Das Gehirn blendet Farbe aus: Ursachen und Auswirkungen der Photophobie

Photophobie, wörtlich übersetzt "Angst vor Licht" (photo- aus dem Griechischen für "Licht, Helle, Sonnenlicht" und -phob aus dem Griechischen für "gegen etwas abgeneigt sein"), ist ein Zustand, bei dem Menschen helles Licht meiden, sei es im Freien oder in Innenräumen. Die Hauptursachen für Photophobie sind Augenkrankheiten und neurologische Erkrankungen, die häufig von Symptomen wie tränenden Augen oder Kopfschmerzen begleitet werden. Psychische Störungen wie Angstzustände sind selten die Ursache.

Licht und seine Schattenseiten

Licht ist für das Sehen unerlässlich, aber für manche Menschen kann Helligkeit schmerzhaft sein und zu tränenden Augen führen. Was andere als anregend empfinden, wie z. B. Tageslicht oder Sonnenschein, kann für Betroffene unerträglich sein. Sie ziehen sich oft zurück und suchen gedämpftes Licht oder Schatten.

Manchmal lösen Lichtreize auch Begleitsymptome wie Augentränen, Kopfschmerzen und Übelkeit aus. Anhaltende Lichtscheu ist selten, aber besonders unangenehm, wenn Licht auch in Innenräumen nicht gut vertragen wird. Bei überempfindlichen Augen können im Prinzip alle Lichtquellen, sowohl natürliche als auch künstliche, störend sein. Direktes Sonnenlicht ist etwa zehnmal heller als Tageslicht, und manche Betroffene wagen sich tagsüber nur mit Sonnenbrille nach draußen, selbst bei bewölktem Himmel.

Hinweis: Wenn jemand in Innenräumen eine Sonnenbrille benötigt, deutet dies auf eine Photophobie hin und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Wie das Auge Licht aufnimmt

Licht tritt durch die Pupille (Sehloch) ins Auge ein. Die Pupille reguliert die Lichtmenge durch Eng- und Weitstellung, gesteuert durch verschiedene Reflexe. Beim bewussten Schließen der Augen verengen sich die Pupillen reflexartig, was von außen nicht sichtbar ist. Auch im Schlaf sind sie eng. Beim Öffnen passen sie sich schnell an die unterschiedlichen Licht- und Sichtverhältnisse an.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Ursachen der Photophobie

Photophobie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom. Die Behandlung der zugrunde liegenden Krankheit führt oft zu einer Besserung oder zum Abklingen der Lichtscheu. Entzündete Augen, wie bei einer Bindehautentzündung oder Hornhautentzündung, reagieren empfindlicher auf Lichtreize.

Wenn das Auge den Lichteinfall nicht richtig steuern kann, überfordert dies die Netzhaut, die die Lichtreize verarbeiten muss. Daher kann auch bei Netzhauterkrankungen wie Makuladegeneration die Lichtempfindlichkeit der Augen zunehmen.

Lichtscheu ist auch ein Kennzeichen einiger neurologischer Erkrankungen, insbesondere Migräne. Sie kann auch bei Kopfschmerzerkrankungen wie Spannungskopfschmerz oder Clusterkopfschmerz auftreten. Ob auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Panikstörungen Photophobie auslösen können, ist unklar. Manchmal liegt der Auslöser in äußeren Faktoren wie Pflegemitteln für Gesicht, Haare oder Augen.

Augenkrankheiten als Ursache

  • Trockene Augen: Trockene Augen sind ein Symptom mit zahlreichen Ursachen und können zu Lichtempfindlichkeit führen.
  • Bindehautentzündung, Hornhautentzündung: Leitsymptome sind rote, lichtempfindliche, tränende Augen mit Fremdkörpergefühl, Sehverschlechterung und eventuell Absonderung eines Sekrets.
  • Oberflächliche Hornhautverletzung (Erosion): Symptome sind Schmerzen, Rötung und starkes Tränen des Auges, vermehrte Lichtempfindlichkeit und Lidkrampf.
  • Entzündung der Iris: Starke Lichtscheu ist das Leitsymptom, begleitet von bohrenden Schmerzen tief im Auge, die bei Helligkeit oder Leseversuchen zunehmen, sowie herabgesetzte Sehschärfe.
  • Retinitis pigmentosa: Eine erbliche, fortschreitende Degeneration von Sehzellen für das Dämmerungssehen in der Netzhaut, die zu Nachtblindheit, Einengung des Gesichtsfeldes, Störung des Farb- und Kontrastsehens, vermehrte Lichtempfindlichkeit und Erblindung führen kann.
  • Glaukom (grüner Star): Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv irreparabel Schaden nimmt. Lichtscheu gehört zwar nicht zu den typischen Symptomen, aber Betroffene sehen häufig Farbringe um Lichtquellen (Photopsie) und "Nebel" oder "Schleier" vor dem Auge.
  • Grauer Star (Linsentrübung, Katarakt): Verschwommenes Sehen und zunehmende Blendempfindlichkeit sind typische Symptome.
  • Nach operativen Korrekturen an der Hornhaut wegen Fehlsichtigkeit (refraktive Chirurgie): Neben Photophobie können weitere Symptome wie Trockenheit des Auges und Sehbeeinträchtigung durch Unregelmäßigkeiten an der Hornhautoberfläche auftreten.

Neurologische Erkrankungen als Ursache

  • Migräne: Die Reizverarbeitung im Gehirn ist verändert. Neben Kopfschmerzen können Lichtscheu und Augentränen auftreten, mitunter auch eine erhöhte Geräusch- und Lärmempfindlichkeit (Hyperakusis).
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Die ersten Symptome ähneln eher einer Grippe, im weiteren Verlauf können Benommenheit, Verwirrtheit und Krämpfe hinzutreten.
  • Tumoren der Hirnanhangdrüse: Die Symptome sind abhängig von der Lage und Größe des Tumors, ob dieser hormonaktiv ist und wenn ja, welches Hormon er bildet. Mögliche Hinweise sind Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Kopfschmerzen und vermehrte Lichtempfindlichkeit.
  • Chronisches Müdigkeits- oder Fatiguesyndrom (CFS, auch myalgische Enzephalomyelitis): Im Vordergrund steht eine ausgeprägte Müdigkeit (Fatigue), auch nach Ruhepausen und Schlaf. Weitere Beschwerden sind Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Schlafstörungen, vermehrte Licht- und Geräuschempfindlichkeit und Depressionen.

Medikamente, Drogen, Erregergifte als Ursache

Manche Medikamente, Drogen und Erregergifte können die Lichtempfindlichkeit der Augen erhöhen. Dazu gehören:

  • Antibiotika wie Tetrazykline und Doxyzyklin
  • Arzneistoffe wie Scopolamin, Atropin und Digitalis
  • Amphetamin
  • Kokain
  • Botulismus

Wann sollte man bei Lichtscheu zum Arzt?

Gehen Sie bei erhöhter Blendempfindlichkeit oder Lichtscheu baldmöglich zum Augenarzt (Ophthalmologe). Lassen Sie sich unverzüglich zum Ophthalmologen oder in die Notaufnahme einer Augenklinik bringen, wenn Sie weitere Beschwerden haben wie starke Rötung eines oder beider Augen, Schmerzen, Augentränen, Sekretabsonderung, Lichtscheu, Sehminderung, Lidkrampf, Trübung am Auge, Verfärbung des Augenweiß oder andere Veränderungen des Augapfels, zum Beispiel Verhärtung oder Verlagerung. Rufen Sie bei Symptomen wie zum Beispiel ungewöhnliche oder besonders starke Kopfschmerzen und Lichtscheu, hohes Fieber, ausgeprägter Schwindel, starke Übelkeit, Nackensteifigkeit, Lähmungen oder Sehstörungen den Notarzt (Notruf 112).

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

Diagnose und Therapie bei Photophobie

Der Arzt wird gründlich nach möglichen Auslösern suchen. Konkrete Angaben zu Ihrer Krankengeschichte, zu Krankheiten, die bei nahen Verwandten häufiger aufgetreten sind, zu Ihren Lebensgewohnheiten und Ihrer Berufstätigkeit können ihm dabei helfen. Ein sorgfältiger Augencheck ist bei mutmaßlicher Augenerkrankung selbstverständlich. Häufig müssen dazu die Pupillen mit Augentropfen erweitert werden. Dies führt zu erhöhter Blendung und verschwommenem Sehen, weshalb man vorübergehend nicht fahrtüchtig ist. Nach wenigen Stunden klingt die Medikamentenwirkung wieder ab. Bei Anhaltspunkten für ein trockenes Auge untersucht der Augenarzt auch die Tränenflüssigkeit. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig kommen zum Beispiel Augentropfen, Augensalben oder Augengels mit bestimmten Wirkstoffen zum Einsatz. Kopfschmerzerkrankungen behandeln im Allgemeinen Neurologen. Geeignete Medikamente können Schmerzanfälle durchbrechen, andere Arzneistoffe wirken vorbeugend. Der Neurologe kontrolliert die Behandlung sorgfältig. Einige spezielle Kopfschmerzmedikamente aus der Gruppe der Triptane sind rezeptfrei erhältlich. Man sollte sie dennoch stets in Abstimmung mit dem Arzt anwenden. Auch die Apotheken informieren genauer zu den Arzneimitteln. Eventuell ist in manchen Situationen mit besonders lichtempfindlichen Augen eine Sehhilfe mit Kantenfiltergläsern hilfreich. Die Gläser filtern bestimmte Bereiche des Lichtspektrums wie sichtbares Blau heraus, lassen allerdings auch weniger Licht ins Auge.

Kantenfiltergläser

Professor Schönfeld erklärt, dass das sichtbare Blau kurzwelliger und energiereicher ist als rotes Licht und in getrübten Medien des Auges, wie der Linse bei grauem Star, stärker gestreut wird. Diese Streuung führt zur Blendung und vermindert das Kontrastsehen. Kantenfilter blocken das blaue kurzwellige Licht sehr effektiv aus dem sichtbaren Licht, was zur Kontrastverstärkung und Steigerung der Sehschärfe führt. Vor dem Austesten beim Optiker sollte man klären, ob es einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt. Auch Golferbrillen werden mit Kantenfilter angeboten, welche über die Kontrastverstärkung die Sehschärfe erheblich verbessern können.

Prognose bei Photophobie

Die Aussichten auf Besserung bei Lichtscheu hängen von der Ursache der Empfindlichkeit und den Behandlungsmöglichkeiten ab. Ist die Ursache behebbar beziehungsweise die zugrundeliegende Krankheit gut im Griff, erholen sich auch die Augen meistens bald wieder: Die Überempfindlichkeit lässt nach.

Zusätzliche Aspekte der visuellen Wahrnehmung

Amblyopie (Schwachsichtigkeit)

Die Amblyopie ist eine häufige Sehstörung, die im frühen Kindesalter entsteht. Dabei blendet das Gehirn störende, unscharfe Informationen eines Auges aus und verarbeitet nur noch das Bild des normalsichtigen Auges. Um diese Fehlentwicklung zu vermeiden, muss die Amblyopie früh erkannt und konsequent therapiert werden. Die Therapie umfasst in der Regel die Korrektur von Kurz- oder Weitsichtigkeit mithilfe einer Brille und das stundenweise Abdecken des stärkeren Auges mit einem Augenpflaster, um das schwächere Auge zu trainieren.

Sehen in der Dämmerung und bei Nacht

Schlechtes Sehen und Lichtempfindlichkeit in der Dämmerung oder bei Nacht können verschiedene Ursachen haben. Im Herbst und Winter haben die Augen es nicht leicht, da sie sich ständig an wechselnde Lichtverhältnisse anpassen müssen. Bei Dunkelheit weitet sich die Pupille, um mehr Licht einzufangen, und das Auge schaltet vom Farbsehen aufs Hell-Dunkel-Sehen um. Dieser Prozess braucht Zeit, und die Fähigkeit der Pupille, sich weit zu öffnen, nimmt im Laufe des Lebens ab.

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

Kurzsichtigkeit kann sich bei Dunkelheit verstärken, da die Lichtstrahlen, die am Pupillenrand in das Auge eintreten, teilweise gebrochen werden. In solchen Fällen kann eine Nachtbrille mit einer entsprechenden Sehkorrektur helfen. Mit zunehmendem Alter kann sich die Augenlinse durch Eiweißablagerungen eintrüben (Grauer Star, Katarakt), was zu einer gesteigerten Blendempfindlichkeit führt.

In seltenen Fällen passt sich das Auge im Dunkeln gar nicht an, was zu Nachtblindheit führt. Dabei ist die Funktion der Stäbchen in der Netzhaut gestört. Ebenfalls selten kann eine Erkrankung der Hornhaut zu einer gesteigerten Blendempfindlichkeit führen.

Die Täuschungen des Gehirns

Unser Gehirn ist ständig bemüht, ein schlüssiges Modell der Welt zu liefern. Was nicht passt, wird passend gemacht. Dafür füllt das Gehirn nicht nur Lücken auf, es rechnet auch voraus, was in der Zukunft zu erwarten ist. Das Gehirn ist sich selbst immer einen Schritt voraus und unterdrückt die Wahrnehmung von Bewegungen, die es selbst verursacht.

Optische Täuschungen

Optische Täuschungen und Illusionen entstehen, wenn unser Gehirn durch den Seheindruck etwas wahrnimmt, das nicht mit der objektiv messbaren Realität übereinstimmt. Dabei können sie viele Formen annehmen, von schiefen Linien, die eigentlich gerade sind, über Farbtäuschungen bis hin zu Bildern, in denen verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge sehen. Optische Täuschungen sind im Alltag nicht selten und zeigen, wie unser Sehvorgang vonstattengeht.

Die Rolle der Aufmerksamkeit

Wir nehmen vor allem die Dinge bewusst wahr, auf die sich unsere Aufmerksamkeit richtet. Zauberer nutzen die Schwächen und Eigenheiten der menschlichen Wahrnehmung geschickt aus, um ihr Publikum zu täuschen, indem sie die Aufmerksamkeit gezielt in eine bestimmte Richtung lenken. Wahrnehmung beinhaltet also nicht nur die Aufnahme, sondern auch die Selektion, Verarbeitung und Interpretation von sensorischen Informationen.

Synästhesie

Synästhesie ist ein Phänomen, bei dem zwei oder sogar drei Sinnesempfindungen miteinander gekoppelt sind. Manche Experten schätzen, dass bis zu vier Prozent aller Menschen Synästhetiker sein könnten. Was in ihrem Gehirn anders läuft, wird von Neurowissenschaftlern seit einigen Jahren intensiv untersucht.

Skotom (Gesichtsfeldausfall)

Das Skotom bezeichnet eintretende Sehstörungen in einem Bereich des Gesichtsfeldes. Plötzliche Farbveränderungen, Lichtblitze, dunkle Flecken sind die häufigsten Erscheinungsformen des Skotoms. Gesichtsfeldausfälle stellen beim ersten Auftreten einen augenärztlichen Notfall dar! Ein Skotom kann unterschiedliche Ursachen haben, darunter Makuladegeneration, Grüner Star, Erkrankungen des Sehnervs, Netzhautablösung, Schlaganfall und Gehirntumore.

tags: #gehirn #blendet #farbe #aus