Nekrotisierende Herpesenzephalitis: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie

Die nekrotisierende Herpesenzephalitis ist eine schwerwiegende Entzündung des Gehirns, die durch Herpes-simplex-Viren (HSV), meist Typ 1 (HSV-1), verursacht wird. Sie manifestiert sich als eine akut verlaufende Entzündung des Hirngewebes, die rasch zu neurologischen Defiziten und potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.

Grundlagen der Liquor cerebrospinalis (CSF) Diagnostik

Um die komplexen Vorgänge bei der Diagnostik der nekrotisierenden Herpesenzephalitis besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Grundlagen der Liquor cerebrospinalis (CSF) Diagnostik zu betrachten. Der CSF umgibt das Gehirn und Rückenmark und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Stoffwechsels und der Immunabwehr im Zentralnervensystem (ZNS).

Zusammensetzung und Funktion des CSF

Der CSF wird hauptsächlich im Plexusepithel der Hirnventrikel produziert und fließt durch die Subarachnoidalräume um Gehirn und Rückenmark. Er steht in einem dynamischen Austausch mit dem Extrazellulärraum des Hirnparenchyms. Die Zusammensetzung des CSF ähnelt der des Blutplasmas, unterscheidet sich jedoch in einigen wichtigen Aspekten, wie z.B. einem niedrigeren Proteingehalt und einer höheren Konzentration von Chlorid.

Blut-Hirn-Schranke und CSF-Serum-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) und die CSF-Serum-Schranke sind selektive Barrieren, die den Übertritt von Substanzen aus dem Blut in das Gehirn bzw. in den CSF regulieren. Die BHS besteht aus den Tight junctions der Hirnkapillaren und verhindert den freien Durchtritt von Makromolekülen und Zellen. Die CSF-Serum-Schranke ist etwas durchlässiger, insbesondere für hydrophile Makromoleküle.

Liquor cerebrospinalis (CSF) Diagnostik

Die CSF-Diagnostik spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose von Erkrankungen des ZNS, einschließlich der nekrotisierenden Herpesenzephalitis. Durch die Analyse des CSF können Entzündungszeichen, Erreger und spezifische Antikörper nachgewiesen werden.

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Lumbalpunktion

Die Gewinnung von CSF erfolgt in der Regel durch eine Lumbalpunktion, bei der eine Nadel in den Rückenmarkskanal auf Höhe der Lendenwirbelsäule eingeführt wird. Die CSF-Probe wird anschließend im Labor auf verschiedene Parameter untersucht.

Parameter der CSF-Analyse

Zu den wichtigsten Parametern der CSF-Analyse gehören:

  • Zellzahl: Erhöhte Zellzahl (Pleozytose) deutet auf eine Entzündung hin.
  • Proteingehalt: Erhöhter Proteingehalt kann auf eine Störung der Blut-Hirn-Schranke oder eine intrathekale Proteinsynthese hinweisen.
  • Glukosekonzentration: Erniedrigte Glukosekonzentration kann auf eine bakterielle Infektion hindeuten.
  • Erregernachweis: Durch PCR (Polymerase-Kettenreaktion) können virale oder bakterielle Erreger direkt nachgewiesen werden.
  • Antikörpernachweis: Der Nachweis spezifischer Antikörper im CSF kann auf eine Infektion oder eine Autoimmunerkrankung hinweisen.
  • Albumin-Quotient (QAlb): Der QAlb ist ein Maß für die Integrität der Blut-Hirn-Schranke.
  • IgG-Index: Der IgG-Index dient zur Beurteilung der intrathekalen IgG-Synthese.
  • Oligoklonale Banden: Oligoklonale Banden sind ein Hinweis auf eine intrathekale Immunantwort.

Ursachen der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Die nekrotisierende Herpesenzephalitis wird in den meisten Fällen durch HSV-1 verursacht. Die Viren können auf verschiedenen Wegen ins Gehirn gelangen:

  • Direkte Infektion: In einigen Fällen dringen die Viren direkt ins Gehirn ein, beispielsweise entlang des Nervus olfactorius (Riechnerv).
  • Reaktivierung einer latenten Infektion: HSV-1 persistiert latent in den Ganglien der Hirnnerven (z.B. Ganglion trigeminale). Bei einer Schwächung des Immunsystems oder anderen Auslösern kann es zu einer Reaktivierung der Viren und einer nachfolgenden Ausbreitung ins Gehirn kommen.
  • Hämatogene Streuung: In seltenen Fällen können die Viren über den Blutweg ins Gehirn gelangen.

Symptome der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Die Symptome der nekrotisierenden Herpesenzephalitis entwickeln sich typischerweise akut und können vielfältig sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Fieber: Hohes Fieber ist ein häufiges Frühsymptom.
  • Kopfschmerzen: Starke Kopfschmerzen treten oft in Verbindung mit Fieber auf.
  • Bewusstseinsstörungen: Die Patienten können verwirrt, desorientiert oder somnolent sein. In schweren Fällen kann es zum Koma kommen.
  • Neurologische Defizite: Dazu gehören Sprachstörungen (Aphasie), Lähmungen (Paresen), Koordinationsstörungen (Ataxie) und epileptische Anfälle.
  • Psychiatrische Symptome: Verhaltensauffälligkeiten, Halluzinationen und psychotische Symptome können auftreten.
  • Geruchsstörungen: In einigen Fällen kommt es zu einer Beeinträchtigung des Geruchssinns.

Diagnose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Die Diagnose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis basiert auf einer Kombination aus klinischen Befunden, bildgebenden Verfahren und labordiagnostischen Untersuchungen.

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Anamnese und klinische Untersuchung

Eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung sind entscheidend, um den Verdacht auf eine Enzephalitis zu erhärten. Der Arzt wird nach den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen. Bei der neurologischen Untersuchung werden Bewusstsein, Hirnnervenfunktionen, Motorik, Sensibilität und Reflexe geprüft.

Bildgebende Verfahren

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das чувствительный Verfahren zur Diagnose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis. Typischerweise zeigen sich in den Temporallappen und im limbischen System локализираните Läsionen mit Ödem und hämorrhagischen Infiltrationen.
  • Computertomographie (CT): Die CT ist weniger чувствительный als die MRT, kann aber in akuten Fällen hilfreich sein, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z.B. eine Hirnblutung.

Liquordiagnostik

Die Liquordiagnostik ist ein zentraler Bestandteil der Diagnosestellung.

  • Zellzahl: Typischerweise findet sich eine lymphozytäre Pleozytose (erhöhte Anzahl von Lymphozyten) im CSF.
  • Proteingehalt: Der Proteingehalt im CSF ist meist erhöht.
  • Glukosekonzentration: Die Glukosekonzentration im CSF ist in der Regel normal.
  • PCR: Der Nachweis von HSV-DNA im CSF mittels PCR ist der Goldstandard für die Diagnose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis.
  • Antikörpernachweis: Der Nachweis von HSV-spezifischen Antikörpern im CSF kann die Diagnose unterstützen, ist aber nicht immer erforderlich.
  • Albumin-Quotient (QAlb): Der QAlb ist meist erhöht, was auf eine Störung der Blut-Hirn-Schranke hindeutet.
  • IgG-Index: Der IgG-Index kann erhöht sein, was auf eine intrathekale IgG-Synthese hinweist.
  • Oligoklonale Banden: Oligoklonale Banden können im CSF nachgewiesen werden, sind aber nicht spezifisch für die Herpesenzephalitis.

Elektroenzephalographie (EEG)

Das EEG kann bei der Diagnose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis hilfreich sein, insbesondere um epileptische Anfälle zu erkennen. Typische EEG-Befunde sind fokale oder generalisierte Verlangsamungen der Hirnaktivität und epileptiforme Entladungen.

Therapie der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Die Therapie der nekrotisierenden Herpesenzephalitis muss so schnell wie möglich begonnen werden, um die Prognose zu verbessern. Die wichtigste Maßnahme ist die intravenöse Gabe von Aciclovir, einem Virustatikum, das die Vermehrung der Herpesviren hemmt.

Virustatische Therapie

Aciclovir wird in einer Dosierung von 10 mg/kg Körpergewicht alle 8 Stunden intravenös verabreicht. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 14-21 Tage. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz muss die Dosis angepasst werden.

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Supportive Maßnahmen

Neben der virustatischen Therapie sind supportive Maßnahmen wichtig, um Komplikationen zu verhindern und die Symptome zu lindern. Dazu gehören:

  • Krampfanfallskontrolle: Epileptische Anfälle werden mit Antikonvulsiva behandelt.
  • Hirndrucksenkung: Bei erhöhtem Hirndruck können Maßnahmen wie die Gabe von Mannitol oder die Durchführung einer Liquorableitung erforderlich sein.
  • Körperliche Therapie: Physiotherapie und Ergotherapie können helfen, neurologische Defizite zu verbessern.
  • Psychologische Betreuung: Psychologische Betreuung kann bei der Bewältigung der psychischen Folgen der Erkrankung hilfreich sein.

Prognose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Die Prognose der nekrotisierenden Herpesenzephalitis hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Schweregrad der Erkrankung, der Zeitpunkt des Therapiebeginns und das Alter des Patienten.

  • Unbehandelt: Ohne Behandlung verläuft die nekrotisierende Herpesenzephalitis in bis zu 70% der Fälle tödlich.
  • Behandelt: Bei rechtzeitiger Behandlung mit Aciclovir kann die Mortalität auf etwa 20-30% gesenkt werden.
  • Spätfolgen: Viele Patienten, die eine Herpesenzephalitis überleben, behalten neurologische oder kognitive Defizite zurück, wie z.B. Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen, Lähmungen oder epileptische Anfälle.

Prävention der nekrotisierenden Herpesenzephalitis

Es gibt keine spezifische Impfung gegen die nekrotisierende Herpesenzephalitis. Allerdings können folgende Maßnahmen helfen, das Risiko einer Infektion zu verringern:

  • Vermeidung von Kontakt mit Herpesbläschen: Direkter Kontakt mit Herpesbläschen sollte vermieden werden, um eine Übertragung der Viren zu verhindern.
  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen kann helfen, die Ausbreitung von Viren zu reduzieren.
  • Vorsicht bei geschwächtem Immunsystem: Personen mit einem geschwächten Immunsystem sollten besonders vorsichtig sein, um Infektionen zu vermeiden.

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