Gastrointestinale Ursachen von Parkinson: Eine Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Die Parkinson-Krankheit, eine gefürchtete neurodegenerative Erkrankung, betrifft Millionen von Menschen weltweit. Traditionell wurde Parkinson als eine Erkrankung des Gehirns betrachtet, doch neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Ursprung der Krankheit möglicherweise im Darm liegt. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen gastrointestinalen Faktoren und Parkinson, wobei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und potenziellen Ursachen untersucht werden.

Einführung

Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Krankheit ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet, was zu motorischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsverlangsamung führt. In den letzten Jahren hat die Forschung jedoch gezeigt, dass auch der Magen-Darm-Trakt bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Parkinson eine Rolle spielen könnte.

Die Rolle des Darms bei Parkinson

Alpha-Synuclein und seine Verklumpungen

Ein Schlüsselfaktor bei Parkinson ist das Alpha-Synuclein, ein Protein, das in gesunden Nervenzellen vorkommt. Bei Parkinson-Patienten verklumpt dieses Protein jedoch und bildet Fasern, die die Neuronen im Gehirn schädigen. Interessanterweise treten diese Verklumpungen nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm auf, was die Verbindung zwischen beiden Organen nahelegt.

Studien an Mäusen

Um die Rolle des Darms bei Parkinson zu untersuchen, führten Forscher Studien an gentechnisch veränderten Mäusen durch, die übermäßig viel Alpha-Synuclein produzierten. Die Mäuse wurden unter normalen und sterilen Bedingungen gehalten, um den Einfluss von Mikroben auf die Entwicklung der Krankheit zu beobachten.

Die Ergebnisse zeigten, dass Mäuse in einer keimfreien Umgebung deutlich weniger Bewegungsdefizite entwickelten und geringere Mengen der tückischen Proteinfasern im Gehirn aufwiesen. Wurden die Mäuse jedoch mit Antibiotika behandelt, reduzierten sich die Parkinson-Symptome auch in dieser Gruppe, was darauf hindeutet, dass Mikroben eine Rolle spielen.

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Kottransplantationsexperimente

In einem weiteren Experiment spritzten die Wissenschaftler Kot von Parkinson-Patienten in den Darm der sterilen Mäuse. Dies führte bei den Mäusen zu einem raschen Ausbruch der Krankheit und Verfall. Kot gesunder Menschen hatte dagegen keinen solchen Effekt. Dies deutet darauf hin, dass bestimmte Darmbakterien bei Parkinson-Patienten eine Rolle spielen könnten.

Verdauungsprobleme als frühes Anzeichen

Viele Parkinson-Patienten klagen bereits bis zu zehn Jahre vor Ausbruch der neurodegenerativen Erkrankung über Verdauungsprobleme, wie z.B. starke Verstopfungen. Dies deutet ebenfalls auf ein gestörtes Mikrobiom hin und unterstützt die Theorie, dass der Darm eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen könnte.

Unterschiede in der Darmflora

Es gibt auch Hinweise darauf, dass sich die Darmflora von Parkinsonkranken und gesunden Personen nachweisbar unterscheidet. Dies könnte bedeuten, dass bestimmte Bakterienstämme als Auslöser für Parkinson in Frage kommen.

Das Enterische Nervensystem (ENS) und die Darm-Hirn-Achse

Das Enterische Nervensystem (ENS), oft als "zweites Gehirn" bezeichnet, ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, das sich entlang des gesamten Magen-Darm-Trakts erstreckt. Es steuert autonom Verdauungsprozesse und kommuniziert intensiv mit dem zentralen Nervensystem (ZNS), also Gehirn und Rückenmark.

Die Verbindung zwischen ENS und ZNS

Die Verbindung zwischen ENS und ZNS wird aktuell mit der Entstehung verschiedener neurologischer Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Alzheimer, aber auch Depressionen assoziiert. Die Darm-Hirn-Achse ist dabei keine Einbahnstraße: Beide Nervensysteme beeinflussen sich wechselseitig.

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Der Einfluss der Ernährung auf das Mikrobiom

Nahrung hat einen direkten Einfluss auf das Darmmikrobiom, das wiederum in Wechselwirkung mit dem ENS steht. Studien zeigen, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms über die Darm-Hirn-Achse, insbesondere über den Vagusnerv, auch Einfluss auf das ZNS nehmen und Erkrankungen wie Morbus Parkinson begünstigen kann. Eine ausgewogene Ernährung kann somit nicht nur zum Erhalt der Nervenzellen im Darm beitragen, sondern vermutlich ebenfalls eine Parkinson-Erkrankung um Jahre hinauszögern oder gar verhindern.

Die schützende Wirkung von Progesteron

Forscher haben einen schützenden Einfluss des natürlichen Steroidhormons Progesteron auf die Nervenzellen des ENS nachgewiesen. In Experimenten kultivierten sie Nervenzellen aus dem ENS und behandelten sie mit einem Zellgift, um schädliche Bedingungen zu simulieren, die einer Parkinsonerkrankung ähneln. Die Nervenzellen, die zusätzlich mit Progesteron behandelt wurden, starben deutlich seltener ab als die unbehandelten Zellen. Dies eröffnet neue Wege für die Untersuchung der neuroprotektiven Wirkmechanismen von Progesteron in- und außerhalb des Darmtrakts und könnte den Weg für neue steroidhormonbasierte Therapieansätze ebnen.

Weitere Faktoren, die zu Parkinson beitragen können

Obwohl die Forschungsergebnisse die Rolle des Darms bei Parkinson hervorheben, ist es wichtig zu beachten, dass auch andere Faktoren zum Ausbruch der Krankheit beitragen können.

Pestizide und Umweltgifte

Ein Zusammenhang mit Pestiziden und anderen Umweltgiften wird seit langem vermutet. Diese Substanzen könnten indirekt wirken, indem sie das Mikrobiom verändern oder Stressreaktionen in den Zellen auslösen. In Frankreich ist Parkinson bei Landwirten unter bestimmten Bedingungen sogar als Berufskrankheit anerkannt.

Genetische Faktoren

Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson. Bestimmte Genmutationen können das Risiko erhöhen, an der Krankheit zu erkranken.

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Diagnose und Behandlung von Parkinson

Diagnose anhand von Symptomen

Nach wie vor wird die Diagnose anhand der Symptome und der Reaktion auf die Dopamin-Vorstufe L-Dopa gestellt. Einen Labortest auf Parkinson gibt es nicht.

Behandlung von motorischen und nicht-motorischen Symptomen

Lange wurden lediglich die Bewegungsstörungen behandelt. Inzwischen liegt ein großes Augenmerk auf den nicht motorischen Symptomen, wie z.B. Verdauungsproblemen, Schlafstörungen und Depressionen.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein Verfahren, bei dem elektrische Impulse über ins Gehirn gesetzte Elektroden verhindern, dass bestimmte Zellverbände dort krankhaft im Gleichtakt feuern und so die typischen Symptome wie Steifheit und Zittern auslösen. Studien haben gezeigt, dass THS helfen kann, die Beweglichkeit zu verbessern und den Medikamentenbedarf zu reduzieren.

Neue Forschungsperspektiven

Untersuchung der Darmflora von Parkinsonkranken

Forscher arbeiten daran, die Darmflora von Parkinsonkranken gezielt zu untersuchen und mit der von Gesunden zu vergleichen. Ziel ist es, herauszufinden, welche Bakterienstämme als Auslöser in Frage kommen.

Entwicklung von Frühtests

Ein interessanter Aspekt derzeitiger Forschung ist das α-Synuclein. Auch in der Haut finden sich die Verklumpungen. Möglicherweise lässt sich auf dieser Basis ein Frühtest entwickeln.

Entwicklung neuer Therapieansätze

Vorstellbar wäre, mit einem bestimmten Wirkstoff die verhängnisvolle Kettenreaktion stoppen oder zumindest verzögern zu können. Es besteht zudem die Hoffnung, dass steroidbasierte Therapieansätze dazu beitragen könnten, neurodegenerative Erkrankungen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

Leben mit Parkinson

Symptomfreie Phasen verlängern

Die Phase, in der Betroffene ohne große Einschränkungen leben können, habe sich deutlich verlängert. Nach der Diagnose könne man noch eine Reihe von Jahren arbeiten und weitgehend symptomfrei sein.

Lebensqualität verbessern

Auch wenn Parkinson unheilbar ist, ist die Krankheit behandelbar. Mit den richtigen Therapien und einer positiven Lebenseinstellung können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern.

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