Insektenhotels sind eine beliebte Möglichkeit, Wildbienen und anderen nützlichen Insekten im Garten oder auf dem Balkon ein Zuhause zu bieten. Dabei spielen markhaltige Stängel eine besondere Rolle, da sie von vielen Wildbienenarten als Nistplatz bevorzugt werden.
Vielfalt der Materialien für Insektenhotels
Für den Bau von Insektenhotels können verschiedene Materialien verwendet werden, darunter Holz, Ton, Ziegelsteine oder Bambus. Diese Materialien bieten unterschiedliche Nistquartiere für Insekten. Insektenquartiere und Nisthölzer lassen sich problemlos selbst herstellen.
Markhaltige Stängel als Nistplatz
Viele Bienenarten nisten in hohlen oder markhaltigen Stängeln. Besonders die markhaltigen Ranken und Stängel, in die sich manche Bienen eingraben, sollten nicht vergessen werden. Geeignet sind vor allem Brom- und Himbeere, Heckenrose, Sommerflieder, Königskerze, Herzgespann und Distelarten. Voraussetzung für erfolgreiches Nisten ist nur, dass es solche Zweige und Stängel im Spätsommer gibt, dass die Insekten an Bruchstellen einen Einstieg finden und dass diese abgestorbenen Pflanzenteile bis zum Frühling stehen bleiben.
Geeignete Pflanzenarten
Etwa 50 Zentimeter lange Stängel von Brombeere, Holunder, Sommerflieder oder Heckenrose werden im Herbst geschnitten, von Blättern und Seitentrieben befreit und über den Winter unter einem Dach getrocknet. Im März werden etwa 10 bis 15 Stängel gebündelt und in etwa 45 Grad Schräglage (Regenwasserabfluss) an Zäunen, Wänden oder Baumstämmen befestigt. Das Mark der Stängel nagen Blattschneider- und andere Wildbienen selbst aus. Etwa alle drei Jahre (Erfahrung) werden die Stängel ausgetauscht.
Senkrechte Anordnung bevorzugt
Natürliche Lebensweise: Für einige Wildbienen-Arten gehört es zur natürlichen Nist- und Lebensweise, senkrecht oder leicht geneigt stehende markhaltige Stängel zu besiedeln. Für eine Besiedelung eignen sich Gehölze, wie Brombeere (Rubus sect. Rubus syn.fruticosus) Himbeere (Rubus spec.) Hecken-Rose/Hunds-Rose (Rosa canina)Zweijährige Pflanzen und Stauden, wie Königskerze (Verbascum densiflorum) Klette (Arctium spec.) Beifuß (Artemisia vulgaris)
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Senkrecht angebracht werden die Brombeerstängel zu prima Nisthilfen für einige Insekten. Anbringung der Triebe ohne Erdkontakt, z.B. am Zaun oder an Stäben oder Pfählen. Anbringung einzeln, senkrecht bis leicht schräg! Mark nicht entfernen! Nach Besiedelung - Stängel für mindestens ein Jahr belassen!
Wichtig: Bei der Bereitstellung von Nistmöglichkeiten müssen ausreichend Bienen-Nährpflanzen in der näheren Umgebung der Nisthilfen/Nistplätze vorhanden sein! Dazu zählen zum Beispiel:
"Bienenraketen" als Nistplätze
Wenn man selber diese speziellen Wildbienen Nistplätze bauen möchte, sollten sie wie Raketen aufgebaut werden. Diese „Bienenraketen“ können auch aus rund 1-2 cm dicken Holzstücke von Rosengewächse gebaut werden. Zu den Rosengewächse (Rosaceae) gehören auch Himbeeren und Brombeeren. An jeden Stützstamm wird nur ein - mindestens 30 cm langes - Holzstück gebunden und senkrecht in den Boden gesteckt. Natürlich am besten in der Nähe einer blühenden Wildblumenwiese.
Die Rolle des Gärtners
In unseren privaten und öffentlichen Gärten ist genau das aber meist nicht der Fall: Viele Gärtner meinen, sie seien es ihrem Ansehen bei Nachbarn oder gar unbekannten Spaziergängern schuldig, ihren Garten "besenrein" in die Winterruhe zu schicken bzw. auf die nächste Pflanzsaison vorzubereiten. Alles was verwelkt, abgestorben oder abgefallen ist, wird abgeschnitten und zusammengekehrt und dann kompostiert oder sogar verbrannt. Die erste und wichtigste Schutzmaßnahme ist also, die trockenen Ranken und Stengel von Brombeere, Heckenrose, Holunder, Königskerze, Schilf, Sommerflieder etc. einfach stehen zu lassen und ihre Enden abzubrechen oder abzuschneiden, um den Bienen einen Einstieg zu ermöglichen.
Nisthilfe "Stängelbündel"
Dazu brauchst du: einige markhaltige Stängel, wie zum Beispiel Holunder, Sonnenblumen, Brombeerstängel, mindestens 10 cm lang, gerne auch länger, undeine feste Kordel zum Zusammenbinden der Stängel und zum Aufhängen. Binde ein paar längere markhaltige Pflanzenstängel mit der Kordel zu einem festen Bündel zusammen. Das Bündel hängst du aufrecht (die Enden der Stängel zeigen nach oben bzw. unten) an einem vor Regen geschützten Platz auf, zum Beispiel an einem Baum, einer Wand oder an einem Zaun.
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Bauanleitungen für Insektenhotels mit markhaltigen Stängeln
Ziegelstein-Nisthilfe
So ein preiswerter Gitterziegel lässt sich sehr gut zu einer Nisthilfe für Wildbienen umfunktionieren. Sehr schön für die Arbeit mit Kindern. Öffnungen am Gitterziegel - aus dem Baumarkt - haben einen sehr scharfen Grat. Wegen Verletzungsgefahr wird der Grat mit einer alten Raspel entfernt. Nachdem der Grat entfernt wurde (2. Ziegel), werden links und rechts oben zwei Löcher mit einem Steinbohrer (je nach Drahtstärke) gebohrt. Für die Aufhängung wird ein starker Draht gebogen und die Enden in die Löcher gesteckt.
Nun mischt man Lehm mit Wasser zu einem zähen Brei an. Diesen Lehmbrei drückt man mit Hilfe von zum Beispiel passenden Holzstückchen in die Löcher. Einige Löcher (3. Ziegel) lässt man offen. Dort kann man Bambusrohrabschnitte einarbeiten, die einige Zentimeter vorstehen. Diese Bambusrohrabschnitte werden von einigen Wildbienenarten bevorzugt.
Nun werden in den noch weichen Lehm mit Hilfe von Nägeln, Stricknadeln oder Rundholz Löcher von ungefähr zehn Zentimetern Tiefe (Durchmesser überwiegend drei bis sechs Millimeter) mit einer Drehbewegung eingedrückt.
Wichtig: Die Löcher müssen mit dem entsprechenden Hilfsmittel zunächst ganz durchgestoßen werden, da sonst beim Herausziehen die Löcher teilweise wieder zusammenfallen (Luftpumpeneffekt). Wenn alle Löcher durchgestoßen sind, werden an der Rückseite die offenen Löcher wieder mit Lehm verschlossen.
Holunderstängel in der Konservendose
Vorgehensweise: Im Spätherbst werden Holunderstängel geschnitten, dann von Blättern und Seitentrieben befreit. Da die Stängel noch sehr weich sind, können sie anschließend mit einer Rosenschere auf Länge einer Konservendose geschnitten werden. Da das Mark der Holunderabschnitte zum Aufbohren noch zu weich ist (keine sauberen Löcher), müssen diese etwa drei Monate trocknen. Der Bohrerdurchmesser richtet sich nach dem Durchmesser des Holunderabschnittes (Markdurchmesser). Die Abschnitte werden mit der Öffnung nach vorne in die Dose gesteckt. Sie sollten recht stramm sitzen, damit sie nicht von Vögeln herausgezogen werden können.
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Nisthilfe "Konservendose"
Dazu brauchst du:echte Strohhalme (gibt’s beim Bauern oder im Bastelbedarf. Achte darauf, dass sie nicht gequetscht oder gespalten sind) oder hohle Schilf- oder Bambusstängel (Baumarkt),Gips, Wasser, eine Schüssel und einen Löffel oder ein Stück Holz zum Anrühren,eine möglichst hohe leere Konservendose undeine Gartenschere oder eine kleine Fuchsschwanzsäge. Kürze die Halme oder Stängel so, dass sie in die Dose passen und nicht überstehen. Mindestens 10 cm lang sollten sie und die Dose sein, je länger desto besser. Achte bei Bambus- und Schilfstängeln darauf, dass sie komplett offen sind. Rühre etwas Gips (je nach Größe der Dose sollten circa 6 Esslöffel reichen) nach der Packungsanleitung mit Wasser an und fülle deine Dose etwa 1 cm hoch auf. Sei vorsichtig, falls deine Dose vom Öffnen scharfe Ränder hat, damit du dich nicht verletzt. Drücke dann so viele Stängel in den feuchten Gips, dass diese fest sitzen. Sie sollten sich nicht herauslösen lassen, denn sonst könnten hungrige Vögel sich leicht die Stängel mit der Insektenbrut holen.
Holzblock mit Bambusröhrchen
Ausreichend stabil und widerstandsfähig sind auch (Weich-) Holzblöcke, die sich zwar aufgrund ihrer Grobfaserigkeit nicht zum Bohren von Nistgängen eignen, aber durchaus als Sockel zur Aufnahme hohler Stengel, Bambusrohre etc. Je länger allerdings die Bambusrohre aus dem Holzblock herausragen (Abbildung links), desto eher und schneller werden sie durch Regen und Temperaturschwankungen gespalten. Haltbarer als Bambus sind Holzdübel bzw. kurze Stücke eines Buchenrundholzes (Abbildungen unten Mitte & rechts, Ø 8 und 10 mm bzw. 12 und 14 mm), wie man es im Heimwerkermarkt kaufen kann: Man sägt das Rundholz in gleich lange bzw.
In einem Baumarkt kaufen wir Bambusrohre von mindestens drei verschiedenen Innendurchmessern: 3-4 mm, ca. 5 mm und ca. 7 mm. Oft finden sich alte, ergraute Bambusstengel übrigens auch in Lauben und Besenkammern oder auf dem Dachboden … Wir zersägen die Bambusrohre in 10-12 cm lange Stücke und nutzen dabei nur die Halmabschnitte (Internodien) zwischen den Verdickungen bzw. Mit einer Schieblehre messen wir präzise, d. h. auf den halben Millimeter genau, die Außendurchmesser der Bambusstücke (bzw. In die Löcher stecken und hämmern wir die jeweils passenden Bambusröhrchen; je kürzer sie herausragen, desto besser.
Bambusstengel zur Beobachtung
Ein Bambusstengel kann uns auch faszinierende Einblicke in die Entwicklung und Metamorphose der Wildbienen ermöglichen: Man spaltet einen solchen Stengel der Länge nach, verschließt das hintere Ende der beiden Hälften jeweils mit etwas Leim und einem Holzspan, klebt beide Teile mit ganz wenig Leim wieder zusammen und steckt das so präparierte Röhrchen in ein Loch des Holzblocks ( Details). Falls es dann besiedelt wird, kann man das Röhrchen zwei- oder dreimal herausziehen und vorsichtig in waagerechter Lage aufklappen, um den Entwicklungsstand der Brut zu studieren.
Weitere Aspekte beim Bau von Insektenhotels
Schutz vor Vögeln
Stengel klemmen dann am besten fest, wenn ihre Durchmesser jeweils über die gesamte Länge annähernd gleich sind; Knoten (Nodien) sollten also abgeschnitten werden. Auch wenn Halme scheinbar gut festklemmen: Vögel können sie oft trotzdem herausziehen. Verhindern läßt sich das, indem man die Stengel, Halme, Ranken etc. z. B. mit Holzleim oder Montagekleber an der Innen-Rückwand fixiert. Da z. B. Kleiber und Spechte Stengel auch aufhacken können, besteht der bester Schutz in einem Drahtgeflecht (Weite: ca. 25 mm), das im Abstand von einigen Zentimetern vor dem Kasten bzw.
Standortwahl
In Bäumen sind Niststengel deplaziert: Dort sucht keine Biene!
Wichtige Hinweise
- Markhaltige Stengel in waagrecht gelagerten Bündeln anzubieten, ist nicht sinnvoll, weil die Besiedler in der Natur sich vor allem mehr oder weniger vertikale, einzeln stehende Stengel oder aus einer Brombeerhecke herausschauende Ranken suchen.
- Nach der Besiedlung müssen die Stengel für ein weiteres Jahr im Freien bleiben, damit die Brut sich entwickeln und im kommenden Jahr (Frühsommer) schlüpfen kann.
- Stellt man sie senkrecht auf, werden sie vereinzelt zwar besiedelt, es besteht aber die Gefahr des Reißens an der Schnittstelle. Damit ein Königskerzenbestand als Nistplatz für spezialisierte Mauerbienen wie Osmia leucomelana oder Osmia tridentata geeignet ist, darf der Standort vier Jahre nicht beeinträchtigt werden, darf also z. B. nicht gemäht werden.
Spezialisten unter den Wildbienen
Achtung: Wildbienen sind auch Spezialisten in Sachen Nahrung Nektar und Pollen Quelle. Von über 20 verschiedenen blühenden Pflanzenfamilien wird oft nur eine als Nahrungsquelle von einer Wildbienenart angeflogen. Viele der als Bienenfreundliche bezeichneten Stauden oder Samenmischungen helfen nur der eh reichlich vorhandenen Honigbiene. Wer etwas für Wildbienen tun möchte, muss sich auch über das passende Narungsangebot informieren.
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