Die klinisch-neurologische Untersuchung ist ein entscheidender Bestandteil der Diagnostik neurologischer Erkrankungen. Sie ermöglicht es dem Arzt, den Zustand und die Funktionen von Gehirn, Nerven und Muskeln ohne den Einsatz größerer technischer Hilfsmittel zu überprüfen.
Wozu dient die klinisch-neurologische Untersuchung?
Die klinisch-neurologische Untersuchung dient dazu, Ausfälle und Funktionseinschränkungen des Nervensystems genauer einzuordnen. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt Rückschlüsse auf die betroffenen Anteile des Nervensystems ziehen - ob also die Störung im Gehirn, Rückenmark oder im peripheren Nervensystem liegt. Teilweise lässt sich so bereits eine erste Verdachtsdiagnose stellen.
Anschließend legt der Arzt fest, ob weiterführende Untersuchungen nötig sind, um die Ursache zu klären, die Diagnose zu sichern und eine Behandlung einzuleiten. Das kann auch Krankheiten betreffen, die nicht vom Nervensystem ausgehen, jedoch dort zu Veränderungen geführt haben. Bisweilen wird der Arzt auch Störungen bei der Übertragung der Nervenreize auf den Muskel oder eine Erkrankung der Muskulatur ausschließen.
Ablauf einer klinisch-neurologischen Untersuchung
Eine vollständige klinisch-neurologische Untersuchung kann sehr zeitaufwendig sein und erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Je nach Zustand des Patienten, Verdachtsdiagnose oder sonstigem Anlass richtet der Arzt sein besonderes Augenmerk nur auf bestimmte Aspekte.
Motorisches System
Eingangs verschafft sich der Arzt zunächst einen allgemeinen Eindruck vom Patienten, beobachtet seine Körperhaltung, sein spontanes Bewegungsverhalten und seine Sprache. Um das Bewegungssystem genauer zu beurteilen, stehen eine Reihe von Funktionsprüfungen zur Verfügung. So untersucht der Arzt etwa die passive Beweglichkeit der Gliedmaßen und die Muskelgrundspannung, den Muskeltonus. Dazu bewegt er die großen Gelenke ohne Zutun des Patienten hin und her, indem er sie mehrmals beugt und streckt. Bei diesem Test kann beispielsweise die Parkinson-Krankheit zu Auffälligkeiten führen.
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Weitere Untersuchungen wie beidseitiger Händedruck oder das Anheben der Beine im Liegen gegen einen Widerstand können Unterschiede in der Muskelkraft aufdecken und so auf Schwächen oder Lähmungen von Muskeln hinweisen. Gleiches gilt für Halteversuche, bei denen der Patient beide Arme beziehungsweise Beine auf gleicher Höhe halten muss. Beim Armvorhalten mit gespreizten Fingern lässt sich auch beobachten, ob es zu unwillkürlichen Bewegungen kommt, beispielsweise Zittern. Zittern in Ruhehaltung kann bei der Haltebewegung nachlassen.
Auch aktive Bewegungsprüfungen können aufschlussreich sein. Ist etwa der Mittelnerv (Nervus medianus), der unter anderem die Beugemuskulatur von Daumen, Zeige- und Mittelfinger versorgt, beeinträchtigt, haben die Betroffenen beispielsweise Schwierigkeiten, mit Daumen und Zeigefinger ein O zu formen oder den Drehverschluss einer Flasche aufzuschrauben.
Untersuchung der Diadochokinese
Die Diadochokinese wird getestet, indem der Proband schnelle alternierende Bewegungen durchführt (z. B. „Glühbirnen einschrauben“).
- "Händedrehen": Klatschen mit wechselnder Pronation/Supinationsbewegung der Hand auf flache Hand der Gegenseite
- Drehbewegungen mit den Händen (Glühbirnen einschrauben)
- Fingertippen: Tippen einzelner Finger auf Unterlage
- Wechselndes Berühren der Finger II-IV gegen Daumen
- Virtuell mit den Fingern in der Luft Klavierspielen lassen
- Fuß-Tippen: Patient soll im Sitzen mit Ferse rasch hintereinander auf den Fußboden klopfen. Selbe Position, Durchführung mit Fußspitze.
Beurteilung: Eudiadochokinese? Bradydiadochokinese?
Weitere Tests zur Beurteilung des motorischen Systems
- Patient zielt mit seinem Zeigefinger auf den Zeigefinger des Untersuchers, der diesen in verschiedene Positionen bewegt.
- Der Patient senkt seinen senkrecht nach oben gehobenen Arm mit gestrecktem Zeigefinger bis zum Erreichen des Zeigefingers des Arztes an dessen horizontal gehaltenem Arm.
- Kräftige Beugung des Arms durch den Patienten gegen Widerstand des Untersuchers, der diesen am Handgelenk hält. Untersucher lässt Arm plötzlich los. Beugebewegung wird normalerweise unwillkürlich rasch gebremst.
- Beine werden im Liegen mit rechtwinklig angewinkelten Knien gehalten. Ein Bein wird abgelegt. Anderes Bein wird bei geschlossenen Augen mit der Ferse auf die Kniescheibe geführt und am Schienbein entlang bis zum Knöchel geführt. Beurteilung: Ataxie? Tremor? Dysmetrie? Athetose?
Reflexe
Der wohl bekannteste Teil der klinisch-neurologischen Untersuchung ist die Prüfung der Muskeldehnungsreflexe. Dabei klopft der Arzt meist mit dem Reflexhammer auf die Sehne eines Muskels. Die plötzliche Dehnung löst dann über einen Reflexbogen, der über das Rückenmark läuft, ein unwillkürliches Zusammenziehen des Muskels aus. Einseitig abgeschwächte Muskeleigenreflexe etwa weisen in der Regel auf Schädigungen des Reflexbogens hin, zum Beispiel eine Entzündung des Nervs, der den betroffenen Muskel versorgt. Es können aber auch andere Ursachen zugrunde liegen, beispielsweise eine Muskelerkrankung.
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Darüber hinaus testet der Neurologe auch so genannte pathologische Reflexe, wie den diagnostisch bedeutsamen Babinski-Reflex. Dieser tritt bei Erwachsenen nur im Rahmen von Erkrankungen des zentralen Nervensystems auf. Um ihn auszulösen, streicht der Arzt mit einem Stab oder der Hand fest über den äußeren Fußsohlenrand von der Ferse nach vorne. Hebt sich daraufhin die große Zehe des Patienten und spreizen sich dabei die kleinen Zehen, gilt dies als Indiz für eine mögliche Schädigung von Nervenbahnen im zentralen Nervensystem.
Überprüfung des Babinski-Reflexes
Die Fußsohle wird in Form eines „Hockeyschlägers“ ausgehend von der Ferse kräftig bestrichen. Bei einer normalen (negativen) Reaktion erfolgt eine Plantarflexion. Ein auffälliger (positiver) Babinski-Reflex ist ein Zeichen für eine Läsion des ersten Motoneurons. Dabei dorsalflektiert die große Zehe, während die anderen Zehen sich spreizen.
Muskeleigenreflexe
Bei der Prüfung der Muskeleigenreflexe ist vor allem die Abschwächung oder das Fehlen der Achilles- und Patellarsehnenreflexe, die an der Achillessehne bzw. Beugung am Ellenbogen beobachten bzw.
Die Ablenkung der Versuchsperson mit dem Jendrassik-Manöver kann zu zuverlässigeren Reflextests führen.
Bewegungskoordination
Koordinierte Bewegungen erlauben uns situationsgerechte und zielgerichtete Abläufe, seien sie grobmotorisch (zum Beispiel stabiles Stehen) oder feinmotorisch (Fingerfertigkeit, Schreiben). Dafür sind auch Rückmeldungen der Sinnesorgane unerlässlich.
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Bei der Koordinationsprüfung macht sich der Arzt vor allem ein Bild davon, ob das Zusammenspiel der Muskeln reibungslos funktioniert. Dazu bittet er seinen Patienten zunächst, einige Male durch den Raum zu gehen, vorwärts, rückwärts und mit geschlossenen Augen. Weitere Tests der Bewegungskoordination sind der wechselseitige Einbeinstand und das Gehen auf der Stelle, jeweils mit geschlossenen Augen. Zur Koordinationsprüfung gehören zudem Zielversuche wie der Finger-Nase-Versuch. Dabei muss der Patient mit geschlossenen Augen den Finger in einem großen Bogen zur Nase führen. Hat er damit Schwierigkeiten, kann das auf eine Funktionsstörung des Kleinhirns hindeuten.
Auch das Sprech- und Schreibvermögen prüft der Arzt bei diesem Abschnitt der neurologischen Untersuchung.
Sensibilität
Die verschiedenen Aspekte der sensiblen Wahrnehmung, also des Fühlens, sind ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der klinisch-neurologischen Untersuchung. Das Berührungsempfinden testet der Arzt beispielsweise durch das Schreiben von Zahlen mit dem Finger auf der Haut. Ob der Patient Schmerzen empfinden kann, zeigt zum Beispiel ein leichtes Kneifen oder ein Piekser mit einem spitzen Gegenstand.
Das Temperaturempfinden offenbart sich, indem der Arzt Röhrchen mit kaltem und warmem Wasser an die Haut seines Patienten hält. Indem er eine kräftig angeschlagene Stimmgabel auf verschiedene Knochenvorsprünge hält, kann der Arzt das Vibrationsempfinden prüfen. All diese Tests führt der Arzt im Seitenvergleich durch und bewertet, ob es zwischen linker und rechter Körperseite Unterschiede gibt.
Bei der Sensibilitätsprüfung wird der Arzt möglichst genau zu bestimmen versuchen, auf welches Gebiet des Körpers sich eine festgestellte Störung erstreckt. Denn das erlaubt in der Regel Rückschlüsse auf den Schädigungsort. Die Körperoberfläche lässt sich unter anderem in zahlreiche sensible Gebiete einteilen, sogenannte Dermatome, die je einem, teils auch mehreren Rückenmarksnerven zugeordnet sind. So können sich benachbarte Dermatome manchmal überlappen. Für die Berührungsempfindung sind die Überschneidungen größer als zum Beispiel für die Schmerzempfindung. Daher lassen sich sensible Ausfälle manchmal klinisch nicht so gut objektivieren. Dennoch kann das Dermatome-Muster bei der Diagnose nützlich sein.
Untersuchung der Sensibilität
- Untersuchung der Schmerzempfindung: Mit Zahnstocher oder Einmalnadeln kann die Schmerzempfindung geprüft werden.
- Untersuchung der Druckempfindung: Die Druckempfindung kann durch sog. Monofilamente geprüft werden. Der Nylonfaden des Monofilaments wird auf die Haut gedrückt, bis er sich ca. 1 cm durchbiegt. Überprüfung des Berührungsempfindens mithilfe eines Monofilament. Dies ist ein nützliches Instrument zum Screening der diabetischen Polyneuropathie. Hier überprüft der Untersucher das Berührungsempfinden der Fußsohlen.
- Untersuchung der Vibrationsempfindung: Die Vibrationsempfindung sollte innen (medial) am Großzehengrundgelenk festgestellt werden. Dabei empfiehlt sich die Benutzung einer 128-Hz-Stimmgabel nach Rydel-Seiffer. Die Normwerte liegen hierbei für die Altersgruppe unter 30 Jahre bei einer Wahrnehmung von 6/8 oder mehr und bei der Altersgruppe ab 30 Jahre bei 5/8 oder mehr. Wenn am Großzehengrundgelenk keine sichere Empfindung nachgewiesen werden kann, sollte an einer körpernäheren (proximaleren) Stelle, d.h. am Innenknöchel (Malleolus medialis), getestet werden. Das Vibrationsempfinden wird oft mithilfe einer 120-Hz-Stimmgabel überprüft. Hier wird das Vibrationsempfinden der distalen unteren Extremität getestet.
- Untersuchung der Temperaturempfindung: Einfache Methoden zur Untersuchung der Temperaturempfindung sind kleine Stifte mit einem Plastikende (warm) und einem Metallende (kalt), die kalte Stimmgabel sowie Eis- und Warmwasserreagenzgläser. VObjekte mit unterschiedlicher Temperatur verwenden, um die Temperaturwahrnehmung zu testen (z. B.
- Untersuchung der Tiefensensibilität (Propriozeption): Die Tiefensensibilität (Propriozeption) wird überprüft, indem der Proband mit geschlossenen Augen Bewegungen der Finger oder Zehen erkennen muss. Hier test der Untersucher die Propriozeption der distalen oberen Extremität.
- Untersuchung der Stereognosie (taktile Identifikation eines bekannten Objekts): Die Stereognosie (taktile Identifikation eines bekannten Objekts) wird überprüft, indem der Proband ein bekanntest Objekt mittels Ertasten identifizieren muss. Hier verwendet der Untersucher zur Überprüfung der Stereognosie einen Schlüssel.
- Überprüfung der Graphästhesie (Fähigkeit, auf die Hautgezeichnete Symbole zu erkennen): Der Proband schließt die Augen, der Untersucher zeichnet eine Figur auf die Haut und der Proband muss diese erraten. In diesem Fall testet der Untersucher die Graphästhesie, indem er einen imaginären Buchstaben auf die Handfläche der Person zeichnet.
- Die taktile Auslöschung (Unfähigkeit, Reize gleichzeitig wahrzunehmen) wird getestet, indem der Proband bei geschlossenen Augen zunächst einen Reiz getrennt auf beiden Seiten und danach zeitgleich auf beiden Seiten erkennen muss. Hier überprüft der Untersucher die taktile Auslöschung mittels eines Berührungsreizes an den Armen.
Hirnnerven
Der Mensch besitzt zwölf Hirnnerven-Paare. Mehrheitlich entspringen sie in sogenannten Hirnnervenkernen im Gehirn und versorgen die Kopf- und Halsgegend. Jeder Hirnnerv erfüllt ganz bestimmte Aufgaben und kann deshalb mit Funktionstests überprüft werden. Einige Hirnnerven werden bei der neurologischen Untersuchung routinemäßig getestet.
- Nervus olfactorius (I): Hier wird ein Alkoholtupfer verwendet. Untersuchung des Geruchssinns.
- Nervus opticus (II): Sehtafel zur Untersuchung der Sehschärfe (Visus). Untersuchung des Gesichtsfelds. Der Proband wird gebeten, ein Auge zu bedecken und auf die Nase des Untersuchers zu blicken. Der Untersucher bewegt dann seine Finger im oberen oder unteren Gesichtsfeld.
- Nervus oculomotorius (III), Nervus trochlearis (IV) und Nervus abducens (VI): Untersuchung der äußeren Augenmuskeln (Blickfolgeversuch). Der Proband wird gebeten, den Kopf ruhig zu halten und dem Finger des Untersuchers nur mit den Augen zu folgen.
- Nervus trigeminus (V): Untersuchung der Sensibilität des Gesichts. Es ist wichtig, die Empfindung bei leichter Berührung für jeden Ast des Hirnnervs V zu testen, einschließlich der Stirn (V1), der Oberkieferregion (V2) und der Unterkieferregion (V3).
- Nervus facialis (VII): Untersuchung der mimischen Muskulatur. Der Proband wird aufgefordert, seine Wangen aufzublasen, um die Stärke der Gesichtsmuskeln zu demonstrieren. Andere Aufgaben können sein: Augenbrauen hochziehen, Augen fest zusammenkneifen, lächeln.
- Nervus vestibulocochlearis (VIII): Untersuchung des Hörens. Beim Weber-Test wird dem Probanden eine vibrierende Stimmgabel auf die Stirn (Mittellinie) gesetzt. Eine Schallleitungsstörung würde dazu führen, dass der Proband ein lauteres Geräusch auf der betroffenen Seite wahrnimmt. Bei Schallempfindungsstörungen wäre der Ton auf der betroffenen Seite leiser. Dix-Hallpike-Manöver: Anwendung sowohl diagnostisch als auch therapeutisch beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS). Der Proband sitzt auf einem Untersuchungstisch und nimmt schnell eine Rückenlage ein, während der Untersucher seinen Kopf (rechts oder links) in einem 20°-Winkel unter der Bettkante abstützt. Die Position wird für 30 Sekunden gehalten. Bei Personen mit BPPV treten Schwindelsymptome mit oder ohne Nystagmus auf.
- Nervus glossopharyngeus (IX) und Nervus vagus (X): Untersuchung des weichen Gaumens und der Uvula. Es ist wichtig, die Symmetrie des weichen Gaumens zu beurteilen. Die Uvula sollte in der Mittellinie liegen. Heiserkeit oder ein gestörter Hustenreflex weisen auf eine Schädigung des N.
- Nervus accessorius (XI): Untersuchung der Funktion des M. sternocleidomastoideus. Lassen Sie die Person für diesen Test den Kopf gegen Widerstand drehen.
- Nervus hypoglossus (XII): Untersuchung der Zungenbewegung. Lassen Sie die Testperson für diesen Test die Zunge herausstrecken und bewegen Sie sie von einer Seite zur anderen. Alternativ: Bitten Sie den Patienten, mit der Zunge von innen gegen die rechte bzw. linke Wange zu drücken und Beurteilen Sie durch Gegendrücken die Kraft. Bei Läsionen des N. XII weicht die Zunge zur erkrankten Seite hin ab.
Pupillenreaktion
Von Bedeutung ist auch die Kontrolle der Pupillenreaktionen auf Licht und Naheinstellung. Normalerweise sind beide Pupillen gleich weit (isokor, in der Regel mittelweit) und reagieren prompt auf Licht. Dies prüft der Arzt anhand der direkten und konsensuellen Lichtreaktion: Bei einseitiger Beleuchtung eines Auges mithilfe einer geeigneten Taschenlampe, etwa einer Pupillenleuchte, verengt sich beim Gesunden sowohl die Pupille des beleuchteten (direkte Lichtreaktion) als auch des nicht beleuchteten Auges (konsensuelle Lichtreaktion). Es werden beide Augen untersucht. Bei der Konvergenzreaktion prüft der Arzt die Mitbewegung (Verengung) der Pupille bei Naheinstellung der Augen. Zunächst schaut der Patient in die Ferne; die Pupillen sind weitgestellt. Dann führt der Arzt ihm einen Zeigefinger oder Text im Nahbereich vor die Augen und bittet den Patienten, den Finger oder Text mit den Augen zu fixieren. Dabei wenden sie sich einwärts (Konvergenz), und die Pupillen verengen sich. Dies prüft der Arzt wiederum auf beiden Seiten.
Störungen der Pupillen können sich in verschiedenen Kombinationen ausgefallener und erhaltener Reaktionen zeigen. Der Neurologe beurteilt sie in ihrer Gesamtheit und kann so Rückschlüsse auf mögliche Schädigungen ziehen.
Vegetative Funktionen
Um die Grundfunktionen des vegetativen Nervensystems zu prüfen, beobachtet der Arzt zum Beispiel die Atmung seines Patienten. Außerdem fragt er ihn, ob ihm beim Wasserlassen und Stuhlgang Besonderheiten aufgefallen sind. Darüber hinaus misst der Arzt Puls und Blutdruck und begutachtet die Temperatur und Feuchtigkeit der Haut.
Psyche
Deshalb erhebt der Arzt bei der klinisch-neurologischen Untersuchung auch immer einen psychischen Befund. Dazu prüft er die Bewusstseinslage seines Patienten, also ob er wach, schläfrig, aber reaktionsfähig auf Aufforderungen oder Schmerzreize, oder gar nicht kommunikationsfähig ist. Bei Anhaltspunkten auf mögliche psychische Veränderungen beurteilt der Arzt außerdem im Gespräch und mit Hilfe von Tests, wie gut der Patient sich orientieren und konzentrieren kann, wie es um seine Merkfähigkeit bestellt ist und in welcher Grundstimmung er sich befindet.
Bewusstseinslage
- Quantitative Beurteilung: Glasgow Coma Scale (GCS) oder FOUR-Score.
- Qualitative Beurteilung: Orientierung (Zeit, Ort, Situation, Person).
Technische Diagnosemaßnahmen
Je nach Fragestellung kommen vertiefende neurologische Untersuchungen, technische Diagnosemaßnahmen wie Blutanalysen, elektrophysiologische Tests und bildgebende Verfahren in Betracht. Manchmal ist die Entnahme von Nervenwasser (Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt) durch eine Lumbalpunktion oder eine Gewebeprobe (Biopsie) notwendig.
Elektrophysiologische Tests
- EEG (Elektroenzephalografie): Messung der Hirnströme.
- EMG (Elektromyografie): Messung der Muskelaktivität.
- ENG (Elektroneurografie): Messung der Nervenleitung.
- Messung evozierter Potentiale: Untersuchung der Nervenbahnen durch Sinnesreize ausgelöste Hirnstromaktivität.
- Sensibel evozierte Potentiale: Untersuchung der Leitung im sensiblen System.
- Visuell evozierte Potentiale: Messung der Hirnstromaktivität über der Sehrinde beim Anblick eines Bildes.
- Magnetstimulation: Stimulation motorischer Nervenzellen mit einer Magnetspule.
- Akustisch evozierte Potentiale: Untersuchung der Nervenbahn vom Innenohr über den Hörnerven bis zu den für das Hören zuständigen Gehirnzentren.
- Ultraschalldiagnostik von Nerven (Nervensonographie): Sichtbarmachung von Nervenverletzungen, Nerventumoren oder Einklemmungen von Nerven.
- Doppler-Sonographie: Messung von Blutflussgeschwindigkeiten zur Beurteilung von Gefäßverengungen.
- Duplex-Sonographie: Direkte Darstellung von Blutgefäßen und farbkodierte Darstellung des Blutflusses.
Lumbalpunktion
Eine Lumbalpunktion ist die Entnahme von Nervenwasser aus dem Wirbelsäulenkanal in Höhe der Lendenwirbelsäule. Das entnommene Nervenwasser kann nun auf seine Bestandteile, insbesondere Zellen und Eiweiße untersucht werden. Diese Untersuchung ist geeignet, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, wie z.B.
Psychometrische Testverfahren
Hilfreich bei der Diagnosestellung und zur Überprüfung des Verlaufs einer Demenz sind neben der Krankengeschichte zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie der MMSE (Mini-Mental State Examination), der Uhrentest oder der DemTect.
Neurologische Untersuchung bei speziellen Leitsymptomen
Rückenschmerz
- Inspektion im Bereich der Schmerzen (Rötung? Schwellung? Druckschmerz?)
- Exakte und differenzierte Prüfung der peripheren Motorik (bei HWS-Schmerzen aller Extremitäten, bei LWS-Schmerzen der unteren Extremitäten im Seitenvergleich)
- Sensibilitätsprüfung mittels gleichzeitigen Bestreichens in etwa der sensiblen Dermatome (CAVE: sensibler Querschnitt oder Reithosenanästhesie)
- Prüfung der peripheren Reflexe (insb. Patella- und Achillessehnenreflex) im Seitenvergleich
Kopfschmerz
- Allgemeine neurologische Untersuchung (s. oben) je nach begleitenden Symptomen, zumindest jedoch:
- Prüfung Meningismus
- Untersuchung Hirnnerven
Bewusstseinsstörung
- Allgemeine neurologische Untersuchung (s.o.), soweit es die jeweilige Vigilanz erlaubt
- Quantifizierung der Bewusstseinsstörung (GCS, ggf. FOUR-Score)
- Prüfung Meningismus (im Koma meist nicht mehr vorhanden, sonst Hinweis z.B. auf SAB/Meningitis)
- Pupillen (Weite, Seitendifferenzierung, Reaktion auf Lichtreiz) und Bulbi (Stellung? Herdblick?)
- Periphere Sensomotorik bei Schmerzreiz (Seitendifferenz?)
- Babinski-Reflex als Hinweis auf strukturelle Läsion der Pyramidenbahn
Schwindel
- HINTS-Test: Head Impulse, Nystagmus, Test of Skew
- Kopfimpulstest (“Halmagyi”): Kopf ruckartig nach links und rechts drehen: Pat. soll Untersucher:in fixieren. Nicht immer vorhersehbar für Patient:in machen. Ca 20° zur Seite, dann rasch zur Mitte, zwischen langsam und schnell und Seiten wechseln.
- „Normalbefund“: Automatisches, rasches Fixieren der Untersucher:in. Bei Schwindel: Hinweis auf zentrale (!) Genese (z.B. Kleinhirninfarkt)
- „Pathologischer“ Befund: Augen drehen mit Kopfbewegung mit, Pat. muss aktiv nach-justieren/zeigt Sakkaden. Bei Schwindel: Hinweis auf peripher-vestibuläre Genese (z.B. Neuritis vestibularis)
- Nystagmus: Spontaner Nystagmus? Fingerfolgen (horizontale und vertikale Bewegung bis an Rand des Blickfeldes)
- Einseitiger, horizontaler (spontaner) Nystagmus: Hinweis auf periphere Genese (z.B. Neuritis vestibularis)
- Richtungswechselnder und/oder vertikaler Spontan-Nystagmus: Hinweis auf zentrale Genese (z.B. Kleinhirninfarkt)
- Test of Skew (Test auf Bulbusdeviation): Alternierendes Abdecken eines Auge, Pat. sieht gerade aus
- Vertikaler Positionswechsel der Bulbi (ein Auge blickt etwas mehr nach oben/unten): V.a. zentrale Genese (z.B. Kleinhirninfarkt)
- Kopfimpulstest (“Halmagyi”): Kopf ruckartig nach links und rechts drehen: Pat. soll Untersucher:in fixieren. Nicht immer vorhersehbar für Patient:in machen. Ca 20° zur Seite, dann rasch zur Mitte, zwischen langsam und schnell und Seiten wechseln.
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