Müdigkeit bei Multipler Sklerose: Ursachen, Behandlung und Eisenmangel

Müdigkeit ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Menschen betrifft. Sie kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, von einfachen Dingen wie Schlafmangel bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) ist Fatigue eines der häufigsten und belastendsten Symptome. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Müdigkeit bei MS, die Unterschiede zu normaler Müdigkeit und mögliche Behandlungsansätze, einschließlich der Rolle von Eisenmangel.

Fatigue bei MS: Mehr als nur Müdigkeit

Fatigue ist eines der häufigsten Symptome bei MS. Etwa 60 % der MS-Patienten sind davon betroffen. Fatigue bei MS unterscheidet sich deutlich von normaler Müdigkeit. Emotionale Reaktionen wie z. B. Müde und erschöpft zu sein ist nichts Außergewöhnliches. Es gibt Tage oder auch Phasen im Leben, in denen man einfach mehr Zeit zur eigenen Regeneration benötigt. Nimmt allerdings die Müdigkeit oder Erschöpfung nach einer erholsamen Nacht nicht ab, kann eine Fatigue bei MS der Grund sein.

Ursachen der Fatigue bei MS

Die Ursachen der MS-bedingten Müdigkeit sind weitgehend ungeklärt, aber wahrscheinlich multifaktoriell bedingt. So bestehen Zusammenhänge zu Schädigungen des motorischen Cortex und der Basalganglien, aber auch zu immunologischen Parametern. Die erhöhte Erschöpfbarkeit ist ein häufiges, stark einschränkendes Symptom bei Multipler Sklerose (MS). So treten kognitive Störungen und Fatigue-Beschwerden bereits frühzeitig im Krankheitsverlauf auf.

Das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS)

Das Chronische Fatigue-Syndrom, auch Myalgische Enzephalomyelitis genannt (kurz ME/CFS), ist selbst bei Ärztinnen und Ärzten noch relativ unbekannt. Beim Chronischen Fatigue-Syndrom, auch Myalgische Enzephalomyelitis genannt (kurz ME/CFS), kommt es zu einer schweren anhaltenden Erschöpfung, die sich durch körperliche und geistige Anstrengung verschlimmert. Die Erschöpfung tritt oft mit einer gewissen Verzögerung ein, was es für die Patientinnen und Patienten schwierig macht, die eigenen Grenzen frühzeitig zu erkennen und einzuhalten. Auch nach dem Schlafen fühlen sie sich nicht ausgeruht. Das Ausmaß der Fatigue, so der medizinische Ausdruck für krankhafte Erschöpfung, geht von einer mittleren Beeinträchtigung bis hin zu schweren Verläufen, bei denen die Betroffenen bettlägerig und zeitweise sogar zu schwach zum Sprechen sind. Über die Hälfte der Patient:innen ist arbeitsunfähig, viele sind auf Pflege angewiesen.

Da Fatigue ein Symptom ist, das bei verschiedenen Krankheiten vorkommt, müssen zunächst andere Ursachen wie Krebs, Multiple Sklerose, ein Eisenmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion ausgeschlossen werden. Anders als etwa bei Multipler Sklerose, die Ärzt:innen an charakteristischen Veränderungen im MRT erkennen, gibt es bislang keinen Bluttest und kein bildgebendes Verfahren, das die Diagnose ME/CFS eindeutig belegt. Spezialistinnen wie Carmen Scheibenbogen vom Fatigue-Centrum der Berliner Charité kennen jedoch typische Anzeichen, die sich objektiv messen lassen: "Die Patienten haben meistens eine verminderte Muskelkraft. Das lässt sich mit einem Handkraftmesser feststellen, bei dem man so fest wie möglich zudrücken soll. Je nach Schätzung leiden zwischen zwei und neun von 1000 Menschen weltweit an ME/CFS. Demnach wären allein in Deutschland bis zu 700.000 betroffen - Frauen fast doppelt so häufig wie Männer. Meist trifft es junge Menschen um die 30.

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Eine Reihe von Erkrankungen geht gehäuft mit anhaltender Erschöpfung einher, sodass Betroffene ein höheres Risiko tragen, zusätzlich an chronischer Fatigue zu erkranken. Dazu gehört Fibromyalgie: Muskel- und Gelenkschmerzen, die durch eine gestörte Schmerzverarbeitung im Nervensystem entstehen - häufig begleitet vom so genannten 'brain fog‘. Das sind Konzentrationsstörungen, wie sie auch bei ME/CFS auftreten. Auffällig oft treten auch das Reizdarm-Syndrom und eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems namens Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, kurz POTS, bei ME/CFS-Patient:innen auf. Leidet man an POTS, kommt es beim Aufrichten aus dem Liegen oder Sitzen zu Herzrasen, Schwindel und Schwäche. So ist es auch bei ME/CFS. Bei vielen bricht die Krankheit nach einer Viruserkrankung aus. Besonders nach einer Infektion mit dem Pfeiffer' schen Drüsenfieber, das durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird, kommen manche Patient:innen nicht mehr auf die Beine. Etwa zehn Prozent leiden sechs Monate später noch an ME/CFS- Symptomen. Auch eine durch Herpesviren ausgelöste Gürtelrose oder eine Grippe können in eine chronische Fatigue übergehen. Allerdings hatten nicht alle ME/CFS-Patient:innen unmittelbar vor Ausbruch der Krankheit einen Infekt.

ME/CFS ist keine psychische Krankheit. Trotzdem wird es noch immer von manchen Ärzt:innen als psychisch abgetan. Der Grund: Erkrankten fehlt es ähnlich wie Menschen mit einer Depression an Energie. Empfehlungen, die depressiven Menschen aus der Lethargie helfen, sind jedoch schädlich für ME/CFS-Patient:innen. Sport etwa verschlimmert die Symptome. Auch Antidepressiva helfen den Betroffenen in der Regel nicht. Und Untersuchungen zeigen, dass ME/CFS-Patient:innen vor ihrer Erkrankung nicht häufiger an einer psychiatrischen Krankheit wie Depression oder Schizophrenie gelitten haben als andere Menschen.

Die Mechanismen der Krankheit sind komplex und zum Großteil noch unbekannt. Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren zu ähnlichen Veränderungen im Körper führen können, die sich als ME/CFS äußern. Die Gründe für die Erkrankung könnten sich daher von Mensch zu Mensch unterscheiden. Vieles spricht dafür, dass es sich zumindest bei einem Teil der ME/CFS-Fälle um eine Autoimmunerkrankung handelt. Das könnte erklären, warum die Krankheit häufig durch ein Virus getriggert wird. Das Immunsystem greift dann im Eifer des Abwehrgefechts den eigenen Körper an. Dieses kontrolliert unter anderem Herzschlag, Atmung und Verdauung. Deswegen wird ME/CFS auch als neuroimmunologische Krankheit kategorisiert. "Diese Autoantikörper richten sich speziell gegen den Adrenalinrezeptor. In Folge wird zu viel Adrenalin freigesetzt und die Feinsteuerung des vegetativen Nervensystems kommt aus dem Gleichgewicht, wodurch eine permanente Stressreaktion abläuft", erklärt Carmen Scheibenbogen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass bei ME/CFS die Kraftwerke der Zelle die Energieproduktion drosseln. Die Mitochondrien wandeln Zucker und Sauerstoff in Energie um und stellen sie dem Körper normalerweise in Form von Adenosintriphosphat (ATP) bereit. Dieser Vorgang ist bei ME/CFS-Patient:innen womöglich gestört. In einem Experiment, bei dem Forschende um den Virologen Bhupesh Prusty von der Universität Würzburg Blutserum von ME/CFS-Patient:innen zu gesunden Zellen gaben, waren die Mitochondrien nicht mehr in der Lage, genug Energie zu produzieren. So eine Reaktion der Mitochondrien kennen Wissenschaftler:innen bereits. Sie kann durch bestimmte Herpesviren entstehen, die die meisten unbemerkt in sich tragen. Warum diese Störungen bei manchen zum Dauerzustand werden und der Organismus sich nicht mehr erholt, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielt ein genetisches Risiko bei der Entstehung von ME/CFS eine Rolle.

Fachleute befürchten, dass die Zahl der ME/CFS-Erkrankungen durch die Pandemie mit dem neuen Coronavirus steigen wird. Darauf deuten Zahlen aus den SARS- und MERS-Epidemien von 2003 und 2015 hin. Beide Erreger stammen aus der Familie der Coronaviren. Postvirale ME/CFS-Fälle scheinen hier noch häufiger vorzukommen als beim Pfeiffer'schen Drüsenfieber. Eine Untersuchung an 233 Sars-Überlebenden aus Kliniken in Hongkong vier Jahre nach Ausbruch der Erkrankung zeigte, dass viele immer noch unter Erschöpfung litten. Knapp ein Drittel erfüllte die Kriterien für eine ME/CFS-Diagnose. Ähnlich bei ehemaligen MERS-Patient:innen. Solche Langzeitdaten liegen zu Covid-19 noch nicht vor. Doch langwierige Verläufe sind so verbreitet, dass es dafür schon einen Namen gibt: Long Covid. Laut einer Studie des US-amerikanischen Centers for Desease Control (CDC) ist mehr als ein Drittel der ambulanten Patient:innen mit einem moderaten Verlauf auch drei Wochen nach der Diagnose noch nicht wieder fit. Das ergab eine Untersuchung an Patient:innen, die nicht stationär behandelt wurden. Es trifft auch junge, zuvor gesunde Menschen, die in der Akutphase nur leichte Beschwerden hatten. Am häufigsten klagen Betroffene über anhaltende Fatigue. Die Symptome erinnern an ME/CFS, infrage kommen aber auch andere Erklärungen wie eine direkte Schädigung durch die Vermehrung des Virus im Körper. So hinterlässt das Virus mitunter Narben im Lungengewebe. Ob und wie häufig ME/CFS hinter den Spätfolgen steckt, ist noch unklar. Um das zu klären, braucht es noch Zeit. Frühestens nach sechs Monaten kann die Diagnose überhaupt gestellt werden.

"Die Versorgung der Betroffenen ist schlecht. Da viele Ärzte sich nicht mit dem Krankheitsbild auskennen, erhalten Patienten oft erst spät die Diagnose und auch häufig gar keine oder eine falsche Behandlung", kritisiert Carmen Scheibenbogen. Forschende beschäftigen sich erst seit einigen Jahren intensiv mit ME/CFS. Bisher gibt es keine Heilung. "Wir können einzelne Symptome wie Schmerzen und Schlafstörungen lindern, die meisten Patienten bleiben allerdings chronisch krank. Ein Ansatz, um die Symptome in Schach zu halten, ist das sogenannte "Pacing": das bewusste Einteilen der verbleibenden Kräfte mit genug Pausen und Entspannung. Es gibt Grund zur Hoffnung. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit forschen an gezielten Therapien, unter anderem an Medikamenten, die auf das Immunsystem einwirken. Der Zustand mancher Patient:innen verbessert sich von selbst mit der Zeit, einige wenige genesen vollständig. Bei Selbsthilfegruppen und Patientenverbänden wie Fatigatio e. V. Corinna Hartmann ist Psychologin und arbeitet als freie Journalistin.

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Fatigue als Symptom verschiedener Erkrankungen

Fatigue ist ein ganz häufiges Symptom vieler Erkrankungen. Das können ganz harmlose Dinge sein, aber dahinter stecken manchmal auch schwere Erkrankungen. Häufige Ursachen sind Eisenmangel, Schlafstörungen, Medikamentennebenwirkungen und Schilddrüsenunterfunktion. Fatigue ist auch ein Symptom vieler Erkrankungen, bei denen das Immunsystem beteiligt ist; so tritt sie häufig bei Autoimmunerkrankungen auf, bei chronischen Infektionserkrankungen oder nach einer Infektion als chronisches Fatigue-Syndrom. Wir wissen, dass ein chronisches Fatigue-Syndrom häufig ausgelöst wird durch eine Infektion. Nicht selten fällt auch eine Phase körperlicher oder psychischer Überanstrengung mit dem Krankheitsbeginn zusammen, zum Beispiel während einer Prüfung oder bei Sportlern nach anstrengenden Wettkämpfen. Wir vermuten, dass ein überaktives oder ein fehlgesteuertes Immunsystem Ursache dieser Erkrankung ist. Fatigue während einer Infektion ist etwas Normales. Der Körper verwendet alle Energien darauf, die Infektion zu bekämpfen. Warum man nach einer Infektion sich manchmal nicht wieder regeneriert, das verstehen wir noch nicht so genau. Ob Chronic Fatigue, Fatigue bei Krebs oder MS - immer wieder machen Menschen mit dem Erschöpfungssyndrom die Erfahrung, nicht ernst genommen zu werden.

Diagnose von Fatigue

Für das chronische Fatigue-Syndrom gibt es keine Diagnosemarker im Blut. Das heißt, wir stellen die Diagnose klinisch, also aufgrund der Symptome, die der Patient uns schildert und die in der Gesamtheit ein typisches Krankheitsbild ergeben. Was ganz charakteristisch beim chronischen Fatigue-Syndrom ist, ist dass die Patienten anhaltend ähnliche Beschwerden haben wie bei einem Infekt, ein grippiges Gefühl, Halsschmerzen, Konzentrationsstörungen und oft auch schwere Muskelschmerzen.

Therapieansätze bei Fatigue

Es gibt jetzt Studien mit einem neuen Medikament, Rituximab. Wir gehen davon aus, dass es sich zumindest bei einer Unterform des chronischen Fatigue Syndroms um eine Autoimmunerkrankung handelt. Anders als zum Beispiel bei Multipler Sklerose greift das Immunsystem nicht Gewebe an, sondern scheint die Feinregulation von Sympathikus und Parasympathikus zu stören. Das geschieht über bestimmte Botenstoffe und die haben Erkennungsstrukturen auf nahezu allen Körperzellen und auch auf den Immunzellen. Wir haben erste Hinweise darauf, dass Fatigue-Patienten Autoantikörper gegen bestimmte Stressrezeptoren haben und dann funktioniert diese Steuerung möglicherweise nicht mehr richtig. Rituximab ist ein Medikament, mit dem man Autoantikörper behandeln kann, indem Autoantikörper-produzierende B-Zellen zerstört werden. Wir haben im vergangenen Jahr auch eine Therapiestudie an der Charité durchgeführt mit einer so genannten Immunadsorption mit der wir Autoantikörper aus dem Blut entfernen. Auch mit hochdosierten Immunglobulinen versuchen wir die Erkrankung zu behandeln. Das sind ebenso Verfahren, bei denen man solche Autoantikörper quasi verdrängen kann. Der Kampf gegen den Krebs verlangt Patienten und ihren Angehörigen alles ab und kostet Kraft. Die Erschöpfung nach Chemo- oder Strahlentherapie kann auch krankhaft werden - zur sogenannten krebsassoziierten Fatigue. Bis zu 80 Prozent der Patienten sind betroffen. Für viele Betroffene ist ein erster wichtiger Schritt, dass sie überhaupt eine Diagnose bekommen und ihre Probleme nicht als psychisch oder "Burn-Out" missinterpretiert werden. Die Symptome unter denen die Patienten häufig leiden, wie Schlaflosigkeit oder Schmerzen, kann man gut behandeln. Patienten mit CFS leiden auch unter häufigen Infektionen. Wenn man die in den Griff bekommt, dann kommt es oft auch zu einer grundlegenden Besserung ihrer Erkrankung. Man kann aber auch nicht alle Formen von Fatigue gleich behandeln. Patienten mit Fatigue nach Tumorerkrankungen profitieren zum Beispiel von körperlicher Bewegung. Insgesamt ist die Versorgung von Fatigue-Patienten in Deutschland immer noch sehr unzureichend. Mit dem Fatigue-Zentrum, das wir 2017 gegründet haben, haben wir begonnen, gemeinsame Forschungsprojekte zu beantragen. Wir setzen aber auch auf einen engeren Austausch in Bezug auf Therapien, die einzelnen Patienten helfen. Wir können hier in Berlin allerdings nicht Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet versorgen, sondern sind in erster Linie Ansprechpartner für Betroffene in Berlin und Brandenburg. Ein wichtiger Ansprechpartner ist und bleibt auch der Hausarzt.

Eisenmangel als Ursache von Müdigkeit

Bedingt durch einen Eisenmangel wird im Körper nicht ausreichend Hämoglobin gebildet, wodurch die Sauerstoffkapazität der Erythrozyten und die Sauerstoffversorgung der Organe und Gewebe abnehmen. Der Körper versucht, diesen hypoxischen Zustand mit einem erhöhten Herzzeitvolumen zu kompensieren. Patienten mit diagnostiziertem Mangel können von einer bevorzugt oralen Eisensubstitution profitieren. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Substitution bei ansonsten gesunden Personen ohne schweren Eisenmangel oder Anämie das Müdigkeitsproblem löst. Häufig liegt ein Eisenmangel vor, wenn Sie sich ständig müde fühlen. Blässe, Schwäche und Konzentrationsschwierigkeiten deuten darauf hin. Ein Selbsttest aus der Apotheke kann Klarheit bringen. Bestätigt sich der Verdacht, sollten Sie den Eisenmangel noch einmal genauer untersuchen lassen und mit Ihrem Arzt die Therapie besprechen.

Weitere Ursachen von Müdigkeit

  • Schlafstörungen: Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu ständiger Müdigkeit führen.
  • Medikamentennebenwirkungen: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Müdigkeit verursachen.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann den Stoffwechsel verlangsamen und zu Müdigkeit führen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen und Angststörungen können ebenfalls Müdigkeit verursachen.
  • Metabolische Störungen: Fehlfunktionen im Stoffwechselgeschehen des Körpers und endokrine Dysbalancen, wie Probleme mit Hormondrüsen (z.B. Schilddrüse oder Nebennieren), können als erhebliche Verursacher von anhaltender Müdigkeit und genereller Abgeschlagenheit fungieren, indem sie den Energiehaushalt und die zelluläre Funktion beeinträchtigen.
  • Hämatologische Erkrankungen: Leiden des Blutes und der blutbildenden Organe wie Anämie (Blutarmut), und immunologische Störungen, welche das Abwehrsystem des Körpers betreffen, können maßgeblich zu starker Erschöpfung und anhaltender Müdigkeit beitragen, da sie oft mit Sauerstoffmangel oder chronischen Entzündungsreaktionen einhergehen.
  • Chronische Entzündungsprozesse: Chronische Entzündungsprozesse im Körper sowie maligne Erkrankungen, also bösartige Tumorleiden, sind als schwerwiegende Auslöser für eine oft lähmende Müdigkeit bekannt, da der Organismus hierbei enorme Energiemengen für die Krankheitsabwehr oder das Tumorwachstum aufwendet und entzündungsfördernde Zytokine freisetzt.
  • Kardiopulmonale Erkrankungen: Leiden des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge, sowie diverse neurologische Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen, können aufgrund von eingeschränkter Sauerstoffversorgung, erhöhtem Energiebedarf oder direkter Beeinträchtigung von Nervenfunktionen signifikant zu chronischer Müdigkeit und Erschöpfungszuständen beitragen.

Was kann man gegen Müdigkeit tun?

Eine gezielte Behandlung gegen Fatigue bei MS gibt es leider bisher nicht. Fatigue ist keine Faulheit! Vermeiden Sie Hitze, vor allem, wenn Sie hitzeempfindlich sind. Ein Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Laufen kann Ihnen dabei helfen, Ihr Leistungspensum zu halten oder sogar zu steigern. Ausdauersportneulinge sollten langsam anfangen. Aktivierende Maßnahmen haben vor allem das Ziel, den Teufelskreis aus Müdigkeit, Inaktivität, deren körperlichen Folgen und wiederum Müdigkeit (Grafik) zu verhindern oder zu durchbrechen und das Belastungsvermögen nicht noch weiter zu reduzieren. Wichtig ist regelmäßige körperliche Aktivität, allerdings nur in dem Ausmaß, dass die Körperfunktionen angeregt werden, es aber nicht zur Überforderung kommt. Langsam gesteigertes Training mit regelmäßigen Wiederholungen ist wichtig. Zudem sollten nach den Aktivitäten ausreichend Ruhepausen und Erholungsphasen eingehalten werden, damit die Müdigkeit nicht voranschreitet. Spezifische medikamentöse Therapieempfehlungen bei diagnostizierter chronischer Müdigkeit oder Fatigue gibt es nicht. In Studien wurden erhebliche Placeboeffekte beobachtet. Gesicherte Grunderkrankungen, zum Beispiel Hypothyreose, manifester Eisenmangel, COPD oder Herzinsuffizienz, sollten adäquat und leitliniengerecht therapiert werden. Da sich die Müdigkeit bei MS, Morbus Parkinson oder malignen Tumoren nur schwer zurückdrängen lässt, empfehlen manche Leitlinien Psychostimulanzien wie Methylphenidat oder Modafinil. Belastbare evidenzbasierte Grundlagen gibt es dafür nicht. Schlafmittelentzug (Benzodiazepine oder Z-Substanzen) verbesserte die Tagesmüdigkeit, auch wenn die Medikamente nicht komplett abgesetzt wurden. Schlaftabletten sind keine Dauerlösung gegen chronische Tagesmüdigkeit. Oft helfen Dosisreduktion oder der Entzug sogar. Bei gesichertem CFS eignet sich am besten ein körperlich angepasstes Training mit einer kognitiven Verhaltenstherapie, um eine »Langzeitschonung« zu vermeiden. Erwähnung findet in der DEGAM-Leitlinie ein Kombinationspräparat aus Baldrianwurzel (4 mg Baldriansäure), Hopfenzapfen (0,8 mg Flavonoide) und Jujubesamen (2 mg Triterpensaponine) (2). Dieses zeigte in einer kleinen Studie positive Effekte auf Tagesmüdigkeit. Da die Kombination aller drei Arzneipflanzen in Deutschland nicht als Fertigarzneimittel erhältlich ist, kann die Apotheke als Alternative nur Präparate mit Baldrian und Hopfen anbieten. Auch Lavendelblüten, Melissenblätter und Passionsblumenkraut wirken schlafunterstützend. Sie haben vergleichsweise wenige Neben- und Wechselwirkungen, eine große therapeutische Breite und kein Abhängigkeitspotenzial. Der Patient muss sie ausreichend hoch dosiert und kontinuierlich über einen längeren Zeitraum einnehmen. Bei leichten depressiven Verstimmungen, die die Schlafqualität ebenfalls beeinflussen können, kann das Apothekenteam Johanniskraut-Extraktpräparate empfehlen. Natürlich kann das Apothekenteam auch zur Schlafhygiene beraten, denn schlechter oder zu wenig Schlaf kann die Ursache des Problems sein. So fühlen sich Patienten tagsüber häufig müde, unkonzentriert und weniger leistungsfähig. Alkohol- und Kaffeekonsum verstärken die Probleme. Die optimale Schlafzimmertemperatur liegt zwischen 16 und 20 Grad. Die Schlafdauer ist individuell sehr unterschiedlich. Die Nutzung von digitalen Medien ist kurz vor dem Schlafengehen und während der Nacht tabu.

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  • Geregelter Schlafrhythmus: Regelmäßige Schlafenszeiten beugen Schlafproblemen vor.
  • Bewegung: Im Freien tanken wir Luft und Licht und bringen den Kreislauf auf Trab.
  • Vitaminreiche Ernährung: Sie hilft dabei, den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Allerdings braucht der Körper in stressigen Zeiten vermehrt Nährstoffe, um sein Pensum zu bewältigen. In Ihrer Apotheke gibt es daher spezielle Vitamin- und Mineralstoffkombinationen, um die Energiereserven wieder aufzufüllen.
  • Pflanzliche Mittel: Ginseng, Taigawurzel, Koffein, Weißdorn und Kampfer, Hopfen, Lavendel, Passionsblume und Baldrian, Soja, sibirischer Rhabarber oder Traubensilberkerze können bei Müdigkeit helfen.

Die Rolle des Apothekenteams

In der Beratung sollte das Apothekenteam neben der Lebensweise auch den Gemütszustand ansprechen. Die Apothekenmitarbeiter können mit Betroffenen über Lebenssituationen, Belastungen, Ängste und Sorgen sprechen. Welche Maßnahmen hat der Patient selbst schon ergriffen? Zusammen mit anderen Warnzeichen kann Müdigkeit auch auf potenziell gefährliche Erkrankungen hinweisen.

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