Epilepsie bei Kindern: Rehabilitations- und Therapieangebote in Deutschland

Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, insbesondere bei Kindern. Sie stellt betroffene Familien vor große Herausforderungen. Ziel der klassischen Epilepsietherapien ist es, durch Medikamente Anfallsfreiheit zu erreichen. Allerdings verlaufen etwa 20 % der Epilepsien therapieschwierig oder sind nicht vollständig behandelbar, was zu starken psychischen und physischen Belastungen bei Kindern und Eltern führt. Neben der medizinischen Behandlung sind daher auch psychosoziale Aspekte und die Regeneration der Familien von großer Bedeutung. Dieser Artikel bietet einen Überblick über verschiedene Rehabilitations- und Therapieangebote für Kinder mit Epilepsie in Deutschland.

Herausforderungen und Therapieansätze bei kindlicher Epilepsie

Epilepsie kann sich bei Kindern in unterschiedlicher Form zeigen. Im epileptischen Anfall können sowohl nur einzelne Muskeln zucken (fokaler epileptischer Anfall), oder es kommt zum Krampfen des gesamten Körpers mit Bewusstlosigkeit (generalisierter epileptischer Anfall). Kinder erleben ihre Epilepsie häufig als Kontrollverlust, was zu Rückzug aus dem sozialen Umfeld oder Schwierigkeiten in der Schule führen kann. Eltern entwickeln oft Ängste in Bezug auf die Entwicklung ihres Kindes. Eine rein medizinische Behandlung ist daher selten ausreichend.

Moderne Therapieansätze berücksichtigen die somatischen und psychiatrischen Begleiterkrankungen der Epilepsie. Sie zielen darauf ab, nicht nur die Anfälle zu kontrollieren, sondern auch die Lebensqualität der Kinder und ihrer Familien zu verbessern.

Rehabilitationskliniken und Therapiezentren für Kinder mit Epilepsie

Verschiedene Kliniken und Zentren in Deutschland haben sich auf die Rehabilitation und Therapie von Kindern mit Epilepsie spezialisiert. Diese Einrichtungen bieten ein breites Spektrum an Leistungen, das von medizinischer Behandlung über psychologische Betreuung bis hin zur schulischen Unterstützung reicht.

Diana-Klinik

Die Diana-Klinik hat mehrere Standorte in Deutschland, darunter:

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  • 57271 Hilchenbach, Ferndorfstr.
  • 83043 Prien a.Chiemsee, Kolbermoorer Str.
  • 95445 Bayreuth, Jakob-Herz-Str. (Reha- u Akutklinik)
  • 97616 Bad Neustadt, Von-Guttenberg-Str.
  • 14772 Brandenburg, Brahmsstr.

Diese Kliniken bieten umfassende Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder mit Epilepsie und berücksichtigen dabei sowohl somatische als auch psychiatrische Begleiterkrankungen.

VAMED Klinik Geesthacht

Die VAMED Klinik Geesthacht ist eine Fachklinik für Neurologie und ein neurologisches Reha-Zentrum in 21502 Geesthacht, Johannes-Ritter-Str. Sie bietet spezialisierte Rehabilitationsprogramme für Kinder und Jugendliche mit Epilepsie.

Landeskrankenhaus Klinik Viktoriastift

Das Landeskrankenhaus Klinik Viktoriastift ist eine Rehabilitations- und Kurklinik.

Hegau Jugendwerk GmbH

Das Hegau Jugendwerk GmbH ist eine neurologische Klinik in 79219 Staufen im Breisgau, Albert-Hugard-Str. Es arbeitet mit dem Norddeutschen Onkologischen Zentrum zusammen.

Weitere Einrichtungen

Weitere Einrichtungen, die Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder mit Epilepsie anbieten, sind:

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  • 99518 Bad Sulza, Sophienstr.
  • 22609 Hamburg, Sternstr. (Bethel.regional. Kurzzeitpfl. Bethel.)
  • 34454 Bad Arolsen, Bathildisstr. (ab 4 Jahre, müssen noch schulpflichtig sein)
  • 49328 Melle, Quabbenstr. (Körperbehinderte)
  • 87435 Kempten, Immenstädter Str. (Allgäu /Abtlg.)
  • 88074 Meckenbeuren, Siggenweilerstr. (Stiftung Liebenau - Haus der Pflege St.)

In diesen Einrichtungen können Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss zur Rehabilitation aufgenommen werden.

Therapieangebote und Schwerpunkte

Die Rehabilitationsziele werden in der Regel bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt. Bei Aufnahme werden diese Ziele noch einmal präzisiert und im Behandlungsverlauf angepasst. Grundsätzlich stehen den Kindern mit Epilepsien alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule).

Spezielle Therapieangebote

  • Ärztliche Schulungen für Angehörige: Hier erhalten die Angehörigen Informationen und Basiswissen zum Thema Anfälle.
  • Unterricht in der Klinikschule: Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten.
  • Psychosoziale Unterstützung: Kinder und Eltern erhalten Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung und ihren Auswirkungen auf den Alltag.
  • Sport- und Bewegungsangebote sowie kreatives Arbeiten: Diese Angebote fördern die emotionale Stabilisierung und das Selbstwertgefühl von Kindern und Eltern.
  • Eltern-Kind-Angebote: Diese Angebote dienen zur Verbesserung und Stabilisierung der Eltern-Kind-Beziehung.

DRK Zentrum für Gesundheit und Familie in Plön

Das DRK Zentrum für Gesundheit und Familie in Plön bietet Mutter/Vater-Kind-Kuren zum Thema Epilepsie an. Diese dreiwöchigen Kurmaßnahmen richten sich an epilepsiekranke Kinder, die bereits eine stabile medikamentöse Einstellung haben, und deren Eltern.

Schwerpunkte der Kurmaßnahmen in Plön:

  • Erlernen eines adäquaten Lebensstils zur Verringerung des Anfallsrisikos: Dazu gehören gesunde Ernährung, Sport und Entspannungstechniken.
  • Abbau psycho-sozialer Belastungen: Dies wird durch Gespräche und Schulungen erreicht.
  • Famoses-Elternschulungen: In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche in Raisdorf werden zu bestimmten Kurterminen Famoses-Elternschulungen durchgeführt.
  • Entlastung von den häuslichen Pflichten: Die professionelle Betreuung der Kinder ermöglicht den Eltern eine intensive Erholungsphase.

Die Einrichtung in Plön liegt mitten in der schleswig-holsteinischen Schweiz, umgeben von Wald und mit eigenem Seezugang. Das natürliche Gelände und die unmittelbare Umgebung werden in die Therapien miteinbezogen.

Rehaklinik Saarwald

Die Rehaklinik Saarwald nimmt Kinder (und auch Erwachsene) mit Epilepsie auf. Hierbei werden zu Hause durchgeführte Behandlungen wie z.B. Krankengymnastik und Ergotherapie weiter fortgeführt. Die Eltern können ihre Anwendungen wahrnehmen, während ihre Kinder in der Kinderbetreuung gut versorgt sind.

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Weitere wichtige Aspekte

  • Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche in Raisdorf: Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende und spezialisierte Betreuung von Kindern mit Epilepsie.
  • Berücksichtigung der Wohnortferne: Trotz der Wohnortferne der aufgenommenen Kinder fühlen sich die Kliniken auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet.
  • Individuelle Therapieplanung: In der Therapieplanung werden die Therapieangebote der Kinder passend eingetaktet.

Einschränkungen und Kontraindikationen

Es gibt bestimmte Situationen, in denen eine Kurmaßnahme nicht geeignet ist. Dazu gehören:

  • Kinder mit Down-Syndrom, die 5 Jahre und älter sind und einen erhöhten Bedarf an individueller Betreuung haben.
  • Kinder mit großen Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung und der Verarbeitung von Umwelt- und Sinnesreizen.
  • Kinder mit Mukoviszidose oder zystischer Fibrose, da diese eine besondere Physiotherapie sowie ärztliche Begleitung benötigen, die ausschließlich in speziellen Fachkliniken angeboten werden.
  • Kinder mit dem Pflegegrad 3 - 5, da für diese aufgrund des erhöhten Aufwands an Betreuung und Therapie eine gute Maßnahme nicht gewährleistet ist.
  • Patienten mit Adipositas per Magna mit > 150 kg, da die Kliniken keine Raum-Einrichtung sowie Medizintechnik bieten können, die dem Anforderungsprofil einer Klinik für diese Diagnose entspricht.
  • Kinder mit ausgeprägten Ängsten vor anderen Menschen oder einer ausgeprägten Aggressivität mit mangelnder Impulskontrolle.
  • Dialysepflichtige Patienten, da die Termine für die Dialyse in Kooperationseinrichtungen außerhalb der Klinik generell nicht mit den Zeiten der Kinderbetreuung kompatibel sind und die Therapiezeit in der Klinik begrenzen.

In diesen Fällen wird empfohlen, sich an spezielle Fachkliniken oder Beratungsstellen zu wenden.

Wie bekomme ich eine Kur?

Eine Kur wird bei der Krankenkasse beantragt. Voraussetzungen für eine Bewilligung sind z.B. medizinische Notwendigkeit und die Erschöpfung anderer Behandlungsmöglichkeiten.

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