Was tun, wenn der Partner psychische Probleme hat? Ein umfassender Leitfaden

Psychische Probleme beim Partner stellen eine große Herausforderung für die Beziehung und das eigene Wohlbefinden dar. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Leitfaden, der auf den Erfahrungen von Angehörigen, Expertenempfehlungen und aktuellen Forschungsergebnissen basiert. Ziel ist es, Ihnen praktische Ratschläge und Informationen an die Hand zu geben, um Ihren Partner bestmöglich zu unterstützen, ohne dabei Ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen.

Die Realität psychischer Erkrankungen in Partnerschaften

Psychische Erkrankungen können Beziehungen stark belasten. Eine Depression beispielsweise kann einen ehemals lebenslustigen Partner in einen Menschen verwandeln, der von Antriebslosigkeit, Schuldgefühlen und Hoffnungslosigkeit geplagt ist. Dies kann zu Rückzug aus der Beziehung und Freundschaften führen. Angehörige entwickeln oft Schuldgefühle oder Ärger gegenüber dem Erkrankten, was zu Überlastung und Erschöpfung führen kann, insbesondere wenn sie alltägliche Aufgaben übernehmen müssen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass psychische Erkrankungen wie Depressionen, Borderline-Störungen oder Psychosen nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch sein gesamtes Umfeld beeinflussen. Die Reaktionen von Freunden und Familie können von Verständnis über Verzweiflung bis hin zu Frustration und Wut reichen.

Grundregeln im Umgang mit psychisch kranken Angehörigen

Viele Ratsuchende wenden sich an Beratungsstellen, Angehörigenverbände oder Selbsthilfegruppen, um den "richtigen" Umgang mit psychisch kranken Familienmitgliedern zu erlernen. Auch wenn es keine einfachen Lösungen gibt, können die Erfahrungen anderer in ähnlichen Situationen sehr hilfreich sein. Die folgenden zehn Grundregeln basieren auf den Erfahrungen von Angehörigen und können Ihnen helfen, die Situation besser zu bewältigen:

  1. Akzeptieren Sie die Erkrankung: Erkennen Sie die psychische Erkrankung als solche an. Sie ist nicht die Schuld des Betroffenen und kann behandelt werden.
  2. Professionelle Hilfe ist unerlässlich: Suchen Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat. Vereinbaren Sie einen Termin für Ihren Partner, da depressive Menschen oft die Notwendigkeit eines Arztbesuchs nicht erkennen.
  3. Geduld ist gefragt: Zeigen Sie Geduld mit Ihrem Partner, auch wenn er klagt, verzweifelt ist oder sich zurückzieht. Erinnern Sie ihn daran, dass die Erkrankung vorübergeht und behandelbar ist.
  4. Seien Sie zurückhaltend mit Ratschlägen: Gut gemeinte Ratschläge wie "sich zusammenreißen" oder "in Urlaub fahren" sind kontraproduktiv und verstärken möglicherweise Schuldgefühle.
  5. Verschieben Sie wichtige Entscheidungen: Depressiv erkrankte Menschen sehen die Realität oft verzerrt. Vermeiden Sie es, wichtige Entscheidungen über die private oder berufliche Zukunft zu treffen, solange die Erkrankung andauert.
  6. Achten Sie auf sich selbst: Vernachlässigen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen nicht. Bauen Sie ein Netzwerk von Freunden und Bekannten auf und suchen Sie Unterstützung in Angehörigengruppen oder Online-Angeboten.
  7. Ernst nehmen von Suizidgedanken: Wenn Ihr Partner lebensmüde Gedanken äußert, handeln Sie sofort. Suchen Sie professionelle Hilfe.
  8. Schaffen Sie ein unterstützendes Umfeld: Informieren Sie sich über die Erkrankung und bieten Sie Ihrem Partner Informationen und Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen an.
  9. Setzen Sie Grenzen: Auch wenn Sie Ihren Partner unterstützen möchten, ist es wichtig, Ihre eigenen Grenzen zu kennen und zu wahren. Überforderung hilft niemandem.
  10. Bleiben Sie in Kontakt: Auch wenn Ihr Partner sich zurückzieht, zeigen Sie ihm, dass Sie für ihn da sind. Rufen Sie an, schreiben Sie Nachrichten oder besuchen Sie ihn.

Der Weg zur professionellen Hilfe

Der erste Schritt ist oft der schwierigste: den Betroffenen zu überzeugen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da viele Menschen mit Depressionen die Schuld für ihr Befinden bei sich selbst suchen, halten sie einen Arztbesuch oft nicht für nötig. Signalisieren Sie, dass Sie für Ihren Partner da sind und bieten Sie Ihre Hilfe immer wieder an.

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Sie können anbieten, die Entscheidung abzunehmen und einen Arzttermin zu vereinbaren. Erklären Sie, dass es darum geht, ihn "durchchecken" zu lassen, um mögliche körperliche Ursachen auszuschließen. Verweisen Sie auf Online-Foren, die einen niederschwelligen Zugang zu Informationen und Erfahrungsberichten bieten.

Sollte Ihr Partner lebensmüde Gedanken äußern, ist schnelles Handeln gefragt. Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen und suchen Sie umgehend professionelle Hilfe.

Selbstfürsorge für Angehörige

Die Betreuung eines psychisch kranken Partners kann sehr belastend sein. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und die eigenen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren. Tun Sie sich öfter etwas Gutes, pflegen Sie Kontakte im Freundeskreis und bauen Sie sich ein Netzwerk von Unterstützung auf.

Es gibt spezielle Online-Programme für Angehörige von depressiv erkrankten Menschen, die Übungen und Videos anbieten, um den Betroffenen zu unterstützen und mit Krisen umzugehen, ohne sich selbst zu überfordern. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Thema "Selbstfürsorge". Sollte die Belastung zu groß werden und Sie selbst krank werden, suchen Sie ärztliche Hilfe.

Kommunikation und Verständnis

Viele depressiv erkrankte Menschen äußern Klagen und Verzweiflung, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück. Zeigen Sie Geduld und erinnern Sie Ihren Partner daran, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt.

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Versuchen Sie nicht, ihn von der Grundlosigkeit seiner Schuldgefühle zu überzeugen oder sich auf Streit darüber einzulassen, ob seine negative Sichtweise "objektiv" gerechtfertigt sei. Nehmen Sie seine körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste ernst und tun Sie sie nicht als übertrieben oder "nur psychisch bedingt" ab.

Was Sie vermeiden sollten

  • Gut gemeinte Ratschläge: Raten Sie Ihrem Partner nicht, sich abzulenken oder in Urlaub zu fahren. Eine fremde Umgebung kann ihn zusätzlich verstören.
  • Aufforderungen zur "Zusammenreissen": Ein depressiv erkrankter Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen. Sie verstärkt möglicherweise sogar die Schuldgefühle.
  • Versuche der Aufmunterung: Oft ist es nicht leicht, treffende und tröstende Worte zu finden.
  • Kritik: Vermeiden Sie Kritik, da diese die Symptomatik verschlimmern kann.

Umgang mit Suizidalität

Manchmal erscheint einem schwer depressiv erkrankten Menschen seine Situation so hoffnungslos, dass er nicht mehr leben will. Es ist wichtig, die Alarmzeichen ernst zu nehmen und zu wissen, was zu tun ist, wenn Sie einen akut suizidgefährdeten Menschen kennen.

Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen und suchen Sie umgehend professionelle Hilfe. Zögern Sie nicht, den Notruf zu wählen.

Psychose und Partnerschaft

Eine Psychose in der Partnerschaft stellt besondere Herausforderungen dar. Psychosekranke Menschen sind oft verletzlicher und dünnhäutiger als gesunde Menschen. Konflikte können Stressoren sein, die eine Psychose auslösen.

Es ist wichtig, Absprachen im häuslichen und familiären Bereich zu treffen und diese einzuhalten. Diese Absprachen setzen Absprachefähigkeit und ein großes Vertrauen voraus. Klären Sie, zu wem der Betroffene ein so großes Vertrauen hat, dass er sogar unter Einfluss einer Psychose auf ihn hören würde.

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Medikamente und Psychotherapie können eine extreme Verletzlichkeit ausgleichen, so dass der gesunde Partner nicht mehr unverhältnismäßig rücksichtsvoll sein muss. In einer Paartherapie können Konflikte aufgearbeitet und gegenseitige Verletzungen verarbeitet werden.

Die Psychose betrifft alle Bereiche des partnerschaftlichen Zusammenlebens, auch die Sexualität. Das Bedürfnis nach Sexualität kann gesteigert oder völlig abhanden kommen. Wichtig ist, dass der gesunde Partner seine eigenen Bedürfnisse zurücknimmt und den kranken Partner nicht sexuell bedrängt.

Kinderwunsch und Familienplanung

Wenn in einer Partnerschaft eine Psychose aufgetreten ist, stellt sich die Frage nach der Vererbbarkeit der Krankheit. Kann der psychosekranke Partner mit seiner Erkrankung so umgehen, dass er sie weitgehend im Griff hat? Wer ist voll und ganz für die Kinder da, wenn der psychosekranke Elternteil ausfällt?

Grundsätzlich lässt sich zur Familienplanung psychisch kranker Menschen keine einfache Antwort geben. Eltern sollten auch das Risiko kennen, ein ebenfalls psychisch krankes Kind zu bekommen, und dann mit klarem Kopf abwägen, ob sie es eingehen wollen oder nicht.

Nach der Krise

Wenn eine psychotische Krise überstanden ist und der Betroffene aus der Klinik nach Hause kommt, ist es wichtig, über das Erlebte zu sprechen. Nehmen Sie sich Zeit, um sich gemeinsam zu erinnern, was alles gewesen ist. Teilen Sie einander mit, wie Sie die Ereignisse aus Ihren unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben und welche Schwierigkeiten Sie mit dem jeweils anderen hatten.

Treffen Sie Absprachen, wie der Partner schädigendes Verhalten des Betroffenen unterbinden kann. Diese Absprachen geben beiden Partnern Sicherheit und sind eine der wichtigsten "tragenden Säulen" für die Partnerschaft.

Freundschaft als Stütze

Freundschaften sind ein wichtiger Faktor für die mentale Stabilität und helfen vielen Menschen bei psychischen Problemen. Sie können ein soziales Sicherheitsnetz sein, das uns mit unseren Problemen auffängt und wieder auf die Beine hilft. Insbesondere für Singles ist Freundschaft besonders wichtig.

Freunde können helfen, die Probleme des Lebens zu bewältigen. Menschen, die enge Vertraute haben, sind oftmals mit ihrem Leben zufriedener. Freundschaften im Erwachsenenalter, die soziale Unterstützung und verständnisvolle Anteilnahme bieten, stärken nicht nur das Wohlbefinden, sondern können ganz konkret vor psychischen Problemen wie Depressionen und Angststörungen schützen.

Wie Sie Ihren Freund mit psychischen Problemen unterstützen können

Wenn ein guter Freund von Ihnen psychische Probleme hat, ist Ihre Freundschaft besonders wichtig. Suchen Sie das Gespräch, aber überfahren Sie ihn nicht. Verlassen Sie sich nicht auf Beteuerungen, wonach alles in Ordnung sei. Vielleicht müssen Sie vorsichtig nachhaken.

Entscheidend ist, dass es Ihnen gelingt, mit Ihrem Freund in einen Gefühlsaustausch zu treten. Allein diese emotionale Verbindung kann eine sehr wirksame Unterstützung sein. Zeigen Sie, dass Sie immer noch ein Freund sind und dass Sie sich um die Person sorgen.

Die wertvollste Unterstützung, die Sie jetzt geben können, ist einfach für den Freund da zu sein, um zuzuhören und zu reden. Es kann unendlich viel helfen, sich die Zeit zu nehmen, um anzurufen, eine Nachricht zu schreiben, jemanden zu besuchen oder einzuladen. Drängen Sie sich nicht auf, aber lassen Sie es auch nicht zu, dass sich Freunde zurückziehen.

Hilfe im Alltag anbieten

Manchmal fallen die alltäglichen Dinge bei mentalen Problemen schwer. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Freund mit den Verrichtungen des täglichen Lebens überfordert ist, fragen Sie ihn, ob Sie vielleicht helfen können. Auch ganz praktische Hilfe kann sehr wertvoll sein.

Nehmen Sie die Alltagschwierigkeiten Ihres Freundes ernst und helfen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten aus.

Überforderung vermeiden

Vergessen Sie über die Sorge um Ihren Freund nicht sich selbst. Setzen Sie klare Grenzen für Ihre Unterstützung. Gönnen Sie sich eine Pause, wenn Sie sie brauchen. Teilen Sie Ihre Verantwortung mit anderen, wenn Sie können. Sprechen Sie mit anderen über Ihre eigenen Gefühle, um sich unterstützt zu fühlen.

Wie Sie mit Freunden über Ihre eigenen psychischen Probleme sprechen können

Vielen Menschen (und nicht nur Männern) fällt es schwer, ihre Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen - insbesondere dann, wenn es ihnen nicht gut geht. Wer die eigene Unzufriedenheit ignoriert und negative Gefühle unterdrückt, macht alles nur schlimmer und riskiert psychische Probleme.

Überlegen Sie sich genau, wem Sie wirklich vertrauen. Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie ungestört sind. Planen Sie das Treffen so, dass Sie beide genügend Zeit zum Reden haben. Bereiten Sie konkrete Beispiele vor, wie sich Ihre psychische Gesundheit auf Ihren Alltag auswirkt, damit Ihr Freund verstehen kann, worum es geht.

Sagen Sie klar, wann Sie nur möchten, dass er Ihnen zuhört, und wann Sie seinen Rat brauchen. Bereiten Sie sich auf Enttäuschungen vor. Nicht jeder hat das nötige Verständnis oder ist den Herausforderungen gewachsen, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt.

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