Die gehirnbasierte Kommunikation ist ein auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basierendes Kommunikationstraining, das von der Kinder- und Neuropsychologin Dr. Kathrin Mikan entwickelt wurde. Sie ist Gründerin der SUPERHELDENKIDS und hat langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Familien. Ziel ist es, durch eine bewusstere und gehirngerechte Kommunikation prosoziales Verhalten und Kooperation bei Kindern zu fördern.
Die Grundlagen der gehirnbasierten Kommunikation
Die Art und Weise, wie wir mit Kindern kommunizieren, beeinflusst maßgeblich ihre Entwicklung. Sie wirkt sich darauf aus, wie schnell sie sich selbst beruhigen können und wie sie ihr Verhalten mit Unterstützung lenken können. Die gehirnbasierte Kommunikation setzt hier an und vermittelt Strategien, die auf dem Verständnis der kindlichen Gehirnentwicklung basieren. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, sich der Macht der Worte bewusst zu sein und die eigene Sprache so zu wählen, dass sie die Kooperationsbereitschaft, Resilienz und das prosoziale Verhalten des Kindes stärkt.
Das kindliche Gehirn verstehen
Um gehirnbasiert kommunizieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie das Gehirn von Kindern funktioniert und sich entwickelt. Kinder zeigen "herausforderndes Verhalten" stets aus einem bestimmten Grund. Sie handeln in den meisten Fällen für sich und nicht gegen dich! Wenn wir uns auf das Verhalten konzentrieren und vergessen, darauf zu schauen, was möglicherweise dazu geführt hat, so kann sich das Kind nicht gesehen oder gehört, oder ungerecht behandelt fühlen. Wenn Kinder herausforderndes Verhalten zeigen, und wir mit unserer Kommunikation versuchen dieses Verhalten zu stoppen, statt Kindern angemessene Selbstregulations- oder Konfliktlösungsstrategien aufzuzeigen, so lernen Kinder keinen gesunden Umgang mit Gefühlen!
Das Gehirn von Kindern ist noch in der Entwicklung, insbesondere der präfrontale Kortex, der für die Steuerung von Gefühlen, Impulsen und Reflexion zuständig ist. Mikan nennt diesen Bereich das "Heldenhirn". Kinder brauchen Unterstützung, um diese Fähigkeiten zu entwickeln. Sie lernen durch Vorbilder und durch die Art, wie Erwachsene mit ihnen kommunizieren.
Es ist wichtig zu wissen, dass jedes Gehirn - sogar das von Eineiigen Zwillingen - so unterschiedlich ist wie ein Fingerabdruck. Erwachsene haben nicht selten unrealistische Erwartungen an Kinder. Sie sollen leise sein, das tun, was man ihnen sagt, stets rücksichtsvoll und hilfsbereit sein. Häufig fehlt Wissen über die Gehirnentwicklung von Kindern und was Kinder in welchem Alter leisten können.
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Die Macht der Worte
Die Sprache, die wir verwenden, hat einen direkten Einfluss auf das Gehirn des Kindes. Negative Botschaften, Kritik oder Vergleiche können Stress auslösen und die Entwicklung des "Heldenhirns" behindern. Positive, ermutigende und wertschätzende Worte hingegen fördern das Selbstwertgefühl, die Resilienz und die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Praktische Anwendung der gehirnbasierten Kommunikation
Die gehirnbasierte Kommunikation bietet konkrete Strategien und Techniken, die im Alltag mit Kindern angewendet werden können. Einige Beispiele:
Vermeidung von "Du-Botschaften"
"Du-Botschaften" können als Angriff wahrgenommen werden und negative Gefühle auslösen. Selbst scheinbar positive "Du-Botschaften" wie "Du bist so super!" können unrealistische Erwartungen wecken und die Fähigkeit des Kindes beeinträchtigen, mit Fehlern umzugehen.
- Negativ-Beispiel: “Wie kannst du nur so etwas tun?
- Negativ-Beispiel: “Hör auf, dich wie ein Baby zu benehmen! Wenn du dich nicht ….
Stattdessen sollten "Ich-Botschaften" verwendet werden, die die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken, ohne das Kind zu beschuldigen.
Aktives Zuhören und Empathie
Aktives Zuhören bedeutet, dem Kind aufmerksam zuzuhören, seine Gefühle anzuerkennen und zu zeigen, dass man es versteht. Dies fördert das Vertrauen und die Offenheit in der Kommunikation.
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- RICHTIG: Benenne stattdessen die Gefühle deines Kindes. So lernt es, wie sich Gefühle anfühlen und wie sie heißen - wichtige Basiskompetenzen um in Folge zu lernen, wie es seine Gefühle selbstständig gesund lenken kann: “Du bist ganz traurig, oder? Ich bin für dich da.
Förderung der Selbstregulation
Kinder brauchen Unterstützung, um ihre Gefühle zu regulieren und angemessen auf schwierige Situationen zu reagieren. Die gehirnbasierte Kommunikation hilft dabei, Kindern Strategien zur Selbstregulation zu vermitteln, z.B. durch das Benennen von Gefühlen, das Üben von Entspannungstechniken oder das Finden von konstruktiven Lösungen für Konflikte.
Die "Gefühlehelden-Zone"
Die "Gefühlehelden-Zone" ist ein Konzept, das von SUPERHELDENKIDS entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um einen Ort, an dem Kinder Materialien und Anregungen finden, die ihnen helfen, ihre Gefühle zu verstehen und zu lenken. Auf dem Poster sind jeweils vier sogenannte Beschützergefühle (Angst, Wut, Traurigkeit, Ekel) und vier Starkmachergefühle (Fröhlichkeit, Mut, Neugier, Entspannung) in Form kleiner Charaktere. Die Idee ist, dass in den Einrichtungen oder zuhause eine so genannte Heldenzone eingerichtet wird.
Die Heldenzone kann verschiedene Elemente enthalten:
- Der achtsame Atem: Wenn ich ruhig atme, kann ich mein Gehirn beeinflussen. Vorher ist eventuell mein Beschützer-Gehirn Chef im Kopf, so dass ich zum Beispiel Angst habe. Aber durch den ruhigen Atem kann ich meinem Gehirn vermitteln: Ich bin in Sicherheit.
- Gemeinsame Zeit: Da geht es darum, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Habe ich Hunger oder Durst? Wir kennen das ja auch, dass wir schnell unausstehlich werden, wenn wir hungrig sind.
- Ruhezeit: Da geht es darum, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Habe ich Hunger oder Durst? Wir kennen das ja auch, dass wir schnell unausstehlich werden, wenn wir hungrig sind.
- Entspannung: Eigentlich eine gewollte Anspannung, die zur Entspannung führt.
Wertschätzung und Ermutigung
Kinder brauchen Wertschätzung und Ermutigung, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihre Potenziale zu entfalten. Es ist wichtig, ihre Stärken und Fortschritte anzuerkennen und ihnen zu zeigen, dass man an sie glaubt.
- RICHTIG: „In diesem Diktat hast du deutlich weniger Fehler, als im letzten! Du hast die Groß- und Kleinschreibung fleißig geübt!
- RICHTIG: Statt deinem Kind Vorwürfe zu machen, nutze ermutigende Worte “Ich glaube an dich!
Authentizität
Nicht authentisch zu sein und Gefühle zu verbergen, kann das Vertrauen und die Offenheit in der Kommunikation beeinträchtigen.
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- RICHTIG: „Ich fühle mich heute so traurig. Das hat aber nichts mit dir zu tun.“ Durch das Sprechen über Gefühle stärkst du Kinder in ihren emotionalen Kompetenzen. Im besten Fall zeigst du ihnen gleich gesunde Strategien auf, wie sie Gefühle lenken können. „Ich brauche gerade einen kurzen Moment Ruhe und male jetzt dieses Mandala aus. Möchtest du dich neben mit setzen und auch eines ausmalen?“
Fehler sind Lernchancen
Die gehirnbasierte Kommunikation betont, dass Fehler eine natürliche und wichtige Rolle im Lernprozess spielen. Statt Kinder für Fehler zu bestrafen, sollten sie als Chance gesehen werden, daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln.
Die Bedeutung der gehirnbasierten Kommunikation
Die gehirnbasierte Kommunikation ist nicht nur eine Methode, um mit Kindern besser zu kommunizieren, sondern auch ein Ansatz, um ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen. Sie fördert:
- Prosoziales Verhalten: Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen, mitfühlend zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
- Kooperation: Kinder lernen, zusammenzuarbeiten, Kompromisse einzugehen und Konflikte konstruktiv zu lösen.
- Resilienz: Kinder lernen, mit Stress und Herausforderungen umzugehen und sich von Rückschlägen zu erholen.
- Selbstwertgefühl: Kinder entwickeln ein positives Selbstbild und vertrauen auf ihre eigenen Fähigkeiten.
- Emotionale Intelligenz: Kinder lernen, ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
Fortbildungen und Angebote
Dr. Kathrin Mikan und ihr Team von SUPERHELDENKIDS bieten Fortbildungen und Materialien zur gehirnbasierten Kommunikation an. Diese richten sich an Eltern, Erzieher, Lehrer und andere Fachkräfte, die mit Kindern arbeiten. Zu den Angeboten gehören u.a.:
- Fortbildung "Gehirnbasierte Kommunikation": Diese Fortbildung vermittelt die Grundlagen der gehirnbasierten Kommunikation und zeigt, wie sie im Alltag angewendet werden kann.
- GEFÜHLEHELDEN-Konzept: Dieses Konzept beinhaltet Materialien und Anregungen zur Förderung der emotionalen Kompetenzen von Kindern.
- GEDANKENHELDEN: Für ältere Kinder
- HELDENFORSCHER-Programm: Für Grundschulen. Das „Heldenforscher-Programm“ ist ein hybrides Programm. Das heißt, es gibt zum einen ausgedruckte Materialien, zum anderen Online-Inhalte wie z. B. Videos für Kinder von Kindern. Das Programm orientiert sich am bayerischen Lehrplan plus. Es wird genau beschrieben, zu welchem Lehrplanziel das passt. Und in der Grundschule kann sich die Lehrkraft das so legen, wie es gerade passt. Die Lehrerin, der Lehrer kannselbst entscheiden, wieviel Zeit sie oder er für bestimmte Themen aufwenden möchte.
SUPERHELDENKIDS plant außerdem die Gründung einer Online-Akademie, die konkrete Anleitungen für die Nutzung der "Gefühlehelden" in verschiedenen Altersgruppen anbieten soll.
Das Paradox von Verstehen und Erklären
Kommunikation ist ein komplexer Tanz, bei dem Verständnis auf Erklärung trifft. Es gibt jedoch ein Paradoxon: Die Unfähigkeit einer Person zu begreifen mag wie die Unfähigkeit einer anderen Person zu begreifen erscheinen. Dieses Paradoxon führt oft zu Frustration, Fehlinterpretationen und einem Zusammenbruch der Kommunikation.
Stellen Sie sich ein Szenario vor, in dem Alice Bob ein Konzept erklärt. Trotz Alices Bemühungen, sich klar zu artikulieren, fällt es Bob schwer, die Idee zu begreifen. Aus Alices Sicht glaubt sie, es gründlich erklärt zu haben. Umgekehrt scheint Alices Erklärung aus Bobs Sicht verworren oder unklar zu sein. Seine Unfähigkeit zu begreifen kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein - fehlender Kontext, unterschiedliche kognitive Stile oder sogar die Komplexität des Themas selbst.
Es ist wichtig zu erkennen, dass diese wahrgenommenen Unzulänglichkeiten nicht unbedingt auf einen Mangel an Anstrengung oder Fähigkeiten auf beiden Seiten zurückzuführen sind. Verstehen und Erklären sind symbiotische Prozesse, die Zusammenarbeit und Anpassungsbereitschaft erfordern.
Strategien zur Verbesserung der Kommunikation:
- Einfühlungsvermögen und Geduld: Es ist entscheidend, Empathie und Geduld zu kultivieren.
- Aktives Zuhören: Fördern Sie aktives Zuhören, um das Verständnis zu verbessern.
- Anpassungsfähigkeit in der Kommunikation: Flexibilität bei den Kommunikationsstilen ist von größter Bedeutung.
- Klärung und Feedback: Fördern Sie eine Feedbackschleife, in der der Zuhörer ohne zu zögern um Klärung bitten kann.
- Vereinfachen und Analogisieren: Komplexe Konzepte können vereinfacht werden, indem sie in kleinere, zuordenbare Teile zerlegt werden.
- Kontextualisierung: Das Bereitstellen von Kontext hilft beim Verständnis.
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