Exopulse Mollii Suit: Hoffnungsschimmer bei Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Symptome wie Spastiken, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind häufige Begleiter dieser Krankheit. Der Exopulse Mollii Suit, eine innovative Softorthese, verspricht hier Linderung und neue Hoffnung.

Funktionsweise des Exopulse Mollii Suit

Der Exopulse Mollii Suit ist ein Ganzkörperanzug, der das Prinzip der Elektrostimulation nutzt. Er ist mit 58 Elektroden versehen, die so positioniert sind, dass sie bis zu 40 wichtige Muskeln stimulieren können. Diese niederfrequente Elektrostimulation kann Muskeln entspannen und Spastiken reduzieren.

Bei einer Spastik liegt ein Ungleichgewicht zwischen Agonist (Spieler) und Antagonist (Gegenspieler) vor. Der Exopulse Mollii Suit stimuliert den Antagonisten des spastischen Muskels. Wenn beispielsweise der Bizeps verkrampft ist, stimuliert der Anzug den Trizeps, um den Bizeps zu lockern. Durch die erhöhte Blutzirkulation kann das gehemmte Gleichgewicht zwischen den Muskelpaaren wiederhergestellt werden.

Anwendungsbereiche des Mollii Suit

Der Exopulse Mollii Suit eignet sich sowohl für Kinder als auch für Erwachsene und kann bei verschiedenen Symptomen und Indikationen eingesetzt werden, darunter:

  • Multiple Sklerose (MS)
  • Zerebrale Lähmung
  • Andere neurologische Funktionsstörungen

Vorteile des Mollii Suit

Viele Betroffene berichten von folgenden Vorteilen durch die Anwendung des Mollii Suit:

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  • Reduzierung von Schmerzen
  • Linderung von Spastiken
  • Verbesserung des Gangbilds
  • Aktivierung wichtiger Muskeln
  • Möglicherweise Reduzierung der Einnahme von Medikamenten

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Nutzerinnen und Nutzer durch die wiedergewonnene Beweglichkeit auch intensiver Physiotherapie betreiben können.

Erfahrungen mit dem Mollii Suit

Susanne, die seit 28 Jahren an MS leidet, berichtet, dass sie dank des Mollii Suits weniger Schmerzen hat und nachts besser schlafen kann, ohne durch Spastiken aufzuwachen. Louisa konnte sich mithilfe des Elektrostimulationsanzugs von ihren MS-bedingten Spastiksymptomen befreien. Auch Ricky, der ebenfalls MS hat und dem das Gehen schwerfällt, hat den Mollii Suit getestet.

Anne Förster, eine 42-jährige MS-Patientin, sah den Mollii Suit in der TV-Sendung "Galileo" und war begeistert von den Erfolgen bei einer schwer MS-kranken jungen Frau. Sie testete den Anzug in einem Sanitätshaus und hofft nun, ihn durch Spenden finanzieren zu können.

Felix Carqueville vom Sanitätshaus Carqueville berichtet von einer MS-Patientin, die im Elektrorollstuhl kam und das Sanitätshaus zu Fuß über die Treppe verließ. Er betont, dass der Anzug bei den meisten MS-Betroffenen eine Bandbreite von keinerlei Effekt über Schmerzlinderung bis hin zu sehr guten Ergebnissen zeigte. Besonders starke Wirkung entfaltet der Anzug bei der Diagnose hereditäre spastische Paraplegie.

Ablauf der Erprobung des Mollii Suit

Interessenten können den Exopulse Mollii Suit in einem Sanitätshaus ausprobieren. Im Rahmen eines Termins werden zunächst die persönlichen Ziele und Erwartungen besprochen. Anschließend erfolgt eine Videodokumentation der Bewegungsstörung ohne Stimulation. Danach wird der Exopulse Mollii Suit individuell eingestellt und eine 60-minütige Muskelstimulation durchgeführt.

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Sollten sich positive Reaktionen und Wirkungen zeigen, besteht die Möglichkeit, den Exopulse Mollii Suit für einen Testzeitraum von 4 Wochen auszuleihen. Während dieser Zeit wird ein Tagebuch geführt, in dem die Eindrücke und Erfahrungen mit dem Stimulationsanzug dokumentiert werden.

Wichtige Hinweise

  • Der Exopulse Mollii Suit sollte jeden zweiten Tag eine Stunde lang getragen werden, wobei die Tragezeit individuell variieren kann.
  • Nicht möglich ist der Einsatz bei elektrischen Implantaten oder medizinischen Geräten, die von Magneten beeinflusst werden (z.B. Herzschrittmacher).
  • Bei bestimmten Indikationen ist vor der Austestung des Mollii Suits ein Arzt bzw. eine Ärztin zu konsultieren.
  • Die Muskelstimulation dauert zwar nur 60 Minuten pro Einheit, kann aber einen bis zu 48 Stunden andauernden positiven Effekt haben.
  • Wenn keine positiven Auswirkungen auf das Schmerzempfinden und/oder die Mobilität festgestellt werden, ist der Stimulationsanzug möglicherweise nicht die richtige Lösung.

Kosten und Finanzierung

Der Exopulse Mollii Suit kostet etwa 9000 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht, da der Stimulationsanzug nicht im offiziellen Hilfsmittelverzeichnis aufgelistet ist. Betroffene sind daher oft auf Spenden oder andere Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, den Stimulationsanzug käuflich zu erwerben.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Anzug voraussichtlich nur vier Jahre verwendbar ist.

Kritik und Kontroversen

Einige Neurologen äußern sich öffentlich bzw. im Netz dezidiert negativ über den Anzug. Zudem wird kritisiert, dass Berichte über den Mollii Suit manchmal den Eindruck eines Werbefilms erwecken und die technischen Details sowie die genaue Wirkungsweise des Anzugs nicht ausreichend erläutert werden.

Es wird auch bemängelt, dass in manchen Berichten nicht deutlich wird, ob die Betroffenen tatsächlich von dem Anzug profitieren oder ob sie lediglich für ihre Präsentation eine Aufwandsentschädigung erhalten.

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Fazit

Der Exopulse Mollii Suit ist eine innovative Softorthese, die vielen Menschen mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen Hoffnung auf Linderung ihrer Symptome geben kann. Durch die Elektrostimulation können Spastiken reduziert, Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden.

Obwohl die Kostenübernahme durch die Krankenkassen oft schwierig ist und es auch kritische Stimmen gibt, berichten viele Betroffene von positiven Erfahrungen mit dem Mollii Suit. Es ist wichtig, den Anzug individuell zu testen und sich von Fachleuten beraten zu lassen, um festzustellen, ob er die richtige Lösung für die eigenen Bedürfnisse ist.

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