Die Klangschalen-Therapie erfreut sich wachsender Beliebtheit als alternative und ergänzende Behandlungsmethode bei verschiedenen Beschwerden, insbesondere bei chronischen Schmerzen wie Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der Klangschalen-Therapie, ihre Wirkungsweise und die aktuelle Studienlage bezüglich ihrer Anwendung bei Migräne und anderen Schmerzzuständen.
Einführung in die Klangschalen-Therapie
Die Klangschalen-Therapie ist eine traditionsreiche Methode, bei der Klangschalen auf oder um den Körper platziert und sanft angeschlagen werden. Die erzeugten Vibrationen und Klänge sollen eine entspannende und heilende Wirkung haben. Obwohl die Methode in der modernen Medizin noch relativ neu ist, gewinnt sie zunehmend an Bedeutung.
Grundlagen der Klangschalen-Therapie
Die Klangschalenmassage nach Peter Hess ist eine anerkannte Komplementärmethode. Obertonreiche Klangschalen werden auf bestimmte Körperpartien gestellt und sanft angespielt. Die Schwingungen der Klangschalen breiten sich über die Haut, das Gewebe, die Körperflüssigkeiten und die Organe im gesamten Körper aus. Dies wirkt sich anregend auf die Durchblutung aus und lockert nachhaltig Verspannungen. Die feine Vibration des Klangs ermöglicht eine sehr tiefe Entspannung.
Die Wirkungsweise von Klangschalen
Klangschalen wirken auf verschiedenen Ebenen, um Schmerzen zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern:
- Vibration: Spürbare Schwingungen, die Muskeln und Faszien sanft lockern.
- Klangfrequenz: Beruhigende Töne, die das Nervensystem regulieren.
- Achtsamkeit: Der Moment im Klang holt uns aus "Grübelschleifen" und Spannungszuständen heraus.
Studien zeigen, dass Klangfrequenzen den Parasympathikus aktivieren, die Muskelspannung senken und sogar das Schmerzempfinden modulieren können.
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Studienlage zur Wirksamkeit bei Migräne und Schmerzen
Aktuelle Forschungen zeigen zunehmend, dass die Klangschalen-Therapie positive Auswirkungen auf das körperliche und seelische Wohlbefinden haben kann. Studien haben festgestellt, dass die Vibrationen der Klangschalen das autonome Nervensystem stimulieren und zu einer tieferen Entspannung führen können. Des Weiteren belegen Studien, dass die Klangschalen-Therapie zu einer verbesserten Schmerzwahrnehmung beitragen kann. Die erzeugten Vibrationen und Töne stimulieren die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerz- und Stresshemmern. Einige klinische Studien deuten darauf hin, dass die Anwendung von Klangschalen auch den Blutdruck senken und die Herzfrequenz stabilisieren kann, was indirekt zur Schmerzlinderung beitragen kann.
Spezifische Anwendungsbereiche
- Migräne und Kopfschmerzen: Die Entspannungseffekte, die durch die Klangschalen-Therapie erzielt werden, können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräne und Kopfschmerzen zu verringern.
- Arthritis: Bei Arthritis können die Vibrationen der Klangschalen helfen, Gelenkschmerzen und Steifheit zu reduzieren.
- Fibromyalgie: In einer Studie zeigte sich, dass Patienten mit Fibromyalgie nach einer Klangmassagetherapie eine signifikante Verringerung der Schmerzintensität und eine Verbesserung beim Einschlafen erlebten.
- Neuropathische Schmerzen: Die Klangschalen-Therapie könnte auch bei neuropathischen Schmerzen hilfreich sein.
Weitere Studien und Forschung
Die Wirksamkeit der Klangmassage/-therapie wird erst seit jüngster Zeit wissenschaftlich erforscht. Erste medizinische Pilotstudien, wie die des Berliner Kardiologen Dr. med. Jens Gramann und der Allgemeinmedizinerin Dr. med. Viviane Kolarcyk, bestätigen zudem, dass Klangmassagen bewährte Behandlungskonzepte effektiv ergänzen.
Anwendung der Klangschalen-Therapie
Die Klangschalen werden direkt auf den Körper, insbesondere entlang der Wirbelsäule, aufgelegt. Durch sanftes Anschlagen der Schalen von oben entstehen Vibrationen, die tief in das Gewebe eindringen. Dies kann an verschiedenen Körperstellen wiederholt werden, wobei zum Abschluss der Therapie die Klangschale auf die Füße gelegt wird, um den Effekt zu maximieren.
Ablauf einer Klangtherapie
Die Therapie kann alleine oder in der Gruppe durchgeführt werden. Hauptziele sind Entspannung und Umlenkung der Aufmerksamkeit. Deshalb wird die Musiktherapie auch oft in Kombination mit anderen Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation, Imaginationsübungen wie Traumreisen) eingesetzt. Je nach Beschwerdegrad empfehlen Experten wöchentliche Sitzungen von ca. einer halben bis zwei Stunden.
Selbsthilfe mit Klang
Auch ohne Klangschale kann man den Effekt spüren:
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- Bewusstes Zuhören: Zum Beispiel mit einer geführten Klangmeditation.
- Atmen mit Klang: Langsames Ein- und Ausatmen im Takt der Schwingung.
- Abendrituale mit Klang: Fördern besseren Schlaf und lösen emotionale Spannungen.
Es gibt auch Mini-Onlinekurse, die dabei helfen können, besser mit Klang zu schlafen.
Musiktherapie als ergänzende Behandlung
Ergänzend zur Klangschalen-Therapie kann auch Musiktherapie bei der Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden. Eine aktuelle Studie der Cleveland-Universität in Ohio bestätigt, dass Musiktherapie auch bei Menschen mit der chronischen Bluterkrankung Sichelzellenkrankheit hilft. Die Patienten leiden häufig unter chronischen Schmerzanfällen, die durch Musik unter Kontrolle gebracht werden können.
Wie Musik gegen Schmerzen hilft
Schmerzen sind sehr komplex: Das Erleben von Schmerz entsteht durch mehrere Komponenten (z.B. Stressreaktion des Körpers, negative Gefühle, Muskelanspannung als Reaktion auf den Schmerz). Musik kann einzelne Komponenten positiv beeinflussen und das Schmerzempfinden regulieren. Das ist gerade bei chronischen Schmerzpatienten wichtig: Ihr Sinnessystem ist häufig überreizt und reagiert überempfindlich. Im Gehirn werden durch das Hören von entspannender Musik schmerzlindernde Nervenbotenstoffe aktiviert und ausgeschüttet. Schmerzfilter im Hirnstamm und im Rückenmark können durch Musik aktiviert werden. Auch Stressreaktionen durch den Schmerz können reduziert werden. Muskelanspannungen kann entgegengewirkt werden. Musik kann ablenken und die Aufmerksamkeit vom Schmerz weglenken. Die Schmerzempfindlichkeit kann gesenkt werden.
Welche Musikrichtung hilft?
Eine generelle Festlegung zur Musikart gibt es in der Musiktherapie nicht. Menschen bringen Musik mit unterschiedlichen Erinnerungen und Empfindungen in Verbindung. Der Patient kann bei der Auswahl aktiv mitentscheiden: Ob Pop, Schlager oder Klassik, jede Musikrichtung kann auf den Einzelnen einen entspannenden, aufmunternden oder aktivierenden Effekt haben. In der Regel werden zur Entspannung oft ruhige Musikstücke z.B. aus dem klassischen Bereich, aber auch Klangschalen-Musik genutzt. Im Internet findet man auch Playlisten mit sogenannten Binauralen Beats.
Wichtige Hinweise und Fazit
Es ist wichtig zu betonen, dass die Klangschalen-Therapie als eine unterstützende Behandlungsform angesehen werden sollte und nicht als alleiniges Heilmittel für chronische Schmerzen. Die Klangmassage ist ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsprävention und -förderung. Sie ersetzt aber nicht den erforderlichen Besuch beim Arzt oder Therapeuten.
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Die Klangschalen-Therapie ist allgemein sicher, aber es ist ratsam, sich vor der Anwendung bei bestehenden medizinischen Bedingungen fachlich beraten zu lassen.
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