Die Rolle von Folat und Vitamin B12 bei Alzheimer: Wirkung und Prävention

Alzheimer-Demenz stellt eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, rückt die Prävention immer stärker in den Fokus. Die orthomolekulare Medizin, die sich auf die gezielte Zufuhr von Mikronährstoffen konzentriert, bietet hier vielversprechende Ansätze, um die Gehirngesundheit zu unterstützen und das Risiko für Demenz zu senken. Insbesondere Folat (Vitamin B9) und Vitamin B12 spielen eine wichtige Rolle.

Vitamin B12 und die Entstehung von Alzheimer

Ein Mangel an Vitamin B12 könnte die Entstehung von Alzheimer begünstigen. Studien deuten darauf hin, dass ein B12-Mangel die Ansammlung von Beta-Amyloid im Gehirn fördert. Beta-Amyloid ist ein Eiweißstoff, der sich bei Alzheimer-Patienten zu Plaques zusammenlagert und Nervenzellen schädigen kann.

Wie Vitamin B12 wirkt

  • Plaquebildung: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Plaquebildung im Gehirn fördern. Experimente mit Zellkulturen haben gezeigt, dass sich die Fettzusammensetzung der Zellmembran verändert, wenn nicht ausreichend Vitamin B12 vorhanden ist. Dies fördert die Bildung von schädlichem Beta-Amyloid.
  • Oxidativer Stress: Vitamin B12 wirkt positiv auf die Entgiftung der Zelle von freien Radikalen und oxidativem Stress. Freie Radikale können die schützenden Plasmalogene in der Zellwand angreifen und so die Ansammlung von Beta-Amyloid weiter ankurbeln.
  • Plasmalogen-Spiegel: Studien haben gezeigt, dass bei einem Mangel an Vitamin B12 der Plasmalogen-Spiegel in der Zellmembran abnimmt. Plasmalogene sind spezielle Fette der Zellwand, die verhindern, dass zu viel Beta-Amyloid entsteht.

Ursachen für Vitamin B12-Mangel

Ein Vitamin-B12-Mangel ist auch in westlichen Ländern verbreitet. Besonders häufig betroffen sind:

  • Personen über 60 Jahre, deren Darm Vitamine nicht mehr so gut aufnehmen kann
  • Menschen mit chronischen Magen- oder Darmentzündungen
  • Typ-2-Diabetiker, die Diabetesmedikamente einnehmen
  • Menschen, die Protonenpumpenhemmer gegen zu viel Magensäure einnehmen
  • Personen, die regelmäßig Alkohol konsumieren
  • Menschen mit einem Mangel des Proteins Intrinsic Factors, das für die Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darm zuständig ist
  • Menschen, die vegetarisch oder vegan leben

Da für den Menschen verwertbares Vitamin B12 hauptsächlich in tierischer Nahrung vorkommt, haben auch Veganer und in geringerem Maße Vegetarier ein höheres Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel. Insbesondere vegan lebende Menschen sollten den Mangel durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen.

Auswirkungen eines Vitamin B12-Mangels

Vitamin B12 ist an einer Vielzahl wichtiger Stoffwechselprozesse beteiligt, die unter anderem zur Blutbildung und Zellteilung, aber auch zur Funktion der Nerven beitragen. Ein Vitamin B12-Mangel kann sich schon früh bemerkbar machen. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Schwäche, Blutarmut und Nervenstörungen. Zudem weisen Studien auf einen Zusammenhang von niedrigem B12-Spiegel und Depressionen hin. Ein unbehandelter B₁₂-Mangel kann demenzähnliche Symptome hervorrufen.

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Folat und seine Bedeutung für das Gehirn

Folat (Vitamin B9) ist ein weiteres wichtiges B-Vitamin, das eine entscheidende Rolle für die Gehirngesundheit spielt. Es ist an der DNA-Reparatur, der Bildung von Neurotransmittern und dem Homocystein-Stoffwechsel beteiligt.

Folat und Homocystein

Folat, zusammen mit Vitamin B6 und B12, wandelt das Zellgift Homocystein in Methionin bzw. Cystein um. Ein Überschuss an Homocystein wirkt gefäßschädigend und neurotoxisch und wird bei Alzheimer-Patienten häufig gefunden. Studien haben gezeigt, dass Personen mit hohem Homocystein ein doppelt so hohes Risiko haben, an Demenz zu erkranken.

Studienlage zu Folat und Demenz

Die VITACOG-Studie in Oxford zeigte, dass ältere Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen, die hochdosiert B6, B12 und Folsäure erhielten, eine um 30% langsamere Hirnschrumpfung (Hippocampusregion) aufwiesen als die Placebogruppe. Die kognitiven Fähigkeiten blieben stabiler. Der Effekt war am größten, wenn gleichzeitig genügend Omega-3-Fettsäuren im Blut vorhanden waren.

Empfehlungen zur Folat-Einnahme

Im Rahmen der Demenzprävention wird empfohlen, bei Erwachsenen (insbesondere ab 50+) den Homocysteinwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht (>10-12 µmol/L), sollte nach Rücksprache mit dem Arzt eine B-Vitamin-Supplementierung erfolgen, typischerweise: Folsäure 400-800 µg, B₆ ca. 20 mg, B₁₂ ca. 500-1000 µg täglich.

Weitere Mikronährstoffe für die Demenzprävention

Neben Folat und Vitamin B12 gibt es weitere Mikronährstoffe, die eine wichtige Rolle bei der Demenzprävention spielen:

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  • Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende Fette, die essentiell für Hirnmembranen und Synapsen sind.
  • Vitamin D: Wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn.
  • Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im Gehirn.
  • Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
  • Zink & Selen: Essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen.
  • Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen.
  • Lithium (Spurenelement): Könnte das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen.

Orthomolekulare Medizin als Präventionsansatz

Die orthomolekulare Medizin setzt auf eine umfassende Versorgung mit Mikronährstoffen, um die Gehirngesundheit zu unterstützen und das Risiko für Demenz zu senken. Sie kombiniert wissenschaftliche Evidenz mit einem ganzheitlichen Therapieverständnis, um durch Ernährung, Supplemente und Lebensstiländerungen die bestmögliche Gehirngesundheit zu erreichen.

Angriffspunkte für Mikronährstoffe

Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen der Krankheitsentwicklung von Alzheimer ansetzen:

  • Antioxidativer Schutz: Neutralisierung freier Radikale und Schutz der Zellen.
  • Entzündungshemmung: Reduzierung chronischer Neuroinflammation.
  • Homocystein-Senkung: Normalisierung des Homocysteinspiegels durch B-Vitamine.
  • Verbesserung des Energiehaushalts: Unterstützung des Energiestoffwechsels der Zellen.
  • Unterstützung von Neurotransmittern und Synapsen: Optimale Versorgung mit neuralen Bausteinen.
  • Förderung der Amyloid-Clearance: Unterstützung der Entsorgung von Amyloid-Proteinen.

Ernährungsempfehlungen zur Demenzprävention

Eine mediterran orientierte Kost mit Fisch, pflanzlichen Ölen, Gemüse und Obst (mit niedrigem glykämischen Index wie grünes Gemüse und Beeren), ein moderater Weinkonsum sowie ein möglichst geringer Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln wird empfohlen.

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