Studierenden an Bedeutung zu gewinnen. Zunächst musste man sich erst einmal informieren, was eine Famulatur überhaupt ist. Die Möglichkeit, als angehende Ärztin oder Arzt im Kittel im Krankenhaus zu stehen und das Krankenhaus von einer anderen Seite als während des Pflegepraktikums kennenzulernen, klang verlockend. Es bot sich die Chance, das Gelernte anzuwenden, Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, ob die gewählte Fachrichtung die richtige ist und ob das Medizinstudium überhaupt das Richtige ist. Denn was man am Schreibtisch lernt, unterscheidet sich stark von dem, was man in der Klinik erlebt.
Planung und Bewerbung
Viele Studierende beginnen bereits ein halbes Jahr im Voraus mit der Planung und Bewerbung für eine Famulaturstelle. Allerdings ist es nicht immer notwendig, sich so frühzeitig zu kümmern. Im vorliegenden Fall wurde beispielsweise erst im Juli mit der Bewerbung für den September begonnen. Die Notaufnahme war sehr begehrt und hatte Wartezeiten von über sechs Monaten. Bei solchen Stationen empfiehlt es sich, sich frühzeitig zu bewerben. Die zweite Wahl fiel auf die Neurologie, wo die Bewerbung unkompliziert war: Impfausweis und Lebenslauf genügten. Es empfiehlt sich, die Bewerbung an das Sekretariat der jeweiligen Station zu richten.
Der erste Tag
Der erste Tag der Famulatur war aufregend. Mit Stethoskop und Reflexhammer in der Kitteltasche ging es los. Im Sekretariat wurde man der entsprechenden Station zugeteilt. Da bereits Vorkenntnisse durch eine Tätigkeit als studentische Hilfskraft in der Pflege auf der Station vorhanden waren, war die Umgebung vertraut. Im Arztzimmer wurde man von den Assistenzärzten freundlich empfangen, obwohl diese am Montagmorgen sehr beschäftigt waren. Ein Arzt zeigte die Station und erklärte die wichtigsten Dinge. Anschließend wartete man im Arztzimmer auf die Oberarztvisite.
Erfahrungen während der Famulatur
Die Famulatur in der Neurologie am UKGM Marburg wurde als sehr positiv und lehrreich erlebt.
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Betreuung und Team
Die Betreuung durch die Ärzte, insbesondere durch die zugeteilte Assistenzärztin, war ausgezeichnet. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Famulanten etwas lernen und mitnehmen. Auch der Oberarzt wurde als sehr freundlich und unterstützend erlebt. Die Neurologie am UKGM hat einen sehr guten Ruf, was das Team angeht. Es gab mehrere Famulanten gleichzeitig, was den Vorteil hatte, dass man sich mit seinen Sorgen und Ängsten nicht allein fühlte.
Aufgaben und Lerninhalte
Die Famulanten durften Blut abnehmen und Zugänge legen. Bei Schwierigkeiten wurde sofort geholfen. Die Assistenzärztin stellte Fragen und ging bestimmte Themen mit den Famulanten durch. Eigene Patienten durften betreut und dem Oberarzt vorgestellt werden. Die neurologische Untersuchung wurde intensiv geübt. Gegen Ende der Famulatur durfte sogar eine Lumbalpunktion selbstständig durchgeführt werden. Es wurde auch gezeigt, wie man dokumentiert und Patienten aufnimmt. Der hohe Anteil der Zeit, die Ärzte am Computer verbringen, war überraschend. Es wurde stets darauf geachtet, dass die Famulanten nicht überfordert werden und bei Bedarf unterstützt werden.
Einblicke in den Klinikalltag
Die Famulatur bot tiefe Einblicke in den Klinikalltag. Am Wochenende begleiteten die Famulanten die Assistenzärzte in die Notaufnahme, wo sie viele Schlaganfälle und andere interessante Krankheitsbilder sahen. Es gab auch emotional belastende Fälle, in denen man jedoch Unterstützung fand.
Lernerfolg und persönliche Entwicklung
In den zwei Wochen der Famulatur wurde mehr gelernt als in einem ganzen Semester. Das Gelernte konnte durch Videos, beispielsweise über Multiple Sklerose, gefestigt werden. Die Famulatur bestärkte in der Entscheidung, Medizin zu studieren.
Famulatur bei Vitos
Vitos bietet Medizinstudierenden die Möglichkeit, eine vierwöchige Famulatur an verschiedenen Standorten in Hessen zu absolvieren. Dies ermöglicht es, die Fachbereiche Psychiatrie, Orthopädie oder Neurologie kennenzulernen.
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Aufgaben und Schwerpunkte bei Vitos
Während der Famulatur bei Vitos lernen die Studierenden:
- Intensivmedizinisch-technisches Monitoring am Patienten anzuwenden und die erhobenen Daten kritisch zu bewerten.
- Häufige Messfehlerquellen zu benennen und zu beheben.
- Sonographische Notfalleinstellungen der zerebralen Durchblutung, des Herzens und der Lunge sowie die Ultraschall-Schnitte zur Anlage zentralvenöser Katheter durchzuführen.
- Einen PiCCO® zu kalibrieren und die Ergebnisse im Patientenkontext einzuordnen.
- Die Durchführung und Interpretation neurophysiologischer Befunde anhand verschiedener Erkrankungsbilder aus dem neuromuskulären Formenkreis.
- Den neurophysiologischen Hintergrund, die Indikationsstellung, die multimodalen Therapien und Ziele der neurologischen Rehabilitation.
- Den physiologischen Schluckvorgang, typische Störungsmuster bei neurologischen Erkrankungen und diagnostische Verfahren, insbesondere die endoskopische Schluckuntersuchung (FEES).
Weiterbildungsmöglichkeiten bei Vitos
Vitos bietet auch Weiterbildungsmöglichkeiten zum Facharzt in verschiedenen Bereichen an:
- Psychiatrie und Psychotherapie
- Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
- Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
- Unfallchirurgie und Orthopädie
- Neurologie
Famulatur in der Neurologie am UKGM Gießen
Auch am Standort Gießen des UKGM wird die Famulatur in der Neurologie positiv bewertet.
Ablauf und Organisation
Am ersten Tag wurde man vom Chefarzt begrüßt und erhielt vom Lehrbeauftragten einen Rotationsplan für die 16 Wochen. Es besteht die Möglichkeit, verschiedene Abteilungen zu durchlaufen (Normalstation, Stroke Unit, Intensivstation, Elektrophysiologie, Ambulanz, Notaufnahme). Es wird darauf geachtet, dass nicht zu viele Studenten gleichzeitig auf einer Station sind, um eine gute und individuelle Lehre zu ermöglichen. Individuelle Wünsche bezüglich der Schwerpunkte können berücksichtigt werden.
Tätigkeiten und Aufgaben
Zu den Tätigkeiten gehören Blutentnahmen, Zugänge legen, Lumbalpunktionen unter Aufsicht, Arterien und ZVKs legen auf der Intensivstation sowie EMG und ENG in der Elektrophysiologie und Ambulanz.
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Wertschätzung und Integration
Das Team wird als jung und nett beschrieben. Es wird Wert auf Teaching gelegt und die Fälle werden mit den Studierenden besprochen. Es besteht die Möglichkeit, eigene Patienten zu betreuen und aufzunehmen.
Tipps und Empfehlungen für eine erfolgreiche Famulatur
- Frühzeitig planen und bewerben: Insbesondere für beliebte Stationen wie die Notaufnahme empfiehlt es sich, sich frühzeitig zu bewerben.
- Interesse zeigen und Fragen stellen: Engagierte Studierende werden von den Ärzten unterstützt und gefördert.
- Aufgaben übernehmen und Verantwortung übernehmen: Die Famulatur bietet die Möglichkeit, praktische Fähigkeiten zu erlernen und zu verbessern.
- Das Team nutzen: Die Zusammenarbeit mit den Ärzten und anderen Famulanten ist eine wertvolle Lernmöglichkeit.
- Reflektieren und Lernen: Die Famulatur sollte genutzt werden, um die eigenen Interessen und Stärken zu erkennen und sich beruflich zu orientieren.
- Sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen: Bei Unsicherheiten oder Problemen sollte man sich an die betreuenden Ärzte wenden.
- Die Zeit genießen: Die Famulatur ist eine wertvolle Erfahrung, die Spaß machen und die Begeisterung für das Medizinstudium stärken kann.
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