Wenn das Lächeln plötzlich verschwindet: Heilungsdauer und Behandlung der Fazialisparese

Eine Fazialisparese, auch Gesichtslähmung oder Bell’sche Parese genannt, entsteht, wenn der Gesichtsnerv (Nervus facialis) geschädigt wird. Dieser Nerv steuert nahezu alle wichtigen Muskeln im Gesicht und im Halsbereich. Wird er beeinträchtigt, kann das zu Asymmetrien, eingeschränkter Mimik, Problemen beim Lidschluss, Sprechschwierigkeiten oder dem Verlust eines natürlichen Lächelns führen. Pro Jahr erkranken ca. 20.000 Personen in Deutschland an der idiopathischen Fazialisparese. In 16 % der Fälle bei einer idiopathischen Fazialisparese bleiben dauerhafte Funktionsausfälle. Die Behandlung der Fazialisparese in Frankfurt richtet sich unter anderem nach dem Schweregrad der Lähmung und orientiert sich an den einzelnen Symptomen und möglichen Ursachen.

Ursachen einer Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Eine Fazialisparese kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Idiopathische Fazialisparese (Bell’s Palsy) - oft ohne erkennbare Ursache
  • Entzündungen und Infektionen, z. B. nach Virusinfekten (Gürtelrose, Herpes simplex, Epstein-Barr) oder Autoimmunerkrankungen (Guillain-Barré-Syndrom, Sarkoidose)
  • Verletzungen, etwa nach Operationen oder Traumata (Bruch des Felsenbeins)
  • Tumorerkrankungen, z. B. Akustikusneurinom oder Tumore der Ohrspeicheldrüse (Parotis)
  • Schlaganfall oder zentrale Läsionen, die den Verlauf des Gesichtsnervs beeinflussen
  • Medikamente, z. B. Ciclosporin A
  • Schwangerschaft
  • Diabetes mellitus

In 75 % der Fälle findet sich keine Ursache für die Entstehung einer Fazialisparese, daher wird sie auch idiopathische Fazialisparese genannt. Als Auslöser wird der Herpes simplex-Virus Typ 1 (Lippenherpes) vermutet. Sobald man eine erste Infektion durchlaufen hat, zieht sich das Virus in Nervenzellen zurück und bleibt dort ein Leben lang. Bestimmte Auslöser können das Virus wieder erwecken bzw. reaktivieren. Die Entzündungsprozesse führen zu einer Schwellung, die die Funktion des Nervs beeinträchtigen. In 25% der Fälle ist die Ursache bekannt. Dazu zählen z.B. Infektionen, bei denen ein Erreger nachgewiesen werden konnte beispielsweise das Epstein-Barr-Virus oder Neuroborreliose. Aber auch Autoimmunkrankheiten wie das Guillain-Barré-Syndrom oder Brüche des Felsenbeins (Teil des Schläfenbeins an der Schädelbasis, direkt hinter dem Ohr) können eine Gesichtslähmung verursachen.

Risikofaktoren für eine idiopathische Fazialisparese

Vermutlich sind vorherige Virusinfektionen, die zu einer Entzündung des Gesichtsnervs führen, die häufigsten Auslöser für eine Gesichtslähmung. Die häufigsten Risikofaktoren sind:

  • Schwangerschaft (Insbesondere im letzten Schwangerschaftsdrittel erhöht sich das Risiko, möglicherweise durch Wassereinlagerungen und erhöhte Gerinnungsneigung)
  • Migräne
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Vorangegangene virale Infektionen (vor allem Lippenherpes verursacht durch das Herpes-simplex-Virus, aber auch Zoster oder Grippe)

Anzeichen einer Gesichtslähmung (Fazialisparese)

Die Symptome einer Gesichtslähmung sind für viele Betroffene sofort sichtbar und können den Alltag deutlich beeinträchtigen:

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  • Unvollständiger Lidschluss - erhöhtes Risiko für Augentrockenheit oder Hornhautschäden
  • Herabhängender Mundwinkel - erschwertes Lächeln, Sprechen, Essen oder Trinken
  • Asymmetrische oder starre Mimik
  • Synkinesien - unwillkürliche Mitbewegungen, z. B. Schließen des Auges beim Lächeln
  • Verlust des natürlichen, emotionalen Gesichtsausdrucks
  • Empfindungs- oder Geschmacksstörungen (je nach Ausprägung)

Dauer der Heilung und Prognose

Vor allem Patientinnen und Patienten, die unter der idiopathischen Fazialisparese leiden, haben eine sehr gut Prognose. Sie erholen sich in 80 % der Fälle innerhalb von 3 - 6 Monaten ohne bleibende Lähmungen. Schon nach 4 - 10 Wochen kann bereits eine deutliche Besserung sichtbar sein. Bei schweren Fällen oder Verletzungen sind die Prognosen allerdings schlechter. Es können Synkinesien - unwillkürliche Mitbewegungen-, Gesichtsasymmetrien oder der durch Reizung der Geschmacksnerven bedingte Tränenfluss (Krokodilstränen-Phänomen) bestehen bleiben. Auch eine dauerhafte Lähmung ist möglich. Entscheidend ist eine frühe und konsequente Behandlung, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Behandlung einer Fazialisparese

Die Therapie orientiert sich immer an der individuellen Situation - mit dem Ziel, Mimik, Symmetrie und Lebensfreude wiederherzustellen. Dabei stehen konservative als auch operative Möglichkeiten zur Verfügung. Die Behandlung der Fazialisparese beinhaltet krankengymnastische Übungen für die Gesichtsmuskulatur und in manchen Fällen eine Infusionsbehandlung. Je nach Befund kann auch eine orale Medikamententherapie erfolgen. Liegt eine Störung der Geschmacksempfindung vor, wird ein physiotherapeutisches Training eingeleitet, das die Geschmacksnerven reaktivieren soll. Ist die Funktionalität des Augenlids durch die Fazialisparese eingeschränkt, kann ein sogenannter Uhrglasverband angelegt werden. Er erhält den Feuchtigkeitsfilm des Auges aufrecht.

Konservative Behandlung

Bei der konservativen Behandlung wird vor allem auf Physiotherapie und Botox-Injektionen gesetzt.

  • Spezialisierte Physiotherapie und Mimik-Training zur Verbesserung von Koordination und Muskelaktivität
  • Botulinumtoxin-Injektionen, um überaktive Muskelgruppen zu entspannen und Synkinesien zu reduzieren

Operative Behandlung

Folgende operative Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Nervenrekonstruktion oder Nerventransfer z. B. Cross-Face-Nerventransfer zur Wiederherstellung dynamischer Bewegungen
  • Muskeltransplantation (Gracilis-Flap) ermöglicht die aktive Wiederherstellung des Lächelns
  • Implantation von Gold- oder Platingewichten ins Oberlid verbessert den Lidschluss und schützt das Auge
  • Statische Suspensionen sorgen für eine bessere Gesichtssymmetrie in Ruhe
  • Selektive Neurektomie sinnvoll bei ausgeprägten Synkinesien und Fehlspannungen

Eine operative Behandlung wird empfohlen, wenn:

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  • die Lähmung länger als 6-12 Monate besteht,
  • keine spontane Regeneration mehr erkennbar ist,
  • deutliche funktionelle Einschränkungen bestehen (Lidschluss, Mundschluss, Sprache, Symmetrie),
  • Schmerzen, muskuläre Fehlspannungen oder ausgeprägte Synkinesien auftreten.

Gerade bei langanhaltenden Gesichtslähmungen kann eine Operation Lebensqualität, Selbstvertrauen und Ausdrucksfähigkeit nachhaltig verbessern. Wenn keine Besserung eintritt, sollte man eine OP nicht allzu lange hinauszögern. Nach einem bis anderthalb Jahren ohne neuronale Impulse wird die Gesichtsmuskulatur in Fettgewebe umgewandelt. Dann müssen die nicht mehr vorhandenen Muskeln mittels Muskeltransfer aus dem Oberschenkel ersetzt werden.

Die operative Fazialisrekonstruktion ist eine medizinisch notwendige Rekonstruktion, keine Schönheitsoperation. Die Kosten werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, sobald funktionelle Einschränkungen oder Schmerzen bestehen.

Nachsorge nach einer Operation

Nach einer Operation werden die Patient*innen engmaschig begleitet, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. So wird nicht nur die funktionelle Erholung gefördert, sondern auch das Vertrauen ins eigene Gesicht. Die Nachsorge beinhaltet folgende Maßnahmen:

  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen
  • Kontinuierliche Physiotherapie und gezieltes Mimik-Training
  • Anleitung zur Narbenpflege
  • Individuelle Anpassung der Behandlung im Verlauf

Fazialisparese: Formen und ihre Unterscheidung

Man unterscheidet je nach Lokalisation der Nervenschädigung eine zentrale von einer peripheren Fazialisparese.

Zentrale Fazialisparese

Die zentrale Fazialisparese verdankt ihren Namen der zentralen Schädigung des Nervens, nämlich im Bereich des sogenannten Kerngebietes im Hirnstamm. Man kann hier vom Ursprung des Nervens sprechen. Meist ist hier eine Seite betroffen. Da die Nerven bei ihrem Verlauf vom Hirnstamm in die Peripherie jedoch zur jeweils anderen Seite wechseln, zeigt sich die Schädigung des rechten Nervus facialis in der linken Gesichtshälfte und umgekehrt.

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Die Symptomatik unterscheidet sich ebenfalls von der einer peripheren Fazialisparese. Die Lähmung zeigt sich dabei im Bereich der Gesichtsmuskulatur unterhalb des Augenlides, weil die Muskulatur oberhalb davon von beiden Gehirnhälften versorgt wird. Obwohl die zentrale Fazialisparese in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer ist, so kann sie Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung wie eines Hirninfarktes sein. Eine sofortige ärztliche Vorstellung ist daher dringend empfohlen.

Periphere Fazialisparese

Bei einer peripheren Fazialisparese tritt die Schädigung erst im weiteren Verlauf des Nervens auf. Der Nerv ist dabei an mehreren Stellen der Gefahr ausgesetzt, komprimiert zu werden.

Die periphere Fazialisparese stellt eine relativ häufige Diagnose dar und kann sich in Form verschiedener Symptome äußern. Der klassische Unterschied zur zentralen Fazialisparese in der Symptomatik liegt darin, dass häufig die gesamte mimische Muskulatur einer Gesichtshälfte inklusive der Augen- und Stirnmuskulatur betroffen ist. Des Weiteren zeigt sich eine periphere Läsion des rechten Nervus facialis auch auf der rechten Gesichtshälfte, bei einer linksseitigen Läsion verhält es sich dann entsprechend ebenso.

Ursachen der Fazialisparese im Detail

Die häufigste Form der einseitigen Fazialisparese ist mit einem Anteil von etwa 50-65% unbekannter Ursache. Sie wird auch als “Bell-Parese” bezeichnet. Die sogenannte idiopathische Fazialisparese scheint dabei beide Geschlechter und die verschiedenen Altersgruppen gleichermaßen zu betreffen.

Eine genaue Ursache konnte bislang nicht identifiziert werden. Meist findet sich eine Schwellung des Nervens, der durch einen Reizzustand hervorgerufen wird. Verschiedene Faktoren wie Stress, Infektionen, Schwangerschaft oder Zugluft scheinen das Auftreten dieses Reizzustandes zu begünstigen, sodass es zu einer Einengung des Nervens im Knochenkanal kommt.

Im Regelfall entsteht die Lähmung nur einseitig und tritt unerwartet auf. Doch auch Fälle mit Vorzeichen wie Schmerzen in der Nähe des Ohres oder Empfindungsstörungen in der Wange kommen vor. Betroffene wachen dann morgens mit einer halbseitigen Lähmung auf, die sich innerhalb von etwa drei Tagen vollständig ausprägt.

Bei der peripheren Fazialisparese können verschiedene Erkrankungen ursächlich sein.

Erberkrankungen

Eine Gruppe von Erkrankungen, im Rahmen derer eine Fazialisparese auftreten kann, sind Erbkrankheiten, bei denen genetische Faktoren zur Ausbildung eines Krankheitsbildes führen. Dabei kann es sich um Erkrankungen wie das Möbius-Syndrom handeln, bei dem die Gesichtslähmung schon im Säuglingsalter auftritt. In solchen Fällen sind einige Nerven, darunter auch der Nervus facialis, unterentwickelt bzw. durch Entwicklungsstörungen nicht voll funktionsfähig.

Eine weitere mögliche Erbkrankheit ist das Melkersson-Rosenthal-Syndrom. Es handelt sich hierbei um eine seltene Erkrankung, deren genaue Ursache nicht bekannt ist, bei der man aber vom Vorliegen genetischer Faktoren ausgeht. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Patienten zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr und fällt dabei vor allem durch eine Schwellung der Ober- und/oder Unterlippe, eine Faltenzunge und wiederkehrende Fazialisparesen auf.

Infektionen

Verschiedene Infektionskrankheiten können eine Fazialisparese zur Folge haben. Die weitaus häufigste Infektion ist dabei die Borreliose. In einigen Fällen geht der Fazialisparese auch eine Infektion mit dem Herpes Zoster Virus voraus.

Eine Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Die Krankheit verläuft sehr unterschiedlich und in verschiedenen Stadien. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Infektion auf den Nervus facialis übergreifen und so eine einseitige Gesichtslähmung verursachen.

Zu den viralen Infektionen, die eine solche Parese auslösen können, gehört das Herpes Zoster Virus. Dieses verursacht nicht nur die klassischen Windpocken, sondern kann bei einer Reaktivierung auch zu einer Ausprägung der Gürtelrose (Herpes zoster) führen. Im Falle eines sogenannten Zoster oticus, kann dabei unter anderem der Nervus facialis bei seinem Verlauf durch den Gehörgang betroffen sein. Dies zeigt sich dann in einer peripheren Fazialisparese.

Auch weitere Infektionskrankheiten wie Röteln, Mumps, Kinderlähmung und die Grippe können zur Lähmung des Gesichts führen, da bei allen die Gefahr besteht, dass sich die Infektion auf den Gesichtsnerv ausbreitet. Bei einer Mittelohrentzündung ist die Gefahr dafür aufgrund der räumlichen Nähe zum Nerven besonders hoch. Eine solche Schädigung der Nerven ist jedoch meist nur vorübergehend.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass durch verschiedene Prozesse die körpereigenen Strukturen durch das Immunsystem angegriffen werden. Einige können dabei eine periphere Fazialisparese auslösen.

In diesem Zusammenhang kennt man vor allem die Sarkoidose (Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier) und das Guillain-Barré-Syndrom als Auslöser einer peripheren Fazialisparese.

Die Sarkoidose ist eine systemische Erkrankung, bei der sich unter anderem die Ohrspeicheldrüse bzw. Tränendrüse entzünden kann. Dies kann im Verlauf dann zu einer Schädigung der umgebenden Nerven führen.

Beim Guillain-Barré-Syndrom kommt es zu entzündlichen Reaktionen verschiedener Nervenenden, die dadurch zerstört werden. Die Erkrankung tritt dann in Form unterschiedlicher Lähmungserscheinungen auf. Diese beginnt meist in den Beinen und breitet sich über den Körper aus, sodass die Gesichtslähmung nur eine Teilerscheinung des Krankheitsbildes ist. Die Lähmung ist dabei aber nicht endgültig, sondern bildet sich mit der Zeit von selbst wieder zurück.

Tumorerkrankungen

Auch verschiedene Tumorerkrankungen können zu einer Fazialisparese führen. Der häufigste Tumor ist das Akustikusneurinom.

Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, der von Zellen des Nervensystems ausgeht. Erste Symptome sind Hör- und Gleichgewichtsstörungen, die durch Beeinträchtigung der entsprechenden Nerven entstehen. Die Symptomatik kann unbehandelt aber auch auf den Nervus facialis übergreifen und ihn schädigen.

Letztlich können sämtliche Tumore, die in anatomischer Nähe zum Ohr und damit dem Hauptstrang des Nervs liegen, zur Ursache für eine Fazialisparese werden.

Ursachen einer zentralen Fazialisparese sind meist Erkrankungen, die das Gehirn betreffen. Hierzu zählen ebenso wie Tumore auch der Hirninfarkt, Verletzungen des Gehirns, Kinderlähmung oder Multiple Sklerose. Im Gegensatz zur peripheren ist bei der zentralen Parese meist auch ein Arm oder eine komplette Körperhälfte gelähmt.

Diagnose einer Gesichtslähmung

Obwohl ein erfahrener Arzt eine halbseitige Gesichtslähmung meist schon durch eine Blickdiagnose erkennen kann, sollte die Diagnostik einer systematischen Gliederung folgen.

An erster Stelle des Patientengespräches steht dabei die ausführliche Anamnese. Interessant sind dabei vor allem Informationen zu möglichen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und eine möglichst zeitlich-genaue Einordung über das Auftreten der ersten Symptome. In diesem Gespräch und in der anschließenden körperlichen Untersuchung ergibt sich dann meist ein markantes klinisches Erscheinungsbild: Der Mundwinkel steht offen, Speichel fließt aus, die Sprache wirkt schwer verständlich und das Augenlid schließt nur teilweise oder gar nicht.

Nach Ausschluss von Symptomen, die auf ein akut gefährliches Krankheitsgeschehen hinweisen und eine sofortige Intervention erfordern, folgt im Anschluss meist eine Blutentnahme. Ziel hierbei ist es, virale oder bakterielle Infektionen auszuschließen.

Die neurologische Untersuchung prüft die Funktionstüchtigkeit der zentralen und peripheren Nerven. Bei einer peripheren Lähmung ist es wichtig, die Schädigung des Nervs zu lokalisieren. Abhängig davon, ob die Schädigung der Nerven innerhalb oder außerhalb des Schädels liegt, ist die Lähmung unterschiedlich stark ausgeprägt: so können nur die Gesichtsmuskeln gelähmt sein oder aber bei einer Schädigung innerhalb des Schädels auch Geschmack, Empfindung oder Speichelfluss beeinträchtigt sein.

Man unterteilt die Fazialisparese nach Schwere ihrer Ausprägung in sechs Grade, wobei Grad 1 „keine Lähmung“ bedeutet und Grad 6 „komplette Lähmung“. Bei der Diagnose ist die Bestimmung von Grad 2 und Grad 3 besonders kritisch, da der Gesichtsausdruck des Betroffenen unauffällig ist, der Nerv aber dennoch bereits leicht geschädigt ist.

Bei dem Verdacht auf eine periphere Schädigung wird eine Elektromyographie herangezogen. Durch diese Methode lässt sich unterscheiden, ob eine Muskellähmung durch eine Schädigung des Muskels an sich oder durch eine Nervenschädigung verursacht wird.

Um eine zentrale Fazialisparese zu diagnostizieren, kommen verschiedene bildgebende Verfahren wie eine MRT-, CT- oder Röntgenuntersuchung zum Einsatz, die das Gehirn und den Schädel darstellen, sodass mögliche Verletzungen lokalisiert werden können.

Therapieansätze im Überblick

Aufgrund der vielfältigen Ursachen, die zu einer Gesichtslähmung führen können, lässt sich kaum ein einheitliches Behandlungskonzept beschreiben. Vielmehr richtet sich der behandelnde Spezialist nach dem jeweiligen zugrundeliegenden Krankheitsbild. Sowohl medikamentöse als auch operative Therapieverfahren kommen dabei zur Anwendung.

Eine Fazialisparese, deren Ursache in einem Schlaganfall liegt, muss sofort in einer dafür vorgesehenen Klinik behandelt werden: Verschlossene Hirnarterien müssen sofort geöffnet, Hirnblutungen unterbunden und ein erhöhter Hirndruck schnellstmöglich reduziert werden.

Kann als Ursache ein bakterieller oder viraler Infekt identifiziert werden, so erfolgt hier eine antibakterielle bzw. antibiotische oder antivirale medikamentöse Therapie.

Im Fall der sehr besonders häufigen Bell-Parese bestehen auch unbehandelt sehr gute Genesungschancen. Etwa 60 Prozent der Betroffenen gesunden von selbst. Bei den übrigen Patienten versucht man meist, der Entzündung der Nerven mit einer Kortisontherapie entgegenzuwirken.

Zusätzlich muss ein Austrocknen der Augen bei fehlendem Lidschluss verhindert werden. Hierbei kommen zum Beispiel Salben oder nächtliche Verbände zum Einsatz.

Auch eine begleitende Physiotherapie zur Übungsbehandlung der mimischen Muskulatur kann den Betroffenen helfen.

In einigen Fällen kann auch eine operative Therapie sinnvoll sein. Je nach Ausprägung der Nervenschädigung kann hierbei beispielsweise eine Rekonstruktion des Nervens oder eine Fusion der Fasern des Nervus facialis mit denen eines anderen noch funktionstüchtigen Gesichtsnerven verbunden werden, sodass die Muskeln wieder angesteuert und bewegt werden können.

Heilungsprozess und Prognose

In ca. 80 Prozent dieser Fälle heilt die Lähmung aus, wobei die Dauer des Heilungsprozesses je nach Schweregrad sehr variieren kann. Studien haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel aller Patienten mit einer Bell-Parese innerhalb von vier Monaten eine komplette Ausheilung erfahren. Etwa drei Viertel aller Patienten mit kompletter Fazialisparese berichten nach etwa sechs Monaten über eine sehr gute Heilung.

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