Die Analyse der Nervenfaserschicht (RNFL) des Auges ist ein entscheidender Bestandteil der modernen Augenheilkunde, insbesondere bei der Diagnose und Überwachung von Glaukom (Grüner Star). Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der RNFL-Analyse, von den Untersuchungsmethoden bis hin zur Interpretation der Ergebnisse.
Einführung
Die Nervenfaserschicht (RNFL) ist eine Schicht der Netzhaut, die aus Axonen von retinalen Ganglienzellen besteht. Diese Axone bündeln sich am Sehnervenkopf und bilden den Sehnerv, der visuelle Informationen vom Auge zum Gehirn überträgt. Eine Schädigung der RNFL, wie sie häufig bei Glaukom auftritt, kann zu Gesichtsfeldausfällen und letztendlich zur Erblindung führen. Daher ist die genaue Beurteilung der RNFL von großer Bedeutung.
Untersuchungsmethoden zur Beurteilung der Nervenfaserschicht
Optische Kohärenztomographie (OCT)
Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine nicht-invasive Bildgebungstechnik, die hochauflösende Querschnittsbilder der Netzhaut, des Sehnervs und anderer Augenstrukturen erzeugt. Sie nutzt Kurzkohärenzinterferometrie, um detaillierte Bilder zu erstellen, die für die Diagnose und Überwachung von Augenerkrankungen äußerst wertvoll sind. Im Gegensatz zur Fundusfotografie erstellt die OCT tiefenaufgelöste Schichtbilder (B-Scans), die zu volumetrischen Bildern zusammengesetzt werden können. Dabei kann eine sehr hohe Auflösung erzielt werden, die axial etwa 5 μm und lateral etwa 20 μm beträgt.
OCT der Papille
Die OCT der Papille ist eine laserbasierte Untersuchung des Sehnervenkopfes. Mithilfe dieser Untersuchung können der Sehnerv und die umliegenden Nervenfasern der Netzhaut (retinale Nervenfaserschicht, kurz: RNFL) genauestens vermessen werden. Erfolgt diese Untersuchung regelmäßig, kann eine sogenannte Verlaufsbeurteilung folgen. Die Werte jeder einzelnen Messung werden mit Werten aus einer Normdatenbank verglichen. So kann eine individuelle Risikoanalyse erstellt und festgestellt werden, ob ein Glaukom vorliegt. Zusätzlich kann eine Messung einer bestimmten Schicht der Makula, die Ganglienzelldicke, mittels optischer Cohärenztomografie gemessen werden. Sie ist von großer Bedeutung, wenn es um die Erkennung und Verlaufskontrolle von frühen Glaukomschäden geht.
OCT-Angiografie (OCT-A)
Die OCT-Angiografie (OCT-A) ist eine erweiterte Form der OCT, die nicht nur hochauflösende Querschnittsbilder der retinalen Schichten liefert, sondern auch die retinale Mikrozirkulation bildlich darstellen kann, und zwar ohne die Notwendigkeit von intravenösen Farbstoffinjektionen wie bei der herkömmlichen Fluoreszein-Angiografie (FFA). Die OCT-A nutzt die Bewegung des Blutes als „Kontrastmittel“, um die Durchblutung der retinalen Gefäße sichtbar zu machen. Die Messungen der OCT-Angiografie ermöglichen Aussagen über die Durchblutung des Sehnervenkopfes und der inneren Netzhautschichten.
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Anwendung der OCT bei Glaukom
Die OCT-Technologie spielt eine zentrale Rolle bei der Glaukomdiagnose und der Progressionsanalyse. Sie ermöglicht die Messung der retinalen Nervenfaserschichtdicke um den Sehnervenkopf herum, was für die Früherkennung und Überwachung von Glaukom äußerst wichtig ist. Die Quantifizierung basiert dabei auf dem Vergleich mit einer normativen Datenbank, wobei das Alter des Patienten in Betracht gezogen werden muss. Typischerweise wird die RNFL-Dicke zirkulär um den Sehnerv in Sektoren (z. B. nasaler, temporaler, oberer, unterer Sektor) gemessen. Bei Patienten mit Glaukom wird die OCT wiederholt angewendet, um Veränderungen der retinalen Nervenfaserschichtdicke im Laufe der Zeit zu verfolgen. Dies hilft dabei, den Progressionsverlauf der Erkrankung zu überwachen und die Behandlung entsprechend anzupassen. Alternativ wurde die minimale Randbreite der Bruch-Membran-Öffnung (BMO-MRW) als Biomarker für das Glaukom vorgeschlagen. Der BMO-MRW misst den Mindestabstand von der Bruch-Membran-Öffnung zur inneren Grenzschicht. Alternativ können modernere OCT-Systeme auch die Dicke der Ganglienzellschicht in Bildern der zentralen Netzhaut messen. Die Spezifität und Sensitivität der Ganglienzellschichtmessung ist etwa mit derjenigen der RNFS vergleichbar. Generell gilt, dass die diagnostische Trennschärfe der OCT umso besser ist, je fortgeschrittener das Glaukkomstadium ist. Diese kann weiter verbessert werden, falls anatomische Faktoren des Auges berücksichtigt werden oder Künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Die OCT-Progressionsanalyse, die in den meisten OCT-Geräten also Software angeboten wird, beinhaltet die regelmäßige Überwachung der retinalen Schichtdicke und anderer Parameter mittels optischer Kohärenztomografie. Durch den Vergleich von aktuellen OCT-Scans mit früheren Aufnahmen können signifikante Veränderungen im Verlauf des Glaukoms identifiziert werden.
Nervenfaser-Analyse GDX
Bei dieser Untersuchung wird die Dicke der Nervenfaserschicht im Auge mit einem schwachen, polarisierten Laserlicht in hoher Auflösung gemessen und computergestützt ausgewertet. Das Verfahren belastet die Augen nicht und ermöglicht die frühstmögliche Diagnose eines Glaukoms (Grüner Star) und eine genaue Kontrolle des Krankheitsverlaufes. Durch diese Untersuchung können, insbesondere bei Verdacht auf ein Glaukom (Grüner Star), feine Veränderungen der Nervenfaserschicht im Zeitverlauf bestens erfasst werden, sie ist damit die Grundlage einer bestmöglichen Therapie zum richtigen Zeitpunkt. Das GDx liefert objektive Messungen der RNFL mit hoher Reproduzierbarkeit, so dass strukturelle Veränderungen bereits im Frühstadium erkannt werden können. Anschließend vergleicht es diese Messungen mit einer nach Altersgruppen organisierten, multiethnischen, normativen Datenbank und erzeugt so eine aussagekräftige visuelle Darstellung. Mit Hilfe neuronaler Netzverfahren berechnet das System einen speziellen Nervenfaserindex (NFI), um die Wahrscheinlichkeit eines Glaukoms zu bestimmen.
Fundusfotografie
Die Fundusfotografie spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewertung und Überwachung von Glaukomen. Die moderne Fundusfotografie verwendet ausschließlich digitale Kameras, was eine digitale Dokumentation erlaubt. Es existieren sowohl Systeme, die Aufnahmen unter Mydriasis machen, als auch Systeme, die bei enger Pupille angewendet werden können. Obwohl erstere in der Regel bessere Bilder erzielen, haben sich in der Praxis weitgehend Funduskameras durchgesetzt, die Aufnahmen bei enger Pupille erlauben, da der zeitliche Aufwand geringer und der Patientenkomfort größer ist. In den letzten Jahren ist eine Tendenz zu Weitwinkelfunduskameras zu beobachten. Standardkameras erlauben normalerweise ein Darstellung von 50 Grad, während Weitwinkelfunduskameras 100 Grad oder mehr abbilden können. Für die Beurteilung des Sehnervenkopfes ist es wichtig, dass die Bilder die originale Farbinformation beinhalten.
Anwendung der Fundusfotografie bei Glaukom
Die Fundusfotografie ermöglicht hochauflösende Bilder des Sehnervenkopfes und der Netzhaut, was für die Früherkennung von Glaukom von Bedeutung ist. Sie ermöglicht es, Veränderungen im Sehnervenkopf im Laufe der Zeit zu dokumentieren. Dies ist entscheidend, um den Fortschritt der Erkrankung zu überwachen und die Wirksamkeit der Glaukombehandlung zu beurteilen. Durch den Vergleich von aufeinanderfolgenden Fundusaufnahmen kann die Progression des Glaukoms dokumentiert und die entsprechende Behandlung angepasst werden.
Spaltlampen-Biomikroskopie
Die Spaltlampen-Biomikroskopie ist eine wichtige Methode zur klinischen Untersuchung des Sehnervs. Um die Größe des Sehnervs zu bestimmen, ist es wichtig, die Dioptrien-Stärke der Non-Kontakt-Linse zu kennen. Dabei wird die Höhe des Schlitzes so lange reduziert, bis sie mit der Größe der Papille übereinstimmt. Danach kann die Größe an der Messskala der Spaltlampe abgelesen werden, wobei die Vergrößerung der Linse berücksichtigt werden muss.
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Ophthalmoskopie
Direkte Ophthalmoskopie: Bei dieser Methode verwendet der Augenarzt ein direktes Ophthalmoskop, auch als Fundoskop bezeichnet. Es handelt sich um ein handgehaltenes Gerät mit einer Lichtquelle, einem Spiegel und einer Linse. Der Patient sitzt normalerweise in einem dunklen Raum und der Arzt lenkt das Licht des Ophthalmoskops in das Auge des Patienten, um den Augenhintergrund zu betrachten, einschließlich des Sehnervs, der Netzhaut und der Blutgefäße.
Indirekte Ophthalmoskopie: Im Gegensatz zur direkten Methode verwendet die indirekte Ophthalmoskopie eine Lupe und eine Lichtquelle, um den Augenhintergrund zu betrachten. Der Augenarzt benutzt eine spezielle, schwächere Linse und eine Stirnlampe und betrachtet den Augenhintergrund des Patienten.
In beiden Fällen dienen diese Methoden dazu, auch den Sehnervenkopf zu untersuchen, um Anzeichen von Erkrankungen oder Veränderungen zu erkennen.
Heidelberg-Retina-Tomograph (HRT)
Der Heidelberg-Retina-Tomograph (HRT) ist ein Gerät für die Laser-Scanning-Tomographie, das zur bildhaften Darstellung eines Gewebes durch Abtastung mit einem Laserstrahl dient. Das HRT basiert auf dem Prinzip der so genannten konfokalen Laser-Scanning-Tomographie. Durch einen völlig ungefährlichen Laserstrahl wird das gewünschte Netzhautareal dreimal an bis zu 9,4 Millionen Stellen abgetastet und so ein Bild aufgenommen, das mit einem an das Gerät angeschlossenen Computer weiter verarbeitet wird. Die HRT- und GDx-Untersuchungen dienen in erster Linie zur Verlaufskontrolle. Minimale Veränderungen, die sich ergeben können, werden entdeckt, so dass man entsprechend reagieren kann.
Beurteilung des Sehnervs
Eine genaue Bewertung des Sehnervs ist für die Diagnose, Überwachung und Behandlung des Glaukoms von entscheidender Bedeutung.
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Früherkennung und Diagnose: Veränderungen am Sehnerv sind oft eines der ersten Anzeichen für Glaukom. Durch die Untersuchung des Sehnervs können strukturelle Aspekte wie die Größe und Form der Papille, das Verhältnis der Vertiefung in der Papille zur Gesamtfläche der Papille (Cup zu Disc Ratio [C/D-Ratio]) im Verhältnis zur Größe der Papille, die Konfiguration und Tiefe der Exkavation, die Konfiguration des neuroretinalen Randsaums, die Position des Ausgangs des zentralen Netzhautgefäßstamms, das Vorhandensein und die Lokation einer Papillenrandblutung, Defekte der retinalen Nervenfaserschicht sowie Konfiguration und Ort einer parapapillären chorioretinalen Atrophie festgestellt werden.
Überwachung des Krankheitsverlaufs: Die regelmäßige Bewertung des Sehnervs ist entscheidend, um den Verlauf des Glaukoms zu überwachen. Durch den Vergleich von Sehnervenuntersuchungen im Laufe der Zeit können strukturelle Veränderungen erkannt werden und damit die Effektivität der Behandlung beurteilt werden.
Beurteilung der Sehfunktion: Der Zustand des Sehnervs korreliert eng mit der Sehfunktion. Schädigungen am Sehnerv führen zu entsprechenden Gesichtsfeldausfällen.
Therapeutische Entscheidungen: Die Informationen, die aus der Bewertung des Sehnervs gewonnen werden, beeinflussen die Wahl der Behandlungsmöglichkeiten. Die zentrale Rolle bei Therapieentscheidungen kommt der Gesichtsfelduntersuchung zu, strukturelle Untersuchungen können aber solche Entscheidungen unterstützen. Die Erhaltung des Sehnervs und die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs sind Hauptziele bei der Behandlung des Glaukoms.
Anatomische Aspekte des Sehnervenkopfes
Der Sehnerv ist ein Teil des visuellen Systems und überträgt visuelle Informationen vom Auge zur Weiterverarbeitung im Gehirn. Die Schädigung des Sehnervs manifestiert sich klinisch als Veränderungen im Sehnervenkopf und Verlust von Nervenfasern.
Papillengröße: Die Größe der Papille weist eine starke interindividuelle Variabilität auf, ist jedoch nicht oder nur sehr schwach mit dem Glaukomrisiko assoziiert. Daher kann die Papillengröße per se nicht für die Glaukomdiagnose herangezogen werden. Sie ist jedoch insofern von Bedeutung, als die C/D-Ratio und die relative Größe des neuroretinalen Randsaums dadurch beeinflusst werden. Bei großen Papillen liegt eine große Vertiefung der Papille vor, die in manchen Fällen fälschlicherweise als Glaukomverdacht klassifiziert wird. Bei kleinen Papillen ist die Vertiefung sehr gering und die C/D-Ratio dementsprechend klein. Dies führt in der Praxis dazu, dass frühe Glaukome bei kleinen Papillen übersehen werden. Asymmetrien der Papillen an beiden Augen müssen besonders beachtet werden. Diese können durch verschiedene Myopiegrade und damit unterschiedliche Augenlängen, aber auch durch Asymmetrien im Glaukomstadium verursacht werden.
Papillenform: Eine normale Papille ist vertikal oval, wobei der vertikale Durchmesser das Maximum darstellt und der horizontale Durchmesser das Minimum. Es können jedoch auch andere Papillenformen auftreten, was insbesondere bei Astigmatismus und Amblyopie häufig der Fall ist. Eine Papille wird als gedreht definiert, wenn die vertikale Achse der Papille um mehr als 15° vom vertikalen Meridian abweicht. Von einer geneigten Papille spricht man, wenn eine dreidimensionale Abwinkelung der anteroposterioren Achse des Sehnervenkopfes vorliegt. Anatomische Sonderformen der Papille sind insofern zu beachten, als sie das Aussehen des neuroretinalen Randsaums und die relative Position des Gefäßbaums beeinflussen. Bei Patienten mit hochgradiger Myopie ist die Beurteilung des Sehnervenkopfes dementsprechend schwierig.
Neuroretinaler Randsaum: Der Beurteilung des neuroretinalen Randsaums kommt bei der Glaukomdiagnose eine zentrale Bedeutung zu. Dies kann einerseits durch die Quantifizierung der C/D-Ratio geschehen. Anderseits kann auch die lokale Konfiguration des Sehnerven beurteilt werden. Da der Sehnervenkopf im Normalfall vertikal oval ist, weist der neuroretinale Randsaum eine charakteristische Konfiguration auf. Dabei ist der untere (inferior, I) Rand am breitesten, gefolgt vom oberen (superior, S), dem nasalen (nasal, N) und dem temporalen (temporalen, T) Rand. Dies ist die sogenannte ISNT-Regel, die dabei hilft, glaukomatöse Veränderungen der Papille zu detektieren. Die ISNT-Regel ist jedoch weder hinreichend noch notwendig, um eine Glaukomdiagnose zu stellen. Sie gilt insbesondere bei Augen mit anormaler Sehnervenkopfanatomie und hochgradiger Myopie. Der Verlust des neuroretinalen Randsaums bei Glaukom beginnt normalerweise im inferotemporalen oder superotemporalen Bereich und breitet sich progredient in andere Bereiche aus, wobei der nasale Bereich im Normalfall am längsten erhalten bleibt.
Papillenrandblutungen: Eine Papillenrandblutung ist radial und senkrecht zum Papillenrand ausgerichtet. Anatomisch ist sie im prälaminären Bereich der Papille und in der angrenzenden oberflächlichen Nervenfaserschicht der Netzhaut lokalisiert. Papillenrandblutungen kommen mit einer Prävalenz von ca. 1 % auch in der Normalbevölkerung vor, sind jedoch bei Patienten mit Glaukom wesentlich häufiger. Liegt eine Papillenrandblutung bei einem Glaukompatienten vor, ist die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Blutung etwa 50 %. Zu beachten ist, dass Papillenrandblutungen im Durchschnitt nur 13 ± 8 Wochen sichtbar sind und sowohl in Größe als auch in der Persistenz eine beachtliche Variabilität aufweisen. Die Pathogenese der Papillenrandblutung ist nicht bekannt, es wird jedoch ein ischämischer Mikroinfarkt an der Papille als ursächlich vermutet. Eine Papillenrandblutung ist ein Risikofaktor für Glaukomprogression.
Retinale Nervenfaserschicht (RNFL): Bei Gesunden ist die RNFS vor allem temporal deutlich sichtbar, wo sie auch die größte Dicke aufweist. Um die RNFS an der Spaltlampe zu untersuchen, wird die Pupille erweitert und der Fundus mittels einer Linse im rot-freien Licht dargestellt. Die Faserbündel stellen sich dabei als helle Streifen im Netzhautreflex dar. Die Netzhautgefäße folgen dem Verlauf der Nervenfasern. Die RNFS-Defekte können sowohl lokalisiert als auch diffus sein und treten in der Regel zuerst im temporalen unteren und oberen Sektor auf. RNFS-Defekte sind in jenen Bereichen zu sehen, in denen der neuroretinale Randsaum verdünnt ist. Die Untersuchung der RNFS kann häufig frühe glaukomatöse Veränderungen bereits vor der Perimetrie erkennen, was als prä-perimetrisches Glaukom bezeichnet wird.
Peripapilläre Atrophie: Peripapilläre Atrophie ist durch Veränderungen des retinalen Pigmentepithels, der Choriocapillaris, der Aderhaut und der Sklera direkt neben dem äußeren Rand der Papille charakterisiert und wird je nach anatomischer Lokalisation in Alpha-Zone, Beta-Zone, Gamma-Zone und Delta-Zone eingeteilt. Die Alpha-Zone ist definiert durch unregelmäßige Pigmentierung aufgrund von Unregelmäßigkeiten des retinalen Pigmentepithels und peripherer Lage, die Beta-Zone durch vollständigen Verlust des retinalen Pigmentepithels bei vorhandener Bruch-Membran, die Gamma-Zone durch das Fehlen von Bruch-Membran und retinalem Pigmentepithel und die Delta-Zone durch teilweisen Verlust kleiner Aderhautgefäße innerhalb der Gamma-Zone.
Weitere diagnostische Verfahren
Augeninnendruckmessung (Tonometrie)
Das Auge wird insbesondere im vorderen Bereich von einer wasserähnlichen Flüssigkeit, dem sogenannten Kammerwasser, ausgefüllt. Dieses Kammerwasser wird im Inneren des Auges gebildet und auch im Inneren des Auges wieder abgeleitet. Durch die Menge des Kammerwassers im Auge entsteht ein bestimmter Druck im Inneren des Auges. Bei der Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) wird die Hornhaut sanft direkt oder indirekt abgeflacht. Die dadurch auftretende Verformung der Hornhaut wird durch die Geräte gemessen und ein entsprechender Augeninnendruck errechnet. Die Bestimmung des Augeninnendrucks ist unverzichtbar. Der Augendruck wird am genauesten mit der Applanationstonometrie nach Goldmann bestimmt. Durch einen kleinen Kolben, der kurz auf die Hornhautoberfläche aufgesetzt wird, wird die Kraft gemessen, die für eine definierte mechanische Abplattung der - zuvor mit einem Augentropfen medikamentös betäubten - Hornhaut erforderlich ist. Alternativ kann auch eine berührungslose Messung mittels eines definierten Luftstoßes durchgeführt werden. Da die Hornhautdicke einen Einfluss auf die gemessenen Druckwerte hat, ist eine zusätzliche Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie) sinnvoll. Da der Augeninnendruck im Tagesverlauf schwankt, können mehrere, über den Tag verteilte Messungen sinnvoll sein (Tagesdruckprofil).
Pentacam Untersuchung des vorderen Auges
Die Pachymetrie und Scheimpflug-Analyse der vorderen Ausgenabschnitte ist der Goldstandard in der Vorderabschnitts-Untersuchung des Auges. Dabei wird die gesamte Augenvorderkammer in allen Segmentpositionen aufgenommen, die Schnittbilder gespeichert und zu einem dreidimensionalen Modell der gesamten vorderen Augenabschnitts zusammengesetzt. Dieses hochmoderne, berührungslose, schmerzfreie und hygienische Messverfahren dauert nur wenige Sekunden. Die Augen werden dabei ebenfalls nicht belastet. Für die exakte, individuelle Bewertung des vom Augenarzt gemessenen Augeninnendrucks ist es wichtig, auch die Dicke der Hornhaut des Auges zu berücksichtigen. So kann vermieden werden, dass Patienten unnötig behandelt werden. Die Messung der Hornhautdicke wird mit einem für die Patienten besonders angenehmen Verfahren mit dem Optischen Kohärenz-Pachymeter (OCP) durchgeführt. Im Gegensatz zu einer Ultraschall-Pachymetrie wird hier die Hornhautdicke ohne Aufsetzen eines Messkopfes durchgeführt. Die Messung erfolgt mittels nicht sichtbarem Laserlicht.
Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie)
Wenn wir auf ein Objekt schauen, sehen wir nicht nur dieses Objekt, sondern wir können auch den Bereich um uns herum wahrnehmen. Das „Gesichtfeld“ ist dabei ein bestimmter Bereich unserer Umgebung, den wir mit einem oder mit beiden Augen wahrnehmen können, ohne die Augen zu bewegen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das Gesichtsfeld untersucht werden kann. Ziel der Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie) ist es einerseits, die äußeren und inneren Grenzen des Gesichtsfelds zu bestimmen, und andererseits, die Empfindlichkeit des Sehsystems im wahrgenommenen Bereich zu bestimmen. Während der Untersuchung sitzt der Patient/in vor einem Bildschirm auf dem nacheinander optische Reize an verschiedenen Orten präsentiert werden. Wird ein Reiz erkannt, bestätigt der Patient die optische Wahrnehmung über eine Taste. Abhängig von ihrem Ort und ihrer Stärke werden die Wahrnehmungen protokolliert. Unter dem Gesichtsfeld versteht man die Summe aller Seheindrücke, die mit einem ruhig fixierenden Auge wahrgenommen werden. Während die zentrale Sehschärfe nur das unmittelbare Gesichtsfeldzentrum beschreiben kann, sind die umgebenden Gesichtsfeldbereiche von besonderer Bedeutung, z.B. für das Orientierungs- und Lesevermögen sowie für die Fahrtauglichkeit. Glaukom-Defekte treten typischerweise in diesen Gesichtsfeldarealen auf.
Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie)
Zur Einteilung der unterschiedlichen Glaukomformen - hauptsächlich in Eng- und Offenwinkelglaukom- erfolgt in unserer Glaukomsprechstunde eine Kontaktglasuntersuchung des Kammerwinkels (Winkel zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut). Im Kammerwinkel läuft das Augenwasser ab. Je nach der Kammerwinkelweite kann das Risiko, ein akutes Winkelblockglaukom zu entwickeln, abgeschätzt werden.
Fortschritte und neue Technologien in der Bildgebung des Sehnervs
In den letzten Jahren haben sich in der Bildgebung des Sehnervs bedeutende Fortschritte und neue Technologien entwickelt, die dazu beitragen, präzisere Diagnosen, eine bessere Überwachung und eine verbesserte Behandlung von Augenerkrankungen zu ermöglichen.
Adaptive Optik-Bildgebung: Diese Technik verbessert die Auflösung und erlaubt die Darstellung von mikroskopischen Details des Sehnervs und der Netzhaut auf zellulärer Ebene.
Automatisierung und Analyse: KI-Algorithmen werden zur automatisierten Analyse von OCT-Bildern eingesetzt, um Parameter wie retinale Nervenfaserschichtdicke, C/D-Ratio und andere Indikatoren für Glaukom zu quantifizieren.
Therapie des Glaukoms
Die Therapie des Grünen Stars erfolgt in den meisten Fällen durch Augentropfen. Als Ergänzung oder Verstärkung der Therapie kommen verschiedene Lasertherapien zum Einsatz. Eine sanfte Methode ist die sogenannte Selektive-Laser-Trabekuloplastik (SLT): Diese bewährte Laserbehandlung führt zu einer Erweiterung der Abflusskanäle des Auges. Dadurch wird der Abtransport des Kammerwassers gefördert und der Augeninnendruck sinkt. Der Laseriridotomie ist eine Methode, mit der ausschließlich Druckdifferenzen zwischen der vorderen und hinteren Augenkammer ausgeglichen werden können. Alle Lasereingriffe werden unter lokaler Betäubung durchgeführt und sind völlig schmerzfrei. Weiterführende operative Verfahren sind nur selten notwendig und bestehen in der Anlage eines Abflusses des Augenwassers aus dem Augeninneren.
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