Eisenmangel ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Er entsteht, wenn der Körper nicht genügend Eisen hat, um seine normalen Funktionen auszuführen. Eisen spielt eine entscheidende Rolle bei der Blutbildung und dem Sauerstofftransport. Ein Mangel kann sich durch vielfältige Symptome äußern, die oft unspezifisch sind und daher leicht übersehen werden. Besonders das Gehirn ist auf eine ausreichende Eisenversorgung angewiesen, da Eisen an der Bildung von Neurotransmittern und der Energieversorgung der Gehirnzellen beteiligt ist.
Was ist Eisenmangel?
Eisenmangel bedeutet, dass dem Körper nicht ausreichend Eisen zur Verfügung steht. Eisen ist ein wichtiges Spurenelement, das wir vor allem über die Nahrung aufnehmen. Der Körper braucht es, um viele grundlegende Funktionen zu erfüllen - zum Beispiel, um Sauerstoff zu transportieren oder Zellen zu versorgen. Ein Eisenmangel entsteht, wenn über längere Zeit weniger Eisen aufgenommen wird, als der Körper braucht, beispielsweise durch eine unausgewogene Ernährung oder Blutverluste.
Symptome von Eisenmangel
Die Symptome eines Eisenmangels können vielfältig sein und variieren je nach Schweregrad des Mangels und individuellen Faktoren. Oftmals werden die Symptome als diffus wahrgenommen und auf Stress oder Schlafmangel zurückgeführt. Typische Symptome sind:
- Müdigkeit und Schwäche: Da zu wenig Hämoglobin im Körper vorhanden ist, werden die Muskeln mit weniger Sauerstoff versorgt. Durch die Anstrengung des Herzens und den dadurch entstehenden Energieverlust kommt es dabei zu Müdigkeit und einem Schwächegefühl. Anhaltende Müdigkeit, Schwäche und Blässe sind oft Folgen einer durch Eisenmangel bedingten Blutarmut.
- Konzentrationsstörungen: Eisen ist an der Bildung von Botenstoffen im Gehirn, den sogenannten Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin beteiligt. Sie sind wichtig für Stimmung, Motivation und Denkprozesse. Ein Mangel kann sich daher auch auf die mentale Verfassung auswirken. Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und Schwindel können auftreten, da durch den Eisenmangel nicht genügend Sauerstoff das Gehirn erreicht.
- Blässe: Da Hämoglobin neben dem Sauerstofftransport auch die rote Farbe des Blutes ausmacht, ist das Blut bei Menschen mit Eisenmangel weniger rot. Die Farbe der durchbluteten Haut erscheint dadurch blasser. Neben der Haut am Gesicht können auch das Zahnfleisch und die Lippen blasser erscheinen. Die Haut kann blass erscheinen, da weniger Hämoglobin und rote Blutkörperchen vorhanden sind.
- Kurzatmigkeit: Bei Eisenmangel muss das Herz härter arbeiten als sonst, um den wenigen Sauerstoff ausreichend zu transportieren. Der Körper erhöht deshalb automatisch die Atemfrequenz, um den Verlust auszugleichen.
- Haarausfall und brüchige Nägel: Eisenmangel führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Haarfollikel. Dies führt dazu, dass das Haarwachstum verlangsamt wird. Zudem stört Eisenmangel den Energiestoffwechsel und die Zellteilung in den Follikeln.
- Erhöhte Infektanfälligkeit: Da Eisen neben dem Sauerstofftransport in den roten Blutzellen auch für das Immunsystem wichtig ist, kann ein Mangel von Eisen das Infektionsrisiko erhöhen.
- Depressive Verstimmungen: Ein Eisenmangel kann depressive Verstimmungen hervorrufen, die in Kombination mit Konzentrationsschwäche und/oder Gereiztheit entsprechende Warnsignale sein können. Eisenmangel kann die Psyche aber auch direkt beeinflussen. Die Bildung von Nervenbotenstoffen wie Dopamin oder dem Glückshormon Serotonin sind nämlich von einer ausreichenden Eisenversorgung abhängig.
- Kälteempfindlichkeit: Wer unter einem Eisenmangel leidet, friert häufiger, weil weniger Sauerstoff ins Körpergewebe gelangt. Zudem leidet der Energiestoffwechsel, wenn nicht genügend Eisen vorrätig ist, wodurch der Körper weniger Wärme produziert.
- Herzklopfen: Bei Eisenmangel muss das Herz härter arbeiten als sonst, um den wenigen Sauerstoff ausreichend zu transportieren. Dadurch kann es zu unregelmäßigen Herzschlägen kommen bis hin zu auffälligem Herzklopfen.
- Veränderungen der Zunge: Mit einem Blick in den Mund können auch weitere Zeichen für einen Eisenmangel festgestellt werden. Zum Beispiel kann die Zunge angeschwollen, entzündet, blass oder glatt erscheinen. Bei unbehandeltem Eisenmangel kann die Zunge geschwollen, entzündet oder schmerzhaft sein, was als Glossitis bezeichnet wird.
- Augenringe: Eisenmangel kann zu Augenringen führen, weil der Mangel an Hämoglobin und roten Blutkörperchen die Sauerstoffversorgung der Haut verringert. Die dünne Haut unter den Augen ist besonders empfindlich gegenüber Veränderungen im Blutfluss und Sauerstoffgehalt. Bei Eisenmangel erscheint die Haut blasser und die darunterliegenden Blutgefäße werden sichtbarer.
- Weitere Symptome: Weitere Zeichen von zu wenig Eisen können neben spröden Fingernägeln, Krabbel- oder Juckreizgefühl in den Beinen auch Heißhunger, Depressionen oder kalte Hände und Füße sein.
Ursachen von Eisenmangel
Die Ursachen für Eisenmangel sind vielfältig. Häufige Gründe sind:
- Unzureichende Eisenzufuhr: Eine nicht ausreichende Eisenzufuhr bedeutet, dass der Körper über längere Zeit nicht genügend Eisen mit der täglichen Nahrung aufnimmt. Das kann zum Beispiel bei einer sehr einseitigen Ernährung passieren - etwa wenn wenig oder kein Fleisch gegessen wird oder generell selten eisenreiche pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte oder grünes Gemüse auf dem Speiseplan stehen. Vegetarier und Veganer haben ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel, da ihnen das Eisen aus Fleisch fehlt und die Ausbeute aus Pflanzen mager ist.
- Gestörte Eisenaufnahme: Ein Eisenmangel kann ebenfalls auftreten, wenn der Körper das Eisen im Magen-Darm-Trakt nicht richtig aufnehmen kann, zum Beispiel infolge einer chronischen Darmerkrankung oder nach einer Magenoperation. Eisen wird über die Nahrung im Dünndarm aufgenommen und in den Blutkreislauf freigesetzt. Bei Darmstörungen wie Zöliakie ist die Nährstoffaufnahme gestört und kann somit zu einem Mangel an Eisen führen. Auch bestimmte Formen der Magenentzündung („atrophische Gastritis“), aber auch Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori können die Eisenaufnahme stören.
- Erhöhter Eisenbedarf: Besonders während einer Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf stark an, da nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das heranwachsende Baby mitversorgt werden muss. Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf erhöht, da über die Muttermilch Eisen an das Neugeborene weitergegeben wird. Ein weiterer wichtiger Zeitraum mit gesteigertem Eisenbedarf sind Wachstumsphasen im Kindes- und Jugendalter. Der Körper wächst rasant, neue Zellen werden gebildet - und dafür ist besonders viel Eisen erforderlich. Auch Ausdauersportler haben in der Regel einen höheren Bedarf an Eisen.
- Erhöhter Eisenverlust: Das passiert vor allem, wenn der Körper regelmäßig Blut verliert - denn Eisen ist ein wichtiger Bestandteil des Blutes. Häufig unbemerkt bleibt zum Beispiel ein chronischer Blutverlust durch Magengeschwüre, die im Magen oder Zwölffingerdarm auftreten können. Auch Hämorrhoiden - also erweiterte Blutgefäße im Bereich des Enddarms - und Darmkrebs können wiederkehrende, oft unbemerkte Blutungen verursachen, die auf Dauer die Eisenspeicher leeren. Bei Frauen können starke Periodenblutungen zu Eisenmangel führen. Andere Blutungen wie die langsame und chronische Blutung bei Magengeschwüren, Hernien, Dickdarmpolypen oder Darmkrebs können ebenfalls zu Eisenmangel führen. Blutungen im Magen-Darm-Trakt können auch durch regelmäßige Einnahme von Aspirin oder anderen Blutverdünnern verursacht werden. Auch Blutspender können nach der Blutabnahme einen Eisenmangel entwickeln.
- Eisenverwertungsstörungen: Trotz ausreichender Eisenzufuhr kann es passieren, dass der Körper das Eisen nicht richtig verwerten kann und es so zu einem relativen Eisenmangel kommt.
- Stress: Chronischer Stress fördert die Bildung des körpereigenen Botenstoffs Hepcidin, der wiederum die Aufnahme von Eisen im Darm hemmt. Auf diese Weise kann chronischer Stress zu niedrigeren Eisenwerten im Blut führen. Zugleich steigt der Eisenbedarf bei Stress. Hinzu kommt, dass viele Menschen unter Stress ihre Ernährung verändern, vielleicht weniger essen oder sich ungesund ernähren, was einen Eisenmangel zusätzlich begünstigt.
- Übergewicht: Bei stark übergewichtigen Menschen führt das vergrößerte Fettgewebe im Bauchraum dazu, dass vermehrt Entzündungsstoffe ausgeschüttet werden und der Körper infolgedessen weniger Eisen aufnimmt.
- Nierenerkrankungen: So sei auffällig, daß Menschen mit tendenziellem Eisenmangel wie Nierenpatienten eine erhöhte RLS-Neigung hätten.
Eisenmangel und das Gehirn
Das Gehirn ist ein Organ mit hohem Energiebedarf und benötigt daher eine konstante Sauerstoffversorgung. Eisen spielt eine entscheidende Rolle beim Sauerstofftransport im Blut und somit auch bei der Versorgung des Gehirns. Darüber hinaus ist Eisen an der Bildung von Neurotransmittern beteiligt, die für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen unerlässlich sind.
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Ein Eisenmangel kann daher verschiedene Auswirkungen auf das Gehirn haben:
- Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Lernschwierigkeiten können auftreten, da die Gehirnzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff und Neurotransmittern versorgt werden. Unser Gehirn benötigt Eisen: nach der Geburt im Babyalter für die Hirnreifung, im Kinder- und Jugendlichenalter für eine gesunde geistige Entwicklung während des Heranwachsens und in jeglichem Alter/Lebensabschnitt für kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Lernvermögen.2 Eisen hilft beim Transport von Sauerstoff im Körper und trägt so zur Sauerstoffversorgung des Gehirns bei. Bei unzureichender Versorgung können Konzentrationsschwäche oder Vergesslichkeit auftreten.
- Stimmungsschwankungen und Depressionen: Eisen ist an der Bildung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beteiligt, die eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation spielen. Ein Mangel kann zu depressiven Verstimmungen, Reizbarkeit und Angstzuständen führen.
- Erhöhtes Risiko für neurologische Erkrankungen: Studien deuten darauf hin, dass ein Eisenmangel das Risiko für neurologische Erkrankungen wie das Restless-Legs-Syndrom (RLS) erhöhen kann. In der Substantia nigra sei der Eisengehalt bei familiärem RLS deutlich vermindert. Auf dem Weltkongreß der Schlafmediziner in Berlin schätzte Professor Wayne Hening aus New York, daß bei etwa einem von 30 Patienten mit RLS eine Behandlung nötig ist.
Diagnose von Eisenmangel
Bei Verdacht auf Eisenmangel ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und nach typischen Symptomen fragen. Anschließend wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, um den Eisenstatus zu beurteilen.
Die wichtigsten Blutwerte zur Diagnose von Eisenmangel sind:
- Ferritin: Der Ferritinwert gibt Auskunft über die Eisenspeicher im Körper. Ein niedriger Ferritinwert ist ein Hinweis auf einen Eisenmangel.
- Hämoglobin: Der Hämoglobinwert gibt die Konzentration des roten Blutfarbstoffs im Blut an. Ein niedriger Hämoglobinwert ist ein Zeichen für eine Anämie (Blutarmut).
- Eisen: Der Eisenwert gibt die Menge an Eisen im Blut an. Dieser Wert ist jedoch weniger aussagekräftig als der Ferritinwert.
- Transferrinsättigung: Die Transferrinsättigung gibt an, wie viel Eisen an das Transportprotein Transferrin gebunden ist. Ein niedriger Wert kann auf einen Eisenmangel hindeuten.
- CRP: Da Ferritin bei einer Entzündung falsch erhöht sein kann, empfehlen wir gleichzeitig CRP zu bestimmen, um evtl. Je nach Konstellation kann der behandelnde Arzt zwischen Speichereisenmangel, funktionellem Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden.
Bei Verdacht auf innere Blutungen im Körper, die eine mögliche Ursache für Eisenmangel sind, kann ein Ultraschall des Bauchs durchgeführt werden. Bei Verdacht auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt wird eine Magen- oder Darmspiegelung durchgeführt.
Behandlung von Eisenmangel
Die Behandlung von Eisenmangel richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Mangels. In den meisten Fällen kann ein Eisenmangel durch eine Kombination aus Ernährungsumstellung und Eisenpräparaten behoben werden.
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- Ernährungsumstellung: Eine eisenreiche Ernährung ist wichtig, um den Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Gute Eisenquellen sind rotes Fleisch, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse und Vollkornprodukte. Die Aufnahme von Eisen lässt sich mit einigen Tricks optimieren: Vitamin C verbessert die Aufnahme von pflanzlichem Eisen erheblich. Kombinieren Sie daher eisenreiche pflanzliche Lebensmittel immer mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln. Vermeiden Sie Eisenräuber: Einige Substanzen können die Eisenaufnahme hemmen. Dazu gehören Oxalate in Rhabarber sowie Tannine in Kaffee, Schwarztee und Rotwein. Auch Kalzium in Milchprodukten kann die Aufnahme beeinträchtigen.
- Eisenpräparate: Bei einem ausgeprägten Eisenmangel oder wenn die Ernährungsumstellung nicht ausreicht, können Eisenpräparate in Form von Tabletten, Kapseln oder Säften eingenommen werden. Die Einnahme von Tabletten sollte nur dann erfolgen, wenn sie vom Arzt verschrieben sind. Zu viel Eisen kann nämlich Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse schädigen. Eisen am besten auf nüchternen Magen (30 Minuten vor oder zwei Stunden nach den Mahlzeiten) einnehmen - und mindestens drei Monate lang.
- Eiseninfusionen: In seltenen Fällen, wenn die Eisenaufnahme im Darm gestört ist oder eine schnelle Auffüllung der Eisenspeicher erforderlich ist, können Eiseninfusionen verabreicht werden. Eiseninfusionen sind risikoreicher und sollten nur im Einzelfall gegeben werden.
Hening empfiehlt daher einen Therapieversuch mit Eisen nicht nur bei manifestem Eisen-Mangel, sondern bereits, wenn der Eisenwert im niedrig-normalen Bereich liegt.
Vorbeugung von Eisenmangel
Einem Eisenmangel kann in den meisten Fällen effektiv vorgebeugt werden. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend eisenhaltigen Lebensmitteln. Besonders Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Stillende und Sportler sollten auf eine ausreichende Eisenzufuhr achten. Bei Risikogruppen kann eine regelmäßige Kontrolle des Eisenstatus sinnvoll sein.
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