Reisen mit Demenz: Was Sie beachten sollten

Jeder Mensch benötigt Erholung, insbesondere pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, die einer hohen Belastung ausgesetzt sind. Urlaub und Demenz müssen sich nicht ausschließen. Es gilt, die Reiseplanung an die Bedürfnisse des Betroffenen anzupassen und neue Möglichkeiten zu entdecken.

Urlaub ohne Koffer: Eine Alternative für Menschen mit Demenz

Nicht jeder Urlaub muss eine weite Reise bedeuten. Für Menschen mit Demenz kann eine fremde Umgebung mehr Stress als Erholung bedeuten. "Urlaub ohne Koffer" bietet eine gute Alternative: Tagsüber finden gemeinsame Ausflüge und Aktivitäten statt, während die Nächte in der vertrauten Umgebung der eigenen Wohnung verbracht werden. Diese Angebote werden oft von Kirchengemeinden oder sozialen Anbietern organisiert. Seniorenberatungsstellen können hierzu Auskunft geben.

Tipps für Angehörige: Wie Reisen trotz Demenz möglich ist

Ein gemeinsamer Urlaub kann positive Effekte haben und neue Erinnerungen schaffen. Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Betroffenen zu kennen und die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen.

Frühzeitige Planung und Vorbereitung

Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung und Vorbereitung des Urlaubs. Passen Sie die Rahmenbedingungen an die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen an, z. B. An- und Abreisemöglichkeiten, Verpflegung, Freizeitangebote, Barrierefreiheit und Umfang der Betreuung vor Ort.

Wahl des Urlaubsziels und der Reiseart

Berücksichtigen Sie bei der Auswahl des Urlaubsziels und der Reiseart die Belastbarkeit des Demenzkranken. Bisherige Urlaube und persönliche Vorlieben können als Orientierung dienen. Vermeiden Sie Rundreisen und aufwändige Sightseeing-Touren, da diese zu Reizüberflutung führen können. Ein Urlaub an einem vertrauten Ort, z. B. in einer Ferienwohnung, kann von Vorteil sein. Achten Sie auf eine nicht zu lange Anreise.

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Strukturierte Abläufe und vertraute Gegenstände

Ein strukturierter Tagesablauf ist für Demenzkranke wichtig und sollte auch im Urlaub beibehalten werden. Gewohnte Abläufe wie Mahlzeiten, Duschen, Anziehen und Schlafenszeiten sollten eingehalten werden. Persönliche Gegenstände wie Familienfotos oder die Lieblingstasse können in fremder Umgebung für Vertrautheit sorgen.

Tagesausflüge als Alternative

Um Übernachtungen in einer fremden Umgebung zu vermeiden, eignen sich Tagesausflüge, z. B. in frühere Wohn- oder Urlaubsgegenden. Dies vereinfacht die Organisation erheblich und kann als Vorbereitung auf einen gemeinsamen Urlaub dienen.

Spezielle Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen

Es gibt spezielle Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Während der Betroffene von geschultem Fachpersonal betreut wird, kann der Angehörige Zeit für sich nutzen. In fortgeschrittenen Demenzstadien kann eine Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung in Betracht gezogen werden. Alternativ kann die Verhinderungspflege genutzt werden, bei der der Betroffene zu Hause von Angehörigen, Bekannten oder professionellen Pflegekräften betreut wird.

Die Perspektive der Experten

Bartschinski betont, dass die Erkrankung nicht das ganze Leben dominieren sollte. Wer vor der Diagnose gerne verreist ist, sollte es weiterhin tun, besonders im frühen Stadium. Angehörige berichten, dass der Alltag auf Reisen besser klappt als erwartet, da das Selbstwertgefühl des Betroffenen steigt. Ferien geben Zeit, miteinander zu sprechen und sich neu zu entdecken.

Worauf Sie achten sollten

  • Ortswahl: Im frühen Stadium sind Orte günstig, die der Erkrankte von früher kennt. In fortgeschrittenerem Stadium ist eine einfache Anfahrt und überschaubare Urlaubsdauer wichtig.
  • Unterkunft: Menschenmassen und riesige Ferienanlagen bringen viel Unruhe. Kleine, klar strukturierte Anlagen und übersichtliche Ferienhäuser erleichtern die Orientierung.
  • Kommunikation: Demenzkranke suchen auch andere Kommunikationswege.
  • Reiseveranstalter: Bislang gibt es keine spezialisierten Reiseveranstalter oder Kataloge. Lokale Alzheimer-Gesellschaften und Behindertenverbände können weiterhelfen. Manche Kurhäuser oder Pensionen bieten spezielle Ferienwochen für Demenzkranke und ihre Angehörigen an.
  • Probleme am Reiseziel: Bei Orientierungsproblemen kann sich der Erkrankte im Hotel verlaufen. Es ist wichtig, dass die Person immer zu identifizieren ist und die Hoteladresse oder Telefonnummer eines Helfers bei sich hat. Die Handy-Ortung kann hilfreich sein.
  • Umgang mit Unverständnis: Im Restaurant verhalten sich Demenzkranke manchmal ungewöhnlich. Ein Schildchen mit der Aufschrift "Mein Partner ist an Demenz erkrankt, wir bitten um Verständnis" kann helfen.
  • Zimmermarkierung: Die Zimmertüre sollte mit einem bunten Schild oder einem persönlichen Gegenstand markiert werden. Das Personal sollte informiert werden, dass der Gast demenzkrank ist.
  • Betreute Urlaubsangebote: Es gibt Ansätze für Angebote zum betreuten Urlaub für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, zum Beispiel von der Alzheimer-Gesellschaft.
  • Reisen mit anderen Betroffenen: Alzheimer-Patienten kommen miteinander meist gut zurecht. Bei Patienten mit frontotemporaler Demenz ist die Persönlichkeit stark verändert, daher muss jemand dabei sein, der bei Bedarf schlichtend eingreifen kann.

Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen

Menschen mit Demenz sind so verschieden wie Menschen ohne Demenz. Bei Urlaubsreisen muss man genau auf den Menschen achten. Ideal ist, womit sich die Reisenden identifizieren können.

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Spezielle Hotels und Reisen für Menschen mit Demenz

Es gibt spezielle Hotels für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, aber nicht viele. Die Seniorenerholung des Caritasverbandes Frankfurt organisiert solche Reisen. Pflegende Angehörige sind hoch belastet und brauchen Urlaub. Diese Reisen bieten die Möglichkeit, sich zu erholen, während die Demenzkranken einen Teil des Tages in Gruppen betreut werden.

Finanzierungsmöglichkeiten

Teile der Betreuung und Pflege für die Demenzkranken können von den Pflegekassen refinanziert werden. Dazu muss die entsprechende Kasse befragt werden.

Flugreisen mit Demenz: Eine besondere Herausforderung

Flugreisen mit Demenz können problematisch sein, da Fluggesellschaften bestimmte Anforderungen an die Selbstständigkeit der Fluggäste stellen.

Anforderungen der Fluggesellschaften

Die Deutsche Lufthansa setzt voraus, dass Fluggäste mit geistiger Beeinträchtigung ohne Begleitperson in der Lage sind, sich selbst im Notfall zu evakuieren, mit den Flugbegleitern zu kommunizieren und deren Sicherheitsanweisungen zu verstehen und zu befolgen. Zudem müssen sie die Bord-Toiletten ohne Hilfestellung aufsuchen und nutzen können, selbst laufen und Medikamente selbst einnehmen oder sich verabreichen können.

Mögliche Probleme während des Fluges

Je nach Fortschritt der Demenz können unberechenbare und gefährliche Situationen während des Fluges entstehen, denen die Begleitperson nicht immer gewachsen ist. Tumulte an Bord können den Piloten eventuell zur Notlandung zwingen.

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Der Ambulanzflug als Alternative

Ein Ambulanzflugzeug kann eine vernünftige Alternative zum Linienflug darstellen, da umfassendere Maßnahmen zur medizinisch-pflegerischen Betreuung und zur Sicherheit getroffen werden können. Zudem kann das Ambulanzflugzeug auch auf kleineren Flugplätzen starten und landen, was lange Anfahrten und Aufregung durch Menschenansammlungen vermeidet.

Kosten und Versicherungsschutz

Die Kosten für einen Ambulanzflug sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Ob die Versicherung die Kosten übernimmt, hängt von den Versicherungsbedingungen ab. In den meisten Fällen schließt eine Demenz-Erkrankung den gültigen Abschluss der Versicherung aus.

Die Ambulanzflug-Zentrale

Die Ambulanzflug-Zentrale kann Ambulanzflüge schnell und effizient organisieren und dank ihres Netzwerks bessere Preise für Einzelleistungen herausholen.

Erfahrungen von Angehörigen

Jessica berichtet von ihren Erfahrungen mit einem Flug mit ihrem demenzkranken Schwiegervater. Dank Rollstuhlservice und der Information des Personals verlief der Flug problemlos.

Tipps für Flugreisen mit Demenz

  • Sprechen Sie die Reise mit der Fluglinie und dem behandelnden Arzt ab.
  • Nutzen Sie den Rollstuhlservice, um direkt an Bord gebracht zu werden.
  • Informieren Sie das Personal über die Erkrankung.
  • Seien Sie auf mögliche Verhaltensweisen vorbereitet und bleiben Sie ruhig.

Hidden Disabilities Sunflower® Programm

Eurowings bietet das Hidden Disabilities Sunflower® Programm an, um Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen diskret zu unterstützen. Das Tragen des Sunflower-Symbols zeigt den Mitarbeitern, dass der Reisende möglicherweise mehr Unterstützung oder Zeit benötigt.

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