Das Parkinson-Syndrom ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Familien erheblich beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, die verschiedenen Stadien und Typen des Parkinson-Syndroms zu verstehen, um eine angemessene Behandlung und Unterstützung zu gewährleisten. Dieser Artikel konzentriert sich auf den Parkinson-Äquivalenztyp im Stadium II und bietet eine umfassende Definition und einen Überblick über diesen spezifischen Zustand.
Einführung in das Parkinson-Syndrom
Das Parkinson-Syndrom ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch degenerative Veränderungen im extrapyramidal-motorischen System (EPMS) gekennzeichnet ist. Dies führt insbesondere in der Substantia nigra im Bereich der Basalganglien zu einem fortschreitenden Untergang von melaninhaltigen Neuronen. Die Folgen sind eine verminderte Synthese von Dopamin mit einem relativen Acetylcholinüberschuss. Auch andere Neurotransmitter wie Serotonin und Noradrenalin können aus dem Gleichgewicht geraten, was zu vielseitigen neurologischen Störungen führen kann.
Nach Schätzungen leben in Deutschland etwa 200.000 Patienten mit Parkinson-Syndrom, wobei in westlichen Populationen Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Sowohl Prävalenz als auch Inzidenz steigen mit höherem Alter an. Parkinson-Erkrankungen, die vor dem 40. Lebensjahr auftreten, werden als „früh beginnende“ und solche, die vor dem 21. Lebensjahr auftreten, als juvenile Parkinson-Syndrome bezeichnet.
Klassifikation des Parkinson-Syndroms
Parkinson-Syndrome werden in vier Hauptgruppen unterteilt:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Auch bekannt als Parkinson-Krankheit oder Morbus Parkinson, macht etwa 75 % aller Fälle aus. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt.
- Genetische Formen des Parkinson-Syndroms: Hierbei handelt es sich um erbliche Formen, die durch Mutationen in verschiedenen Genen verursacht werden (PARK 1-16).
- Parkinson-Syndrome im Rahmen anderer neurodegenerativer Erkrankungen: Diese atypischen Parkinson-Syndrome treten im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Multisystematrophie (MSA), Demenz vom Lewy-Körper-Typ (DLK), progressiver supranukleärer Blickparese (PSP) und kortikobasaler Degeneration (CBD) auf.
- Symptomatische (sekundäre) Parkinson-Syndrome: Diese Form wird durch äußere Faktoren wie Medikamente, Toxine, Traumata oder Stoffwechselstörungen verursacht.
Symptome des Parkinson-Syndroms
Die Diagnose des idiopathischen Parkinsonsyndroms (IPS) wird klinisch gestellt. Dazu gehört eine komplette neurologische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf:
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- Anamnestische Angaben zu Beginn und Dauer der Beschwerden, Seitenbetonung, autonomen Funktionen, Familienanamnese
- Bradykinese (Supinationsbewegungen der oberen Extremität, Faustöffnung und -schluss, repetitive Zeigefinger-Daumen-Kontakte)
- Rigor (leichte Flexions- und Extensionsbewegungen im Hand- und Ellbogengelenk, Tonuszunahme der kontralateralen Hand bei Faustschluss)
- Tremor
- Posturale Instabilität (Patient steht mit geschlossenen Beinen und wird an den Schultern nach ventral oder dorsal ausgelenkt - mehr als ein Ausfallschritt pathologisch)
- Okkulomotorikstörungen (Sakkadengeschwindigkeit, vertikale Blickparese, Vestibulookulärer Reflex (VOR), Fixationssuppression des VOR)
- Frontale Zeichen (z.B. wer unter Parkinson leidet, verströmt einen ganz besonderen „tierischen“ Geruch)
Die vier Kardinalsymptome des Parkinson-Syndroms sind:
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, erschwerte Initiierung von Willkürbewegungen, Verlangsamung paralleler motorischer Tätigkeiten und schneller sequentieller Bewegungen, kleinschrittiges Gangbild, hypophone Sprache, erstarrtes Gesicht (Hypomimie) und selteneres Schlucken.
- Rigor: Tonuserhöhung während des gesamten Bewegungsumfanges, bei Überlagerung mit Tremor sogenanntes „Zahnradphänomen“.
- Ruhetremor: Klassischer Parkinsontremor mit einer Frequenz von 4-6 Hz, Amplituden-Abnahme bei Beginn von Willkürbewegungen oder Haltetätigkeiten, „Pillendreher“-Phänomen (Bewegung des Daumens gegenüber der Handfläche), typischerweise aktivierbar durch mentale oder emotionale Anspannung.
- Posturale Instabilität: Haltungsinstabilität (meist im mittleren Erkrankungsstadium).
Hinzu kommen zahlreiche fakultative Begleitsymptome wie sensorische Symptome (Dysästhesien, Schmerzen, Hyposmie), vegetative Symptome (Störungen von Blutdruck und/oder Temperaturregulation, Blasen-und Darmfunktion sowie sexueller Funktionen), psychische Symptome (vor allem Depression), Schlafstörungen und kognitive Symptome (frontale Störungen, in fortgeschrittenen Stadien Demenz).
Der Parkinson-Äquivalenztyp
Der Parkinson-Äquivalenztyp ist eine der vier Verlaufsformen des Morbus Parkinson. Bei diesem Typ sind die drei Hauptsymptome - Akinese (Bewegungslosigkeit), Rigor (Muskelsteife) und Tremor (Zittern) - ungefähr gleich ausgeprägt. Dies unterscheidet ihn von anderen Verlaufsformen, bei denen eines der Symptome dominiert.
Definition des Stadium II beim Parkinson-Äquivalenztyp
Im Stadium II des Parkinson-Äquivalenztyps sind die Symptome bereits beidseitig vorhanden. Dies bedeutet, dass sowohl die linke als auch die rechte Körperhälfte von den motorischen Beeinträchtigungen betroffen sind. Die Haltungsschwierigkeiten treten deutlicher hervor, was sich in einer zunehmenden Instabilität und einem Verlust des Gleichgewichts äußern kann. Die Patienten zeigen Schwierigkeiten beim Ausgleich im sogenannten Zugtest, was auf eine beeinträchtigte posturale Stabilität hinweist.
Symptome im Stadium II
Im Stadium II des Parkinson-Äquivalenztyps zeigen sich folgende Symptome:
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- Beidseitige Symptome: Die Symptome treten nicht mehr nur auf einer Körperseite auf, sondern sind auf beiden Seiten vorhanden.
- Haltungsschwierigkeiten: Die Haltung verändert sich, und es treten Schwierigkeiten auf, das Gleichgewicht zu halten.
- Verlust des Gleichgewichts: Der Patient hat Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, insbesondere beim Gehen oder Stehen.
- Schwierigkeiten im Zugtest: Der Patient kann sich bei einem leichten Stoß nach vorne oder hinten nicht mehr stabilisieren.
- Verlangsamte Bewegungen: Die Bewegungen werden langsamer, und es fällt schwer, alltägliche Aufgaben auszuführen.
- Muskelsteife: Die Muskeln sind steif und angespannt, was die Beweglichkeit einschränkt.
- Zittern: Das Zittern kann in Ruhe auftreten und sich bei Bewegung verstärken.
Diagnose im Stadium II
Die Diagnose des Parkinson-Äquivalenztyps im Stadium II basiert auf einer umfassenden neurologischen Untersuchung und der Beurteilung der klinischen Symptome. Der Arzt wird die motorischen Fähigkeiten des Patienten, seine Haltung und sein Gleichgewicht sowie das Vorhandensein von Tremor und Rigor beurteilen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder DaTSCAN können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und die Diagnose zu bestätigen.
Behandlung im Stadium II
Die Behandlung des Parkinson-Äquivalenztyps im Stadium II zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die medikamentöse Therapie spielt eine wichtige Rolle, wobei Levodopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer und COMT-Inhibitoren eingesetzt werden können. Die Wahl der Medikamente und ihre Dosierung werden individuell auf den Patienten abgestimmt.
Neben der medikamentösen Therapie sind nicht-medikamentöse Behandlungen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie von großer Bedeutung. Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern, während Ergotherapie den Patienten hilft, alltägliche Aufgaben leichter zu bewältigen. Logopädie kann Sprach- und Schluckstörungen verbessern.
Prognose im Stadium II
Die Prognose des Parkinson-Äquivalenztyps im Stadium II hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, der Schweregrad der Symptome und das Ansprechen auf die Behandlung. Da das Parkinson-Syndrom eine fortschreitende Erkrankung ist, werden sich die Symptome im Laufe der Zeit wahrscheinlich verschlimmern. Mit einer angemessenen Behandlung und Unterstützung können die Patienten jedoch ein aktives und erfülltes Leben führen.
Weitere Aspekte des Parkinson-Syndroms
Medikamentöse Therapie
Für die medikamentöse Behandlung des IPS stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Hierzu gehören:
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- Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer)
- Dopaminagonisten (Non-Ergot-Dopaminagonisten wie Piribidil, Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Apomorphin und Ergot-Dopaminagonisten wie Bromicriptin, Cabergolin, α-Dihydroergocriptin, Lisurid, Pigolid)
- MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin)
- COMT-Inhibitoren (Entacapon, Tolcapon)
- NMDA-Antagonisten (Amantadin, Budipin)
- Anticholinergika (z.B. Biperiden)
Frühe Stadien des IPS: Hier werden zur symptomatischen Therapie Levodopa (möglichst niedrige, aber ausreichende Dosis), Dopamin-Agonisten oder MAO-B-Hemmer empfohlen. Dabei sollten Ergot-Dopaminagonisten nur eingesetzt werden, wenn die Therapie mit den schlechter verträglichen non-Ergot-Dopaminagonisten nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Amantadin kann als Mittel der zweiten Wahl bei frühen IPS-Formen erwogen werden. Anticholinergika werden aufgrund des ungünstigen Nutzen-Schaden-Profils nicht als Mittel der ersten Wahl und schon gar nicht bei geriatrischen Patienten empfohlen.
Wirkfluktuationen (jeweils in Kombination mit Levodopa):
- Dopaminagonisten
- COMT-Hemmer
- MAO-Hemmer
- In schweren Fällen evtl. subkutane Apomorphin-Injektionen oder subkutane Pumpentherapie
Dyskinesien: Kombinationen verschiedener Antiparkinson-Medikamente, evtl. Amantadin
Nichtmedikamentöse Therapien
- Physiotherapie
- Logopädie
- Ergotherapie
Tiefe Hirnstimulation
Bei neurologischen Bewegungsstörungen ist die tiefe Hirnstimulation eine gut etablierte Therapieoption. Viele Patienten mit Parkinson-Syndrom profitieren enorm von einer tiefen Hirnstimulation. Wann beim Parkinson der richtige Zeitpunkt für die tiefe Hirnstimulation gekommen ist, steht schon seit einigen Jahren zur Diskussion.
Begleitsymptome und Komplikationen
Bei fortgeschrittenem Parkinson-Syndrom können sich insbesondere unter Monotherapie mit Levodopa motorische Spätkomplikationen entwickeln. Dazu gehören:
- Wirkfluktuationen: Vorhersehbare Fluktuation (einzeldosisabhängig, z.B. End-of-dose-Akinese - wearing-off) oder unvorhersehbare Fluktuation (einnahmeunabhängig, z.B. On-off-Phänomen)
- Dyskinesien (unwillkürliche Überbewegungen)
Forschung und zukünftige Entwicklungen
Bisher ist es mit keinem Medikament gelungen, die Progression eines Morbus Parkinson aufzuhalten. Möglicherweise hilft regelmäßiger Sport. Parkinson-Patienten geht es besser, wenn sie nicht mit Helicobacter pylori infiziert sind. Parkinsonpatienten neigen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegeln. Doch der Nutzen einer Supplementierung ist umstritten.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine Appendektomie das Risiko für Morbus Parkinson senken kann. Die Hypothese, dass sich Alpha-Synuclein prionenähnlich vom Darm bis ins ZNS ausbreitet, wird weiterhin untersucht.
Leben mit dem Parkinson-Syndrom
Das Parkinson-Syndrom macht Betroffenen nicht nur über Tremor und andere motorische Defizite das Leben schwer. Viel Bewegung und eine gute Ernährungsweise zahlt sich insbesondere auch für Parkinsonpatienten aus. Das Risiko für Suizid ist bei Parkinsonpatienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung verdoppelt. Schlafstörungen gehören zu den häufigsten nicht-motorischen Symptomen beim idiopathischen Parkinson-Syndrom. Verlieren Parkinsonpatienten im Frühstadium der Erkrankung an Gewicht, schwinden ihre kognitiven Fähigkeiten schneller.
Unterstützung und Ressourcen
Nach der Diagnose sollten Betroffene sich an ihre Pflegeversicherung wenden. Viele Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, können außerdem einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Wer an Parkinson erkrankt ist, gilt bei den Krankenkassen als schwerwiegend chronisch krank. Erkrankte haben also die Möglichkeit, sich von Zuzahlungen befreien zu lassen. Es gibt darüber hinaus medizinische Rehabilitationsmaßnahmen für Parkinsonerkrankte, die die Erwerbsfähigkeit sichern sollen. Dazu gehört insbesondere eine Behandlung in einer Parkinson-Fachklinik.
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