Hashimoto-Thyreoiditis, Migräne und Aura: Ein komplexer Zusammenhang

Die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Dabei richtet sich der Körper gegen ein Organ, das für den Energiehaushalt und das Wohlbefinden entscheidend ist. Die Erkrankung führt unbehandelt zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Interessanterweise gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und Migräne, insbesondere Migräne mit Aura.

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis greift das Immunsystem fälschlicherweise die Schilddrüse an und zerstört sie nach und nach. Diese Fehlregulation des Immunsystems führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend, was die Diagnose erschwert. Die Prävalenz der Hashimoto-Thyreoiditis nimmt in der Allgemeinbevölkerung stetig zu und ist heutzutage die Hauptursache für eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).

Schilddrüsenunterfunktion und Migräne: Ein wechselseitiger Zusammenhang

Frühere Studien konnten bereits einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen Migräne und einer Schilddrüsenunterfunktion aufzeigen. Patienten mit unterschwelliger, subklinischer Schilddrüsenunterfunktion leiden nach einer neuen Untersuchung häufiger an Migräne als Kontrollpersonen mit gesunder Schilddrüse. Eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyroidismus) fällt bei den Untersuchungen beim Arzt nicht unbedingt auf, da sie den Schwellenwert für einen Behandlungsbedarf nicht erreicht. Studien zeigten, dass sowohl klinisch relevante (Behandlungsbedarf angezeigt) als auch subklinische Schilddrüsenunterfunktion und Migräne zusammenhängen.

Studie zur Prävalenz von Hashimoto-Thyreoiditis bei Migräne

Eine retrospektive, beobachtende Kohortenstudie analysierte die Prävalenz von Hashimoto-Thyreoiditis bei Migränepatienten und untersuchte, ob das Vorhandensein einer HT den Schweregrad der Migräne beeinflusst. Die Studie umfasste 928 Migränepatienten, die an einem polnischen Kopfschmerzzentrum in Behandlung waren. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer betrug 36,09 Jahre, und 88,7 % waren Frauen.

Ergebnisse der Studie

Bei 106 Teilnehmern (11,4 %) wurde eine Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert, bei 148 (15,9 %) eine Schilddrüsenunterfunktion, während 84 Teilnehmer (9,05 %) beide Diagnosen hatten. Die statistische Auswertung zeigte, dass das Vorhandensein von chronischer Migräne positiv mit einer Hashimoto-Thyreoiditis (OR: 1,76; p = 0,045), Medikamentenübergebrauchskopfschmerz und der Migränedauer assoziiert war.

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Schlussfolgerung der Studie

Die Hashimoto-Thyreoiditis kommt bei Migränepatienten, insbesondere bei Frauen, sehr häufig vor und ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen bei Migräne. Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass eine Hashimoto-Thyreoiditis den Verlauf einer Migräneerkrankung negativ beeinflusst und sogar zu deren Chronifizierung beitragen kann.

Subklinische Hypothyreose und Migräne

Eine weitere Studie untersuchte den Nutzen einer Levothyroxin-Behandlung bei Migränepatienten mit subklinischer Hypothyreose. 45 Migränepatienten ohne Aura, bei denen TSH-Werte über 4,5 mU/l bei normalen T4-Werten gemessen wurde, bekamen zwei Monate lang 50-100 mg Levothyroxin pro Tag. Dabei ging die Schwere der Migräne auf einer 10-Punkte-Analogskala von 6,5 vor auf 1,2 Punkte nach der Behandlung zurück, die Zahl der monatlichen Migränetage sank von 14,7 auf 1,9. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Die Studie liefert erste Hinweise, dass auch bei subklinischer Hypothyreose eine L-Thyroxin-Behandlung die Migränesymptome deutlich lindern könne.

Migräne mit Aura: Besonderheiten und Symptome

Migräne mit Aura geht oft mit visuellen Störungen (Sehstörungen), aber auch sensiblen Wahrnehmungsstörungen, motorischen Störungen, aber auch möglicherweise Wortfindungsstörungen (aphasische Aura) schon vor dem Anfall auf, dauern überwiegend weniger als eine Stunde an. Sehstörungen könen z. B. flackernde Lichter, Punkte oder Linien sein oder auch ein Sehverlust. Sensible Störungen können sich in Kribbelmissempfindungen oder auch Taubheitsgefühl äußern.

Menstruelle Migräne und Hormone

Migräneanfälle mit Aura ereignen sich fast immer nur außerhalb der Menstruation; menstruelle Attacken mit Aura sind die Ausnahme. Bei etwa 60 % der Frauen mit Migräne handelt es sich um menstruationsbeeinflusste Anfälle, welche sich meistens erstmals im 2. Lebensjahrzehnt einstellen und um das 40. Lebensjahr ihr Maximum erreichen. Die rein menstruelle Migräne gilt hinsichtlich Attacken-Dauer und -Intensität als die am schwersten zu therapierende Variante. Ursächlich scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren. Initial hohe Östrogenspiegel sind vermutlich eine Voraussetzung für die Entstehung der Migräneattacken.

Diagnose und Differentialdiagnose von Kopfschmerzen

Bei häufigen Kopfschmerzen ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären. Kopfschmerz-Ursachen wie Bluthochdruck sollten auf jeden Fall durch einen kompletten Gesundheitscheck ausgeschlossen werden. Auch Erkrankungen der Schilddrüse sind häufig der Grund für rezidivierende Kopfschmerzen.

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Differentialdiagnose: Spannungskopfschmerz

Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome wie Lichtscheu und übermäßige Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Erbrechen sowie Appetitlosigkeit treten in der Regel nicht und, wenn doch, nur sehr selten begleitend auf.

Differentialdiagnose: Cluster-Kopfschmerz

Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Der Kopfschmerzcharakter wird als unerträglich reißend, bohrend, manchmal als brennend geschildert. Besonders typisch ist ein während der Kopfschmerzattacken bestehender Bewegungsdrang, ebenfalls kommen Begleitsymptome wie einseitiges Tränen, Augenrötung oder Naselaufen auf der Schmerzseite häufig vor.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Die wichtigste Behandlungsmethode bei Hashimoto-Thyreoiditis ist die Hormonersatztherapie mit L-Thyroxin. Dieses synthetische Schilddrüsenhormon ersetzt das Hormon, das der Körper nicht mehr in ausreichender Menge produziert. Auch der Lebensstil spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit Hashimoto. Die Therapie von Hashimoto erfordert langfristige ärztliche Begleitung.

Akuttherapie bei Migräne

Bei leichter bis mittelschwerer Migräne können nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac kombiniert mit einem Antiemetikum eingesetzt werden. In der nächsten Stufe kommen Triptan-Präparate zum Einsatz.

Migräneprophylaxe

Medikamente zur Vorbeugung werden dauerhaft eingenommen und sollen die Anfallsneigung insgesamt abschwächen. Eingesetzt werden dazu vor allem Beta-Blocker, Topiramat, Valproinsäure, Flunarazin oder Amitryptilin. Eine natürliche Alternative zur Migräneprophylaxe sind Vitaminkombinationen wie Migravent oder eine täglich durchgeführte 20 minütige Neurostimulation der Stirnhaut. Auch Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen sind geeignet, die Anfallshäufigkeit zu vermindern. Gut sind zudem Entspannungsverfahren oder Biofeedback.

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Neue Wirkstoffe zur Prophylaxe von Migräne

Mit den CGRP-Hemmern gibt es eine neue Wirkstoffklasse auf dem Markt, die die Zahl der Attacken deutlich senkt. Diese Medikamente sind künstliche Antikörper, die an das "Migräne-Peptid" oder ihren Rezeptor auf den Körperzellen binden und es so unschädlich machen.

Erfahrungsberichte von Betroffenen

Ein Erfahrungsbericht einer Betroffenen zeigt, dass die Einnahme von L-Thyroxin in Kombination mit hoch dosiertem Magnesium, B12 und D3 die Abstände eines Migräneanfalls immer länger werden ließ. Seit höheren freien Werten hatte sie keinen Anfall mehr.

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