Hirnfressende Krankheit: Eine Bedrohung durch Amöben und andere Parasiten

Die Vorstellung, dass Parasiten das Gehirn befallen und zerstören können, mag wie einem Horrorfilm entsprungen sein, ist aber eine erschreckende Realität. Verschiedene Mikroorganismen, darunter Amöben und Würmer, können ins Gehirn eindringen und dort verheerende Schäden anrichten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Risiken und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit solchen Hirninfektionen.

Der Fall Fabrizio Stabile: Eine Tragödie durch Naegleria fowleri

Fabrizio Stabile, ein 29-jähriger Mann, erlebte plötzlich starke Kopfschmerzen, nachdem er den Rasen gemäht hatte. Seine Angehörigen schilderten auf einer Crowdfunding-Seite, wie er sich hinlegen musste und Schmerzmittel nahm, die jedoch keine Linderung brachten. Am nächsten Morgen waren die Kopfschmerzen immer noch da, und als seine Mutter ihn am Nachmittag besuchte, konnte er nicht mehr aufstehen und sprach unverständlich.

Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung, führten sie jedoch zunächst auf andere, typischere Infektionen zurück. Für eine Behandlung sei es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät gewesen, schreiben die Angehörigen. Zwei Tage später, am 21. September, verstarb Stabile. Die Ursache war die Amöbe Naegleria fowleri, ein Einzeller, der nur in warmem Süßwasser überlebt.

Vor seinem Tod hatte Fabrizio Stabile eine Surf- und Wasserskianlage besucht. Wasserproben wurden entnommen, um die Quelle der Infektion zu ermitteln. Die US-Gesundheitsbehörde CDC gibt an, dass sich Betroffene in der Regel infizieren, wenn beim Baden oder Tauchen kontaminiertes Wasser in die Nase gelangt. Durch ungewolltes Verschlucken oder Trinken könne man sich nicht anstecken.

Naegleria fowleri: Die "hirnfressende Amöbe"

Naegleria fowleri, auch bekannt als "hirnfressende Amöbe", ist ein thermophiler Parasit, der warmes Süßwasser mit Temperaturen über 30 Grad bevorzugt. Angesichts der weltweiten Klimaerwärmung wächst die Besorgnis über die Ausbreitung dieser Amöbe.

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Verbreitung und Risikofaktoren

Die Amöbe findet sich besonders in Süßgewässern und Böden der Subtropen und Tropen, aber auch in natürlich oder künstlich erwärmten Süßgewässern gemäßigter Klimazonen. In ordnungsgemäß desinfizierten Swimmingpools besteht hingegen keine Infektionsgefahr.

Das Risiko einer Infektion lässt sich reduzieren, indem man beim Schwimmen oder Tauchen in Süßwasser die Nase zuhält oder eine Nasenklammer trägt, in heißen Quellen immer den Kopf über Wasser hält und in seichtem Wasser nicht den Boden aufwirbelt oder gräbt, da die Amöbe dort mit größerer Wahrscheinlichkeit lebt. Zum Spülen der Nasennebenhöhlen oder Nasenwege sollte destilliertes oder abgekochtes Wasser verwendet werden.

Symptome und Krankheitsverlauf

Nachdem die Amöben das Gehirn befallen haben, dauert es in der Regel ein bis neun Tage, bis sich die Erkrankung zeigt. Zu den ersten Beschwerden gehören heftige Schmerzen an der Vorderseite des Kopfes, Fieber und Übelkeit. Der Zustand der Betroffenen kann sich schnell verschlechtern. Es folgen ein versteifter Hals, Krampfanfälle, psychische Auffälligkeiten wie Halluzinationen und letztendlich ein Koma. Meist vergehen nicht mehr als 18 Tage zwischen dem Beginn der ersten Anzeichen und dem Tod.

Diagnose und Behandlung

Laut einem Fachartikel von 2014 enden mehr als 95 Prozent der bekannten N.-fowleri-Infektionen tödlich. In Nordamerika seien nur fünf Fälle bekannt, bei denen Betroffene die Infektion überlebten, berichtet die CDC.

Die CDC empfiehlt, Infizierte mit dem Wirkstoff Miltefosin zu behandeln, der die Einzeller in Laborversuchen abtötete. Das Medikament wird eigentlich zur Behandlung von Brustkrebs und Leishmaniose eingesetzt. Inzwischen sind einige Fälle dokumentiert, bei denen Erkrankte, die Miltefosin erhielten, wieder gesund wurden.

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Obwohl die Chancen, die Krankheit zu überleben, gering seien, könnten eine frühe Diagnose und neue Behandlungen dazu beitragen, schreibt das CDC. Auch bei Fabrizio Stabile sei der Zeitpunkt der Diagnose zu spät gewesen, um das Medikament noch sinnvoll einzusetzen, schreiben seine Freunde auf seiner Crowdfunding-Seite.

Fallbeispiele und regionale Besonderheiten

Die meisten Fälle von Naegleria-fowleri-Infektionen wurden in den USA, Australien und Frankreich beschrieben. Aus Deutschland ist bisher keiner bekannt. Forscher gehen allerdings davon aus, dass viele Fälle in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht als solche erkannt und deshalb nicht berichtet werden.

In Europa gab es in den vergangenen Jahrzehnten nur sehr vereinzelt Todesfälle oder Infektionen. In Spanien etwa überlebte ein zehn Jahre altes Mädchen aus Toledo im Jahr 2018 die Infektion. Ein 9-jähriger Junge in Italien infizierte sich 2004 mit dem Parasiten, als er in einer kleinen Badestelle am Fluss Po in Norditalien schwamm. In Belgien gab es mindestens vier Fälle.

In Indien sorgt ein gefährlicher Einzeller für Angst: Naegleria fowleri hat seit Jahresbeginn bereits 19 Menschen das Leben gekostet. Im gesamten Jahr wurden 72 Infektionen verzeichnet, das entspricht einer Todesrate von 27 Prozent.

Klimawandel und Ausbreitung

Wie eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, breitet sich die Amöbe in den USA bereits von den Südstaaten weiter in den Mittleren Westen aus. Steigende Temperaturen und die damit verbundene Zunahme der Freizeitnutzung von Wasser könnten zur veränderten Epidemiologie beitragen.

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Auch die Luft- und damit die Wassertemperaturen steigen aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend an, wodurch sich der Lebensraum der "hirnfressenden Amöbe" potenziell vergrößert. Zudem führt der Klimawandel auch zu immer mehr extremen Wetterereignissen wie etwa Hochwasser und Dürren, die den Erreger weiter verbreiten können.

Andere Hirnfressende Parasiten: Ratten-Lungenwürmer

Neben Amöben können auch andere Parasiten das Gehirn befallen. Ein Beispiel sind Ratten-Lungenwürmer (Angiostylus cantonensis), die in der jüngsten Vergangenheit auf Hawaii für Besorgnis gesorgt haben.

Übertragung und Symptome

Der Hauptwirt des Fadenwurms ist die Ratte. Über ihren Kot verteilt sie die Larven des Parasiten in der Umwelt; Schnecken, Krabben, Krebse, Fische und Frösche nehmen die Wurmlarven auf und tragen ebenso zur Verbreitung bei. Wenn Menschen nun mit verschmutztem Obst und Gemüse oder aber auch mit den oben erwähnten Tieren in Kontakt kommen, kann es zur Ansteckung kommen.

In besonders schlimmen Fällen arbeitet sich die parasitäre Larve des Wurms ins Nervensystem und ins Gehirn der Infizierten vor. Es entsteht eine Art Hirnhautentzündung, die starke Kopfschmerzen, Zittern, Taubheit und Fieber auslöst. Einige Patienten versterben an der Krankheit.

Prävention

Um sich vor Ratten-Lungenwürmern zu schützen, sollten Lebensmittel aus dem Freien besonders gründlich gewaschen werden. Da als Überträger hauptsächlich Nacktschnecken im Fokus stehen, sollten diese intensiv bekämpft werden.

Amöben im Leitungswasser: Eine weitere Gefahr

Amöben können sich auch zu Hause in Warmwasserbereitern oder Leitungsrohren verbreiten. Deshalb sollte sämtliches Wasser, welches zum Spülen der Nase verwendet wird, vorher mindestens eine Minute lang abgekocht werden. Alternativ ist auf destilliertes oder steriles Wasser zurückzugreifen.

Gefährliche Pilzerreger: Eine unterschätzte Bedrohung

Neben Parasiten können auch Pilze das Gehirn befallen und schwere Schäden verursachen. Gefährliche Pilzerreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie zerfressen die Lunge, vergiften das Gewebe, erobern das Gehirn. Vorbereitet auf diese Arten sind wir kaum, warnen Fachleute.

Ein Beispiel ist der einzellige Hefepilz Candida auris, der 2009 zum ersten Mal identifiziert wurde und seitdem weltweit auftaucht. Auch die Kokzidioidomykose, eine Infektion, die von Pilzen ausgelöst wird, kann schwerwiegende Folgen haben.

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