Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist, insbesondere in der Substantia nigra, einem Bereich, der für die Bewegungssteuerung wichtig ist. Diese Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Übertragung von Signalen zwischen Nervenzellen und Muskeln unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen von Parkinson, wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.
Was ist Morbus Parkinson?
Parkinson zählt zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen es zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen kommt. Nach Alzheimer ist Morbus Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Krankheit. In Deutschland sind schätzungsweise 400.000 Menschen betroffen. Die meisten Betroffenen sind bei Eintritt der Krankheit mindestens 60 Jahre alt, wobei etwa zehn Prozent bereits vor dem 50. Lebensjahr erkranken.
Ursachen von Parkinson
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen können:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom: Hier lässt sich keine spezifische Ursache für die Erkrankung finden.
- Symptomatisches Parkinson-Syndrom: Bestimmte Medikamente, Umweltgifte oder Erkrankungen wie Gehirnverletzungen oder -tumore können Parkinson auslösen.
- Hereditäres Parkinson-Syndrom: In manchen Fällen wird Parkinson vererbt.
- Sporadische Parkinson-Krankheit: Eine Lewy-Körperchen-Demenz kann zu einem Parkinson-Syndrom führen.
- Atypisches Parkinson-Syndrom: Parkinson entsteht durch eine andere neurodegenerative Erkrankung als die Lewy-Körperchen-Demenz.
Parkinson bei Frauen
Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen an Parkinson. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die in der Regel mit anfallsartigen Kopfschmerzen verbunden ist und mehr Frauen als Männer betrifft. Dennoch ist es wichtig, die spezifischen Symptome und Besonderheiten von Parkinson bei Frauen zu berücksichtigen.
Symptome von Morbus Parkinson
Die Symptome von Parkinson können individuell variieren und sich im Laufe der Zeit verändern. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Betroffenen alle Symptome entwickeln und dass die Ausprägung der Symptome unterschiedlich sein kann.
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Hauptsymptome
Die vier Hauptsymptome von Parkinson sind:
- Bewegungsarmut (Bradykinese): Verlangsamte Bewegungen und Schwierigkeiten bei der Steuerung von Bewegungen. Leichte Alltagsdinge wie ein Hemd zuknöpfen, eine Geldmünze aufnehmen, aus dem Stuhl aufstehen oder auf dem Computer tippen fallen ihnen schwer. Mit der Zeit werden ihre Schritte immer schneller und kürzer; der Gang schlurfend. Mitunter entsteht eine Bewegungsblockade: Der Körper „friert ein“ (Freezing). Die Bewegungen von Rumpf, Armen, Beinen und der Gesichtsmuskulatur sind verlangsamt (Bradykinese). Dies bewirkt Veränderungen der Körperhaltung, des Gangs, der Mimik, Sprache und Feinmotorik - wobei zunächst nur eine Körperhälfte betroffen ist. Es kommt zu zeitlichen Verzögerungen, wenn Patientinnen und Patienten ihren Arm oder ein Bein bewegen möchten. Auch Gangstörungen kommen hinzu. Dabei ziehen Betroffene beispielsweise ein Bein nach oder haben einen kleinschrittigeren Gang.
- Zittern (Tremor): Typischerweise ein Ruhezittern, das sich bei gezielten Bewegungen bessert. Der Ruhetremor tritt zuerst einseitig an den Händen auf, später beidseitig. Zudem können Lippen, Kiefer und Beine betroffen sein. Das Händezittern wird auch als „Pillendrehen“ bezeichnet, da der Daumen und die Finger aneinander reiben, als würden sie eine Kugel bewegen. Aufregung, Angst oder Stress können den Tremor verschlimmern. In der Regel zittern bei Betroffenen die Finger, Hände oder Arme, während sie im Ruhezustand sind. Durch die Störung der Reflexe, die für ein Ausbalancieren des Körpers während einer Bewegung sorgen, entstehen Gleichgewichtsstörungen. Unvorhergesehene Bewegungen können somit nicht mehr ausgeglichen werden. Das langsame rhythmische Zittern ist wohl das bekannteste Parkinson-Syndrom, doch nicht alle Patientinnen und Patienten weisen es auf. Oft setzt es zunächst nur einseitig und im Ruhezustand ein. Das Muskelzittern betrifft zunächst oft nur die Hände. Sind diese leer, beginnen viele Patientinnen und Patienten mit den Fingern zu reiben. Das erinnert an das Zählen von Münzen oder dem Pillendrehen ähnelt (Pillendreher-Phänomen / Pillendreher-Tremor). Später kann sich der Tremor z. B. auch auf den Kopf, Kiefer, Rumpf, die Arme oder die Füße ausdehnen.
- Muskelsteifigkeit (Rigor): Erhöhte Muskelspannung, die zu Steifheit und Bewegungseinschränkungen führt. Muskeln unterliegen einem Wechselspiel zwischen Anspannen und Entspannen. Bei Menschen mit Parkinson entspannen sich die Muskeln nicht mehr wie gewohnt und werden steif. Bemerkbar macht sich das zum Beispiel, indem die Arme beim Gehen nicht mehr mitschwingen oder durch eine gebückte Körperhaltung. Das Zahnradphänomen ermöglicht als typisches Parkinson-Anzeichen eine Methode, um einen Rigor im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen. Hierbei versuchen Ärztinnen und Ärzte den Arm der Patientinnen und Patienten zu bewegen, zum Beispiel an Ellenbogen oder Handgelenk. Durch den Rigor ist dies nur ruckartig und in kleinen Abständen möglich, als könnte die Bewegung jeweils nur bis zum Einrasten des Gelenks in der nächsten Kerbe eines imaginären Zahnrads ausgeführt werden. Denn die Symptome des Rigors werden stärker, wenn eine zweite Person die Gliedmaßen passiv beugt oder streckt, ohne dass die Patientinnen und Patienten selbst diese Bewegung initiieren.
- Körperliche (posturale) Instabilität: Störung der aufrechten Körperhaltung und des Gleichgewichts, was zu Stürzen führen kann. Körperliche (posturale) Instabilität kommt meist im späteren Verlauf als Kennzeichen hinzu: Darunter versteht man eine Störung der aufrechten Körperhaltung durch fehlende Halte- und Stellreflexe. Dem Körper gelingt es nicht mehr gut, die Balance zu halten: Der Gang wird unsicher, plötzliche Bewegungen lassen sich nicht abfangen, die Gefahr für Stürze steigt. Damit erhöht sich auch das Risiko für körperliche Behinderungen. Durch die Störung ist es Betroffenen nicht mehr möglich, plötzliche Bewegungen aufzufangen, um so z.B. in dichtem Gedränge schnell auf Rempler oder Hindernisse reagieren zu können. Dies führt wiederum zu einer Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und einer Sturzneigung. Besonders kritisch, da Parkinson-Patientinnen und Patienten auch an einem erhöhten Osteoporose-Risiko leiden und die Gefahr von Knochenbrüchen so steigt. Die Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) tritt meist erst in späteren Stadien der Erkrankung auf. Schon im Jahre 1817 beschrieb James Parkinson die gebeugte Körperhaltung als ein Kennzeichen des Morbus Parkinson. Für eine stark ausgeprägte Rumpfbeugung wird heute der medizinische Begriff Kamptokormie verwendet (griechisch kamptein = beugen, kormos = Rumpf). Die Beugung des Oberkörpers kann nach vorne, aber auch zu einer Seite hin auftreten - man spricht dann auch vom sogenannten Pisa-Syndrom. Außerdem kann statt einer Beugung des gesamten Oberkörpers auch eine starke Beugung des Nackens auftreten. Diese Form der Beugehaltung wird Anterocollis oder „Dropped head“ genannt. Die Rumpfbeugung erhöht die Sturzgefahr der Betroffenen durch den verschobenen Körperschwerpunkt erheblich. Patientinnen und Patienten mit einer starken Beugung des Nackens verlieren beispielsweise beim einfachen Versuch nach vorne zu blicken häufig das Gleichgewicht, und drohen nach hinten zu stürzen. Starke Beugung im Stand und während des Gehens, in schweren Fällen auch im Sitzen. Im Liegen dagegen verschwindet die Beugung, der Rücken bzw.
Begleitsymptome
Neben den Hauptsymptomen können auch verschiedene Begleitsymptome auftreten:
- Reduzierte Mimik: Das Gesicht wirkt wie eine Maske. Die abnehmende Mimik wird zum vollständigen "Maskengesicht" und es sind kaum noch Regungen zu erkennen.
- Veränderte Handschrift: Sie wird häufig zum Zeilenende hin kleiner.
- Gestörte Augen- und Augenlidbewegungen: Vermindertes Blinzeln.
- Verschwommene Sicht: Probleme, Kontraste wahrzunehmen.
- Probleme mit dem Sprechen: Die Stimme ist leise, die Sprache undeutlich. Sprachstörungen wie etwa eine leisere oder monotone Sprache begleiten das Krankheitsbild von Parkinson.
- Schluckstörung: Unkontrollierter Speichelfluss.
- Gebückte Körperhaltung: Der Rumpf ist im Stehen und Gehen nach vorn geneigt; mitunter auch zur Seite.
- Geistige (kognitive) Einschränkungen: Konzentrationsschwäche. Bereits am Anfang der Parkinson-Krankheit können zudem leichte kognitive Einschränkungen bestehen, also beispielsweise Probleme, sich an Dinge zu erinnern. Im Verlauf können sich diese dann deutlich verschlechtern.
- Depression und Angststörungen: Depressive Verstimmungen werden zu handfesten Depressionen und kleine Veränderungen der Persönlichkeit zu einer manifesten Impulskontrolle, die zu erheblichen Wesensveränderungen führen kann, vor allem zu Aggression und Sturheit.
- Schlafprobleme: Starke Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue). Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung und bei der Mehrzahl der Betroffenen auf. Da es allerdings verschiedene Ursachen für das Auftreten von Schlafstörungen bei Parkinson gibt, ist eine gezielte Behandlung nur nach sorgfältiger Analyse der Symptome und der Begleitumstände möglich. Dieses Problem kann sowohl durch nächtliche Schlafstörungen als auch durch bestimmte Medikamente hervorgerufen werden.
- Probleme mit dem Kreislauf, der Verdauung und der Blasenentleerung. Eine häufige Begleiterscheinung sind Verstopfungen. Man geht davon aus, dass auch die Darmtätigkeit von den steifen Muskeln beeinträchtigt ist. Typisch sind außerdem Probleme mit der Blase, vor allem ein häufiger Harndrang.
- Riechstörungen
- Missempfindungen oder Schmerzen im Nacken, Rücken oder in den Gliedmaßen. Etwa die Hälfte aller Parkinsonpatienten und -patientinnen beschreiben ziehende, brennende, krampfartige, rheumatische oder kribbelnde Schmerzen. Die mitunter schmerzhaften Muskelversteifungen werden oft als rheumatische Beschwerden fehlinterpretiert. In den meisten Fällen manifestieren sich diese in der Schulter-Arm- bzw. in der Becken-Oberschenkel-Region. Die Kraft der Muskeln bleibt dabei voll erhalten. Körpernahe Muskeln (Schultern, Arme, Oberschenkel) sind von der Muskelsteifigkeit meistens stärker betroffen als körperferne Muskelgruppen (z.B.
- Hautveränderungen: Bereiche des Gesichts sehen fettig oder ölig aus („Salbengesicht“).
Frühsymptome
Die ersten Anzeichen von Parkinson können sich Jahre vor den typischen Bewegungsbeschwerden bemerkbar machen. Diese Frühsymptome werden oft nicht als Krankheitszeichen angesehen, sondern dem Altern zugeschrieben. Parkinson beginnt oft schleichend und unscheinbar. Viele dieser Symptome werden häufig zuerst von Angehörigen und Freunden bemerkt und seltener von den Patientinnen und Patienten selbst. Die Betroffenen nehmen im Frühstadium der Erkrankung eher wahr, dass Arme und Beine sich schwerfälliger bewegen lassen. Vielleicht dauert das Aufstehen oder Hinsetzen plötzlich länger als früher. Dadurch wird mehr Zeit für alltägliche Vorgänge wie Waschen, Anziehen, Einkaufen oder Kochen benötigt, was gerade bei älteren Menschen häufig für eine ganz normale Alterserscheinung gehalten wird. Im weiteren Verlauf intensivieren sich die jeweiligen Symptome und neue kommen hinzu, etwa der Ruhe-Tremor. Früher sprachen Ärzte auch von den sogenannten Parkinson-Trias: Akinese, Rigor und Tremor. Symptome im Frühstadium sind hingegen eher unspezifisch und deuten erst in ihrer Häufung und Kombination auf einen beginnenden Parkinson hin. Die folgenden Beispiele sollen dabei helfen, die Symptomatik vor allem im Verhältnis zum Krankheitsverlauf von Früh- bis Endstadium besser zu verstehen. Natürlich können in einigen Fällen genannte Symptome auch gar nicht, früher, später oder mehr bzw. weniger stark ausgeprägt auftreten. Parkinson beginnt meistens mit sehr unspezifischen frühen Anzeichen, die weniger die Motorik betreffen. Typisch sind Störungen des Geruchssinns (Hyposmie / Anosmie), Tagesmüdigkeit, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (Patientinnen und Patienten reden oder schreien im Schlaf, oder treten und schlagen um sich… Die Parkinson-Erkrankung tritt allmählich auf, die Beschwerden sind zu Beginn gewöhnlich gering und drängen sich nicht als Krankheitszeichen auf. Manche Patienten fühlen sich zunächst müde oder abgeschlagen, andere zittrig oder vergesslich. Angehörigen fällt auf, dass die Betroffenen leise sprechen, aus nichtigen Anlässen gereizt oder depressiv reagieren. Viele Patienten ziehen sich zurück, vernachlässigen ihre Hobbys. Die Gesichtszüge verlieren an Ausdruck und die Mimik lässt nach. Die Betroffenen bewegen sich insgesamt wenig, sitzen meist viel, können sich nur noch mühsam aus dem Stuhl erheben (von normaler Sitzhöhe noch besser als aus einem tiefen Sessel). Zu Anfang werden die Symptome häufig ganz allgemein dem Älterwerden zugeschrieben. Die Patienten selbst bemerken, dass es ihnen schwer fällt, Bein oder Arm wie gewünscht oder so rasch wie früher zu bewegen. Sie fühlen sich steif, unsicher und ungewöhnlich langsam. Aufstehen, waschen, ankleiden und essen dauert länger als früher. Als die wichtigsten Frühsymptome gelten:
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Statt zu erschlaffen, spannt sich die Muskulatur während des Traumschlafs (REM-Phase) an. Dadurch kommt es zu unwillkürlichen Bewegungen wie Treten oder Schlagen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Frühanzeichen von Parkinson auch mit anderen Erkrankungen zusammenhängen können.
Diagnose von Morbus Parkinson
Bei Verdacht auf Parkinson ist ein Facharzt für Neurologie die beste Anlaufstelle. Die Diagnose basiert hauptsächlich auf einer gründlichen körperlichen Untersuchung und der Erhebung der Krankengeschichte.
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Körperliche Untersuchung
Der Arzt prüft vor allem das Gangverhalten und die Beweglichkeit. Das Maß der Bewegungsarmut lässt sich ermitteln, indem man zum Beispiel schaut, wie schnell, häufig und in welchem Rhythmus die betreffende Person mit den Fingern klopft oder die Hand nach innen und außen dreht. Aufschluss gibt auch die Art, wie die Arme beim Gehen mitschwingen. Wie steif die Muskeln sind, kann man durch passive Bewegung der Gliedmaßen herausfinden. Dafür lässt man die betreffende Person zum Beispiel Bewegungen mit der gegenüberliegenden Gliedmaße ausführen wie das Öffnen und Schließen einer Faust oder das Werfen eines Balls. Das Zittern lässt sich beurteilen, indem die Patientin oder der Patient die Hände ruhig in den Schoss legt. Ablenkung wie Bewegungen mit der gegenüberliegenden Gliedmaße oder Kopfrechnen bringt ein mildes Zittern häufig zum Vorschein. Manchmal lässt sich ein Ruhetremor auch nur durch die Beobachtung der Hände beim Gehen prüfen. Wie instabil der Körper ist, lässt sich mithilfe eines „Zug-Tests“ prüfen. Dabei zieht der Arzt oder die Ärztin die jeweilige Person kräftig an den Schultern nach hinten.
Bildgebende Diagnostik
Um andere Erkrankungen auszuschließen, die sich ähnlich äußern wie Parkinson, nutzen Ärzte die kraniale Magnetresonanztomografie (cMRT). Damit „durchleuchtet“ man Schritt für Schritt das Gehirn und erstellt Bilder der jeweiligen Gehirnschicht. Unter bestimmten Umständen kann die Ärztin oder der Arzt den Einsatz weiterer Verfahren erwägen, zum Beispiel eine Ultraschall-Untersuchung von Nervenzellgewebe oder bestimmte nuklearmedizinische Untersuchungen wie Positronen-Emissions-Tomografie (PET ) oder SPECT.
L-Dopa-Test
Des Weiteren können Ärztinnen und Ärzte einen L-Dopa-Test durchführen, um die Diagnose zu sichern. L-Dopa ist ein gängiges Parkinson-Medikament. Nimmt man es testweise ein und verbessern sich dadurch die Beschwerden deutlich, bestätigt das den Verdacht.
Genetische Untersuchung
Parkinson kann vererbt sein. Kommt die Erkrankung in der Familie gehäuft vor oder erkrankt die Person recht früh im Leben, liegt der Verdacht sehr nahe. Ärztinnen und Ärzte können auf Wunsch einen Gen-Test anbieten, wenn:
- entweder zwei Verwandte ersten Grades oder ein Verwandter ersten und ein Verwandter zweiten Grades an Parkinson erkrankt sind
- sich die typischen Parkinson-Symptome vor dem 50. Lebensjahr zeigen
Behandlungsmöglichkeiten bei Morbus Parkinson
Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.
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Medikamentöse Behandlung
In der Behandlung von Parkinson kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffen zählen Levodopa (L-Dopa), nicht ergoline Dopamin-Agonisten (Non-Ergot-Dopamin-Agonisten) und Monoaminoxidase-Inhibitoren (MAO-B-Hemmer). Die Parkinson-Medikamente dienen dazu, die Botenstoffe im Gehirn ins Gleichgewicht zu bringen und so die Bewegung zu verbessern. Das lässt sich erreichen, indem man:
- den Mangel am Botenstoff Dopamin ausgleicht oder
- die Wirkung des vorhandenen Dopamins verstärkt
Zunächst verschreiben Ärztinnen und Ärzte ein einzelnes Medikament. Genügt solch eine Monotherapie nicht, um die Symptome ausreichend zu lindern oder lässt sich die Dosis aufgrund von Nebenwirkungen nicht weiter erhöhen, kommt eine Kombinationstherapie mit anderen Wirkstoffen infrage. Um eine gleichmäßige Wirkung der Medikamente zu erzielen, ist der Einsatz eines Pumpensystems möglich. Menschen mit Parkinson benötigen Geduld, bis sie langfristig gut medikamentös eingestellt sind. Zu den wirksamsten Medikamenten bei Parkinson gehört Levodopa. Nimmt der Körper das Medikament in die Nervenzellen auf, kann es Dopamin daraus herstellen. Dopamin-Agonisten sind dem Dopamin chemisch ähnliche Moleküle, die wie der natürliche Botenstoff wirken. Zur Unterstützung von Levodopa und Reduzierung seiner Nebenwirkungen werden COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verwendet.
Nicht medikamentöse Behandlungen
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Sie kommt infrage, wenn Medikamente gar nicht mehr helfen. Hierfür setzt man bei einem Eingriff am Gehirn dauerhaft kleine Elektroden ein. Diese geben elektrische Impulse an Nervenzellen ab, die bestimmte Bewegungen steuern. Vorab sind Nutzen und Risiken eines solchen Hirnschrittmachers zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen.
- Pallidotomie: Bei diesem Eingriff wird die Hirnregion zerstört, die die Bewegungen kontrolliert. Ärzte und Ärztinnen können ihn als Alternative zu Medikamenten erwägen, wenn die THS nicht möglich ist.
- Bewegungstherapie: Physiotherapie, Kraftübungen und sportliches Training tragen dazu bei, die Beweglichkeit, die Balance und den Gang zu verbessern. Als Sportarten geeignet sind zum Beispiel Tai-Chi, Tanz, Radfahren, Schwimmen und Nordic Walking. Wichtig ist, das Training so auszuwählen und auszurichten, dass es zu den persönlichen Bedürfnissen passt. Mittels Physiotherapie werden die Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und die Stabilität des Körpers gefördert.
- Ergotherapie unterstützt dabei, möglichst lange selbstständig den Alltag bewältigen und dem Beruf nachgehen zu können. Zudem lassen sich durch gezielte Übungen die geistigen (kognitiven) Fähigkeiten verbessern. Bei Bedarf kann man in der Ergotherapie den richtigen Umgang mit Hilfsmitteln trainieren. Bei der Ergotherapie üben an Parkinson Erkrankte Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
- Logopädische Maßnahmen: Sie helfen, ein beeinträchtigtes Sprech- und Schluckvermögen zu verbessern. Die Kommunikation über Gesten und Mimik lässt sich ebenfalls fördern. Die Sprechtherapie dient der Verbesserung der Sprechstörung. Dabei werden die Muskeln für die Lautstärke der Stimme, die Atemtechnik und eine klare Aussprache trainiert.
- Psychotherapeutische Betreuung: Wenn die Erkrankung emotional stark belastet, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Sie zeigt etwa Wege auf, wie man lernt, besser mit der Erkrankung umzugehen.
Was hilft Menschen mit Parkinson im Alltag?
Parkinson ist eine Erkrankung, die für immer bleibt. Um bestmöglich mit der Erkrankung zu leben, ist eine enge ärztliche Betreuung und der Austausch mit anderen Menschen wichtig. Neben Gesprächen mit Menschen, die einem nahestehen, hilft es, mit Menschen zu reden, die in einer ähnlichen Situation stecken. Eine gute Anlaufstelle dafür sind Selbsthilfegruppen.
Selbstständigkeit durch Hilfsmittel
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die es ermöglichen, den Alltag selbstständig zu bestreiten. Dazu zählen etwa:
- Gehhilfen: Ein Rollator ermöglicht es, sicherer zu gehen und sich dabei abzustützen.
Verlauf von Morbus Parkinson
Der Verlauf des Parkinson-Syndroms lässt sich in fünf Stadien beschreiben:
- Anfangsstadium (Stadium 0): Noch keine Symptome. Im Anfangsstadium lassen noch keine Symptome darauf hindeuten, dass Parkinson bei einer Person vorliegt, was eine frühzeitige Diagnose dieser Krankheit so schwierig macht.
- Einsetzen der Beschwerden (Stadium 1): Erste Symptome wie Zittern, eine veränderte Mimik und Körperhaltung auf einer Körperseite. Das erste Stadium zeichnet sich dann durch erste Symptome wie Zittern, eine veränderte Mimik und Körperhaltung auf einer Körperseite aus.
- Beidseitige Beschwerden (Stadium 2): Die Parkinson-Erkrankung ist im zweiten Stadium auf beiden Körperhälften sichtbar. Zu den bisherigen Symptomen können Antriebslosigkeit und Sprechstörungen hinzukommen.
- Langsamere Bewegungen (Stadium 3):
- Stark erkennbare Beschwerden (Stadium 4): Das vierte Stadium ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Symptomatik. Zwar können Patientinnen und Patienten in diesem Stadium noch stehen und gehen.
- Hilfs- und Pflegebedürftigkeit (Stadium 5): Im letzten und fünften Stadium sind Parkinsonpatienten und -patientinnen auf vollständige Hilfe oder Pflege angewiesen und können sich zunächst mit Gehhilfen oder einem Rollstuhl fortbewegen.
Freezing
Bei Parkinson-Patientinnen und Patienten sind im Verlauf der Krankheit häufig Beweglichkeit und Gang zunehmend beeinträchtigt - die Schritte werden kleiner, langsamer und die Füße halten beim Gehen länger Bodenkontakt. Das Wort „Freezing“ haben ursprünglich englischsprachige Patientinnen und Patienten benutzt, um ihre Gangstörung zu beschreiben, bei der sie mitten in einer Bewegung „einfrieren“. Im Deutschen sprechen Betroffene häufig vom „Festkleben am Boden“, vom „Trippeln“ und davon, nicht von der Stelle zu kommen. Diese Umschreibungen fassen das zentrale Problem der Gangstörung bei Morbus Parkinson recht genau zusammen. Freezing bezeichnet eine plötzlich auftretende, vorübergehende Störung des Ganges. Insgesamt 60-80% aller Menschen mit Parkinson leiden unter solchen Gangblockierungen. Die Gangstörung kann in sehr unterschiedlichen Situationen auftreten: während Wendebewegungen, beim Losgehen (sogenannte Ampelsituation), in räumlicher Enge (wie in einem Türdurchgang) oder nach längerem Sitzen oder Stehen (wenn beispielsweise das Telefon in einiger Entfernung klingelt). Freezing beeinträchtigt die Selbstständigkeit der Betroffenen stark, reduziert die Lebensqualität und stellt durch die erhöhte Sturzgefahr eine Bedrohung der körperlichen Gesundheit dar. Eine medikamentöse (dopaminerge) Therapie kann das Freezing in OFF-Phasen bei Betroffenen mit idiopathischem Parkinson Syndrom verbessern. Bei sonst guter Beweglichkeit (ON-Freezing) ist die medikamentöse Therapie schwieriger.
Leben mit Parkinson
Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinflussen kann. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuelle Therapie sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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