Das Gefühl eines Kribbelns im Gehirn ist ein ungewöhnliches und oft beunruhigendes Symptom, das im Zusammenhang mit verschiedenen psychischen und körperlichen Zuständen auftreten kann, einschließlich Depressionen. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, ist es wichtig, die potenziellen Ursachen und den Zusammenhang mit Depressionen zu untersuchen.
Burnout-Syndrom und Erschöpfungsdepression
Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Burnout als eine Vorstufe und spezielle Form der Erschöpfungsdepression betrachtet werden kann. In beiden Fällen handelt es sich um ernsthafte Zustände, die durch anhaltenden Stress und Überlastung gekennzeichnet sind. Beim Burnout-Syndrom erleben Betroffene nicht nur körperliche und emotionale Erschöpfung, sondern auch eine tiefe Entfremdung von ihrer Arbeit und den damit verbundenen Aufgaben. Es kann auch eine Abnahme der Leistungsfähigkeit sowie eine erhöhte Reizbarkeit und Gereiztheit auftreten. Im Vergleich dazu bezieht sich der Begriff Erschöpfungsdepression spezifisch auf den Aspekt der Depression, der durch chronische Überlastung und Stress verursacht wird. Menschen mit einer Erschöpfungsdepression können ähnliche Symptome wie bei einer klinischen Depression aufweisen, einschließlich gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Schlafstörungen und verminderter Energie. Die Unterscheidung zwischen Burnout und Erschöpfungsdepression kann subtil sein, aber eine genaue Diagnosestellung ist entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten und die Betroffenen auf dem Weg zur Genesung zu unterstützen.
Auslöser und Risikofaktoren für Erschöpfungsdepression
Die Auslöser und Risikofaktoren für eine Erschöpfungsdepression können vielfältig sein und es ist wichtig, auf sie zu achten, um rechtzeitig präventive Maßnahmen zu ergreifen oder eine angemessene Behandlung einzuleiten. Zu den häufigsten Auslösern gehören langanhaltender Stress am Arbeitsplatz, hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck, mangelnde soziale Unterstützung, Konflikte am Arbeitsplatz oder in persönlichen Beziehungen sowie unzureichende Bewältigungsstrategien für stressige Situationen.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Erschöpfungsdepression können auch individuelle Faktoren wie persönliche Veranlagung, Perfektionismus, geringes Selbstwertgefühl, hohe Ansprüche an sich selbst, mangelnde Work-Life-Balance, berufliche Überforderung, Traumata oder belastende Lebensereignisse sein. Menschen, die dazu neigen, sich übermäßig zu verausgaben, ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen und keine ausreichenden Erholungsphasen einzuplanen, sind ebenfalls anfälliger für eine Erschöpfungsdepression.
Es ist wichtig, auf diese Auslöser und Risikofaktoren zu achten und gegebenenfalls rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören eine gesunde Work-Life-Balance, regelmäßige Pausen und Erholungszeiten, Stressmanagement-Techniken wie Meditation oder Entspannungsübungen, der Aufbau eines starken sozialen Netzwerks für Unterstützung sowie die Entwicklung gesunder Bewältigungsstrategien für stressige Situationen. Eine frühzeitige Intervention kann helfen, das Risiko für eine Erschöpfungsdepression zu verringern und die psychische Gesundheit langfristig zu erhalten.
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Verlauf einer Erschöpfungsdepression
Der Verlauf einer Erschöpfungsdepression ist oft schleichend und beginnt mit subtilen Anzeichen, die häufig ignoriert werden. In den frühen Stadien klagen Betroffene oft über innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder anhaltende Müdigkeit. Diese Symptome können leicht übersehen oder als normale Reaktionen auf Stress abgetan werden. Doch wenn nichts gegen diese Warnzeichen unternommen wird, können sie sich im Laufe der Zeit verschlimmern und weitere psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen hervorrufen.
Der Alltag wird zunehmend belastender und die Bewältigung der täglichen Aufgaben erscheint immer schwieriger. Selbst die einfachsten Aufgaben können zu einer Herausforderung werden, da die Erschöpfungsdepression einen immer stärkeren Einfluss auf das emotionale und körperliche Wohlbefinden ausübt. Es ist wichtig, diese Anzeichen ernst zu nehmen und rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
Depression: Eine Übersicht
Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. In Deutschland leiden derzeit etwa 4 Millionen Menschen an einer Depression. Etwa jeder achte Einwohner Deutschlands durchlebt mindestens einmal im Leben eine depressive Phase.
Die Ursachen depressiver Erkrankungen sind vielfältig und nur unvollständig erforscht. Man geht von einem Zusammenwirken mehrerer Ursachen aus. Neben Erbfaktoren spielen biologische Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle. Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse entsteht eine Depression im Gehirn am ehesten durch einen Mangel oder ein Ungleichgewicht an Überträgerstoffen zwischen den einzelnen Nervenzellen des Gehirns. Bekannt ist, dass beispielsweise ein Mangel oder Ungleichgewicht der Überträgerstoffe Serotonin, Dopamin, Melatonin oder Noradrenalin eine Depression auslösen oder unterhalten kann.
Eine Depression kann auch Teil einer anderen Gehirnerkrankung sein, wie zum Beispiel eines Schlaganfalls, einer Epilepsie oder einer Gehirnverletzung. Sie kann durch ein einschneidendes negatives Erlebnis, wie den Verlust einer nahestehenden Person, einen Unfall mit schwerwiegenden Folgen oder einen Arbeitsplatzverlust, aber auch durch eine chronische Konfliktsituation und Überforderung ausgelöst oder in ihrer Entstehung begünstigt werden. Oft entsteht eine Depression aber auch ohne äußeren Anlass. Zudem kann eine Depression als Nebenwirkung eines Medikamentes vorkommen.
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An einer Depression können Menschen jeden Geschlechts und jeden Alters erkranken. Eine Depression bei Kindern ist jedoch seltener und zeigt andere Charakteristika.
Symptome einer Depression
Die auffälligsten Symptome einer Depression sind über Wochen und Monate, teilweise Jahre anhaltende Traurigkeit, Antriebsarmut und Energielosigkeit. Die Fähigkeit zur Freude oder Trauer ist eingeengt. Es entsteht eine innere Leere. Die Symptome sind häufig in den frühen Morgenstunden und vormittags am schlimmsten und bessern sich im Laufe des Tages - das sogenannte Morgentief.
Daneben ist die Depression jedoch durch eine Fülle weiterer psychischer und körperlicher Symptome charakterisiert:
- Traurigkeit, die oft oder ständig vorhanden ist, unglücklich macht und im schlimmsten Fall als nicht auszuhalten empfunden wird.
- Verlust von Lebensfreude: Erlebnisse können nicht mehr so genossen werden wie früher. Es entsteht eine ausgesprochene Freudlosigkeit (Anhedonie).
- Pessimismus: Der Blick in die Zukunft wird mutlos, im schlimmeren Fall perspektivlos und/oder absolut hoffnungslos.
- Energieverlust: Zunächst erlebt der Patient, dass er nicht so viel Energie hat wie früher. Er kann kaum noch etwas schaffen oder erreichen. Im schlimmsten Fall kann er sich zu nichts mehr aufraffen. Selbst einfache Dinge des Alltags können dann nicht mehr erledigt werden.
- Ermüdung und Erschöpfung: Im einfachen Fall ist eine rasche Ermüdung und Erschöpfung vorhanden. Im schlimmeren Fall führen selbst einfache geistige oder körperliche Tätigkeiten zur Erschöpfung. Im Berufsleben oder Alltag kann dies zu einem Zusammenbruch der Leistungsfähigkeit führen. Dies wird dann Burn-out genannt.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Viele Patienten geben an, dass sie sich nicht mehr so gut konzentrieren können wie sonst. Es falle ihnen schwer, sich zumindest längere Zeit auf eine Aufgabe oder Tätigkeit zu konzentrieren. Im schlimmsten Fall können sie sich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Bei einer neuropsychologischen Testung lässt sich jedoch feststellen, dass die Fähigkeit zur Konzentration weiterhin zumeist unbeeinträchtigt vorhanden ist. Sie wird nur nicht eingesetzt. Ein Teil der Konzentrationsstörungen entsteht dadurch, dass der Patient immer wieder über seine Situation grübeln muss und an nichts anderes mehr denken kann.
- Interessenverlust: Das Interesse an anderen Menschen, Hobbys oder Unternehmungen ist geringer als sonst. Im schlimmsten Fall fällt es dem Patienten schwer, sich überhaupt noch für etwas zu interessieren. Er wird teilnahmslos.
- Versagensgefühle: Der depressive Patient fühlt sich als Versager. Rückblickend fallen ihm Fehlschläge mehr auf als Erfolge. Im schlimmsten Fall empfindet er sich als vollständiger Versager, der zu nichts mehr fähig ist.
- Schuldgefühle: Im einfachen Fall entstehen vermehrt Schuldgefühle in dem Sinne, dass Dinge in der Vergangenheit durch den eigenen Einfluss falsch gelaufen sind. Die Schuldgefühle können sich häufen und im gravierenden Fall nahezu ständig vorhanden sein.
- Selbstvorwürfe: Der Patient neigt dazu, sich stärker als zuvor selbst zu kritisieren. Schwer erkrankte Patienten geben sich die Schuld für alles Schlimme, das passiert ist.
- Mangel an Selbstvertrauen: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist reduziert. Die Enttäuschung über die eigene Person steigt. Im schlimmeren Fall traut sich der Patient nichts mehr zu und lehnt sich völlig ab.
- Gefühl der Wertlosigkeit: Verglichen mit anderen Menschen fühlt sich der depressive Patient viel weniger wert. Im schlimmsten Fall resultiert dies im Gefühl der vollständigen Wertlosigkeit.
- Entschlussunfähigkeit: Im leichten Fall besteht eine Ambivalenz gegenüber Entscheidungen. Dem Patienten fällt es schwerer als sonst, Entscheidungen zu treffen. Im schlimmeren Fall hat er Schwierigkeiten, überhaupt eine Entscheidung zu treffen und ist teilweise ratlos.
- Bestrafungsgefühle: Es entsteht das Gefühl, für etwas bestraft zu werden.
- Weinen: Bei einer leichten Depression weint der Patient mehr und oft schon bei geringem Anlass. Im schlimmeren Fall möchte er jedoch weinen, kann dies aber nicht. Das Weinen ist gehemmt. Es entsteht das Gefühl einer inneren Leere, die zum Teil unerträglich ist.
- Innere Unruhe: Bei manchen Depressionen entsteht eine innere Unruhe. Dem Patienten fällt es dann schwer, still zu sitzen. Bei starker Betroffenheit möchte er sich ständig bewegen oder etwas tun. Dies nennt man agitiert.
- Vermehrte Reizbarkeit: Manche Patienten sind viel reizbarer als sonst. Beim geringsten Anlass brausen sie auf. Teilweise werden sie aggressiv.
- Veränderter Appetit: Der Appetit kann bei manchen Patienten zunehmen, bei anderen Patienten jedoch auch abnehmen. Im schlimmsten Fall haben manche Patienten demzufolge dann gar keinen Hunger mehr und andere Patienten einen ständigen Heißhunger.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen bei depressiven Patienten können sowohl zu einem vermehrten als auch zu einem zerrütteten und verminderten Schlaf führen. Bei schlimmem Schlafmangel kann der Patient lediglich 1-2 Stunden pro Nacht schlafen und ist dann am nächsten Tag müde und zerschlagen. In anderen Fällen, mit vermehrtem Schlafbedürfnis, schläft der Patient die gesamte Nacht durch und auch übergroße Anteile des Tages. Alpträume kommen gehäuft vor.
- Reduziertes sexuelles Interesse: Das Interesse an Sexualität lässt nach. Bei starker Depression ist das Interesse an Sexualität völlig verloren.
- Todes- und Selbstmordgedanken: Viele Patienten denken häufiger an den eigenen Tod. Auch leicht betroffene depressive Patienten denken manchmal an Selbstmord, würden es aber nicht tun. Schwer betroffene Patienten würden sich am liebsten umbringen, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten und können sich dies immer konkreter vorstellen und planen. Bei vermehrten Todes- oder Selbstmordgedanken ist auf jeden Fall die Hilfe eines kompetenten Arztes einzuholen.
- Angst: Bei einigen Patienten kommt es zudem zu Angstzuständen. Neben der Zukunftsangst ist die Angst zu sterben oder die Befürchtung des Schlimmsten, neben der Angst die Kontrolle über sich selber zu verlieren, häufig anzutreffen. Bei einigen Patienten ist die Depression assoziiert mit Panikstörungen.
- Körperliche Symptome: Vielen Menschen ist es unbekannt, dass eine Depression auch zu körperlichen Symptomen führen kann. Neben Taubheitsgefühlen und Kribbeln an verschiedenen und wechselnden Stellen des Körpers kommt es zu Hitzegefühlen und einem glühenden Gesicht. Schreckhaftigkeit, Nervosität und zittrige Hände sind relativ häufig. Atembeschwerden und das Gefühl zu ersticken treten auf. Schwindel und ein wackeliges Gefühl können dauerhaft oder auch über längere Phasen anhaltend auftreten. Insgesamt entsteht ein Schwächegefühl. Magen- und Darmbeschwerden treten hinzu.
Verlauf einer Depression
Der Verlauf einer Depression kann sehr verschieden sein. Neben depressiven Phasen von wenigen Tagen kann die Depression bei manchen Patienten über viele Monate und zum Teil Jahre anhalten. Dann spricht man von einer chronischen Depression. Mit entsprechender Behandlung ist es meistens möglich, eine Depression nach 3-9 Monaten zu überwinden. Bei etwa einem Drittel der Patienten bleibt es bei einer depressiven Episode im Leben. Bei einem weiteren Drittel kommt es immer wieder zu Phasen der Verschlechterung mit erneut auftretender Depression. Bei jedem dritten Patienten ist die Depression therapieresistent und chronisch.
Eine Sonderform ist die bipolare Störung. Hier treten neben depressiven Phasen auch manische Phasen auf, bei denen der Patient krankhaft und unkontrolliert euphorisch (himmelhoch jauchzend) und überaktiv ist.
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Während der Depression neigen einige Patienten zu verstärktem Nikotin- und Alkoholkonsum, was die Problematik weiter verschlechtert.
Diagnose und Behandlung von Depressionen
Am wichtigsten für die Diagnose sind die vom Patienten selbst und seinen Begleitpersonen geschilderten Symptome (Eigenanamnese und Fremdanamnese). Darüber hinaus gibt es formelle Testbögen, die eine Einschätzung des Ausmaßes der Depression erleichtern. Eine Depression aufgrund einer anderen Erkrankung, wie z.B. Schilddrüsenfehlfunktion, Vitaminmangel, Hirntumoren, muss schon initial durch geeignete neurologische Diagnostik inkl. einer laborchemischen Abklärung (Blutuntersuchungen), neuropsychometrischer Diagnostik (Testungen der Hirnleistungen durch einen Psychologen) und bildgebenden Verfahren (Computertomographie oder Kernspintomographie des Kopfes) ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.
Die Behandlung der Depression erfolgt mit Psychotherapie, antidepressiven Medikamenten und körperlichem Training sowie Entspannungstraining. Zusätzlich können ergänzend eine Neural-Akupunktur und eine magneto-elektrische Stimulation angewendet werden. Insgesamt empfiehlt sich die Behandlung integriert und multimodal, das heißt unter Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten zu gestalten.
Psychotherapeutische Behandlung
Die Psychotherapie ist eine effektive Methode zur Behandlung der Depression. Sie wird durch qualifizierte Ärzte oder psychologische Psychotherapeuten durchgeführt. Man unterscheidet Verhaltenspsychotherapie und analytische Psychotherapie. Für die Depression wird man überwiegend die Verhaltenspsychotherapie anwenden. Hierbei werden die verschiedenen Lebensbereiche im Hinblick auf Krankheit-auslösende oder Krankheit-unterstützende Faktoren analysiert, erörtert und Möglichkeiten der Konfliktlösung aufgezeigt. Im optimalen Fall führt dies zu einer Verhaltensänderung des Patienten, die für ihn vorteilhaft ist und zur Ausheilung der Depression beiträgt.
Medikamentöse Therapie
Ziel der medikamentösen Therapie der Depression ist es, Störungen im Stoffwechsel der Überträgerstoffe zwischen den Nervenzellen im Gehirn zu verbessern. Wichtige Überträgerstoffe hierfür sind Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin. Es stehen etwa 10 Substanzen der 1. Wahl zur Verfügung. Die Frage, welches Medikament, in welcher Dosierung, über welchen Zeitraum eingesetzt werden soll, wird durch den Facharzt (Psychiater oder Neurologen) in enger Abstimmung mit dem Patienten festgelegt. Wichtig ist zu wissen, dass viele antidepressive Medikamente ihre Wirksamkeit erst nach Ablauf von 2 Wochen entfalten und sich diese danach, auch bei gleichbleibender Dosierung, noch steigern kann. Die Medikamente machen nicht abhängig und können jederzeit (ausschleichend) wieder abgesetzt werden. Gegebenenfalls können zusätzlich weitere Medikamente zur Beruhigung oder Verbesserung des Nachtschlafes angewendet werden. Insgesamt sind zwar viele Nebenwirkungen bekannt, sie betreffen jedoch nur etwa 10 % der Patienten in relevantem Umfang. Dann muss das Medikament in seiner Dosis reduziert oder gänzlich abgesetzt werden.
Körperliches Training und Entspannungstraining
Die körperliche Therapie der Depression wird oft vernachlässigt. Ratsam sind 30-60 Minuten Ausdauertraining mehrfach wöchentlich. Durch körperliches Training werden die Gehirnzellen aktiviert und Stammzellen im Gehirn zur Teilung angeregt. Schon nach kurzer Zeit können Stimmung und Lebensfreude steigen, Antrieb und Selbstvertrauen sich normalisieren, Schlafstörungen behoben sein.
Eine Sonderform des körperlichen Trainings ist das Entspannungstraining. Dieses wird unter Anleitung durch spezifisch geschulte Physiotherapeuten oder Sportlehrer vermittelt und kann danach in eigener Regie praktiziert werden.
Neural-Akupunktur
Hypothetisches Ziel der Neural-Akupunktur ist es, durch Stimulation an den Nervenaustrittspunkten die Freisetzung der körpereigenen Endorphine herbeizuführen. Die, landläufig auch als Glückshormone bezeichneten, Endorphine haben eine schmerzlösende, ausgleichende und stimmungsaufhellende Wirkung. Nach eigener Erfahrung ist die Neural-Akupunktur zur Behandlung der Depression sehr wirksam. Sie hat als neues Verfahren gleichwohl bisher nicht die Anerkennung im Bereich der sogenannten medizinischen Leitlinien zur Behandlung der Depression gefunden.
Magneto-elektrische Stimulation
Mit einer direkt über den Kopf gehaltenen Magnetspule wird im Bereich des Gehirns schwacher elektrischer Strom ausgelöst, der das Gehirn aktiviert. Weltweit existieren mehr als 50 Studien, die eine Wirksamkeit der Methode beobachteten. Die Methode ist harmlos und nebenwirkungsfrei. Bei der Gleichstrombehandlung des Gehirns zur Therapie der Depression handelt es sich um ein gut verträgliches Verfahren. Das Gehirn wird über 20 Minuten elektrisch stimuliert.
Funktionelle neurologische Störungen und Sensibilitätsstörungen
Funktionelle Gefühls- und Bewegungsstörungen wie Lähmungserscheinungen (Paresen) oder Taubheitsgefühle treten meist unerwartet auf - oft in Situationen hoher seelischer Belastung. Ursache ist nicht eine strukturelle Schädigung des Nervensystems.
Motorische Paresen (Schwäche/Kraftlosigkeit) reichen von einer zeitweiligen Verunsicherung in der Bewegungskontrolle (z. B. Fallenlassen von Gegenständen) bis hin zu schweren Lähmungen. Typisch sind ein plötzlicher Beginn und ein wechselhafter Verlauf mit guten und schlechten Tagen.
Funktionelle Gefühlsstörungen (auch Sensibilitätsstörungen genannt) können in Kombination mit motorischen Störungen oder als eigenständiges Symptom auftreten. Oft ist eine Körperhälfte betroffen (funktionelle Hemihypästhesie), manchmal ein ganzer Arm oder ein ganzes Bein. Diese Fehlanpassung findet jenseits der bewussten Kontrolle statt. Menschen, die bereits neurologische Ausfälle aufgrund einer anderen Krankheit haben, können zusätzlich funktionelle Ausfälle entwickeln. Psychische Risikofaktoren sind eine Depression, Angststörungen.
Ohne eine spezifische Behandlung ist der Verlauf funktioneller Lähmungen in etwa der Hälfte der Fälle chronisch. Die Prognose ausschließlich sensibler funktioneller Anfälle ist günstiger.
Eine funktionelle Schwäche oder Lähmung wird üblicherweise am charakteristischen klinischen Erscheinungsbild erkannt. Gelegentlich werden zusätzliche bildgebende oder elektrophysiologische Verfahren angewandt, um eine Schädigung des Nervensystems auszuschließen. Allerdings handelt es sich nicht um eine reine „Ausschlussdiagnose“.
Zur Behandlung motorischer und sensibler funktioneller Störungen haben sich sowohl physiotherapeutische als auch psychotherapeutische Verfahren bewährt. Funktionelle Ausfälle können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Funktionelle Paresen und Gefühlsstörungen sind keine Seltenheit und können in jeder Altersgruppe auftreten.
Sensibilitätsstörungen
Sensibilitätsstörungen können verschiedene Ursachen haben und sich auf unterschiedliche Weise äußern. Sie können als Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen auftreten. Einige mögliche Ursachen sind:
- Neuropathie: Schädigung der peripheren Nerven, z.B. durch Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Vitaminmangel.
- Multiple Sklerose (MS): Chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu einer gestörten Reizweiterleitung im Gehirn und Rückenmark führen kann.
- Parkinson: Neurodegenerative Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Gehirn allmählich absterben.
- Migräne: Insbesondere bei Migräne mit Aura können Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle frühe Anzeichen einer beginnenden Attacke sein.
- Bandscheibenvorfall: Kompression von Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks, die neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche hervorrufen kann.
- Psychische Störungen: Angstzustände, Panikattacken oder chronischer Stress können das vegetative Nervensystem überreagieren lassen und körperliche Symptome hervorrufen.
"Brain Fog"
"Brain Fog" (Nebel im Gehirn) ist keine exakte medizinische Diagnose, sondern eine Reihe von Symptomen, die durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden können und es den Betroffenen schwer machen, strukturiert zu denken und zu arbeiten.
Symptome von "Brain Fog" sind:
- Verwirrtheit
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Wortfindungsstörungen
- Langsames Denken
- Orientierungsprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
Ursachen von "Brain Fog" können sein:
- Flüssigkeitsmangel
- Schlafmangel
- Bewegungsmangel
- Schlechte Ernährung
- Stress
- Schwangerschaft
- Wechseljahre
- Diabetes
- ADHS
- Long Covid
- Posturales Tachykardiesyndrom
- Depressionen
- Angststörungen
- Migräne
- Vergangene Gehirnerschütterungen
- Chemotherapien
- Lange Krankenhausaufenthalte
Der Zusammenhang zwischen Kribbeln im Gehirn und Depressionen
Das Gefühl von Kribbeln im Gehirn kann ein Begleitsymptom von Depressionen sein, insbesondere im Zusammenhang mit innerer Unruhe und Anspannung. Die genauen Mechanismen, die zu diesem Gefühl führen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass Veränderungen im Hirnstoffwechsel und in der Aktivität von Nervenzellen eine Rolle spielen können.
Kathrin D.* beschreibt, wie sie ihre innere Unruhe erlebt:
„Der Alltag, wenn ich morgens starte, ist es erstmal gut. Aber wenn der Tag voranschreitet, wenn ich Essen koche, dann kommt der Eine, dann der Nächste. Dann ruft die Arbeit an und zwischen Töpfen und Arbeit - dann denke ich: Oh, es ist wieder viel. Und dann passiert das meistens. Dann merke ich, mein Herz wird unruhig, dann hole ich tief Luft, aber hilft ja nicht. Dann wird es mir fürchterlich warm und dann ist es schon da. Oder auf der Arbeit haben wir oft Meetings. Wenn ich dahin komme und alles stressig ist und es schnell gehen muss, dann merke ich das auch. Dann werde ich unruhig und total nervös, dann muss ich auf Toilette und schwitze. Das ist auch mal so an manchen Tagen, da habe ich Kribbeln im Hinterkopf, wie Ameisen im Kopf. Man will alles vernünftig erledigen und setzt sich unter Druck, dass man nicht abschalten kann. Irgendwann geht das auch mal durch mit mir und ich schreie auch mal rum. Das ist schon belastend. Es gibt immer Situationen, da möchte man das wirklich nicht haben.“
Es fehlt ihr vor allem an einem Ausgleich zur ständigen Anspannung, die sich im Familien- und Berufsleben aufbaut. „Selbst wenn mal Ruhe ist, kann ich die freie Zeit nicht genießen oder ruhig dasitzen. Könnte ich gar nicht. Durch den dauerhaften Druck reagiert auch der Körper mit Herzrasen, Zittern, Schwindel und vor allem Schlafproblemen. „Nachts geht es dann weiter und ich liege wach.“
In solchen Fällen kann es hilfreich sein, Entspannungstechniken zu erlernen und Stress abzubauen. Auch eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der inneren Unruhe zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Kribbeln im Gehirn im Zusammenhang mit Depressionen umfasst in der Regel eine Kombination aus:
- Medikamenten: Antidepressiva können helfen, den Hirnstoffwechsel zu regulieren und die Symptome der Depression zu lindern.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen der Depression zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die innere Unruhe zu reduzieren.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Stimmung verbessern und Stress abbauen.
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann das Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgen.
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