Ganzheitliche Therapie bei Parkinson: Ein umfassender Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität

Morbus Parkinson, auch bekannt als Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen erheblich beeinträchtigen kann. Während die konventionelle Medizin wichtige Behandlungsansätze bietet, gewinnt die ganzheitliche Therapie bei Parkinson zunehmend an Bedeutung, um die Lebensqualität zu verbessern, Symptome zu lindern und möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte einer ganzheitlichen Therapie bei Parkinson, von der Definition und den Ursachen der Erkrankung bis hin zu den verschiedenen Therapieoptionen, die auf körperlicher, seelischer und energetischer Ebene ansetzen.

Was ist Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson (Paralysis agitans) ist eine bereits seit der Antike bekannte und 1817 von James Parkinson umfassend beschriebene, häufige Erkrankung. Sie beginnt in der Regel zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr, wobei der Erkrankungsgipfel in der sechsten Lebensdekade liegt. Selten beginnt sie vor dem 30. Lebensjahr. Die Prävalenz liegt bei etwa 1:200 bis 500, was bedeutet, dass etwa jede 200. bis 500. Person der Bevölkerung an Morbus Parkinson leidet.

Symptome von Parkinson

Das Parkinson-Syndrom ist durch die Symptome Akinese bzw. Bradykinese (Bewegungsverarmung bis Unbeweglichkeit), Rigor (Muskelversteifung) und Tremor (Zittern in Ruhe) gekennzeichnet. Häufig treten in wechselnder Ausprägung auch vegetative Symptome auf, wie z.B. Temperaturregulationsstörungen, orthostatische Dysregulation (Kreislaufdysregulationen), Obstipation (Verstopfung), erhöhte Talgsekretion, reduzierte Speichelsekretion und depressive Verstimmungen.

Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer deutlichen Ausprägung der Symptome:

  • Akinese: Bewegungen können nicht ausreichend schnell in Gang gebracht oder gestoppt werden, sind insgesamt verlangsamt und können nicht lange genug durchgeführt werden. Dies führt bei rhythmischen Bewegungen häufig zu einer Dysrhythmizität der Bewegung.
  • Rigor: Eine gleichmäßige Tonuserhöhung von Agonisten und Antagonisten (gegensätzlich wirkenden Muskeln). Häufig lässt sich ein Zahnradphänomen beobachten, bei dem der Tonus ruckartig zunimmt und abnimmt.
  • Tremor: In späteren Stadien tritt ein deutlicher Ruhetremor auf, die rhythmische Hin- und Her-Bewegung einer Extremität oder eines Extremitätenendes um eine Achse. Der Ruhetremor weist eine Frequenz zwischen 4 und 6 Hz auf.

Ursachen von Parkinson

Die Ursache für die Entstehung der Parkinsonsymptome ist der vermehrte spontane Untergang dopaminerger Nervenzellen (Dopamin produzierende Nervenzellen) in der Substantia nigra (schwarze Zellschicht im Mittelhirn). Diese Zellen produzieren den Nervenbotenstoff Dopamin.

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Es gibt verschiedene Entstehungsweisen des Parkinsons, wie den idiopathischen, den genetisch bedingten, den postenzephalitischen (nach Gehirnentzündung), den posttraumatischen (nach Traumen), den metabolischen (stoffwechselbedingten), den iatrogenen (nach bestimmten Medikamenten) und den toxischen.

Epidemiologische Aspekte

Interessanterweise ist die Häufigkeit von Parkinson in der schwarzen Bevölkerung im Vergleich zur weißen Bevölkerung nur etwa ein Viertel. Die Inzidenz in der asiatischen Bevölkerung liegt bei etwa einem Drittel der europäischen und amerikanischen Bevölkerung. In Kanada wurde beobachtet, dass in Regionen mit häufigem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Parkinson-Syndrom früher und häufiger ausbricht. Es wird auch diskutiert, dass ein erhöhter oxidativer Stress an der Entstehung von Parkinson beteiligt ist.

Die Bedeutung einer ganzheitlichen Therapie

Eine ganzheitliche Therapie bei Morbus Parkinson erfordert einen Ansatz, der Körper, Seele und Geist gleichermaßen berücksichtigt. Dies umfasst sowohl schulmedizinisch fundierte Behandlungen als auch komplementäre Therapieformen, die darauf abzielen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und das Wohlbefinden zu steigern.

Schulmedizinische Therapie

Die schulmedizinische Therapie des Parkinson-Syndroms stellt eine wesentliche Säule in der Behandlung der Parkinsonsymptome dar. In den letzten Jahren hat die Wissenschaft eine Fülle von neuen Therapiestrategien und Medikamenten entwickelt, darunter L-Dopa, MAO-B-Hemmer, Entacapon, Dopaminagonisten, Anticholinergika und Glutamatantagonisten.

Die medikamentöse Einstellung eines Parkinson-Patienten bedarf großer Sorgfalt, klinischer Erfahrung, Liebe zum Detail und Geduld. Gelingt es, die medikamentöse Einstellung immer wieder dem Krankheitsprozess anzupassen, können die Beeinträchtigungen durch die Erkrankung selbst lebenslang sehr gering gehalten werden. Dies erfordert allerdings eine hervorragende Compliance und hohe Motivation des Patienten sowie ein detailliertes Fachwissen beim behandelnden Arzt.

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Weitere Therapieoptionen

Neben der medikamentösen Therapie gibt es eine Reihe weiterer Therapieoptionen, die im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung von Parkinson eingesetzt werden können:

  • Physikalische Therapie: Regelmäßige physikalische Therapie ist von großer Bedeutung, um die Beweglichkeit zu erhalten und Muskelsteifigkeit zu reduzieren. Gezieltes Geh-, Gleichgewichts- und Haltungstraining senkt das Sturzrisiko und macht den Alltag sicherer.
  • Ernährungsmedizinische Aspekte: Parkinson-Patienten haben oft ein niedriges Körpergewicht als Folge eines durch den Tremor und den erhöhten Muskeltonus bedingten vermehrten Energieverbrauchs und einer vermehrten Gewichtsabnahme bei motorischen Störungen. L-Dopa sollte grundsätzlich nicht zu den Mahlzeiten, sondern etwa 30 Minuten vorher oder mindestens eine Stunde nachher eingenommen werden, um die Aufnahme des Medikaments in die Blutbahn nicht durch eiweißhaltige Nahrungsmittel zu hemmen. Eine umfassende orthomolekulare und ernährungsmedizinische Beratung ist wichtig, um die Gefahren einer unzureichenden Zufuhr von Energie und Nährstoffen zu vermeiden und einen erhöhten antioxidativen Stress auszugleichen.
  • Traditionell Chinesische Medizin (TCM): Die TCM lehrt, dass Parkinson-Syndrome auf drei große syndromatologische Zustandsbeschreibungen zurückzuführen sind: Depletio von Qi und Xue, Depletio von Yin renale und Ying hepatis sowie Depletio von Qi lienale astomachi. Insbesondere die chinesische Kräutermedizin vermag auf diese drei medizinischen Erscheinungsformen einzuwirken und das Allgemeinbefinden der Parkinsonerkrankten sowie insbesondere die vegetativen Begleitsymptome selbst zu verbessern. Ergänzend sind Tuinamassagen und Qi-Gong Übungen sehr hilfreich.
  • Psychotherapie: Psychosomatiker haben die Parkinsonerkrankung auch nach vielen Kriterien der modernen psychosomatischen Medizin untersucht. Neben reaktiv-depressiven Aspekten wird auch eine gewisse prämorbide Einstellung diskutiert. Psychodynamisch wird einem unmäßig fordernden Über-Ich eine enorme Bedeutung zugeschrieben.

Naturheilkundliche Ansätze bei Parkinson

Die Naturheilkunde bietet eine Vielzahl von Ansätzen, die die konventionelle Parkinson-Behandlung sinnvoll ergänzen können. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome zu lindern und möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Orthomolekulare Medizin

Die orthomolekulare Medizin spielt eine wichtige Rolle in der ganzheitlichen Parkinson-Therapie. Hier einige Beispiele:

  • Coenzym Q10: Gilt als einer der am besten erforschten Nährstoffe bei Parkinson. Als wichtiger Bestandteil der mitochondrialen Energieproduktion kann es die Zellenergie verbessern und oxidativen Stress reduzieren.
  • Alpha-Liponsäure: Wirkt als potentes Antioxidans und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
  • B-Vitamine: Insbesondere B1, B6 und B12 sind essentiell für die Nervenfunktion.
  • Vitamin C: Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen können bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen unterstützend wirken. Vitamin C ist ein starkes Antioxidans, das oxidativen Stress reduziert und die Immunfunktion stärkt.
  • Glutathion: Glutathion-Infusionen gewinnen in der naturheilkundlichen Parkinson-Therapie zunehmend an Aufmerksamkeit. Glutathion ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans und bei Parkinson-Patienten oft vermindert.

Heilpflanzen

Verschiedene Heilpflanzen können die konventionelle Parkinson-Behandlung sinnvoll ergänzen:

  • Mucuna pruriens: Auch bekannt als Juckbohne, enthält natürliches L-DOPA und wird traditionell bei Bewegungsstörungen eingesetzt.
  • Ginkgo biloba: Kann die Durchblutung verbessern und neuroprotektive Eigenschaften aufweisen.

Mitochondriale Unterstützung

Die Mitochondrien, oft als Kraftwerke der Zellen bezeichnet, spielen eine zentrale Rolle bei der Parkinson-Erkrankung. Eine Störung der mitochondrialen Funktion trägt zur Neurodegeneration bei. Neben Coenzym Q10 können weitere Substanzen wie PQQ (Pyrrolochinolinchinon), NADH und Ribose die mitochondriale Funktion unterstützen.

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Entzündungshemmende Maßnahmen

Chronische Entzündungsprozesse im Gehirn spielen bei der Parkinson-Erkrankung eine wichtige Rolle. Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA und EPA, können Entzündungen reduzieren und die Nervenfunktion unterstützen.

Darmgesundheit

Neueste Forschungen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Parkinson-Erkrankung. Die Darm-Hirn-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Neurodegeneration. Probiotische Therapien und präbiotische Substanzen können die Darmgesundheit fördern.

Bewegung und Sport als Therapie

Körperliche Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen Therapie bei Parkinson. Sie fordert und fördert nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern wirkt sich auch positiv auf Geist und Verstand aus. Die allgemeine Stimmung und das Wohlbefinden bessern sich, und damit steigt letztlich auch die Lebensqualität.

Das Training sollte vielschichtig und individuell zugeschnitten sein und sowohl Ausdauer- als auch Kraftelemente umfassen. Forscher und Ärzte empfehlen eine Kombination aus Nordic Walking, Spazierengehen, Gymnastik (auch im Wasser), Tanzen, Schwimmen und Krafttraining an Geräten. Ergänzend können Übungen zur Stärkung der tiefliegenden Muskulatur sowie gemächliches Joggen und Radfahren in Betracht gezogen werden.

Multimodale Komplexbehandlung

Die „multimodale Komplexbehandlung“ ist eine besondere stationäre Behandlung für Menschen mit Parkinson oder ähnlichen Erkrankungen. Sie hilft, wenn viele Beschwerden gleichzeitig auftreten oder wenn Medikamente bisher nicht gut wirken. Ziel ist es, Bewegungsprobleme langfristig zu verbessern und auch nicht-motorische Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Gedächtnisprobleme sowie Kreislauf- und Magen-Darm-Themen mitzubehandeln.

Die Behandlung umfasst in der Regel:

  • Gezieltes Bewegungstraining: Physiotherapie zur Verbesserung von Gleichgewicht, Körpergefühl, Beweglichkeit und Gangbild.
  • Optimierung der Medikamente: Individuelle Prüfung und Anpassung der Parkinson-Medikamente durch erfahrene Neurologen.
  • Feinmotorik für den Alltag: Ergotherapie zur Verbesserung der Feinmotorik und alltäglicher Handlungen.
  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit: Logopädie zur Verbesserung des Sprechens, Schluckens und der Mimik.
  • Prüfung der Essgewohnheiten: Anpassung der Essgewohnheiten an den individuellen Bedarf.
  • Behandlung von Depressionen, Ängsten oder Gedächtnisproblemen: Neuropsychologische Betreuung zur Stabilisierung der Emotionen und Erhaltung der geistigen Fitness.

Innovationen in der Parkinson-Therapie

Die Parkinson-Therapie entwickelt sich kontinuierlich weiter, und es gibt eine Reihe von vielversprechenden Innovationen:

  • LSVT LOUD: Eine Methode, die die Lautstärke und Verständlichkeit der Stimme verbessert, indem Patienten lernen, bewusster und kräftiger zu sprechen.
  • Virtual-Reality-(VR)-Brillen: Einsatz in der Physiotherapie zur gezielten Schulung von Bewegungen und Steigerung der Motivation durch interaktive, spielerische Übungen in virtuellen Umgebungen.
  • Antifreezing-Schuh: Eine innovative Hilfe für Parkinson-Patienten, die unter dem sogenannten Freezing of Gait (Einfrieren beim Gehen) leiden.

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