Galileo Therapie bei Spastik: Wirkung, Anwendung und Vorteile

Die Galileo Vibrationsplatten Therapie hat sich als eine medizinisch hochwirksame Methode etabliert, die in der Physiotherapie zur Rehabilitation eingesetzt wird. Ihre Anwendung findet sie bei verschiedenen Erkrankungen, darunter degenerative Muskel- und Knochenerkrankungen, neurologische Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern sowie im Bereich des Spastikmanagements. Zahlreiche Studien haben die Wirkungsweise der Galileo Vibrationsplatte umfangreich untersucht und bestätigt.

Anwendungsbereiche der Galileo Therapie

Die Galileo Therapie wird erfolgreich bei der Behandlung von Multipler Sklerose, Parkinson, inkompletter Paraplegie (inkomplette Querschnittlähmung) sowie bei Schlaganfall-Patienten eingesetzt. Darüber hinaus findet sie Anwendung bei:

  • Degenerativen Muskel- und Knochenerkrankungen wie Muskelatrophie, Duchenne und Osteoporose
  • Querschnittslähmung
  • Wirbelsäulenfehlstellungen wie Rundrücken und Skoliose
  • Neurologischen Kindererkrankungen wie Cerebralparese, Spina Bifida, frühkindliche Hirnschädigung und Down-Syndrom

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wirkungsweise im Spastikmanagement.

Funktionsweise und Prinzip der Galileo Therapie

Das Prinzip der Galileo Standgeräte beruht auf dem natürlichen Bewegungsablauf des Menschen beim Gehen. Die Galileo Therapieplattform arbeitet aufgrund ihrer seitenalternierenden Bewegungsform wie eine Wippe mit veränderbarer Amplitude und Frequenz, wodurch ein Bewegungsmuster ähnlich dem menschlichen Gang stimuliert wird. Die schnelle Wipp-Bewegung der Therapieplattform verursacht eine Kipp-Bewegung des Beckens, genau wie beim Gehen, jedoch viel häufiger. Zum Ausgleich reagiert der Körper mit rhythmischen Muskelkontraktionen im Wechsel zwischen linker und rechter Körperhälfte.

Diese Muskelkontraktionen erfolgen ab einer Frequenz von ca. Die Anzahl der Dehnreflexe pro Sekunde wird über die einstellbare Stimulationsfrequenz bestimmt. Wird beispielsweise eine Stimulationsfrequenz von 25 Hertz gewählt, erfolgen pro Sekunde jeweils 25 Kontraktionszyklen in Beuger- und Streckermuskulatur.

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Aufgrund der reflektorischen Stimulation handelt es sich bei Galileo Training um ein unwillkürliches Training, welches nicht bewusst gesteuert werden muss. Die Schwingungen des Gerätes lösen in der Muskulatur Reflexe aus, die im ganzen Körper, aber auch in einzelnen Muskelregionen als Vibrationen empfunden werden. Die entsprechende Muskulatur erfährt dann eine bessere Koordinationsfähigkeit, Durchblutung, Reaktion und Kraft.

Vorteile der Galileo Therapie

Die Galileo Therapie bietet eine Vielzahl von Vorteilen, die sie zu einer wertvollen Ergänzung in der Rehabilitation und Physiotherapie machen:

  • Verbesserung der Muskelfunktion: Die Vibrationen können für eine Lockerung und gleichzeitige Stärkung der Muskulatur sorgen, abschwellend wirken, Kontrakturen entgegenwirken oder sogar die Wahrnehmung verbessern. Des Weiteren führt sie zu einer verbesserten inter- und intramuskulären Koordination.
  • Reduktion von Spastik und Muskeltonus: Unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten können mit Galileo Training die Muskulatur trainiert und wirksam Spastizität sowie Muskeltonus kontrolliert werden.
  • Verbesserung der Mobilität und Mobilisation: Das Gleichgewicht wird geschult und Koordination wird gefördert. Dies reduziert das Sturzrisiko für mobile Schülerinnen und Schüler. Durch die spastikreduzierende und detonisierende Wirkungsweise erweitert sich das Bewegungsausmaß.
  • Stärkung der Knochenstruktur: Das Vibrationstraining sorgt für einen vermehrten Zug an den Muskeln, Faszien und Sehnen. Diesen Zug geben die Strukturen an den Knochen weiter.
  • Verbesserung des Nervensystems: Anhand der Körperübungen auf dem Galileo kommt es zur Erhöhung der Durchblutung.
  • Wahrnehmungstraining: Durch die propriozeptiven Reize wird die Tiefenwahrnehmung stimuliert.
  • Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems: Sowohl in Leistungsfähigkeit als auch in der Ausdauer tritt statistisch eine deutliche Verbesserung auf. Durch wissenschaftliche Studien ist es belegt, dass dieses Training besonders schonend für das Herz-Kreislauf-System und die Gelenke ist.
  • Sturzprophylaxe: Gleichgewichtsstörungen, Kraft- und Leistungsverlust sind alterassoziierte Begleiterscheinungen, welchen man mit Galileo entgegenwirken kann. Somit ist Galileo Training ein effektives Mittel zur Sturz-Prophylaxe.
  • Geeignet für verschiedene Altersgruppen: Diese Therapie eignet sich für alle Altersgruppen und lässt sich ideal mit anderen Behandlungsmethoden kombinieren.

Galileo Therapie im Spastikmanagement

Die Galileo Therapie hat sich als besonders wirksam im Spastikmanagement erwiesen. Spastik ist eine häufige Folge neurologischer Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Zerebralparese. Sie äußert sich durch eine erhöhte Muskelspannung, die zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen führen kann.

Durch die reflektorische Stimulation der Muskulatur kann die Galileo Therapie dazu beitragen, die Spastik zu reduzieren und den Muskeltonus zu normalisieren. Dies ermöglicht es den Patienten, ihre Beweglichkeit zu verbessern und ihre Lebensqualität zu steigern.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Für Kinder und Jugendliche stellt Galileo Training eine abwechslungsreiche, interessante und meist neue Therapieform dar. Ein Schwerpunkt liegt in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Muskel- und Skeletterkrankungen wie z.B. Osteogenesis Imperfecta (Glasknochenkrankheit) oder Spina Bifida (offener Rücken) nach dem abgestimmten interdisziplinären Behandlungskonzept Kölner Intervall-Reha, welches die UniReha GmbH in Kooperation mit der Uniklinik Köln anbietet.

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Auch für Schülerinnen und Schüler, welche die meiste Tageszeit stillsitzend im Rollstuhl verbringen (Personen mit Zerebralparese ohne Gehfähigkeit sind bis zu 95 % von ihrer Wachzeit stillsitzend. (Paleget al., 2013)) wäre dieses Hilfsmittel eine Möglichkeit für ein ganzheitliches Training, selbst wenn das Stehen nicht möglich sein sollte.

Individuelle Anpassung und Therapieplanung

Die Arbeit auf dem Galileo ist keine Abfolge fester Übungen, sondern muss individuell in einen Therapieplan eingebaut werden. Abhängig von der Indikation kann mit Hilfe unterschiedlicher Frequenzen ein Therapiefortschritt erreicht werden. Je nach eingestellter Frequenz können Balance, Koordination, Muskelfunktion oder Muskelleistung gesteigert, Spastik reduziert (Spastikmanagement) oder Kontrakturen reduziert werden.

Die Amplitude, also die Auslenkung der Therapieplattform aus der Ruhelage nach oben oder nach unten, kann einfach und stufenlos über die Fußposition gewählt werden. Je breiter die Fußposition, desto intensiver wird die Therapie.

Frequenzbereiche und ihre Wirkung

Die Frequenz in Hertz (= Schwingungen pro Sekunde) wird am Gerät eingestellt und muss immer entsprechend dem Therapieziel der jeweiligen Übung gewählt werden. Die Stimulationsfrequenz hat darüber hinaus unmittelbaren Einfluss auf die Effekte der Galileo Therapie und muss daher entsprechend dem für die Einzelübung gewünschten Therapieziel gewählt werden.

  • Niedrige Frequenzen (ca. 5-12 Hz): Bei niedrigen Frequenzen erfolgt die Bewegung der Galileo Systeme nicht schnell genug, um nennenswerte Dehnreflexe auszulösen. Niedrige Frequenzen können aufgrund des dominanten willentlichen Ausgleichs der Wipp-Bewegung deshalb insbesondere zur Lockerung, aber auch zur Verbesserung von Balance bzw. Propriozeption eingesetzt werden. Sie äußern sich im Körper durch eine deutlich erhöhte Bewegung beispielsweise der Hüfte. Da bei niedrigen Frequenzen der Dehnreflex nicht dominant ist und somit der willentliche Zugriff auf die Muskulatur gefordert wird, ist dieser Frequenzbereich gerade für neurologische Patienten i.d.R. Gerade bei neurologischen Patienten ist daher die Steigerung von leicht nach schwer, d.h.
  • Mittlere Frequenzen (ca. 12-20 Hz): Bei einer Stimulationsfrequenz von beispielsweise 15 Hertz beträgt die Zeit zwischen zwei Reflexzyklen ca. 67 Millisekunden (Tausendstelsekunden). Nach der reflexgesteuerten Kontraktion reicht die verbleibende Zeit bis zur nächsten Kontraktion somit aus, damit sich der Muskel wieder entspannen kann (die durchschnittliche physiologische Zeit für einen vollständigen Kontraktions-/Relaxationszyklus beträgt hingegen ca. 50 Millisekunden). Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn die Grundfunktionen des Muskels, nämlich sowohl Kontraktions- und Relaxationsfähigkeit als auch die Koordination effektiv gefordert werden sollen.
  • Hohe Frequenzen (ca. 20-36 Hz): Bei hohen Frequenzen bleibt dem Muskel keine ausreichende Zeit, um eine vollständige Relaxation (Entspannung) innerhalb der kurzen Zeit zwischen zwei Zyklen zu erreichen. Vielmehr wird der Muskel immer genau dann zu einer erneuten Kontraktion gezwungen, wenn er im Begriff ist, sich wieder zu entspannen oder schon teilweise entspannt ist. Je nach Höhe der eingestellten Trainingsfrequenz kann äußerst intensiv gearbeitet werden und die Muskulatur daher schnell verausgabt werden. Diese Verausgabung setzt den Reiz für effektiven Aufbau und Leistungssteigerung der Muskulatur.

Galileo: Ein intensives Ganzkörpertraining

"Galileo ist das intensivste Ganzkörpertraining, was ich in meiner Jahrzehnte langen Praxis kennengelernt habe.

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Während der Galileo Therapie kann prinzipbedingt immer die gesamte Muskelkette der Beine bis hinauf in den Rumpf aktiviert werden.

Sturzprophylaxe mit Galileo

Gleichgewichtsstörungen, Kraft- und insbesondere Leistungsverlust sind altersassoziierte Begleiterscheinungen, welchen man mit Galileo effektiv entgegenwirken kann. Somit ist Galileo Therapie ein effektives Mittel zur Sturz-Prophylaxe.

Galileo und Osteoporose

Osteoporose ist gekennzeichnet durch den Verlust von Knochenmasse und Knochenfestigkeit sowie einem erhöhten Frakturrisiko. Frakturvermeidung in Form erfolgreicher Sturz-Prävention ist deshalb das Kernziel der Osteoporose-Behandlung mit Galileo. Daneben sind der gezielte Muskelaufbau (indirekte, positive Wirkung auf Knochenparameter) sowie die Verbesserung von Dehnfähigkeit, Flexibilität und Muskelfunktion weitere Behandlungsziele.

Wird der Muskel wieder stärker genutzt, so hat dies mittel- und langfristig positive Effekte auf den Knochen. Ein aktiver Muskel verhindert den Knochenabbau und kann bei ausreichend intensiver Anwendung den Knochen stärken. Zu bedenken ist dabei, dass der Knochenaufbau prinzipiell ein sehr langsamer Prozess ist. Die Weltraumforschung mit Galileo zeigt: Was in 8 Wochen an Knochenmasse verloren wird, benötigt 2 Jahre, um wieder aufgebaut zu werden - andererseits konnte mit Galileo der Knochenverlust in Bedrest-Studien fast vollständig verhindert werden.

Galileo und Beckenbodenmuskulatur

In Deutschland leiden Millionen Menschen unter einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Die Erschlaffung dieser „unsichtbaren“, im Körperinneren verborgenen Muskulatur und die damit verbundenen Probleme treten meistens altersbedingt oder infolge von Schwangerschaft und Entbindung auf.

Die beim Galileo Training hervorgerufenen Muskelkontraktionen erfolgen jedoch unabhängig vom Willen des Patienten: Ob dieser will oder nicht, der Beckenboden vibriert. Anhand spezieller Übungen auf Galileo wird die Beckenbodenmuskulatur in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit perfekt trainiert.

Galileo in der Ergotherapie

Der Galileo ist eine wertvolle Ergänzung in vielen Bereichen der Ergotherapie, da er die Muskelfunktion, die Koordination und das Gleichgewicht verbessert. Folgende Krankheitsbilder können behandelt werden:

  • Schlaganfall (Apoplex): Zur Reduktion der Spastik und zum Aufbau von Kraft und Haltungskontrolle
  • Multiple Sklerose (MS) und Morbus Parkinson: Zur Verbesserung des Gangbildes und der allgemeinen Bewegungskontrolle.
  • Gangunsicherheit und Sturzprophylaxe: Die schnelle Aktivierung der Muskulatur verbessert die Reaktionsfähigkeit und die Haltungsstabilität.
  • Chronische Schmerzen und Osteoporose: Die Vibrationen steigern die Durchblutung, lockern Verspannungen und können zur Knochenstärkung beitragen.

Galileo in der Pädiatrie

Auch für unsere kleinen Patienten ist der Galileo ein tolles Werkzeug. Das Training ist kurzweilig, spielerisch und hochwirksam, um gezielt die motorische Entwicklung und die Haltungskontrolle zu fördern.

  • neue Reize setzen: durch die enorme Anzahl an Muskelkontraktionen neben Muskelaufbau auch positive Auswirkungen auf Gleichgewicht und Wahrnehmung
  • neue Hoffnung: Erfahrung einer aufrechten Körperhaltung für Kinder mit geringem Muskeltonus
  • vielfältige Anwendungsmöglichkeiten: Einsatz bei Zerebralparesen, spinaler Muskelatrophie, Osteogenesis Imperfecta, Spina Bifida, Trisomie 21, Autismus-Spektrum-Störung, Muskelerkrankungen und Muskelschwäche

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