Morbus Parkinson und das Restless-Legs-Syndrom (RLS) sind zwei neurologische Erkrankungen, die oft von einer Reihe nicht-motorischer Symptome begleitet werden, darunter auch gastrointestinale Beschwerden. Diese Beschwerden können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und sollten daher gezielt behandelt werden.
Einführung
Der vorliegende Artikel fasst die vorhandenen und relevanten Publikationen zu diesem Thema übersichtsartig zusammen. Besonders im Fokus stehen dabei das Restless-Legs-Syndrom und der Morbus Parkinson.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch Wittmaack-Ekbom-Syndrom oder Willis-Ekbom-Krankheit genannt, ist gekennzeichnet durch in Ruhe und nachts verstärkte und tags sowie während Bewegung verringerte Missempfindungen sowie einen Bewegungsdrang in den Beinen, Füßen und weniger häufig auch in den Armen, oftmals einhergehend mit unwillkürlichen Bewegungen. Es wird zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. Im Deutschen spricht man von unruhigen Beinen, doch setzt sich auch umgangssprachlich zunehmend die Abkürzung RLS - manchmal aufgelöst zu „Rastloser Schlaf“ - als Krankheitsname durch. Das Syndrom gehört nach dem Klassifikationssystem für Schlafstörungen „International Classification of Sleep Disorders“ (ICSD-2) zu den schlafbezogenen Bewegungsstörungen. Die Störungen sind individuell unterschiedlich stark bis hin zur neurologischen Erkrankung.
Symptome des RLS
Das RLS verursacht in Zuständen der Ruhe bzw. Entspannung in den Beinen und/oder Füßen (seltener auch in den Armen und/oder Händen) ein Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen, Wärmegefühl oder andere als unangenehm empfundene Gefühle. Diese Missempfindungen führen bei den Betroffenen zum unwiderstehlichen Drang, sich zu bewegen, die Muskeln anzuspannen oder zu dehnen. Die Beschwerden sind abends oder nachts schlimmer als während des Tages, oder sie treten ausschließlich am Abend oder in der Nacht bei ruhigem Sitzen oder Liegen auf. Charakteristisch für das RLS ist die sofortige Linderung durch Muskeltätigkeit, d. h. das Bewegen der betroffenen Gliedmaßen durch Umhergehen, Kniebeugen, Radfahren, periodisches Anspannen usw. Die Symptome kehren jedoch nach einer nur kurzfristigen Besserung für gewöhnlich bereits in der nächsten Ruhesituation unmittelbar wieder zurück.
Häufige Begleiterscheinungen des RLS sind periodische Zuckungen der Beine oder Arme im Schlaf (Periodic Limb Movements), ohne dass diese dem Patienten bewusst sind. Seltener können diese Bewegungen auch im wachen Zustand auftreten. Diese Zuckungen führen oftmals zu unbemerkten Störungen des Schlafes durch wiederholtes kurzes Aufwachen (sogenannte arousals). In der Folge kommt es oft zu chronischer Müdigkeit am Tage, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Vergesslichkeit und einer Verschiebung des Tag-und-Nacht-Rhythmus.
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Betroffene berichten bisweilen auch von weiteren Symptomen, die entweder mit dem gestörten Dopaminstoffwechsel oder den Folgen des Schlafmangels in Zusammenhang stehen könnten. Beispiele wären etwa nächtlicher Heißhunger, Unverträglichkeit von Alkohol und Koffein, chronische Magen-Darm-Beschwerden, Spannungskopfschmerzen und Verschlimmerung des RLS nach sportlichen Anstrengungen oder durch Wärme bzw. Kälte. Nachts nicht zur Ruhe zu kommen ist nicht einfach nur lästig, sondern womöglich ein Anzeichen für eine Dünndarmfehlbesiedelung.
Ursachen des RLS
Die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine zentrale Rolle spielt der Neurotransmitter Dopamin, die extrapyramidalen Störungen sind sicherlich die Folgen eines veränderten Transmitterstoffwechsels. Studien haben gezeigt, dass während des Auftretens der Symptome eine Aktivierung der roten Kerne (Nuclei rubri) und des Hirnstamms bzw. des Thalamus nahe der Formatio reticularis auftritt. Dies weist auf eine Beteiligung subkortikaler Generatoren hin. Da kein einzelnes Erklärungsmodell bisher alle klinisch auftretenden Erscheinungen erklären kann, wird angenommen, dass Beeinträchtigungen auf unterschiedlichen neuronalen Ebenen zu verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen der Symptome führen.
Sonografische, laborchemische und einzelne neuropathologische Untersuchungen sind auch mit einem verminderten Eisenspeicher im Gehirn von RLS-Patienten vereinbar.
Einen anderen Ansatz verfolgte eine Studie aus dem Jahr 2014. Den Forschern zufolge handelt es sich bei RLS nicht um eine globale Störung des dopaminergenen Systems, sondern um einen intramuskulären Sauerstoffmangel (Hypoxie) der Muskulatur der unteren Extremität bedingt durch verminderten Blutfluss.
Diagnose des RLS
Bei der Diagnostik steht die klinische Symptomatik im Vordergrund. Als Werkzeug steht eine validierte Skala zur Feststellung der Schwere des Krankheitsbildes zur Verfügung (RLS Severity Scale). Bereits eine einmalige Gabe von L-Dopa bzw. sublingual appliziertem Apomorphin bessert die Symptome bei fast allen RLS-Patienten dramatisch, so dass ein erfolgreich durchgeführter Versuch als beweisender Test dienen kann (ex juvantibus). Ein sogenannter Immobilisationtest, bei dem die Beine des Betroffenen für eine Zeit lang fixiert werden, kann die genannten begleitenden unwillkürlichen, d. h. nicht willentlich unterdrückbaren periodischen Zuckungen der Muskeln zu Tage treten lassen. In unklaren Fällen ist eine Polysomnographie im Schlaflabor erforderlich.
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Differentialdiagnostisch muss das RLS vor allem gegen Polyneuropathie, Funikuläre Myelose (Vitamin-B12-Mangel), Radikulopathie, Akathisie, Venenleiden, Wadenkrämpfe (Crampi nocturni), arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“), Pruritus und Einschlafmyoklonien abgegrenzt werden.
Behandlung des RLS
Die Behandlung muss an dem subjektiven Leidensdruck der Patienten ausgerichtet werden. Primär steht meist eine Verbesserung der Schlafqualität im Vordergrund. Eine bedarfsorientierte oder dauernde medikamentöse Therapie dürfte für die Mehrheit der Betroffenen mit ausgeprägter Symptomatik unausweichlich sein. Bei der sekundären Form des RLS muss nach Möglichkeit die zugrundeliegende Ursache beseitigt werden; so sollten etwa kontra-indizierte Medikamente vermieden und erhöhte Nierenwerte notfalls durch Dialyse abgesenkt werden. Die Behandlung des RLS bei einer Schwangerschaft kann sehr schwierig sein.
Nicht-medikamentöse Therapieoptionen:
- Gute Schlafhygiene
- Transkutane spinale Gleichstromstimulation
- Regelmäßige Bewegung, z. B. Yoga
Medikamentöse Therapie:
- Dopaminagonisten (wie man sie auch z. B. beim Morbus Parkinson einsetzt)
- Eisenpräparate (bei Eisenmangel)
Weitere Maßnahmen:
- Selbsthilfegruppen
- Probiotika-Therapie (bei bakterieller Überwucherung des Dünndarms/SIBO)
RLS und Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)
Das Restless-Legs-Syndrom könnte tatsächlich mit einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms (auch SIBO genannt, englisch: Small Intestinal Bacterial Overgrowth) zusammenhängen. Eine SIBO kann zu einem Mangel an verschiedenen Nährstoffen führen. Um dies zu überprüfen, kann ein Lactulose-Atemtest durchgeführt werden.
Morbus Parkinson
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen. Weltweit leben rund zehn Millionen Betroffene. Morbus Parkinson ist eine Multisystemerkrankung und es treten längst nicht nur Bewegungsstörungen auf. Auch bei Morbus Parkinson besteht ein Dopaminmangel. Der Neurotransmitter wird unter anderem benötigt, um Bewegungsabläufe zu initiieren und zu koordinieren. Durch den krankheitsbedingten Mangel treten bei Morbus Parkinson zahlreiche motorische Symptome auf, zum Beispiel Muskelsteifheit (Rigor) und Unbeweglichkeit (Bradykinese / Hypokinese).
Gastrointestinale Beschwerden bei Parkinson
Störungen des Gastrointestinaltrakts sind bei Patient*innen mit hypokinetischen Bewegungsstörungen und insbesondere der Parkinson-Krankheit Gegenstand einer zunehmend intensiveren neuromedizinischen Forschung. Ursache sei meist eine verzögerte Magenentleerung und es komme bei vielen Patienten zu Obstipation durch eine gestörte Darmmuskulatur.
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Häufige gastrointestinale Beschwerden:
- Verzögerte Magenentleerung
- Obstipation (Verstopfung)
- Blähungen
- Schluckstörungen
- Verminderter Appetit
- Übelkeit
Die chronische Verstopfung ist an sich ein häufiges Grundsymptom der Krankheit. Sie kann sich in einigen Fällen sogar vor dem Auftreten der motorischen Symptome zeigen. Die Ursachen der Darmträgheit sind mehrschichtig: Die wichtigste Rolle spielt die gestörte dopaminerge Steuerung der Darmwand. Auch hier sind die dopamin-haltigen Zellen betroffen. Bei der chronischen Obstipation ist die Gefahr eines Darmverschlusses immer gegeben.
Therapie von Parkinson
Levodopa, abgekürzt L-Dopa genannt, wurde 1961 in die Behandlung der Parkinson-Krankheit eingeführt und stellte damals eine enorme Verbesserung der Therapie dar. Auch heute noch ist L-Dopa das wirksamste Medikament, wird bei der Erstmedikation jedoch meist mit anderen Medikamenten kombiniert, vor allem bei jüngeren Patientinnen und Patienten, um die Wirkungsschwankungen nach längerer Einnahme hinauszuzögern. Als Dopaminvorstufe wird L-Dopa als sog. „Prodrug“ erst im Gehirn zum fehlenden Botenstoff Dopamin umgewandelt, hat aber nur eine kurze Wirkdauer und muss daher mehrmals am Tag eingenommen werden. Um zu verhindern, dass es bereits vor dem Überwinden der Blut-Hirn-Schranke in Dopamin umgewandelt wird, kommen zusätzlich Wirkstoffe wie Carbidopa und Benserazid zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Decarboxylase-Hemmer, welche die Umwandlung von Levodopa im Blutkreislauf hemmen, da sie die entsprechenden Enzyme blockieren, welche für die Umwandlung benötigt werden. So wird sichergestellt, dass das L-Dopa das Gehirn erreicht. Dort wird die Umwandlung dann nicht mehr blockiert, da weder Carbidopa noch Benserazid die Blut-Hirn-Schranke passieren können.
Levodopa lindert vor allem zwei der drei sogenannten Parkinson-Trias, nämlich die Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und die Muskelsteifheit (Rigor).
Wichtige Hinweise zur Einnahme von L-Dopa:
- L-Dopa gelangt über den oberen Abschnitt des Dünndarms ins Blut, wobei der Spiegel nach etwa einer Stunde am höchsten ist, sofern das Medikament auf leeren Magen (nüchtern) eingenommen wurde.
- Bei der Einnahme des Parkinson-Medikamentes L-Dopa ist außerdem Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten.
- Eine Einnahme über den Tag verteilt ist sehr wichtig.
- Außerdem werden L-Dopa-Präparate teilweise mit einem COMT-Hemmer wie Entacapon kombiniert, welches den Abbau des Dopamins hemmt, um die Wirkdauer des Medikaments zu verlängern.
Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Unter Arzneimittel-Interaktionen, auch Wechselwirkungen genannt, versteht man die wechselseitige Beeinflussung zwischen zwei oder mehreren Arzneistoffen. Dies kann bei gleichzeitiger oder nacheinander erfolgender Anwendung zu einer verstärkten oder abgeschwächten Wirkung führen. Dabei steigt das Risiko für Wechselwirkungen mit der Anzahl der eingesetzten Medikamente. Es gibt unzählige Wechselwirkungen zwischen Medikamenten.
Es verbieten sich bei der Parkinson-Krankheit Medikamente, welche diese Dopaminbindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern. Bei diesen Mitteln handelt es sich in erster Linie um Medikamente gegen seelische und psychische Erkrankungen, sogenannte Neuroleptika.
Es gibt zahlreiche Kontraindikationen, die den Einsatz von Levodopa unmöglich machen. Diese hängen stark davon ab, ob es sich um eine L-Dopa/Carbidopa-Kombination, L-Dopa/Benserazid-Kombination oder L-Dopa/Carbidiopa/Entacapon-Kombination handelt. Die entsprechende Verordnung von Levodopa erfolgt deshalb stets in enger Absprache mit den behandelnden Ärzten.
Ernährung und Lebensstil bei Parkinson und RLS
Um den Alltag als Patient/in bzw. Angehörige/r gut zu meistern, ist es wichtig, sich fit zu halten.
Allgemeine Empfehlungen:
- Ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige Bewegung
- Gute Schlafhygiene
- Stressmanagement
Fallbeispiel: Wolfgang und sein Restless-Legs-Syndrom
Anhaltende Schlafprobleme waren es, die Wolfgang zu einem Besuch in der Praxis veranlassten. Sein Hauptproblem war offenbar nicht das Schlafen an sich, sondern wie ihm seine Beine zusetzten: „Manchmal fühlt es sich an, als würden Ameisen auf meinen Beinen herumkrabbeln“, beschrieb er die Symptomatik. Tatsächlich hatte mein Patient vom Restless-Legs-Syndrom noch nie gehört, obwohl es sich dabei um eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt handelt.
Es stellte sich heraus, dass Wolfgangs RLS etwas mit einem Eisenmangel zu tun hatte. Die Werte waren wirklich „im Keller“. Ursache hierfür war mit großer Wahrscheinlichkeit die gestörte Nährstoffaufnahme im Dünndarm. Da nun Klarheit herrschte, konnten wir das Problem gezielt angehen. Zuallererst empfahl ich Wolfgang ein Eisenpräparat, und zwar ein pflanzliches - für die bessere Verträglichkeit.
Um der Fehlbesiedelung „an die Gurgel“ zu gehen, empfahl ich dem 67-jährigen eine gezielte Probiotika-Therapie mit OMNi-BiOTiC® 10 für sechs Wochen. Entscheidend dabei ist die Einnahme morgens auf nüchternen Magen. Für seinen besseren Schlaf empfahl ich ihm noch die Lavendel-Urtinktur von Ceres.
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