Frequenzen gegen Migräne: Aktuelle Forschung und Therapieansätze

Die Behandlung von Migräne und anderen primären Kopfschmerzerkrankungen umfasst in der Regel sowohl nichtmedikamentöse als auch medikamentöse Verfahren. In den letzten Jahren hat sich die Neuromodulation als eine neue Therapiemöglichkeit für Patienten mit chronischen, therapierefraktären Kopfschmerzen etabliert. Bei der Neuromodulation werden invasive und nichtinvasive Stimulationsverfahren unterschieden.

Neuromodulation bei Kopfschmerzen: Ein Überblick

Die Neuromodulation zielt darauf ab, durch Stimulation peripherer und zentraler Strukturen des Nervensystems eine funktionale Hemmung nozizeptiver Strukturen im Gehirn zu erreichen. Dies soll zu einer Reduktion der Kopfschmerz-Attackenfrequenz und -intensität führen. Während invasive Verfahren aufgrund potenzieller Nebenwirkungen nur bei therapierefraktären Kopfschmerzen empfohlen werden, können nichtinvasive Verfahren aufgrund ihrer geringen Nebenwirkungen auch bei nicht-therapierefraktären Patienten angewendet werden.

Invasive Vagusnervstimulation (VNS)

Die invasive Vagusnervstimulation (VNS) ist eine etablierte Methode zur Behandlung therapierefraktärer Epilepsie, Depression und Angststörungen. Ihre Anwendung bei Epilepsie führte zu einer Reduktion der Anfallsfrequenz und -intensität. Bei der VNS werden Elektroden im Bereich der linken Karotisbifurkation implantiert und subkutan mit einem Stimulator unterhalb der Clavicula verbunden.

Nach der erstmaligen Implantation im Jahr 1988 wurde die Wirksamkeit in einer Reihe von Studien nachgewiesen. Bei einer Subgruppe von Patienten mit Migräne wurde eine Reduktion der Attackenfrequenz beobachtet, was die Schlussfolgerung nahelegte, dass dieses Verfahren auch bei Migräne wirksam sein könnte. Aufgrund der Invasivität des Verfahrens wurden jedoch zunächst keine Studien ausschließlich bei Kopfschmerzen durchgeführt. Dies änderte sich erst mit der Entwicklung eines nichtinvasiven Stimulators.

Wirkungsweise der Vagusnervstimulation (VNS)

Der Nervus vagus (Nr. X) ist der längste Hirnnerv und besteht aus etwa 80 % afferenten und 20 % efferenten Fasern. Er versorgt sensibel die Dura der hinteren Schädelgrube, die Haut im äußeren Gehörgang und an der hinteren Ohrmuschel, den gesamten Larynx und Teile des Pharynx sowie die Epiglottis. Motorisch innerviert er die mittleren und unteren Schlund- und Kehlkopfmuskeln sowie parasympathisch (und sensibel) im Brust- und Bauchraum die inneren Organe (Darm bis zum sogenannten Cannon-Böhm-Punkt).

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Die Afferenzen des Nervus vagus haben im Gehirn Verbindungen zum Nucleus tractus solitarii (NTS), dem Locus coeruleus (LC), dem periaquäduktalen Grau und den Raphekernen. Im Tierexperiment wurde durch die Stimulation des Nervus vagus eine Aktivierung im EEG mit Synchronisation (f >70 Hz) und Desynchronisation (f <70 Hz) nachgewiesen. Später konnte eine Reduktion der Frequenz und Schwere von Anfällen gezeigt werden. Die Effekte bei der Epilepsie werden durch drei Mechanismen erklärt:

  • Erhöhte synaptische Aktivität im Thalamus und thalamo-kortikalen Bahnen mit einer erhöhten Erregung und erniedrigten Synchronizität zwischen und innerhalb kortikaler Regionen
  • Erhöhte synaptische Aktivität im zentralen autonomen System (Amygdala und Hippocampus)
  • Erhöhte Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin

Die Stimulation des Nervus vagus kann bei Säugetieren auch eine Inhibition oder Fazilitation der Nozizeption je nach Stimulationsparametern ergeben. Die Analgesie wird wahrscheinlich über Capsaicin-sensitive C-Fasern im Vagusnerv vermittelt. Der exakte Wirkungsmechanismus der Vagusnervstimulation (VNS) bei Kopfschmerzen ist aktuell noch unklar, es wird aber eine direkte Beeinflussung von Steuerungszentren vor allem im Hirnstamm angenommen, die direkt und indirekt an der Genese von Kopfschmerzen beteiligt sind (Nucleus tractus solitarii, trigeminaler Nucleus caudalis).

Damit vereinbar wäre auch die Beobachtung, dass eine Stimulation des linken Nervus vagus zu einer Inhibition von trigeminalen Neuronen bei der Ratte in einem Kopfschmerzmodell führte und damit eine Beeinflussung der trigeminovaskulären nozizeptiven Transmission hervorruft. Weitere Untersuchungen an Ratten, bei denen durch eine Prostaglandin-Lösung eine chronische trigeminale Allodynie ausgelöst wurde, zeigten, dass die Stimulation des N. vagus zu einer Verhinderung des Anstiegs der Glutamat-Ausschüttung und damit der trigeminalen Nozizeption führte. Auch fMRT-Untersuchungen im Zusammenhang mit einer Stimulation des N. vagus am Ohr konnten zeigen, dass es zu einer Inhibition im Gyrus parahippocampalis, Pulvinar, posterioren cingulären Kortex, Locus coeruleus und im Tractus solitarii kommt.

Invasive Vagusnervstimulation bei Patienten mit Epilepsie und Migräne

In einem der ersten Fallberichte berichtet Sadler über einen 42-jährigen Patienten mit therapierefraktären Anfällen seit der Kindheit und einer Migräne. Es erfolgte die Implantation einer invasiven VNS. Diese führte zu keiner deutlichen Reduktion der Epilepsieanfallsfrequenz, aber zu einer Verminderung der Attackenfrequenz der Migräne von vorher 2,7 Migräneattacken pro Monat auf drei Attacken in 13 Monaten nach Implantation des Stimulators.

Eine retrospektive telefonische Befragung von 27 Patienten, die eine VNS erhielten, ergab, dass vier Patienten zusätzlich an Migräne litten. Alle Patienten berichteten über eine Reduktion der Attackenfrequenz und Schmerzintensität mit einem Beginn von ein bis maximal drei Monate nach Implantation. Bei einem Patienten kam es zu einem kompletten Sistieren der Migräneattacken, bei zwei Patienten zu einer deutlichen Reduktion der Anfallsfrequenz. Bei einer ebenfalls retrospektiven Untersuchung mittels Fragebogen sowie telefonischem Interview bei Patienten mit VNS hatten 10 von 25 Patienten eine Migräne (5 Frauen, Alter 18-36 Jahre). Eine 50%ige Reduktion der Kopfschmerzattacken zeigte sich bei acht Patienten (80%, 4 Frauen), die Reduktion trat innerhalb der ersten drei Monate der Behandlung auf und hielt über den Beobachtungszeitraum an. Kein Effekt ergab sich bei den anderen beiden Patienten. Von den zehn Patienten hatten sechs eine Depression und/oder Angsterkrankung. Bei fünf von diesen kam es zu einer Reduktion der Migräneattacken, nur bei drei dieser fünf Patienten veränderte sich die Depression und/oder Angsterkrankung. Nach diesen Beobachtungen und der Entwicklungen von Stimulatoren, die nichtinvasiv (subkutan am Hals oder im Ohr) angewandt werden konnten, geriet die VNS wieder in den Fokus.

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Nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS)

Aufgrund der oben genannten Beobachtungen und der Entwicklung von Stimulatoren, die nichtinvasiv angewendet werden konnten, rückte die VNS wieder in den Fokus der Forschung.

Stimulatoren zur nichtinvasiven Vagusnervstimulation

Aktuell sind zwei Stimulatoren für die nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS) in Deutschland zugelassen: Device GammaCore® der Firma electroCore, bei dem die Stimulation am Hals erfolgt, und Device Vitos® der Firma Cerbotec, bei dem die Stimulation im Ohr erfolgt.

Nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS) bei Migräne

Erste Untersuchungen wurden von Goadsby im Rahmen eine Pilot-Studie bei 30 Patienten (25 Frauen, mittleres Alter 39 Jahre) mit episodischer Migräne mit Aura (n=10) und ohne Aura (n=20) mittels eines nichtinvasiven Stimulators (GammaCore®) durchgeführt. Die Stimulation erfolgte für zweimal 90 Sekunden im Abstand von 15 Minuten an der linken Halsseite im Rahmen der Migräneattacken über eine Dauer von sechs Wochen. Die Patienten sollten moderate oder schwere Schmerzen therapieren oder milde Schmerzen nach 20 Minuten. Am Ende hatten 27 Patienten 80 Attacken behandelt. Bei den Patienten mit moderaten oder schweren Attacken lag die Rate der Schmerzfreiheit nach zwei Stunden bei der ersten Anwendung bei 4/19 (21%), für alle Attacken bei 12/54 (22%). Von den Patienten mit milden Attacken berichteten bei der ersten Anwendung 5/8 (63%) über eine Schmerzfreiheit nach zwei Stunden; bezogen auf alle milden Attacken lag die Rate bei 10/26 (38%). Nebenwirkungen waren Kontraktionen der Halsmuskulatur (n=1), eine raue Stimme (n=1) und Rötung an der linken Halsseite (n=1). Eine weitere Untersuchung mit diesem Stimulator erfolgte bei 30 Patienten (Alter 18-65 Jahre) mit episodischer Migräne ohne Aura mit etwa fünf bis neun Attacken pro Monat. Die Patienten sollten in drei Wochen drei bis fünf Attacken für 90 Sekunden (Single shot) therapieren. Es wurden insgesamt 96 Attacken behandelt, 43 Attacken sistierten innerhalb von 30 Minuten (44,8%), bei 42 Attacken (43,7%) zeigte sich kein Effekt innerhalb von zwei Stunden, bei elf Attacken (11,4%) wurde eine geringe Schmerzlinderung berichtet. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Auch bei chronischer Migräne konnte eine Studie bei 15 Patienten (14 Frauen) mit chronischer Migräne und Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch nach Detoxifikation eine suffiziente Attackentherapie zeigen. Es wurden insgesamt 362 Attacken behandelt, wovon bei 121 Attacken Schmerzfreiheit nach zwei Stunden erreicht wurde (33,4%). Eine Rescue-Medikation wurde bei 67 Attacken eingenommen (18,5%).

Zur prophylaktischen Therapie wurden 59 Patienten mit chronischer Migräne in einer doppelblinden, Sham-kontrollierten Studie untersucht. Nach einer einmonatigen Baseline-Phase folgte eine Randomisierung in eine Gruppe mit nVNS (n=30) und eine Gruppe mit Sham-Stimulation (n=29) für zwei Monate, danach folgte eine Open-Label-Phase (n=47) für sechs Monate. Patienten sollten dreimal täglich für zweimal 90 Sekunden stimulieren. Primäre Endpunkte waren Sicherheit und Verträglichkeit, sekundäre Endpunkte die Anzahl der Migränetage pro Monat, der Therapieerfolg und die Einnahme der Begleitmedikation. Es zeigte sich eine gute Verträglichkeit der nVNS. Seltene Nebenwirkungen der nVNS waren das Auftreten anderer Kopfschmerzen, oropharyngeale Schmerzen sowie Nackenschmerzen. Die Anzahl der Migränetage bei allen Patienten reduzierte sich in der nVNS-Gruppe von 22,2 Tagen auf 19 Tage pro Monat, in der Sham-Gruppe gab es keine Reduktion. Eine 25%ige Reduktion der Kopfschmerztage erfolgte durch nVNS bei vier Patienten (15%), durch Sham-Stimulation bei einem Patienten (4%). Eine 50%-Reduktion wurde unter nVNS von drei Patienten (11,5%), eine 75%-Reduktion von einem Patienten (3,8%) dokumentiert, in der Sham-Gruppe wurden diese nicht berichtet.

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In einer doppelblinden, randomisierten und kontrollierten zweiarmigen Studie mit 46 Patienten mit chronischer Migräne wurde auch die Wirksamkeit einer Stimulation am Ohr (VITOS®-Stimulator) für bis zu vier Stunden täglich über eine Zeitraum von drei Monaten untersucht. Patienten mit einer Stimulationsfrequenz von 1 Hz berichteten über eine Attackenreduktion von bis zu sieben Tagen pro Monat, bei einer Frequenz von 25 Hz über eine Reduktion von 3,3 Tagen pro Monat. Zudem wurde über eine deutlich verbesserte Lebensqualität berichtet (MIDAS, HIT-6). Als reversible Nebenwirkungen wurden Juckreiz, Dysästhesien im Bereich der oberen Ohrmuschel oder schwache vorübergehende Schmerzen am Stimulationsort beobachtet.

Nichtinvasive Vagusnervstimulation (nVNS) bei Clusterkopfschmerzen

Eine erste offene Studie über eine mittlere Behandlungszeit von 13 Wochen (2-26 Wochen) dazu erfolgte in Großbritannien und Irland mit 14 Patienten (9 Männer, mittleres Alter 46 Jahre), davon sieben mit therapierefraktären chronischen Clusterkopfschmerzen und sieben mit einer episodischen Form. Eine Reduktion der Attacken um 60% berichteten 13 Patienten, sieben konnten ihre Prophylaxe deutlich reduzieren oder absetzen. Die PREVA-Studie (The prevention and acute treatment of chronic cluster headache) untersuchte 114 Patienten mit chronischen Clusterkopfschmerzen. Nach eine Baseline-Phase von zwei Wochen, erfolgte die Randomisierung in eine Gruppe mit der Standardtherapie (ST) des chronischen Clusterkopfschmerzes (n=49) und eine Gruppe mit Standardtherapie in Kombination mit der nVNS (n=48) für vier Wochen. Im Anschluss folgte eine offene Phase ST + nVNS (n=90) für vier Wochen. Primärer Endpunkt war die Reduktion der Clusterattacken in den letzten zwei Wochen der Randomisierung im Vergleich zur Baseline. Als Ergebnis zeigte sich in Gruppe 1 (ST) eine Reduktion der Clusterattacken von 16,6 auf 14,6 (-2,0 Attacken), in Gruppe 2 (ST + nVNS) von 15,9 auf 9,0 (-6,9 Attacken). Zudem zeigte sich eine zunehmende Reduktion der Attackenfrequenz mit der Dauer der Anwendung der nVNS (Baseline 16,1 Attacken pro Woche, 1. Monat 10 Attacken pro Woche, 2. Monat 7,4 Attacken pro Woche). Der Therapieerfolg in der Randomisierungsphase, definiert als mehr als 50%ige Reduktion der Attackenfrequenz, betrug bei der ST + nVNS 37,8% gegenüber 8,3% ST ohne nVNS (Intention to treat). Zudem konnte unter der nVNS-Therapie die Einnahme der Akutmedikation mit Sumatriptan deutlich reduziert werden (ST + nVNS -61,4%; ST +16,6%). Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit dem Gebrauch des Device gewertet wurden, waren: Muskelzucken im Gesicht, Schmerzen im Gesicht und Hals und Ausschlag an der Anwendungsstelle.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) zur Behandlung von Migräne

Die Behandlung von Migräne mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) ist eine nicht-invasive, aufkommende Methode, die darauf abzielt, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneanfällen zu verringern. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft schwere Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die häufig von Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen begleitet werden. rTMS kann bestimmte Hirnregionen modulieren, die an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne beteiligt sind, und wird sowohl zur Akuttherapie als auch zur Prophylaxe eingesetzt.

Ziele der rTMS-Behandlung bei Migräne

Die rTMS-Therapie zielt darauf ab:

  • Verringerung der Migränehäufigkeit: rTMS soll die Frequenz der Migräneanfälle reduzieren.
  • Reduktion der Schwere und Dauer von Anfällen: Die Behandlung soll dazu beitragen, die Intensität der Schmerzen und die Dauer der Migräneattacken zu verkürzen.
  • Prophylaxe gegen zukünftige Attacken: Durch die regelmäßige Anwendung kann rTMS prophylaktisch eingesetzt werden, um die Gesamthäufigkeit der Migräneanfälle zu senken.
  • Reduktion der Medikamentenabhängigkeit: Die Anwendung von rTMS kann dazu beitragen, den Bedarf an Migränemedikamenten zu reduzieren, insbesondere bei Patienten, die unter starken Nebenwirkungen leiden.

Zielregionen der Stimulation

Die Zielregionen für die Behandlung von Migräne mit rTMS sind bestimmte Hirnregionen, die mit der Migräneaura und den Kopfschmerzen in Verbindung stehen:

  • Okzipitaler Kortex: Der visuelle Kortex (im hinteren Bereich des Gehirns) wird häufig als Zielregion für rTMS bei Migräne gewählt, insbesondere bei Patienten, die eine Aura (visuelle Vorzeichen von Migräne) erleben. Eine niedrigfrequente Stimulation (1 Hz) des okzipitalen Kortex zielt darauf ab, die übermäßige Aktivierung in dieser Region zu dämpfen und damit Migräneanfälle zu verhindern.
  • Dorsolateraler präfrontaler Kortex (DLPFC): Der DLPFC wird ebenfalls oft stimuliert, da er mit der Schmerzverarbeitung und der emotionalen Reaktion auf Schmerzen verbunden ist. Hochfrequente rTMS (10-20 Hz) kann helfen, die Schmerztoleranz zu erhöhen und die Angst vor bevorstehenden Anfällen zu reduzieren.
  • Motorischer Kortex: Manchmal wird der primäre motorische Kortex (M1) als Zielregion verwendet, um neuropathische Schmerzen zu modulieren und die Schmerzschwelle zu erhöhen.

Behandlungsprotokoll

  • Stimulationsfrequenz und Intensität:
    • Niedrigfrequente Stimulation (1 Hz) des okzipitalen Kortex wird verwendet, um die neuronale Übererregbarkeit zu dämpfen und die Aktivität in diesem Bereich zu reduzieren. Dies wird in der Regel bei der Behandlung von akuten Migräneanfällen oder zur Prophylaxe verwendet.
    • Hochfrequente Stimulation (10-20 Hz) des DLPFC kann eingesetzt werden, um die allgemeine Schmerztoleranz zu erhöhen und den emotionalen Stress im Zusammenhang mit Migräne zu verringern.
  • Anzahl und Dauer der Sitzungen:
    • Für die akute Behandlung von Migräne kann eine einzelne Sitzung von 10-30 Minuten ausreichend sein, während die prophylaktische Anwendung von rTMS über mehrere Wochen hinweg (typischerweise 20-30 Sitzungen) erfolgt.
  • Individuelle Anpassung:
    • Die Häufigkeit und Dauer der Behandlung kann je nach Schweregrad der Migräne und dem Ansprechen des Patienten angepasst werden. Prophylaktisch orientierte Behandlungen können über mehrere Monate verteilt sein.

Wirkungsweise von rTMS bei Migräne

Die Wirkung von rTMS bei Migräne beruht auf der Modulation der neuronalen Aktivität in den betroffenen Hirnregionen, die für die Entstehung der Migräneanfälle eine Rolle spielen:

  • Hemmung der kortikalen Übererregbarkeit: Viele Patienten mit Migräne haben eine erhöhte neuronale Erregbarkeit, besonders im okzipitalen Kortex. Niedrigfrequente rTMS wirkt hemmend auf die neuronale Aktivität und reduziert die übermäßige Erregbarkeit, die zu Migräneanfällen führen kann.
  • Modulation der Schmerzverarbeitung: Die Stimulation des DLPFC und des motorischen Kortex beeinflusst die Schmerzverarbeitung und kann die Schmerztoleranz erhöhen. Dies geschieht durch die Modulation der Aktivität in schmerzverarbeitenden Netzwerken, was zu einer Verringerung der empfundenen Schmerzintensität führen kann.
  • Förderung der endogenen Schmerzhemmung: rTMS kann die Freisetzung endogener Neurotransmitter wie Dopamin und Endorphine fördern, die eine natürliche Schmerzhemmung bewirken und die Symptome der Migräne lindern.

Studienlage und Ergebnisse

  • Reduktion der Migränefrequenz: Studien zeigen, dass rTMS die Häufigkeit von Migräneanfällen signifikant reduzieren kann, insbesondere bei regelmäßiger prophylaktischer Anwendung. Patienten berichten oft, dass die Anfälle seltener auftreten und weniger intensiv sind.
  • Linderung akuter Anfälle: Für die akute Behandlung von Migräneanfällen kann eine einzelne niedrigfrequente Sitzung des okzipitalen Kortex die Schwere der Attacke lindern und die Dauer des Anfalls verkürzen. Einige Patienten erleben bereits kurz nach der Behandlung eine deutliche Schmerzlinderung.
  • Verbesserte Lebensqualität: Patienten, die rTMS als prophylaktische Maßnahme verwenden, berichten von einer verbesserten Lebensqualität, weniger Abhängigkeit von Medikamenten und einer besseren Fähigkeit, am täglichen Leben teilzunehmen.

Nebenwirkungen und Risiken

rTMS ist im Allgemeinen gut verträglich und sicher, auch bei der Behandlung von Migräne. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen und Kopfhautreizungen: Während oder nach der Behandlung kann es zu leichten Kopfschmerzen oder einem Ziehen in der Kopfhaut kommen. Diese Beschwerden sind jedoch meist mild und von kurzer Dauer.
  • Schwindel: Einige Patienten berichten von leichtem Schwindel nach der Behandlung, der in der Regel innerhalb kurzer Zeit verschwindet.
  • Krampfanfälle: Das Risiko für Krampfanfälle ist äußerst gering, insbesondere bei Verwendung von niedrigfrequenter Stimulation und unter Einhaltung der Sicherheitsprotokolle.

Kombination mit anderen Therapien

rTMS wird oft in Kombination mit anderen Migränebehandlungen eingesetzt:

  • Medikamentöse Prophylaxe: Die Kombination von rTMS mit Migräneprophylaxe-Medikamenten (wie Betablocker oder Antikonvulsiva) kann die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken weiter reduzieren. Für Patienten, die auf Medikamente nicht ansprechen oder Nebenwirkungen haben, bietet rTMS eine vielversprechende Alternative.
  • Akutmedikamente: Bei akuten Migräneattacken kann rTMS als Ergänzung zu Triptanen oder anderen Akutmedikamenten verwendet werden, um die Wirksamkeit zu steigern.
  • Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken: rTMS kann auch mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen wie Biofeedback, Stressmanagement und Entspannungstechniken kombiniert werden, um die allgemeine Anfälligkeit für Migräneanfälle zu verringern.

Weitere Therapieansätze und Forschungsergebnisse

Musiktherapie

Eine Pilotstudie untersuchte die Wirksamkeit von Musiktherapie zur Prävention episodischer Migräne. 20 Patienten mit episodischer Migräne nahmen an der Studie teil und führten über einen Zeitraum von drei Monaten 1 - 2 Musiksitzungen pro Tag (mindestens 15/Monat) durch. Nach dem Ablauf der Studie konnte eine deutliche Reduktion der Migränefrequenz (-2,8 Tage/Monat) beobachtet werden, bei 10 Patienten reduzierte sich die Frequenz um 50 %. Die Autoren dieser Pilotstudie stellen Musiktherapie als erfolgreiche Prävention von Migräneanfällen dar. Diese Form der Therapie ist zudem gut verfügbar und einfach in der Anwendung.

Musik kann einzelne Komponenten positiv beeinflussen und das Schmerzempfinden regulieren. Das ist gerade bei chronischen Schmerzpatienten wichtig: Ihr Sinnessystem ist häufig überreizt und reagiert überempfindlich. Im Gehirn werden durch das Hören von entspannender Musik schmerzlindernde Nervenbotenstoffe aktiviert und ausgeschüttet. Schmerzfilter im Hirnstamm und im Rückenmark können durch Musik aktiviert werden. Auch Stressreaktionen durch den Schmerz können reduziert werden. Muskelanspannungen kann entgegengewirkt werden. Musik kann ablenken und die Aufmerksamkeit vom Schmerz weglenken. Die Schmerzempfindlichkeit kann gesenkt werden.

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR)

Eine Studie untersuchte, ob eine achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), die auf Yoga und Meditationen beruht, Migräneanfällen besser vorbeugen und gegebenenfalls auch die Intensität der Migränebeschwerden deutlicher mildern kann als eine Kopfschmerzschulung. Die MBSR-Methode wurde in 8 wöchentlichen Sitzungen von jeweils 2 Stunden Dauer erläutert und geübt. Sie bestand aus Yoga und Mediationen. Die Teilnehmer wurden gebeten, die Übungen täglich zuhause zu wiederholen. In der gleichen Zeit erhielt die andere Gruppe eine Kopfschmerzschulung.

Mithilfe der achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) konnte die Migränefrequenz nicht mehr senken als die Kopfschmerzschulung. Die MBSR erzielte jedoch bessere Ergebnisse hinsichtlich des Krankheitsbildes als die Kopfschmerzschulung. So empfanden sich Teilnehmer der MBSR-Gruppe weniger beeinträchtigt und selbst-wirksamer als die Absolventen der Kopfschmerzschulung. In der MBSR-Gruppe wurden auch bessere Werte für Lebensqualität, Schmerzkatastrophisierung und Depressionen erzielt. Darüber hinaus nahm die gefühlte Intensität von induziertem Schmerz bei der MBSR ab, was die Autoren als veränderte Schmerzbewertung interpretieren.

Ultraschall und Migräne

Einige Forscher warnen vor den möglichen Gefahren von Ultraschallwellen in der Luft, die Migräne, Übelkeit oder Tinnitus verursachen könnten. Ultraschalltöne liegen auf einer Frequenz von 16.000 Hertz oder höher und sollen für Menschen nicht wahrnehmbar sein. Oft sind sie es aber doch. Es gibt also gar keine wissenschaftliche Basis, um zu beurteilen, ob und in welchem Maß Ultraschall für Menschen gefährlich ist. Es wird vermutet, dass die Wellen die Gesundheit sensibler Menschen beeinträchtigen können und dass die bisherigen Grenzwerte viel zu niedrig sind.

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