FEES: Funktionelle Schluckuntersuchung in der Neurologie – Ein umfassender Videolehrgang

Einführung

Die fiberendoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) hat sich in der neurologischen Diagnostik als unverzichtbare Methode etabliert. Seit ihrer Erstbeschreibung durch Susan Langmore im Jahr 1991, hat sie sich zu einer Standarduntersuchung für Patienten mit Schluckstörungen entwickelt. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der FEES, insbesondere im Kontext neurologischer Erkrankungen, und stellt den Videolehrgang von Christoph Kley als umfassenden Leitfaden vor.

Was ist FEES?

FEES, oder fiberendoskopische Evaluation des Schluckens, ist eine diagnostische Methode zur Beurteilung des Schluckvorgangs. Dabei wird ein flexibles Laryngoskop verwendet, um den Pharynx und Larynx während des Schluckens zu visualisieren. Diese Untersuchung ermöglicht es, die verschiedenen Phasen des Schluckens zu beurteilen, anatomische und funktionelle Anomalien zu erkennen und die Auswirkungen von therapeutischen Interventionen zu beobachten.

Vorteile der FEES

  • Direkte Visualisierung: FEES ermöglicht eine direkte und detaillierte Visualisierung der Schluckstrukturen und -funktionen.
  • Ambulante Durchführung: Die Untersuchung kann in der Regel ambulant durchgeführt werden, was den Patientenkomfort erhöht.
  • Wiederholbarkeit: FEES kann bei Bedarf wiederholt werden, um den Fortschritt der Therapie zu überwachen oder Veränderungen im Schluckmuster zu erkennen.
  • Beurteilung verschiedener Konsistenzen: Verschiedene Nahrungskonsistenzen können während der Untersuchung getestet werden, um spezifische Schluckprobleme zu identifizieren.
  • Einsatz therapeutischer Manöver: Die Effektivität von therapeutischen Schluckmanövern, wie z.B. der Kopfdrehung bei einseitigen Pharynxparesen, kann direkt beurteilt werden.

FEES in der Neurologie

Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Chorea Huntington und Myasthenia Gravis gehen häufig mit Schluckstörungen (Dysphagie) einher. Die FEES spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und dem Management dieser Dysphagien.

Bedeutung der FEES bei neurologischen Erkrankungen

  • Schlaganfall: Nach einem Schlaganfall können Schluckstörungen aufgrund von Lähmungen oder Koordinationsstörungen der Schluckmuskulatur auftreten. FEES hilft, das Ausmaß der Dysphagie zu beurteilen und geeignete Rehabilitationsmaßnahmen einzuleiten.
  • Morbus Parkinson: Bei Parkinson-Patienten können Schluckstörungen durch die fortschreitende Degeneration der Nervenzellen entstehen, die die Schluckmuskulatur steuern. FEES ermöglicht die Identifizierung spezifischer Schluckprobleme und die Anpassung der Therapie.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): ALS ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zu Muskelschwäche und Lähmungen führt, einschließlich der Schluckmuskulatur. FEES hilft, die Schluckfunktion zu überwachen und rechtzeitig unterstützende Maßnahmen zu ergreifen.
  • Chorea Huntington: Chorea Huntington ist eine erbliche Erkrankung, die durch unwillkürliche Bewegungen und kognitive Beeinträchtigungen gekennzeichnet ist. Schluckstörungen können durch die unkontrollierten Bewegungen der Schluckmuskulatur verursacht werden. FEES unterstützt die Diagnose und das Management dieser spezifischen Schluckprobleme.
  • Myasthenia Gravis: Myasthenia Gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche führt. Die Schluckmuskulatur kann ebenfalls betroffen sein, was zu Dysphagie führt. FEES hilft, die Auswirkungen der Erkrankung auf die Schluckfunktion zu beurteilen und die Therapie zu optimieren.

"FEES: Die funktionelle Schluckuntersuchung in der Neurologie - Ein Videolehrgang"

Der Videolehrgang "FEES: Die funktionelle Schluckuntersuchung in der Neurologie" von Christoph Kley ist ein umfassender Leitfaden für die Durchführung und Interpretation der FEES im neurologischen Kontext. Das Buch bietet eine detaillierte Einführung in die Methodik und Anwendung dieser diagnostischen Technik, die entscheidend für die Beurteilung und Behandlung von Dysphagie bei neurologischen Patienten ist.

Inhalte und Struktur des Videolehrgangs

Der Videolehrgang ist als Buch mit ergänzenden Videoanleitungen konzipiert. Er behandelt folgende Themen:

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  1. Grundlagen der FEES: Einführung in die Technik der FEES, einschließlich der Vorbereitung des Patienten und seiner Aufklärung über die Untersuchung.
  2. Untersuchungsgang: Detaillierte Beschreibung des Untersuchungsgangs, von der Einführung des Laryngoskops bis zur Beurteilung der Schluckfunktion.
  3. Normalbefunde: Darstellung von Normalbefunden, um die Grundlage für die Erkennung pathologischer Veränderungen zu schaffen.
  4. Pathologische Phänomene: Beschreibung und Visualisierung pathologischer Phänomene bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen, wie Schlaganfall, Morbus Parkinson, ALS, Chorea Huntington und Myasthenia Gravis.
  5. Therapeutische Schluckmanöver: Demonstration der Effekte von therapeutischen Schluckmanövern, wie z.B. Kopfdrehung bei einseitigen Pharynxparesen.
  6. Fallbeispiele: Präsentation von Fallbeispielen, die die typischen FEES-Befunde bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen veranschaulichen und die Einflussmöglichkeiten des Schlucktherapeuten aufzeigen.
  7. Besondere klinische Situationen: Behandlung besonderer klinischer Situationen, wie z.B. Schluck-Phänomene bei Patienten mit einer Trachealkanüle.

Zielgruppe

Der Videolehrgang richtet sich an Fachleute im medizinischen Bereich, insbesondere:

  • Neurologen: Zur Verbesserung der diagnostischen Fähigkeiten bei der Beurteilung von Schluckstörungen bei neurologischen Patienten.
  • Logopäden: Zur Vertiefung des Wissens über die FEES-Technik und zur Optimierung der Therapieplanung.
  • Ergotherapeuten: Zur Erweiterung der Kompetenzen im Bereich der Schluckrehabilitation.
  • Pflegekräfte: Zur Sensibilisierung für Schluckstörungen und zur Verbesserung der Patientenversorgung.
  • Studierende der Medizin und verwandter Fachrichtungen: Als praxisnahe Einführung in die FEES-Technik.

Nutzen des Videolehrgangs

  • Praxisnahe Wissensvermittlung: Durch den Einsatz von Videoanleitungen wird das theoretische Wissen praxisnah ergänzt, um Fachleuten im medizinischen Bereich ein besseres Verständnis für die komplexen Schluckprozesse zu vermitteln.
  • Verbesserung der diagnostischen Fähigkeiten: Der Videolehrgang hilft, die FEES-Technik sicher und kompetent anzuwenden und pathologische Veränderungen im Schluckvorgang zu erkennen.
  • Optimierung der Therapieplanung: Durch die detaillierte Analyse der FEES-Befunde können individuelle Therapiepläne erstellt werden, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.
  • Effektive Patientenversorgung: Durch die Verbesserung der diagnostischen und therapeutischen Fähigkeiten wird eine effektive Patientenversorgung gewährleistet, die zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt.

Untersuchungsgang bei der FEES

Die FEES-Untersuchung folgt einem standardisierten Ablauf, der sicherstellt, dass alle relevanten Aspekte des Schluckvorgangs beurteilt werden.

Vorbereitung des Patienten

Vor der Untersuchung wird der Patient über den Ablauf und die Ziele der FEES aufgeklärt. Es ist wichtig, dass der Patient versteht, wie er während der Untersuchung kooperieren kann, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Dazu gehört auch die Information über mögliche Risiken und Nebenwirkungen der Untersuchung.

Einführung des Laryngoskops

Das flexible Laryngoskop wird vorsichtig durch die Nase eingeführt, bis es den Pharynx erreicht. Der Arzt oder Logopäde achtet darauf, den Patienten so wenig wie möglich zu belästigen. Während der Einführung des Laryngoskops werden die anatomischen Strukturen des Nasenraums, des Pharynx und des Larynx beurteilt.

Beurteilung der Schluckfunktion

Nachdem das Laryngoskop positioniert ist, wird der Patient aufgefordert, verschiedene Nahrungskonsistenzen zu schlucken, wie z.B. Flüssigkeiten, Pürees und feste Nahrung. Während des Schluckens werden die Bewegungen der Schluckmuskulatur, die Koordination der verschiedenen Schluckphasen und das Vorhandensein von Aspiration (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) beobachtet.

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Beobachtung therapeutischer Effekte

Während der FEES können therapeutische Schluckmanöver durchgeführt werden, um ihre Auswirkungen auf die Schluckfunktion zu beurteilen. Beispielsweise kann der Patient aufgefordert werden, den Kopf zur Seite zu drehen, um die Schluckfunktion bei einseitigen Pharynxparesen zu verbessern. Die Effektivität dieser Manöver wird direkt beobachtet und dokumentiert.

Dokumentation der Ergebnisse

Die Ergebnisse der FEES werden sorgfältig dokumentiert, einschließlich der Beobachtungen zur Anatomie, Physiologie und Pathologie des Schluckvorgangs. Die Dokumentation umfasst auch die Beurteilung der Effektivität therapeutischer Manöver und Empfehlungen für die weitere Therapie.

Interpretation der FEES-Befunde

Die Interpretation der FEES-Befunde erfordert fundierte Kenntnisse der Anatomie und Physiologie des Schluckvorgangs sowie Erfahrung in der Beurteilung pathologischer Veränderungen.

Normalbefunde

Normalbefunde zeigen eine koordinierte und effektive Schluckfunktion, ohne Anzeichen von Aspiration oder Residuen (Nahrungsreste im Pharynx). Die Schluckmuskulatur bewegt sich synchron und kraftvoll, und die Atemwege sind während des Schluckens geschützt.

Pathologische Befunde

Pathologische Befunde können auf verschiedene Schluckstörungen hinweisen, wie z.B.:

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  • Aspiration: Eindringen von Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege vor, während oder nach dem Schlucken.
  • Residuen: Verbleiben von Nahrungsresten im Pharynx nach dem Schlucken.
  • Verzögerte Schluckauslösung: Verzögerung des Schluckreflexes, was das Risiko von Aspiration erhöht.
  • Reduzierte Zungenkraft: Schwäche der Zungenmuskulatur, was die effektive Bewegung der Nahrung im Mund beeinträchtigt.
  • Pharyngeale Parese: Lähmung oder Schwäche der Pharynxmuskulatur, was die Koordination des Schluckvorgangs stört.
  • Laryngeale Dysfunktion: Störung der Funktion des Larynx, was den Schutz der Atemwege während des Schluckens beeinträchtigt.

Einflussfaktoren auf die Interpretation

Die Interpretation der FEES-Befunde kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z.B.:

  • Patientenalter: Ältere Patienten können altersbedingte Veränderungen der Schluckfunktion aufweisen, die von pathologischen Befunden unterschieden werden müssen.
  • Medikation: Bestimmte Medikamente können die Schluckfunktion beeinträchtigen und die Interpretation der FEES-Befunde erschweren.
  • Begleiterkrankungen: Begleiterkrankungen wie Demenz oder kognitive Beeinträchtigungen können die Kooperation des Patienten während der Untersuchung beeinflussen und die Interpretation der Ergebnisse erschweren.

Therapeutische Interventionen basierend auf FEES-Befunden

Die FEES-Befunde dienen als Grundlage für die Planung und Durchführung therapeutischer Interventionen zur Verbesserung der Schluckfunktion.

Schlucktraining

Schlucktraining umfasst verschiedene Übungen zur Stärkung der Schluckmuskulatur, zur Verbesserung der Koordination des Schluckvorgangs und zur Erhöhung des Schutzes der Atemwege.

Anpassung der Nahrungskonsistenz

Die Anpassung der Nahrungskonsistenz kann dazu beitragen, das Risiko von Aspiration zu reduzieren und die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Beispielsweise können Flüssigkeiten angedickt oder feste Nahrung püriert werden.

Schluckmanöver

Schluckmanöver sind spezifische Techniken, die während des Schluckens angewendet werden, um die Schluckfunktion zu verbessern. Beispiele für Schluckmanöver sind die Kopfdrehung, das Kinn zur Brust-Manöver und das supraglottische Schlucken.

Kompensatorische Strategien

Kompensatorische Strategien umfassen Anpassungen der Körperhaltung, der Art und Weise der Nahrungsaufnahme und der Umgebung, um die Schluckfunktion zu verbessern. Beispielsweise kann der Patient aufgefordert werden, aufrecht zu sitzen oder kleine Bissen zu nehmen.

Hilfsmittel

In einigen Fällen können Hilfsmittel wie spezielle Trinkbecher oder Bestecke eingesetzt werden, um die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.

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