Migräne bei Frauen: Ursachen, Auslöser und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die bei Frauen deutlich häufiger auftritt als bei Männern. Etwa zwölf bis 14 Prozent aller Frauen in Deutschland leiden unter Migräne, verglichen mit sechs bis acht Prozent der Männer. Diese Differenz deutet auf einen Zusammenhang mit hormonellen Faktoren hin, die im weiblichen Körper eine wichtige Rolle spielen. Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz; sie ist eine unberechenbare, individuelle Erfahrung, die den Alltag massiv beeinträchtigen kann.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich in der Regel durch anfallsartige Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen sind oft von weiteren Symptomen begleitet, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Laut Definition treten Migräneanfälle in unregelmäßigen Abständen auf. Die Schmerzen sind meist einseitig und deutlich stärker als herkömmliche Kopfschmerzen.

Häufigkeit und Auftreten

Die neurologische Krankheit Migräne tritt bei etwa zwölf bis 14 Prozent aller Frauen und sechs bis acht Prozent aller Männer in Deutschland auf. Doch auch vier bis fünf Prozent der Klein- und Schulkinder bis zu Pubertät leiden unter Migräneattacken. Die meisten Frauen erleben ihren ersten Migräneanfall zwischen dem zwölften und 16. Lebensjahr, während Männer ihre erste Migräne zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr bekommen. Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr häufen sich die Migräneattacken und nehmen in ihrer Schwere zu. Ab dem 55. Lebensjahr nehmen sie tendenziell wieder ab.

Laut Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) sind in Deutschland rund 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer von Migräne betroffen. Migräne ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren und hat deutlichere Auswirkungen auf die berufliche Laufbahn von Frauen als auf die von Männern. Keine andere Krankheit ist bei Frauen während der aktiven beruflichen Jahre für mehr verlorene gesunde Lebensjahre verantwortlich. Migräne ist bei Frauen nicht nur häufiger, sondern auch die Anfälle sind schwerer, dauern länger an, die Begleitsymptome sind stärker und sie sprechen weniger gut auf die Therapie an.

Eine aktuelle Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) ergab, dass im Jahr 2022 in Deutschland rund 55 Frauen je 1.000 Einwohnerinnen und 16 Männer je 1.000 Einwohner eine entsprechende Diagnose erhielten. Die Erkrankung tritt in allen Berufsgruppen auf und kommt vor allem im mittleren Alter von 50 bis 59 Jahren vor.

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Formen der Migräne

Es gibt verschiedene Formen von Migräne, die sich in ihren Symptomen und Ausprägungen unterscheiden:

  • Einfache Migräne (Migräne ohne Aura): Diese Form zeichnet sich durch mäßige bis starke, einseitige Kopfschmerzen aus. Patientinnen und Patienten berichten von einem pulsierenden, pochenden oder hämmernden Schmerz, der sich bei körperlicher Aktivität verstärkt. Zudem besteht eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen. Schwindel, das Sehen von Lichtblitzen und eigenartigen Formen können ebenfalls auftreten.
  • Klassische Migräne (Migräne mit Aura): Bei dieser Form kommen zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite hinzu. Meist als Vorbote eines Migräneanfalls können sogenannte Gesichtsfeldausfälle auftreten. Diese äußern sich in Form von Sehstörungen wie Lichtblitzen und werden in der Neurologie als Aura oder Migräneaura bezeichnet. Der halbseitige Kopfschmerz geht mit Rötungen im Gesicht einher und kann durch eine temporäre Störung der Zirkulation in den Blutgefäßen erklärt werden.
  • Komplizierte Migräne (Migraine accompagnée): Diese Form ist gekennzeichnet durch lange neurologische Störungen im Vergleich zur Migräne mit Aura. Die Vorboten können den jeweiligen Migräneanfall auch überdauern. Zu der komplizierten Migräne zählen Unterformen wie die hemiplegische Migräne, die Basilaris-Migräne sowie die ophthalmoplegische Migräne. Die Symptome einer Migraine accompagnée reichen von leichten Lähmungserscheinungen über Gang- und Sehstörungen bis hin zu Sprachverlust oder Sprachstörungen.
  • Migräne der Augen (okuläre Migräne): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht und oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
  • Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
  • Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris-Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
  • Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.
  • Stille Migräne: Hier verspüren Betroffene begleitende Migränesymptome ohne jedoch die eigentliche Migräneattacke.

Symptome der Migräne

Die Symptome einer Migräne können vielfältig sein und variieren je nach Form und Schweregrad der Erkrankung. Typische Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Mäßige bis starke, einseitige Kopfschmerzen, oft pulsierend, pochend oder hämmernd. Die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität.
  • Aura: Neurologische Störungen, die dem Kopfschmerz vorausgehen können, wie Sehstörungen (Lichtblitze, blinde Flecken, Doppelbilder), Schwäche, Schwindel, Taubheit, Kribbeln in Gliedmaßen oder Gangunsicherheit.
  • Vegetative Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit.
  • Sensorische Überempfindlichkeit: Hohe Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen.
  • Weitere Symptome: Rötungen im Gesicht, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Reizbarkeit.

Vor einer Attacke können Betroffene erste Anzeichen einer Migräne verspüren, die wenige Stunden oder schon einen Tag zuvor auftreten. Diese Symptome können Hochstimmungen, das Gefühl, besonders leistungsfähig zu sein, Gereiztheit und depressive Verstimmungen umfassen. Die Aura geht den starken Kopfschmerzen einer Migräne direkt voraus und entwickelt sich in einem Zeitraum von fünf bis zehn Minuten. Dabei dauern die Symptome der Auraphase etwa 15 bis 30 Minuten an.

Ursachen und Auslöser

Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:

  • Hormonelle Veränderungen: Schwankungen des Östrogenspiegels während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Wechseljahre.
  • Stress: Körperlicher oder psychischer Stress.
  • Schlafstörungen: Schlafüberschuss oder Schlafmangel.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol, unregelmäßige Nahrungsaufnahme, Lebensmittelzusätze.
  • Umweltfaktoren: Licht, Geräusche, Gerüche, Wetterveränderungen, Räume, in denen geraucht wird.
  • Weitere Faktoren: Hunger oder Unterzuckerung, starke Emotionen, bestimmte Medikamente.

Bei Migräne handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und ihrer Blutgefäße. Während eines Migräneanfalls funktionieren die schmerzregulierenden Systeme fehlerhaft und machen Betroffene überempfindlich gegenüber Reizen. Zudem haben die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) Einfluss auf den Migränekopfschmerz. Welche Ursachen Anfälle von Migräne auslösen, ist letztendlich abhängig von der jeweiligen Person.

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Die Rolle von Hormonen

Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Besonders zahlreiche und heftige Attacken erleben sie rund um die Regelblutung, aber auch bei Eintritt in die Wechseljahre. Dagegen verbessern sich die Symptome in vielen Fällen während der Schwangerschaft, und auch mit Abschluss der Menopause werden die Migräneattacken seltener. Dass Hormonschwankungen mit Migräne in Zusammenhang stehen, ist also seit Langem bekannt.

Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP. Wenn also der Östrogenspiegel zur Einleitung der Periode sinkt, schütten die Migränepatientinnen vermehrt CGRP aus.

Migräne-Trigger

Etwa drei Viertel aller Migräne-Patienten beschreiben einen Zusammenhang zwischen bestimmten Trigger-Faktoren wie Stress, Halswirbelsäule-Blockaden oder dem Genuss von Lebensmitteln und ihren Kopfschmerzattacken. Die Migräne-Auslöser (Trigger) sind individuell sehr verschieden. Was bei einem Patienten im Verdacht steht, die Migräne hervorzurufen, muss nicht zwangsläufig auch auf andere Betroffene zutreffen.

Häufig berichten Betroffene von folgenden Triggern:

  • Stress: Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
  • Wetterumschwünge: Wetterfühlige Migräne-Patienten bemerken Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks manchmal daran, dass sich eine Kopfschmerzattacke ankündigt.
  • Hormonschwankungen: Viele Patientinnen leiden während ihrer Periode an Kopfschmerzen. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar.
  • Veränderung des gewohnten Tagesrhythmus: Am Wochenende spät ins Bett? Und am nächsten Morgen Kopfschmerzen? Dann handelt es sich womöglich um Migräne wegen Schlafmangel. Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.
  • Nahrungsmittel: Etwa 20 Prozent aller Migräne-Patienten machen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser aus.
  • Körperliche Aktivität: Manche Patienten leiden infolge von körperlicher Aktivität unter einer Migräne nach Sport.
  • Reizüberflutung: Bei Migräne-Patienten ist die Verarbeitung mancher Sinnesreize im Gehirn verändert. Diese Reize sind deshalb nicht nur während einer Attacke unangenehm. Vielmehr ist auch eine Migräne durch Reizüberflutung möglich.
  • Medikamente: Eventuell können auch Medikamente ein Trigger-Faktor sein.

Genetische Ursachen

Wissenschaftler gehen zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass bei der Entstehung von Migräne mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum Beispiel kann eine Migräne-Ursache eine genetische Veranlagung sein: Verwandte ersten Grades von Patienten einer Migräne mit Aura haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dennoch lässt sich Migräne nur in Ausnahmefällen auf ein einzelnes Gen zurückführen, etwa bei der familiären hemiplegischen Migräne. Vielmehr sind wahrscheinlich mehrere genetische Bedingungen (polygenetisch) die Ursache für eine Migräne.

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Mechanismus der Migräne

Der Mechanismus der Migräne stellt sich wahrscheinlich folgendermaßen dar: Zunächst erfolgt eine Aktivierung von schmerzverarbeitenden Zentren im Gehirn, sodass schmerzvermittelnde Botenstoffe (Neurotransmitter oder Hormone) ausgeschüttet werden. Diese Aktivierung kann aufgrund ganz unterschiedlicher äußerer und innerer Einflüsse (Trigger-Faktoren) in Gang gesetzt werden, die auf das Nervensystem und den Körper einwirken. Die übermäßig ausgeschütteten Botenstoffe wirken sich auf unterschiedliche Strukturen im Gehirn aus.

Was die Ursache für Migräne angeht, steht seit einiger Zeit der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Verdacht, eine wichtige Rolle zu spielen. CGRP befindet sich im gesamten Nervensystem, also auch in Gehirn und Rückenmark. Es gibt bestimmte anatomische Strukturen im Gehirn, die mit der Migräne-Entstehung in Verbindung stehen und in denen sich auch CGRP und CGRP-Rezeptoren befinden. In mehreren Studien kristallisierte sich heraus, dass CGRP für die Weiterleitung von Schmerzsignalen während einer Migräne-Attacke verantwortlich zu sein scheint. Wissenschaftler konnten bei Migräne-Patienten einen erhöhten CGRP-Spiegel beobachten, sobald sich eine Schmerzattacke anbahnte. Möglicherweise liegt dem Beginn der Migräne auch eine Überaktivität der Nervenzellen im Migränezentrum des Hirnstamms als Ursache zugrunde: Das Nervensystem und die Reizverarbeitung stehen bei Migräne-Patienten unter Hochspannung. Die Überaktivität der Nerven veranlasst Fasern des Trigeminusnervs (fünfter von insgesamt zwölf Hirnnerven) dazu, Schmerzsignale an das Gehirn auszusenden.

Diagnose

Die Diagnose von Migräne basiert auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Es gibt keine spezifischen Tests, um Migräne zu diagnostizieren. Der Arzt wird jedoch eine neurologische Untersuchung durchführen, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Die diagnostischen Kriterien für Migräne ohne Aura umfassen mindestens fünf Attacken, die folgende Merkmale aufweisen:

  • Kopfschmerzen, die 4-72 Stunden anhalten (unbehandelt oder erfolglos behandelt).
  • Kopfschmerzen mit mindestens zwei der folgenden Eigenschaften:
    • Einseitige Lokalisation
    • Pulsierender Charakter
    • Mittlere oder starke Schmerzintensität
    • Verschlimmerung durch körperliche Aktivität oder Vermeidung von körperlicher Aktivität
  • Während des Kopfschmerzes mindestens eines der folgenden Symptome:
    • Übelkeit und/oder Erbrechen
    • Licht- und Geräuschempfindlichkeit

Die diagnostischen Kriterien für Migräne mit Aura umfassen mindestens zwei Attacken, die folgende Merkmale aufweisen:

  • Aura-Symptome, die sich allmählich über 5 Minuten entwickeln und/oder nacheinander auftreten.
  • Jedes Aura-Symptom dauert 5-60 Minuten.
  • Kopfschmerzen, die innerhalb von 60 Minuten nach der Aura beginnen.

Behandlung

Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe. Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden. Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen und Begleitsymptome während eines Anfalls zu lindern. Dazu werden in der Regel Schmerzmittel wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac eingesetzt. Bei Übelkeit und Erbrechen können zusätzlich Antiemetika eingenommen werden. In schwereren Fällen können Triptane verschrieben werden, die speziell gegen Migräne wirken.

Die medikamentöse Therapie der akuten Migräneattacke erfolgt mit überwiegend ohne Rezept erhältlichen Schmerzmitteln, vorzugsweise kombiniert mit einer Substanz gegen Übelkeit und Erbrechen. Behandelt man einerseits früh bei den ersten Anzeichen, aber zugleich nicht zu häufig mit diesen Substanzen, kann bei der großen Mehrheit der Betroffenen eine gute Symptomkontrolle erreicht werden.

Geeignete Medikamente sind:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (200-600 mg, z. B. Dolormin Migraene®), Naproxen (500-1000 mg) oder Diclofenac (50-100 mg, z. B. Sylmes 50 mg Pulver®)
  • Kombination mit einem Antiemetikum (z. B. 10-20 mg Metoclopramid) bei leichter bis mittelschwerer Migräne
  • In der nächsten Stufe ein Triptan-Präparat (z. B. Rizatriptan in Form von Maxalt Lingua 10 mg® oder 50-100 mg Sumatriptan).

Prophylaxe

Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern. Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn:

  • die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat
  • sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden
  • keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht
  • die Migräneanfälle häufiger auftreten
  • sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen
  • die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt
  • es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern.

Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP, der bei der Ausbildung der neurovaskulären Entzündung eine bedeutende Rolle spielt.

Treten Attacken mehr als 3-mal pro Monat auf, wird vorübergehend mit vorbeugend wirksamen Medikamenten behandelt. Diese müssen vom Arzt verordnet und ihre Wirkung muss kontrolliert werden. Die häufigsten Substanzen zur Migräne-Prophylaxe sind Betarezeptorenblocker und eine Reihe von Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Therapien

Patientinnen und Patienten können anhand eines Anfallstagebuchs Schlüsse ziehen, wodurch ihre Migräne entsteht. Davon ausgehend können sie ggf. ihren Lebensstil verändern und dadurch langfristig Migräneanfälle senken. Zudem gibt es psychotherapeutische Verfahren, bei denen Betroffene lernen, mit ihrer Migräne besser umgehen zu können. Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden.

Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht. Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.

Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
  • Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
  • Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.

Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen:

  • Regelmäßiger Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus
  • Ausdauersport
  • Entspannungsverfahren
  • Vermeidung von Stress und psychischem Druck
  • Achtsamkeitstraining
  • Yoga

Migräne und Menstruation

Bei etwa 60 % der Frauen mit Migräne handelt es sich um menstruationsbeeinflusste Anfälle, welche sich meistens erstmals im 2. Lebensjahrzehnt einstellen und um das 40. Lebensjahr ihr Maximum erreichen. Die rein menstruelle Migräne gilt hinsichtlich Attacken-Dauer und -Intensität als die am schwersten zu therapierende Variante. Ursächlich scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren.

Bei menstrueller Migräne können folgende Behandlungsansätze in Betracht gezogen werden:

  • Kurzzeit-Prophylaxe mit Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl.)
  • Gleichzeitige Gabe von Naproxen bei Sumatriptan-Einnahme kann die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.
  • Die protektive Effizienz von oralen Kontrazeptiva (Antibabypillen) ist individuell auszutesten: Sie können die Migräne verbessern, verschlechtern oder auch unbeeinflusst lassen. Grundsätzlich ist die geringst mögliche Estradiol-Dosis anzustreben. Kombinations-Mikropille als Langzeiteinnahme ohne jede Pillenpause kann dann bei einigen Migränevarianten zur Option der Wahl werden.

Migräne und Schwangerschaft

Die Migräne ist v.a. Erfreulicherweise zeigt sich, dass ein sehr günstiger Einfluss auf den Migräneverlauf durch die Schwangerschaft zu beobachten ist. Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, dass bei fast 70% der betroffenen Patientinnen eine deutliche Verbesserung oder sogar ein völliges Ausbleiben der Migräneattacken während der Schwangerschaft zu beobachten ist. Der Effekt auf den Migräneverlauf zeigt sich insbesondere in den letzten zwei Dritteln der Schwangerschaft. Nur bei einem geringen Teil der Patientinnen findet sich ein konstanter Verlauf oder gar eine Verschlechterung der Migräne während der Schwangerschaft. Dies scheint insbesondere für Patientinnen zu gelten, die an einer Migräne mit Aura leiden. Treten Migräneattacken erstmalig während der Schwangerschaft auf, handelt es sich vorwiegend um eine Migräne mit Aura.

Generell gilt, dass eine medikamentöse Therapie während der Schwangerschaft, wenn irgendwie möglich, zu vermeiden ist. Ganz besonders gilt dies natürlich für prophylaktische Maßnahmen, bei denen täglich Medikamente eingenommen werden müssen. Die Migräneprophylaktika, die sich als besonders wirksam erwiesen haben, sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Dies gilt für die Beta-Rezeptorenblocker, Flunarizin, Serotoninantagonisten, trizyklische Antidepressiva und besonders für Antiepileptika. Bei schweren Migräneverläufen während der Schwangerschaft, insbesondere bei der Migräne mit Aura, kann zunächst die Gabe von Magnesium zur Migräneprophylaxe erwogen werden.

Analgetikum der Wahl in der Stillzeit ist Ibuprofen. Triptane gehen in die Muttermilch über.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden, um eine korrekte Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.

  • Spannungskopfschmerz: Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome wie Lichtscheu und übermäßige Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit treten in der Regel nicht und, wenn doch, nur sehr selten begleitend auf.
  • Cluster-Kopfschmerz: Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Die heftigen und einseitigen Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf. Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend geschildert. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang, ebenfalls kommen Begleitsymptome wie einseitiges Tränen, Augenrötung oder Naselaufen auf der Schmerzseite häufig vor.

Umgang mit Migräne im Alltag

Jeder Betroffene muss lernen, mit dieser Erkrankung zu leben. Dazu gehört, modifizierbare Auslöser für Attacken nach Möglichkeit zu reduzieren und sich auf der anderen Seite einzugestehen, dass schwere Attacken zu einer reellen Minderung der Leistungsfähigkeit führen. Migräne ist entgegen einer oft geäußerten Meinung keine psychische Erkrankung und sollte auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz, der viel besser mit Schmerzmitteln kontrolliert werden kann, verwechselt werden.

Ein Migräneanfall kann wenige Stunden bis mehrere Tage andauern und mit schweren Symptomen einhergehen, die das private und berufliche Leben sehr einschränken können.

Um den Alltag trotz Migräne besser zu gestalten, können folgende Maßnahmen helfen:

  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um Auslöser zu identifizieren
  • Anpassung des Lebensstils, um Auslöser zu vermeiden
  • Regelmäßige Entspannungsübungen und Stressmanagement
  • Ausreichend Schlaf und regelmäßiger Schlafrhythmus
  • Gesunde Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten
  • Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport

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