Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das für zahlreiche Körperfunktionen unerlässlich ist. Es spielt eine wichtige Rolle beim Sauerstofftransport, der Energieproduktion und der Funktion des Nervensystems. Ein Eisenmangel kann sich daher auf vielfältige Weise äußern und sowohl körperliche als auch psychische Beschwerden verursachen. In diesem Artikel werden die Zusammenhänge zwischen Eisen und Nerven genauer beleuchtet.
Eisenmangel: Eine weitverbreitete Mangelerscheinung
Eisenmangel ist eine der häufigsten Mangelerscheinungen weltweit und betrifft mehr als 1,5 Milliarden Menschen, vor allem Frauen. In Europa leiden etwa 5-10 % der Bevölkerung an einer Eisenmangelanämie, bei Frauen im gebärfähigen Alter sogar 20 %. Die Ursachen für einen Eisenmangel sind vielfältig:
- Geringe Eisenzufuhr: Eine unausgewogene Ernährung mit wenig eisenreichen Lebensmitteln kann zu einem Eisenmangel führen.
- Erhöhter Eisenbedarf: In bestimmten Lebensphasen, wie Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum oder bei starker körperlicher Belastung, ist der Eisenbedarf erhöht.
- Blutverluste: Starke Menstruationsblutungen, Operationen oder unerkannte Blutungen im Magen-Darm-Trakt können zu einem Eisenmangel führen.
- Resorptionsstörungen: Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, wie Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, können die Eisenaufnahme beeinträchtigen.
- Chronische Entzündungen: Chronische Entzündungen können die Eisenaufnahme im Darm behindern.
Die Rolle von Eisen für das Nervensystem
Eisen spielt eine entscheidende Rolle für die Funktion des Nervensystems:
- Sauerstoffversorgung: Eisen ist ein zentraler Bestandteil des Hämoglobins, das für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist. Ein Eisenmangel führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Nervengewebes.
- Myelinsynthese: Eisen spielt eine Rolle bei der Bildung und dem Erhalt der Myelinschicht, die die Nervenfasern umgibt und für eine schnelle und effiziente Signalübertragung sorgt.
- Neurotransmitter-Produktion: Eisen ist ein wichtiger Faktor für die Produktion bestimmter Neurotransmitter, darunter Dopamin und Serotonin, die für die Schmerzwahrnehmung, Stimmung und das allgemeine Wohlbefinden eine Rolle spielen.
- Zelluläre Energieproduktion: Eisen ist essentiell für die Funktion der Mitochondrien, die Energie für die Zellen bereitstellen. Nerven sind stark energieabhängig, und ein Eisenmangel führt zu einer geringeren Verfügbarkeit von ATP, der Hauptenergiequelle der Zellen.
Auswirkungen von Eisenmangel auf die Nerven
Ein Eisenmangel kann sich auf vielfältige Weise auf das Nervensystem auswirken und verschiedene Symptome verursachen:
- Müdigkeit und Erschöpfung: Eisenmangel kann zu Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit führen, da die Sauerstoffversorgung des Gehirns und der Muskeln beeinträchtigt ist.
- Konzentrationsstörungen: Ein Eisenmangel kann die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit negativ beeinflussen.
- Kopfschmerzen: Eisenmangel kann Kopfschmerzen verursachen.
- Reizbarkeit: Betroffene können reizbar und unruhig sein.
- Depressive Verstimmungen: Ein Eisenmangel kann depressive Verstimmungen begünstigen, da die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinträchtigt ist.
- Nervenschmerzen: Eisenmangel kann Nervenschmerzen auslösen oder verstärken, da die Sauerstoffversorgung und die Funktion der Nerven beeinträchtigt sind.
- Restless-Legs-Syndrom (RLS): Eisenmangel wird mit dem Restless-Legs-Syndrom in Verbindung gebracht, einer neurologischen Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist.
- Erhöhte Anfälligkeit für Entzündungen: Ein Eisenmangel kann das Immunsystem schwächen, was das Risiko für entzündliche Prozesse im Körper erhöht. Entzündungen können Nerven reizen und schädigen, was zu Schmerzen und unangenehmen Empfindungen führen kann.
Eisen und neurodegenerative Erkrankungen
Forscher haben festgestellt, dass sich im Alterungsprozess, aber auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, Eisen in den Nervenzellen des Gehirns anreichert. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) in Jena und der Scuola Normale Superiore in Pisa, Italien, hat gezeigt, dass die MikroRNA miR-29 diese Ablagerungen verhindern kann. Bei Fischen, bei denen miR-29 unterdrückt wurde, waren die Eiseneinlagerungen deutlich stärker und führten zu einer frühzeitigen Gehirnalterung. Im gesunden Fisch war hingegen umso mehr miR-29 in Nervenzellen nachweisbar, je älter das untersuchte Exemplar war. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass miR-29 als molekularer Schalter fungiert und die Eisenablagerung verhindern kann, was einen möglichen Ansatzpunkt zur Behandlung von Alzheimer-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten darstellt.
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Diagnose von Eisenmangel
Bei Verdacht auf einen Eisenmangel sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand einer Blutuntersuchung, bei der folgende Werte bestimmt werden:
- Hämoglobin (Hb): Der Hämoglobinwert gibt die Konzentration des roten Blutfarbstoffs im Blut an. Ein niedriger Hb-Wert deutet auf eine Anämie hin.
- Ferritin: Ferritin ist ein Eiweiß, das im Körper als Eisenspeicher dient. Die Ferritinkonzentration im Blutserum ist ein aussagekräftiger Wert für die gesamten Eisenspeicher des Organismus.
- Transferrin: Transferrin ist ein Transportprotein für Eisen.
- Transferrinsättigung (TSAT): Die Transferrinsättigung gibt die aktuelle Versorgungslage mit Eisen wieder.
- CRP (C-reaktives Protein): CRP ist ein Entzündungsparameter. Bei Entzündungen kann der Ferritinwert erhöht sein, obwohl ein Eisenmangel vorliegt.
Behandlung von Eisenmangel
Die Behandlung von Eisenmangel richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Mangels. Folgende Maßnahmen können ergriffen werden:
- Ernährungsumstellung: Eine Ernährung mit eisenreichen Lebensmitteln kann helfen, einen leichten Eisenmangel auszugleichen. Besonders reich an Eisen sind rotes Fleisch, Leber, Eigelb, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und grünes Gemüse. Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme, während Kaffee, Tee und Calcium die Aufnahme behindern können.
- Eisensupplemente: Bei einem ausgeprägten Eisenmangel oder wenn die Ernährungsumstellung nicht ausreicht, können Eisensupplemente eingenommen werden. Diese sind in verschiedenen Formen erhältlich, z. B. als Tabletten, Kapseln oder Saft. Es ist wichtig, die Eisensupplemente nicht zusammen mit Hemmern der Eisenaufnahme einzunehmen.
- Eiseninfusionen: In bestimmten Fällen, z. B. bei schweren Eisenmangelzuständen, Resorptionsstörungen oder Unverträglichkeit von oralen Eisenpräparaten, können Eiseninfusionen erforderlich sein.
Eisenüberladung: Ein Risiko, das es zu vermeiden gilt
Es ist wichtig zu beachten, dass eine Überdosierung von Eisensupplementen schädlich sein kann. Typische Symptome einer Eisenüberladung sind Müdigkeit, Reizbarkeit, Gelenkschmerzen, Impotenz oder ausbleibende Regelblutung, Leberschädigung, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und eine metallisch-graue Hautfärbung. Bei leicht erhöhten Eisenwerten verfügen die Zellen über antioxidative Schutzsysteme, aber bei höheren Werten können die Zellen geschädigt werden. Etwa einer von 300 Menschen in Deutschland leidet an der hereditären Hämochromatose, einer erblichen Eisenspeicherkrankheit, bei der zu viel Eisen aus der Nahrung aufgenommen und in Organen abgelagert wird. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch Aderlass.
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