Funktionsstörungen des Gehirns: Ursachen und Behandlungsansätze

Funktionsstörungen des Gehirns können vielfältige Ursachen haben und sich in unterschiedlichsten Symptomen äußern. Sie umfassen sowohl neurologische als auch psychiatrische Erkrankungen und stellen eine große Herausforderung für Medizin und Gesellschaft dar. Die Erforschung der Ursachen und die Entwicklung von Strategien zur Prävention, Therapie und Pflege sind daher von großer Bedeutung.

Ursachen von Funktionsstörungen des Gehirns

Die Ursachen für Funktionsstörungen des Gehirns sind vielfältig und oft komplex. Sie lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

Durchblutungsstörungen

Die häufigste Ursache für eine Schädigung von Gehirn und Nervensystem ist eine mangelnde Durchblutung. Das Gehirn hat aufgrund seiner hohen Aktivität einen sehr hohen Energiebedarf und benötigt etwa 20 % der gesamten Blutmenge, die vom Herzen in den Körperkreislauf gepumpt wird. Eine Unterbrechung dieser Versorgung, beispielsweise durch einen Schlaganfall, kann zu einer Schädigung oder sogar zum Absterben von Nervenzellen führen. Beim Schlaganfall kommt es zu einer plötzlich auftretenden Störung des Blutflusses im Gehirn und dadurch zur Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Gehirn wird lokal geschädigt und es kommt zu einem Verlust von Neuronen. Die Ursache des Schlaganfalls kann ischämisch sein, also hervorgerufen durch die Verstopfung eines Blutgefäßes z.B. durch einen Thrombus, oder eine Gefäßverengung. Des Weiteren kann auch eine Hirnblutung dafür verantwortlich sein, dass Teile des Gehirns unterversorgt werden. Die Therapie hat das Ziel, die korrekte Durchblutung möglichst schnell wiederherzustellen, um eine weitere Schädigung von Neuronen zu verhindern.

Verletzungen

Eine Verletzung des Gehirns durch traumatische Krafteinwirkung wird Schädel-Hirn-Trauma (SHT) genannt. Ursache für eine traumatische Verletzung des Gehirns sind meist Unfälle, aber auch bestimmte Kontaktsportarten, wie Eishockey oder American Football, können ein SHT bedingen. Die Schädigung des Gehirns bei einem SHT erfolgt in zwei Phasen: Die erste Phase umfasst die direkte Schädigung durch den Unfall. Diese ist nicht therapierbar, da zerstörte Neurone im Gehirn nicht regenerieren können. In der zweiten Phase treten sekundäre Schädigungen auf, die zu einer weiteren Zerstörung von Neuronen führen können. Diese sind prinzipiell therapierbar, sofern sich die pathophysiologischen Prozesse z.B. medikamentös beeinflussen lassen.

Infektionen

Infektionen durch Bakterien und Viren können ebenfalls zu Funktionsstörungen des Gehirns führen. Sie können beispielsweise eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) verursachen, die das Gehirn schädigt und sogar tödlich enden kann. Das Virus, das die Kinderlähmung verursacht, greift Nervenzellen vor allem im Rückenmark an, die an der Steuerung der Körperbewegung beteiligt sind. Andere Viren, wie beispielsweise Herpes-zoster-Viren der Gürtelrose, können jahrelang unbemerkt bleiben, bevor sie Schädigungen verursachen.

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Tumorerkrankungen

Gehirntumoren können die Ursache für Funktionsstörungen sein. Sie können Druck auf das umliegende Gewebe ausüben oder wichtige Hirnstrukturen zerstören.

Autoimmunerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise Strukturen des Nervensystems an. Ein Beispiel hierfür ist die Multiple Sklerose (MS), eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinschicht der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angreift. Die Zerstörung der Myelinschicht führt dazu, dass die Signalweiterleitung entlang der Axone nicht mehr korrekt erfolgt, was letztendlich zu den Symptomen der MS führt.

Neurodegenerative Erkrankungen

Bei den neurodegenerativen Erkrankungen sterben nach und nach Neurone des ZNS ab. Die häufigsten Erkrankungen sind Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Die Ursachen für die Erkrankungen können sowohl genetisch als auch sporadisch sein und sind nicht immer bekannt. Allerdings wurden einige zelluläre Mechanismen identifiziert, die bei den meisten Erkrankungen zur Zellschädigung beitragen, dazu gehören Störungen der Proteinhomöostase, erhöhter oxidativer Stress, Störungen der Mitochondrien oder des intrazellulären Transports und Entzündungsreaktionen.

Genetische Faktoren

Bei zahlreichen Störungen des Gehirns und Nervensystems spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. So zeigten Studien bei schizophrenen und manisch-depressiven Patienten, dass zumindest eine Veranlagung für diese Erkrankungen vererbt werden kann. Allerdings scheint ein Ausbruch dieser Erkrankungen durch Umwelteinflüsse begünstigt zu werden. Erbliche Faktoren und die Umwelt der Patienten wirken hier offenbar zusammen. Reine Erbkrankheiten weisen häufig Defekte im Stoffwechsel der Nervenzellen auf. Es gibt einige wenige Krankheiten des Gehirns, die direkt auf ein verändertes Gen zurückzuführen sind. So gehen bei der Huntington-Erkrankung ganz bestimmte Nervenzellen des Großhirns als Folge eines Gendefekts zugrunde.

Psychiatrische Erkrankungen mit neurologischer Ursache

Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können mit "Brain Fog" einhergehen, was sich in Verwirrtheit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Wortfindungsstörungen, langsamem Denken, Orientierungsproblemen, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen äußern kann.

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Funktionelle neurologische Störungen

Funktionelle neurologische Störungen verursachen echte Symptome ohne klare organische Ursache. Sie entstehen durch eine Fehlanpassung der Informationsverarbeitung im Gehirn und können sich in Form von Funktionellem Schwindel oder anderen neurologischen Symptomen äußern. Alternativ werden auch die Bezeichnungen dissoziativ, somatoform oder psychogen für derartige Störungen verwendet.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für Funktionsstörungen des Gehirns sind:

  • Giftstoffe: Die Folgen einer Quecksilbervergiftung sind Gedächtnisschwund und Muskelzittern. Blei kann Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten hervorrufen.
  • Hypoxischer Hirnschaden: Ein schwerer Sauerstoffmangel im Gehirn (Hypoxie), beispielsweise nach einem Kreislaufstillstand, kann zu einem hypoxischen Hirnschaden führen.
  • Schlaferkrankungen: Schlafstörungen können sich negativ auf die kognitiven Funktionen auswirken und zu Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisproblemen führen.
  • Störungen der Hirnelektrischen Aktivität: Funktionsstörungen der hirnelektrischen Aktivität, wie beispielsweise bei Epilepsie, können zu Krampfanfällen und anderen neurologischen Symptomen führen.
  • Erkrankungen der peripheren Nerven: Erkrankungen der peripheren Nerven können zu Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche führen.

Symptome von Funktionsstörungen des Gehirns

Entsprechend der vielfältigen Körperfunktionen, die das Nervensystem steuert, können die Symptome von neurologischen Erkrankungen sehr unterschiedlich sein. Sie hängen von der Art, dem Ort und dem Ausmaß der Schädigung ab. Einige Beispiele für Symptome sind:

  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Sprachstörungen
  • Motorische Störungen (z.B. Lähmungen, Zittern)
  • Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheitsgefühle, Kribbeln)
  • Sehstörungen
  • Hörstörungen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Stimmungsschwankungen
  • Psychosen (z.B. Wahnvorstellungen, Halluzinationen)

Diagnose von Funktionsstörungen des Gehirns

Die Diagnose von Funktionsstörungen des Gehirns erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche neurologische Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen wie:

  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT)
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektroenzephalographie (EEG), Elektroneurographie (ENG)
  • Liquoruntersuchung: Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit
  • Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Infektionen

Funktionelle neurologische Störungen können in der Regel anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes sowie spezifischer Untersuchungsbefunde diagnostiziert werden.

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Behandlung von Funktionsstörungen des Gehirns

Die Behandlung von Funktionsstörungen des Gehirns richtet sich nach der Ursache und den Symptomen. Sie kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Medikamentöse Therapie: Zur Behandlung von spezifischen Erkrankungen wie Epilepsie, Parkinson, MS, Depressionen oder Angststörungen. Relevante Begleitstörungen (wie Schlafstörungen, Schmerz oder Depression) werden medikamentös behandelt.
  • Operative Eingriffe: Zur Entfernung von Tumoren, zur Behandlung von Hirnblutungen oder zur Entlastung von Druck auf das Gehirn.
  • Physiotherapie und Ergotherapie: Zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und zur Kompensation von Funktionsausfällen. Allerdings können Physiotherapie und Ergotherapie dazu beitragen, dass andere Hirnareale die Funktionen zumindest teilweise übernehmen.
  • Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen.
  • Psychotherapie: Zur Behandlung von psychischen Erkrankungen und zur Bewältigung von chronischen Erkrankungen. Zum Einsatz kommen verschiedene Formen der Bewegungstherapie und Psychotherapie.
  • Rehabilitation: Zur Wiederherstellung von verlorengegangenen Fähigkeiten und zur Verbesserung der Lebensqualität.

Bei funktionellen neurologischen Störungen kommen verschiedene Formen der Bewegungstherapie und Psychotherapie zum Einsatz.

Prävention von Funktionsstörungen des Gehirns

Einige Risikofaktoren für Funktionsstörungen des Gehirns lassen sich beeinflussen, beispielsweise durch:

  • Gesunde Ernährung: Achten sollte man hier auf Kohlenhydrate aus Vollkorn, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (etwa aus Nüssen, Avocados oder Lachs), Eiweiß (vor allem aus mageren Milchprodukten, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchten und Nüssen), Gemüse und Obst sowie mindestens anderthalb Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag.
  • Regelmäßige Bewegung:
  • Vermeidung von Übergewicht:
  • Nichtrauchen:
  • Kontrolle des Blutdrucks und der Cholesterinwerte:
  • Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum:
  • Stressmanagement:
  • Ausreichend Schlaf:
  • Schutz vor Kopfverletzungen:

"Brain Fog"

"Brain Fog" (Nebel im Gehirn) ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Oberbegriff für eine Reihe von Symptomen, die von unterschiedlichen Erkrankungen verursacht sein können. Zu den Symptomen gehören Verwirrtheit, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Wortfindungsstörungen, langsames Denken, Orientierungsprobleme, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen. Die unter dem Begriff „Brain Fog“ zusammengefassten Beschwerden können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden. Einige davon sind eher leicht behebbar, etwa Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung. Ein Übermaß an Stress kann ebenfalls für Nebel im Gehirn sorgen. Und auch Veränderungen infolge von Schwangerschaft oder Wechseljahren, können den Zustand begünstigen. Außerdem ist „Brain Fog“ als Symptom diverser Krankheiten und als Nebenwirkung von Therapien dokumentiert. Das gilt zum Beispiel für Diabetes, ADHS, Long Covid und das Posturale Tachykardiesyndrom, also Herzrasen und Schwindel beim Aufstehen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände können mit „Brain Fog“ einhergehen.

Forschung

Die Erforschung der Ursachen von Störungen des Nervensystems und die Entwicklung von Strategien zu Prävention, Therapie und Pflege bei Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) sind von großer Bedeutung. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) kooperiert eng mit Universitäten, deren Kliniken und außeruniversitären Einrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene, um diese Ziele zu erreichen. Das Forschungsnetz für psychische Erkrankungen vereint über 30 wissenschaftliche Einrichtungen aus ganz Deutschland. Sie erforschen neue und bewährte Wege der Prävention, Diagnostik und Therapie und optimieren sie. Ein Forschungsschwerpunkt des Zentrums für Pharmakologie beschäftigt sich mit den Mechanismen, die dieser eingeschränkten Regenerationsfähigkeit des ZNS zugrunde liegen. Ziel ist die Entwicklung von neuen gentherapeutischen sowie pharmakologischen Ansätzen zur Förderung der axonalen Regeneration und somit der Wiederherstellung von verlorengegangenen Funktionen nach Schädigungen des Gehirns und Rückenmarks.

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