Beschwerden im Analbereich, wie Juckreiz, Hautveränderungen, Schmerzen oder Blutungen, sind ein häufiges Problem, das viele Frauen betrifft. Obwohl die meisten Ursachen harmlos sind, ist es wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und bei Bedarf einen Arzt aufzusuchen, um ernstere Erkrankungen auszuschließen.
Anatomie des Enddarms und Analkanals
Um die verschiedenen Ursachen für Beschwerden im Analbereich besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Anatomie des Enddarms und Analkanals zu kennen:
- Enddarm (Rektum bzw. Mastdarm): Der untere Bereich des Dickdarms, der den Stuhl speichert.
- Analkanal (Analöffnung bzw. After): Ein 3-5 cm langer Kanal, der den Enddarm mit der äußeren Körperöffnung verbindet.
- Grenzlinie im Analkanal: Diese Linie teilt den Analkanal in zwei Bereiche. Unterhalb (distal) dieser Linie befinden sich Nerven, die Schmerzen übertragen, während oberhalb (proximal) keine Schmerzfasern vorhanden sind. Schmerzen können also nur im äußersten Bereich des Analkanals wahrgenommen werden. Die Haut im Bereich der Analkanalöffnung (Anus oder After) ist ebenfalls sehr schmerzempfindlich.
Typische Beschwerden und Symptome
Typische Beschwerden im Analbereich sind:
- Schmerzen
- Juckreiz
- Brennen
- Blutungen (hellrotes Blut)
- Schwellungen und Knoten
- Feuchtigkeit
- Stuhlinkontinenz (Unfähigkeit, den Stuhlgang zurückzuhalten)
Diese Symptome treten oft im Zusammenhang mit dem Stuhlgang auf und können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Häufige Ursachen für Beschwerden im Analbereich bei Frauen
Es gibt viele verschiedene Ursachen für Beschwerden im Analbereich. Die häufigsten sind:
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Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind erweiterte Venen im Bereich des Analkanals/Anus. Die genauen Ursachen sind ungeklärt, aber Faktoren wie chronische Verstopfung, Schwangerschaft und anhaltender Durchfall können die Entstehung begünstigen. Typische Symptome sind Blutungsepisoden (hellrotes Blut) beim Stuhlgang sowie Schwellungen und Knoten in der Analkanalöffnung.
Analvenenthrombose
Eine Analvenenthrombose ist ein Blutgerinnsel in einer Vene in der äußeren Analregion, das meist mit akuten Schmerzen einhergeht. Es können ein oder mehrere bläuliche, schmerzhafte Knoten sichtbar werden. In der Regel ist keine Behandlung erforderlich, da die Thrombose meist spontan abheilt.
Enddarmvorfall (Analprolaps)
Ein Analprolaps ist die Vorstülpung von Gewebe (z. B. Analschleimhaut) aus dem Anus heraus. Der Prolaps ist maximal 2 cm groß und erstreckt sich über die gesamte Analöffnung oder Teile davon. Das Gewebe wird durch Druck zum Anus hin herausgedrängt. Bei Frauen können ähnliche Beschwerden auch durch eine Gebärmuttersenkung verursacht sein.
Mastdarmvorfall (Rektumprolaps)
Bei einem Mastdarmvorfall kann die Vorstülpung eine Länge von etwa 10 cm aufweisen. Sämtliche Wandschichten des Rektums treten hervor.
Risse an der Enddarmöffnung (Analfissur)
Eine Analfissur ist ein plötzlich auftretender, schmerzhafter Riss in der Schleimhaut. Auf dem Toilettenpapier sind oft Blutspuren erkennbar. In mehr als 90 % der Fälle liegt die Fissur genau in Richtung der Körperrückseite. Dies kann sowohl kleine Kinder als auch Frauen nach der Geburt betreffen.
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Kleine Öffnung seitlich des Anus (Analfistel)
Eine Analfistel ist ein schmaler Verbindungsgang vom inneren Analkanal zur Haut um den Anus. Ursächlich ist meist ein vorausgegangener Abszess am Anus (Analabszess), eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, ein Entbindungstrauma, eine lokale Infektion, ein Karzinom, eine Bestrahlung oder ein operativer Eingriff am Rektum. Auch in der Haut zwischen Vagina und Enddarm kann eine sogenannte rektovaginale Fistel auftreten. Phasenweise wird Sekret abgesondert, was zu einem feuchten Gesäß und Ekzemen führen kann.
Abszesse um den Anus (Perianalabszess)
Perianalabszesse sind wiederholt auftretende Entzündungen in Form von Eitergeschwüren um den Anus. Sie entstehen vorwiegend aufgrund einer akuten Entzündung der Analdrüsen, können aber auch Teil des Krankheitsbilds von Morbus Crohn sein. Ein Abszess ist schmerzhaft, mit einer Verschlimmerung beim Sitzen oder bei Bewegung, Schwellung, Rötung; meist treten keine Allgemeinsymptome auf.
Ekzem um den Enddarm (Perianalekzem)
Perianalekzeme entstehen infolge erhöhter Feuchtigkeit mit darauffolgender Keim- bzw. Pilzbesiedlung oder sind Teil einer Ekzemerkrankung, die auch andere Hautstellen betrifft (z. B. atopisches Ekzem). Fisteln, Fissuren, partieller Prolaps oder vaginaler Ausfluss können ursächlich sein.
Schweißdrüsenentzündung (Acne inversa)
Eine Acne inversa ist eine häufige, aber selten erkannte, chronische Entzündung an Follikeln der Härchen von Hautumschlagsfalten. Sie kann zu schweren Vernarbungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen und psychisch sehr belastend sein. Die Ursache ist ungeklärt.
Condylomata acuminata (Feigwarzen)
Feigwarzen sind kleine, charakteristisch geformte Warzen im Genital-/Analbereich. Sie werden von humanen Papillomviren (HPV) Typ 6 und 11 verursacht und sind besonders häufig in der Altersgruppe von 20-24 Jahren. HPV werden sexuell übertragen. Feigwarzen führen meist nicht zu Beschwerden, können jedoch durch mechanische Belastung gereizt werden oder zu bluten beginnen.
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Proctalgia fugax
Bei Proctalgia fugax kommt es zu plötzlichen, kurzzeitigen, krampfartigen Schmerzen im Enddarm. Meist treten diese nachts auf. Insbesondere Patient*innen mit psychosomatischen Störungen leiden darunter.
Chronische Prostataentzündung
Eine chronische Prostataentzündung (Prostatitis) wird auch als chronisches Beckenschmerzensyndrom bezeichnet. Die Symptome können variieren. Die Schmerzen treten häufig im Bereich zwischen Penis und Anus (Perineum) auf. Sie können in Hodensack, Leiste, Rücken oder Bauch ausstrahlen. Schmerzen während oder nach der Ejakulation sind möglich. Es kommt zu Schmerzen oder Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung, häufigem oder nächtlichem Harndrang, Inkontinenz, Ausfluss oder Blut im Sperma. Die Prostata ist druckschmerzhaft.
Andere zugrunde liegende Erkrankungen
Beschwerden im Bereich des Analkanals/Anus können aufgrund zahlreicher Grunderkrankungen (z. B. Diabetes, schwerer Eisenmangel), verschiedener mechanischer Ursachen, übertriebener oder mangelnder Hygiene, Überempfindlichkeitsreaktionen gegenüber Lebensmittelzusätzen oder Medikamenten, verschiedener Hautkrankheiten (z. B. Psoriasis) oder Infektionen (z. B. Madenwurm, Pilzinfektionen) auftreten.
Hautkrankheiten im Bereich des Anus
Verschiedene spezielle Hautkrankheiten betreffen vor allem oder auch die Haut im Bereich des Anus, darunter Psoriasis, atopisches Ekzem, Lichen planus oder Lichen sclerosus.
Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten führen neben anderen Veränderungen häufig auch zu Läsionen im Bereich des Enddarms bzw. Anus.
Krebsartige Hautveränderungen
Auch krebsartige Hautveränderungen im Bereich des Anus sind möglich.
Seltene Ursachen
Sexuell übertragbare Infektionen
Sexuell übertragbare Infektionen können zu lokalen Beschwerden oder zu einer Entzündung im Enddarm (Proktitis) führen. Eine sexuell übertragene Proktitis wird durch Analverkehr (Analsex) verursacht. Es kommt zu Schmerzen beim Stuhlgang und einer besonderen Empfindlichkeit im Enddarm sowie dem Gefühl, den Darm nach dem Gang auf die Toilette nicht ausreichend entleert zu haben. Es kann zu unwillkürlichen Dick- und Enddarmkrämpfen beim Toilettengang kommen sowie zu Blutungen oder Ausfluss aus dem Rektum. Eine Proktitis kann sich auch ohne eine Infektion mit einem Erreger entwickeln, z. B. als Folge einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, einer Strahlentherapie oder einer Allergie.
Akute Prostataentzündung (Prostatitis)
Es kommt zu sehr stechenden Schmerzen in der Leistengegend, die in die Genitalien, den Bauch (Abdomen) oder den Rücken ausstrahlen, Fieber, Schüttelfrost, schlechtem Allgemeinzustand sowie Brennen und häufigem Harndrang.
Rektumkarzinom
Macht etwa 2/3 aller kolorektalen Karzinomfälle aus. Zu den typischen Symptomen zählen Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, teilweise mit Schmerzen, sowie das Gefühl, sich nach dem Gang auf die Toilette nicht ausreichend entleert zu haben.
Analkrebs (Analkarzinom)
Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die bei Menschen mit HIV-Infektion gehäuft auftritt. Es treten lokale Symptome und Anzeichen in Form von Juckreiz, Blutungen und Wucherungen in und um die Analkanalmündung auf.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei folgenden Symptomen sollte man einen Arzt aufsuchen:
- Blutungen aus dem Enddarm
- Lässtiger und nicht kontrollierbarer Juckreiz
- Schmerzen im Bereich des Enddarms
Diagnose
Um die Ursache für Beschwerden im Analbereich zu finden, führt der Arzt in der Regel folgende Untersuchungen durch:
Anamnesegespräch
Der Arzt fragt nach der Krankengeschichte und den genauen Beschwerden. Wichtige Fragen sind:
- Wann haben Sie die Enddarmbeschwerden zum ersten Mal bemerkt?
- Haben Sie schon früher daran gelitten?
- Hat sich Ihr Stuhl in letzter Zeit verändert (z. B. Schleim im Stuhl)?
- Haben Sie Blutungen aus dem Enddarm bemerkt (Blutspritzer im Toilettenbecken, Blut im/am Stuhl)?
- Haben Sie anhaltende oder kurzzeitige, krampfartige Schmerzen in oder rund um den Enddarm bzw. wann treten diese auf (bei der Darmentleerung, nachts etc.)?
- Haben Sie Juckreiz, Feuchtigkeit und Klumpen oder Schwellungen im Gesäßbereich bemerkt?
- Haben Sie Fieber?
Ärztliche Untersuchung
Der Arzt führt eine gründliche Enddarmuntersuchung durch, bei der nach Haut- und Anusveränderungen gesucht wird. Dies erfolgt mittels Untersuchung mit einem behandschuhten Finger im Enddarm und Inspektion des Anus/Analkanals.
Weitere Untersuchungen
Bei Verdacht auf eine andere Grunderkrankung werden umfassende Untersuchungen daran anschließen. Unter Umständen kann eine Enddarminspektion (Rektoskopie) empfohlen werden. Weitere Untersuchungen sind in der Regel erforderlich, wenn der Verdacht auf eine Infektion, Krebs oder andere zugrunde liegende Krankheiten besteht, die auch andere Organe befallen (können). Wenn eine Untersuchung mit speziellen Methoden nötig ist, werden Sie an Spezialist*innen überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung von Beschwerden im Analbereich hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige allgemeine Maßnahmen, die helfen können, die Beschwerden zu lindern, sind:
- Verstopfung vermeiden: Bei den meisten kolorektalen Erkrankungen sollte eine Verstopfung vermieden werden. Stellen Sie einen weichen Stuhlgang sicher. Förderlich dafür sind eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ein regelmäßiger Toilettenrhythmus.
- Übertreiben Sie es nicht mit der Hygiene am Gesäß.
- Salben und Zäpfchen: Gegen leichte Beschwerden wie Nässen und Juckreiz können entzündungshemmende Zäpfchen und Salben aus der Apotheke helfen.
- Sitzbäder: Lauwarme Sitzbäder, auch mit Zusatz von Kamille oder Eichenrinde, können beruhigend wirken.
Spezifische Behandlungen
Je nach Ursache können folgende spezifische Behandlungen erforderlich sein:
- Hämorrhoiden: Verödung (Sklerosierung), Gummibandligatur, Hämorrhoidalarterienligatur, Hämorrhoidopexie nach Longo, Entfernung der Hämorrhoiden (Hämorrhoidektomie)
- Analfissur: Salben, Zäpfchen, Operation
- Analfistel: Operation
- Analekzem: Salben, Kortisoncremes
- Analvenenthrombose: Stichinzision oder Exzision
Behandlung des Analprolapses
Die Behandlung des Analprolapses hängt vom Schweregrad ab. Nur in seltenen Fällen handelt es sich um eine leichte Form des Analprolaps, die zumindest vorerst keine OP benötigt. In vielen Fällen empfiehlt der Arzt aber eine Operation, insbesondere wenn eine Inkontinenz vorliegt. Bei Kindern ist eine OP meist nicht nötig. Hier ist eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung (etwa Mukoviszidose) in der Regel auch die beste Therapie des Analprolapses.
Nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten:
Liegt ein leichter Analprolaps vor, zieht er sich von selbst wieder zurück oder lässt er sich zurückschieben, kommt eine alternative, nicht-operative Therapie in Betracht. Ärzte empfehlen hier verschiedene Maßnahmen, um eine gesunde Verdauung zu unterstützen:
- Genügend Ballaststoffe zu sich nehmen
- Ausreichend Flüssigkeit zuführen
- Wenig sitzen
- Viel bewegen
Gleichzeitig ist es ratsam, alles, was Druck auf den Enddarm ausübt, wie schweres Heben oder Tragen sowie Pressen auf der Toilette, zu vermeiden. Daneben helfen verschiedene Salben gegen Schmerzen oder Juckreiz und führen dazu, dass sich das Gewebe wieder, wie etwa bei der Hämorrhoiden-Behandlung, etwas zusammenzieht.
Operative Behandlungsmöglichkeiten:
Es gibt zwei Zugangswege beim operativen Behandlungsansatz: Über die Bauchdecke und vom After aus.
Psychosomatische Aspekte
Ein Großteil der somatoformen urologischen Funktionsstörungen geht mit chronischen Muskelverspannungen im Unterbauch und Beckenbereich einher. Dies gilt für den chronischen Beckenschmerz bei Mann und Frau, für die Reizblasensymptomatik, für das Urethralsyndrom, für die psychogenen Miktionsstörungen, die psychogene Harninkontinenz sowie für die psychogene Harnverhaltung. Affekte wie Wut, Ärger, Enttäuschung und insbesondere Angst erzeugen ein Gefühl der inneren Anspannung. Diese Anspannung wird auf die Körpermuskulatur übertragen. Mit der Zeit entwickelt sich eine chronische Muskelverspannung bis hin zur Ausbildung schmerzhafter Myogelosen. Das ständige Festhalten der Muskeln kommt aus den unteren, dem Bewusstsein nicht zugänglichen Teilen des Gehirns. Im sensomotorischen Kortex, in dem wir bewusst bewegen und spüren können, gibt es hingegen eine sensomotorische Amnesie. Das Gehirn hat vergessen, wie sich die betroffenen Muskeln anfühlen und bewegen lassen. Diese muskulären Verhärtungen werden auch Triggerpunkte genannt, da diese nicht nur lokal druckempfindlich sind, sondern auch verantwortlich für die Auslösung von myofaszialen Schmerzen in den sogenannten Referenzzonen gemacht werden.
Vorbeugung
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Beschwerden im Analbereich vorzubeugen:
- Ballaststoffreiche Ernährung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sorgt für einen weichen Stuhlgang und beugt Verstopfung vor.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Tag), um den Stuhl weich zu halten.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Verdauung und beugt Verstopfung vor.
- Vermeidung von starkem Pressen beim Stuhlgang: Nehmen Sie sich Zeit für den Stuhlgang und vermeiden Sie starkes Pressen.
- Sanfte Analhygiene: Reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang mit weichem Toilettenpapier oder Wasser. Vermeiden Sie aggressive Seifen oder Feuchttücher.
- Beckenbodentraining: Regelmäßiges Beckenbodentraining stärkt die Beckenbodenmuskulatur und kann einem Analprolaps vorbeugen.