Ein zuckendes Augenlid oder eine plötzliche Gesichtslähmung können beunruhigend sein. Oft sind solche Symptome harmlos, aber in manchen Fällen können sie auf eine Erkrankung des Nervus facialis hindeuten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Erkrankungen, die den Nervus facialis betreffen, und gibt einen Überblick über mögliche Behandlungen.
Was ist Augenzucken?
Augenzucken, in der Medizin als Faszikulation bezeichnet, äußert sich durch unwillkürliche und unregelmäßige Kontraktionen bestimmter Muskeln im Augenlidbereich. Betroffen sind meist die Fasern des Musculus levator palpebrae (Augenlidheber) und/oder des Musculus orbicularis oculi (Augenringmuskel).
Ursachen für harmloses Augenzucken
In den meisten Fällen ist Augenzucken harmlos und kein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Mediziner sprechen dann von einem benignen Faszikulieren. Folgende Faktoren können die Ionenkonzentration in den Muskelzellen beeinträchtigen und Augenzucken begünstigen:
- Konsum von Alkohol, Koffein oder Nikotin: Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe, was zu einem Magnesiummangel führen kann. Koffein kann die Muskelspannung erhöhen, während Nikotin Rezeptoren beeinflusst, die für die Muskelbewegung zuständig sind.
- Vitamin- oder Mineralstoffmangel: Ein Magnesiummangel kann beispielsweise Augenzucken auslösen, da dieser Mineralstoff für eine normale Muskel- und Nervenfunktion wichtig ist.
- Stress: Negativer Stress kann das Level an Stresshormonen erhöhen, was wiederum die Muskelspannung steigert.
- Trockene Augen: Schlafmangel, lange Bildschirmarbeit oder Zugluft können die Augen austrocknen. Das Nervensystem versucht dies zu kompensieren, indem es die Lidschlagfrequenz erhöht, was zu einer Überlastung der Augenmuskeln führen kann.
- Hormonumstellung: Hormonelle Veränderungen, beispielsweise in der Schwangerschaft, können ebenfalls Augenzucken verursachen.
Erkrankungen, die mit Augenzucken einhergehen
In einigen Fällen kann Augenzucken ein Begleitsymptom einer ernsteren Erkrankung sein:
- Spasmus hemifacialis: Hierbei handelt es sich um einseitiges Augenzucken des Ober- und Unterlids, das auch andere Gesichtsmuskeln betreffen kann. Ursache ist meist ein ungünstiger Gefäß-Nerven-Kontakt, bei dem ein kleines Blutgefäß an den Nervus facialis klopft.
- Blepharospasmus: Dieser seltene Lidkrampf betrifft beide Augen und tritt meist bei Menschen über 50 Jahren auf. Er gehört zu den fokalen Dystonien und resultiert aus einer fehlerhaften motorischen Programmstörung im Gehirn.
- Tics: Tics treten oft mehrmals hintereinander auf und können sich in Form von mehrmaligem Blinzeln äußern. Sie sind ausgeprägter und in der Abfolge komplexer als das „Muskelflimmern“ eines zuckenden Augenlids.
Ohrspeicheldrüsenschwellung: Ursachen und Symptome
Eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse kann verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Infektionen bis hin zu seltenen Tumoren.
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Ursachen für Ohrspeicheldrüsenschwellung
- Entzündungen durch Infektionen: Bakterielle oder virale Infektionen können eine Ohrspeicheldrüsenentzündung (Parotitis) verursachen. Häufige Auslöser sind Streptokokken, Staphylokokken, das Influenza-Virus, das Epstein-Barr-Virus oder das Coronavirus SARS-CoV-2. Auch Mumps ist eine typische Ursache für entzündete und geschwollene Ohrspeicheldrüsen.
- Verminderte Speichelproduktion und Speichelsteine: Bestimmte Medikamente und Erkrankungen können die Speichelproduktion reduzieren, was die Ansammlung von Bakterien und die Bildung von Speichelsteinen begünstigt. Speichelsteine können die Ausführungsgänge der Ohrspeicheldrüse verstopfen und zu Schwellungen führen.
- Sialadenose: Bei dieser Erkrankung des Speicheldrüsengewebes kommt es zu einer Schwellung ohne Entzündung. Die Ursachen sind bisher nicht genau geklärt, vermutlich spielen Verletzungen bestimmter Hirnnerven, Krankheiten wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenüberfunktion sowie hormonelle Veränderungen eine Rolle.
- Tumor: In seltenen Fällen kann ein Tumor eine geschwollene Ohrspeicheldrüse verursachen. Die Schwellung entsteht entweder durch die Raumforderung des Tumors selbst oder durch eine Verstopfung der Ausführungsgänge.
Symptome einer Ohrspeicheldrüsenschwellung
Je nach Ursache können die Symptome unterschiedlich sein:
- Entzündungen: Die Schwellung ist in der Regel mit Rötung, Erwärmung und Schmerzen verbunden. Die Schmerzen verstärken sich meist beim Kauen. Bei bakteriellen Infekten kann Eiter in die Mundhöhle austreten.
- Speichelsteine: Die Schwellung kann schmerzlos oder schmerzhaft sein. Häufig gehen Steine, die bereits Schwellungen ausgelöst haben, aber mit Schmerzen einher. Ein Speichelstein kann als Knubbel in der Ohrspeicheldrüse tastbar sein.
- Sialadenose: Typischerweise kommt es beidseitig zu einer schmerzlosen Schwellung der Ohrspeicheldrüsen.
- Tumoren: Die Schwellung kann zunächst schmerzlos sein, später jedoch Schmerzen verursachen, wenn der Tumor den Speichelabfluss behindert oder eine Entzündung entsteht. Tumoren können als Knoten tastbar sein.
Was tun bei einer geschwollenen Ohrspeicheldrüse?
Bei einer Schwellung der Ohrspeicheldrüse, die nach einigen Tagen nicht zurückgeht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die richtige Anlaufstelle ist die Hausarzt- oder eine Hals-Nasen-Ohren-Arzt-Praxis.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache:
- Bakterielle Infektionen: Antibiotika
- Virale Infektionen: Symptomatische Behandlung mit fiebersenkenden Schmerzmitteln
- Speichelsteine: Ausstreichen in die Mundhöhle, Stoßwellentherapie oder endoskopische Entfernung
- Tumoren: Operative Entfernung
Zusätzlich können Hausmittel wie kühlende Umschläge und eine gute Mundhygiene hilfreich sein.
Fazialisparese (Gesichtslähmung): Ursachen, Symptome und Behandlung
Die Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die durch eine Schädigung des Nervus facialis verursacht wird.
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Formen der Fazialisparese
- Periphere Fazialisparese: Der Nervenschaden ist auf dem Weg vom Hirnstamm zum Gesicht lokalisiert.
- Zentrale Fazialisparese: Der Schaden liegt im Inneren des Gehirns.
Ursachen der Fazialisparese
Die Ursachen können vielfältig sein:
- Idiopathische Fazialisparese: In den meisten Fällen (ca. 75 Prozent) bleibt die Ursache unbekannt.
- Infektionen: Zum Beispiel Borreliose, Herpes simplex oder Varicella zoster (Ramsay-Hunt-Syndrom).
- Eingeengter Nervenkanal:
- Gutartige und bösartige Tumoren: In der Ohrspeicheldrüse oder im Gehirn.
- Stoffwechselkrankheiten: Zum Beispiel Diabetes mellitus.
- Schwangerschaft: Das Risiko für eine Gesichtslähmung ist bei Schwangeren erhöht.
- Autoimmunkrankheiten:
- Verletzungen und Knochenbrüche:
- Kalte Zugluft:
- Schlaganfall: Ein herabhängender Mundwinkel und halbseitige Gesichtslähmung sind wichtige Symptome eines Schlaganfalls.
Symptome der Fazialisparese
Die Symptome können je nach Ursache und Ausprägung variieren:
- Herabhängender Mundwinkel
- Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln (bei peripherer Fazialisparese)
- Unvollständiger Lidschluss
- Beeinträchtigte Wortbildung und Sprachstörungen
- Verstrichene Stirn- und Nasolabialfalte
- Geräuschempfindlichkeit
- Geschmacksstörungen
- Verminderte Tränen- und Speichelsekretion
Diagnose der Fazialisparese
Die Diagnose erfolgt anhand der Lähmungserscheinungen der Gesichtsmuskeln. Weitere Untersuchungen, wie Blutentnahme, Geschmacksprüfung, Schirmer-Test, Röntgenaufnahme des Schädels, Elektromyographie (EMG), Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), können helfen, die Ursache zu ermitteln.
Therapie der Fazialisparese
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei der idiopathischen Fazialisparese kommen Glukokortikoide (Kortison) zum Einsatz, um die Rückbildung der Gesichtslähmung zu fördern. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:
- Medikamente: Antibiotika bei bakteriellen Infektionen und Virostatika bei Virusinfektionen.
- Künstliche Tränen und Augensalben: Um das Auge vor dem Austrocknen zu schützen.
- Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS): Dabei werden die Nerven und Gesichtsmuskeln über einen leichten Reizstrom angeregt.
- Chirurgischer Eingriff: Um die Funktion von Muskeln und Nerven zumindest teilweise wiederherzustellen.
- Logopädie und Physiotherapie: Um die Muskulatur im Gesicht zu mobilisieren und die Mimik zu trainieren.
Verlauf und Prognose der Fazialisparese
Die Prognose ist insgesamt gut. In den meisten Fällen bildet sich die Fazialisparese in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten selbstständig zurück. Einige Betroffene berichten allerdings von Langzeitfolgen wie Gesichtsasymmetrien.
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Fazialisparese vorbeugen
Einer Fazialisparese lässt sich nur bedingt vorbeugen, da ihre Ursache häufig unbekannt ist. Es ist ratsam, mögliche ursächliche Erkrankungen frühzeitig ärztlich behandeln zu lassen.
Treacher-Collins-Syndrom: Eine seltene Erbkrankheit mit Auswirkungen auf den Nervus facialis
Das Treacher-Collins-Syndrom (TCS) ist eine seltene Erbkrankheit, die zu Fehlbildungen im Gesichtsschädelbereich führt. Obwohl es sich nicht direkt um eine Erkrankung des Nervus facialis handelt, können die Fehlbildungen Auswirkungen auf diesen Nerv haben.
Ursachen des Treacher-Collins-Syndroms
Ursache für das Treacher-Collins-Syndrom sind genetische Defekte, sogenannte Mutationen, die entweder im TCOF1-Gen, im POLR1C-Gen oder im POLR1D-Gen auftreten. Diese Gene sind unter anderem für die Merkmalsentwicklung des Kopfs verantwortlich.
Symptome des Treacher-Collins-Syndroms
Die Symptome des Treacher-Collins-Syndroms äußern sich sehr unterschiedlich und sind kaum vorherzusagen. Als Hauptsymptome gelten unter anderem:
- Fehlbildung oder Fehlentwicklung des Jochbeins oder/und des Unterkieferknochens und/oder der Ohrmuschel
- Gaumenspalte
- Hörstörungen
- Augenfehlstellungen
- Fehlbildung des Augenlids
- Spaltbildung (Kolobom) im Auge
- Atembeschwerden durch Verlegung der Atmungsorgane
Da das Treacher-Collins-Syndrom chronisch verläuft, ist es in der Regel notwendig, einzelne Symptome dauerhaft von einem Arzt kontrollieren und gegebenenfalls behandeln zu lassen.
Diagnose des Treacher-Collins-Syndroms
Die Diagnose erfolgt durch Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge, molekulare Analyse von Gewebeproben und genetische Tests (DNA-Analyse).
Behandlung des Treacher-Collins-Syndroms
Die Therapie richtet sich nach den Symptomen und dem Schweregrad der Erkrankung. Sie umfasst in der Regel Operationen zur Korrektur von Fehlbildungen, Hörgeräte bei Hörstörungen und therapeutische Beratung zur Bewältigung psychischer Belastungen.
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