Die Feldenkrais-Methode, entwickelt von Moshé Feldenkrais, ist ein körperorientiertes Lernsystem, das darauf abzielt, das Körperbewusstsein und die Bewegungsfähigkeit zu verbessern. Diese Methode untersucht die Beziehung zwischen Bewegung, Denken und Gefühl, um neue, effizientere Bewegungsmuster zu erlernen und bestehende zu verbessern. Die Feldenkrais-Methode will durch eine bewusstere Körperwahrnehmung die Koordination von Bewegungsabläufen optimieren. Sie geht auf den Physiker und Neurophysiologen Moshé Feldenkrais zurück.
Grundlagen der Feldenkrais-Methode
Moshé Feldenkrais entwickelte seine Methode in zwei unterschiedlichen Techniken, die er „Funktionale Integration“ und „Bewusstheit durch Bewegung“ nannte. Erstere beschreibt die nonverbalen Interaktionen zwischen „Lehrer und Schüler, die häufig rein körperlich stattfinden. Die FELDENKRAIS® Methode wurde von dem Physiker und Kampfsportexperten Dr. Moshé Feldenkrais entwickelt. Die Methode basiert auf Judo, der künstlerischen Körperschulung der 1920er Jahre und auf Erkenntnissen der manuellen Medizin. Im Mittelpunkt stehen Bewegungsmuster, die den Lebensalltag eines Menschen prägen, sowie in einem zweiten Schritt die Optionen, diese angemessen zu variieren. So soll sich zunächst über das dezidierte Wahrnehmen der eigenen Bewegungsabläufe das Bewusstsein für die Bandbreite sensomotorischer Möglichkeiten schärfen. Nicht zuletzt begünstigt das Aufzeigen von Alternativen - etwa wie sich neue, geeignete Muster in die Abläufe des täglichen Lebens integrieren lassen - nachteilige Bewegungsfolgen abzulegen. Anschließend gilt es, die individuell geeigneten auf neuronaler Ebene zu verankern. Dazu werden Störungen zu den zugehörigen Bewegungs¬mustern zurückverfolgt und Defizite, sofern möglich, durch Alternativen überbrückt. Körper und Geist entwickeln auf diese Weise eine neue Beweglichkeit. Unterrichtet wird einzeln - dann nonverbal mittels Berührung oder durch Wiederholung von Bewegungsfolgen - sowie verbal in der Gruppe. Die neuen Bewegungsabläufe verändern den Patienten: in medizinisch oft gewünschter oder vorteilhafter Hinsicht. Bei vielen Behandelten entsteht ein neues Selbstbild; sie gehen gestärkt aus der Intervention hervor. Feldenkrais wird insbesondere bei vielen psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt ebenso wie bei Entwicklungsstörungen von Kindern und Jugendlichen. Hier erstatten die Kostenträger zumeist Kursusgebühren - gleichermaßen in Einzelfällen beim therapeutischen Einsatz gegen orthopädische Beschwerden, Erkrankungen des Bewegungsapparats oder Rückenschmerzen.
Funktionale Integration (FI)
Funktionale Integration (FI) ist eine individuelle, auf den Klienten abgestimmte Sitzung, in der der Feldenkrais-Lehrer sanfte, präzise Berührungen verwendet, um Bewegungen manuell zu leiten. Diese Berührungen und Bewegungen sind langsam, achtsam und passiv, sodass der Klient sich vollständig entspannen kann. In diesem entspannten Zustand können verspannte Muskeln loslassen und der Körper beginnt, flexibler und offener zu reagieren. Gemeinsam mit dem Klienten erforscht der Feldenkrais-Lehrer alternative Bewegungswege, die oft in Vergessenheit geraten sind oder durch Spannung und Stress blockiert wurden. Der große Vorteil von FI besteht darin, dass die Arbeit auf den individuellen Körper und die speziellen Bedürfnisse des Klienten abgestimmt wird. Der Klient muss nicht aktiv an der Bewegung teilnehmen, was besonders hilfreich sein kann, wenn Schmerzen, Steifheit oder Verletzungen die Bewegungsfreiheit einschränken. Durch diese direkte, manuelle Arbeit können tiefere Schichten der Muskulatur und des Nervensystems angesprochen werden, was zu nachhaltigen Veränderungen im Bewegungsablauf führt.
Bewusstheit durch Bewegung (ATM)
Jeder Mensch kann sich beobachten und herausfinden, WIE er oder sie Bewegungen oder Handlungen ausführt. In den einzelnen Gruppenstunden werden Awareness-Through-Movement (ATM; deutsch „Bewusstheit durch Bewegungs“-) Lektionen unterrichtet. Alle Übungen dienen der Vervollständigung des Selbstbildes und der Veränderung von abträglichen, unbewussten Handlungsmustern. Durch das langsame, achtsame Erforschen verschiedener Möglichkeiten zur Ausführung einer Bewegung und das Herausfinden, welche am Mühelosesten und Zweckdienlichsten ist, wird das eigene Körperbild geschult. Die Übungen zielen auf Wahrnehmungsunterschiede und positive Rückmeldungen (angenehmer, leichter und weniger anstrengend) im Vergleich zu weniger günstigen Signalen wie Schmerz oder Unbehagen [2].
Feldenkrais bei Parkinson: Symptome und Therapieansätze
Menschen mit Parkinson teilen viele Gemeinsamkeiten in ihren Symptomen, wie Zittern, Muskelsteifigkeit und Bewegungsarmut, sowie nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen, Verdauungsprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten. Der Parkinson-Erkrankte lernt, seine Bewegungen zu analysieren und neue Bewegungsmuster zu entdecken, die leichter und ökonomischer sind. Ebenso profitieren Menschen mit Bewegungseinschränkungen wie etwa Parkinsonkranke teils erheblich vom Feldenkrais-Konzept.
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Verbesserung der Beweglichkeit und Lebensqualität
Köln - Patienten mit einer Parkinson und chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich könnten mittels der Feldenkrais-Methode die Beweglichkeit und ihre Lebensqualität verbessern. Das berichtet eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Es zeigte sich für die Indikation Morbus Parkinson, dass die Feldenkrais-Methode gegenüber einem Bildungsprogramm in Form von Vorträgen die Beweglichkeit verbessern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhöhen kann.
Wissenschaftliche Bewertung
Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Federführung der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht, ob die Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit Vorteile hat. Für zwei der betrachteten fünf Erkrankungen konnten sie dabei einen Vorteil der Feldenkrais-Methode feststellen: Bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit und bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich besserten sich die Beweglichkeit und die Lebensqualität der Betroffenen. Das vom IQWiG beauftragte Wissenschaftsteam der MHH hat für sein „Health Technology Assessment (HTA-Bericht) sechs Studien eingeschlossen, die die Feldenkrais-Methode für fünf Indikationen untersuchten: Morbus Parkinson, chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich, Nacken-Schulter-Beschwerden, Multiple Sklerose und geistige Beeinträchtigung. Zum Nutzen der Behandlung gibt es nur wenige aussagekräftige Daten. Die Studien deuten aber darauf hin, dass die Feldenkrais-Methode bei bestimmten Erkrankungen Vorteile bietet. So zeigt sich in der Indikation Morbus Parkinson, dass die Feldenkrais-Methode gegenüber einem Bildungsprogramm in Form von Vorträgen die Beweglichkeit verbessern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhöhen kann.
Einschränkungen und weitere Forschung
Die Datenlage für diese Bewertung ist allerdings dünn, so konstatiert der Bericht. Die Datenlage für diese Bewertung sei allerdings dünn, schreiben die Forscher auch heute. Insgesamt lässt sich dem IQWiG zufolge die übergeordnete Frage nicht beantworten, ob Feldenkrais eine Methode ist, von der Betroffene mit Beweglichkeitsstörungen profitieren. Die Wissenschaftler fordern daher weitere Forschung zu der Methode. Die übergeordnete Frage, ob Feldenkrais eine Methode ist, von der Betroffene mit Beweglichkeitsstörungen profitieren, lässt sich aus Sicht des IQWiG noch nicht beantworten. Die vorhandenen Studien reichen insgesamt nicht aus, um Patientinnen und Patienten über die Vor- und Nachteile der Feldenkrais-Methode zu informieren. Um diese zu beurteilen, sind weitere aussagekräftige Studien notwendig, in denen die Methode auch mit etablierten Behandlungen wie der Physiotherapie verglichen wird.
Praktische Anwendung
Die Kurse finden jeden Montag vom 12. August bis zum 7. Oktober, jeweils zwischen 11 und 12 Uhr, statt.
Weitere Anwendungsbereiche der Feldenkrais-Methode
Die Methode kommt vor allem während der Rehabilitation von Mobilitätsdefekten zum Einsatz, um nach Verletzungen und beim Abbau von fehlhaltungsbedingten Schmerzen wieder beweglich zu werden. Darüber hinaus kann es mit bestimmten Akzentuierungen für Musiker, Tänzer, Sportler und andere „Bewegte“ in unterschiedlichen Lebenssituationen hilfreich sein. Chronische SchmerzenBei Patient:innen mit chronischen Rückenschmerzen hat Feldenkrais ähnliche oder sogar bessere Vorteile gezeigt als Stabilitätsübungen und Rückenschulprogramme [8-10].Förderung der Erholung nach einem SchlaganfallEine Machbarkeitsstudie lässt darauf schließen, dass Gruppensitzungen mit der Feldenkrais-Methode das Körperbewusstsein, die Lebensqualität und die Kontrolle über Arme und Beine verbessern kann [11].Umgang mit TinnitusErste eigene Forschungen lassen vermuten, dass die Methode auch beim Umgang mit somatosensorischen Tinnitus hilfreich sein kann [12].
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