Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme beim Strukturieren von Handlungen - wenn das Gehirn wie in Wolken liegt, kann dies den Alltag schwer beeinträchtigen. Dieser Zustand, oft als "Brain Fog" oder "Gehirnnebel" bezeichnet, ist keine exakte medizinische Diagnose, sondern eine Reihe von Symptomen, die durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden können und es den Betroffenen schwer machen, strukturiert zu denken und zu arbeiten.
Was ist Brain Fog?
"Brain Fog" bedeutet übersetzt "Nebel im Gehirn". Darunter werden vor allem folgende Symptome zusammengefasst:
- Verwirrtheit
- Vergesslichkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Müdigkeit
- Antriebslosigkeit
- Wortfindungsstörungen
- Langsames Denken
- Orientierungsprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen
Insgesamt macht es der Nebel im Gehirn den Betroffenen schwer, ihre Arbeit und ihren Alltag zu bewältigen. Der Begriff „Brain Fog“ wird in der Regel dann verwendet, wenn die Beschwerden nicht nur kurzfristig und vorübergehend auftauchen, sondern wenn sich daraus ein verfestigter Zustand entwickelt.
Ursachen von Brain Fog
Die unter dem Begriff "Brain Fog" zusammengefassten Beschwerden können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden. Einige davon sind eher leicht behebbar, etwa Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung. Ein Übermaß an Stress kann ebenfalls für Nebel im Gehirn sorgen. Und auch Veränderungen infolge von Schwangerschaft oder Wechseljahren können den Zustand begünstigen.
Außerdem ist "Brain Fog" als Symptom diverser Krankheiten und als Nebenwirkung von Therapien dokumentiert. Das gilt zum Beispiel für Diabetes, ADHS, Long Covid und das Posturale Tachykardiesyndrom, also Herzrasen und Schwindel beim Aufstehen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen können mit "Brain Fog" einhergehen.
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Auch ein Zusammenhang mit Migräne oder vergangenen Gehirnerschütterungen scheint zu existieren. Außerdem tritt der Zustand als Nebenwirkung von Chemotherapien gegen Krebs und anderen medikamentösen Therapien auf. Und auch im Zusammenhang mit langen Krankenhausaufenthalten wurde "Brain Fog" beobachtet.
Es muss weiter dazu geforscht werden, was die Schwierigkeiten im Gehirn genau auslöst. Es gibt Hinweise darauf, dass „Brain Fog“ in manchen Fällen durch Entzündungen im Gehirn ausgelöst werden könnte. Andere Forschungsergebnisse deuten auf eine fehlerhafte Regulierung des Blutflusses im Hirn der Betroffenen. Und auch ein Mangel an Serotonin, einem wichtigem Botenstoff, der eine Fülle von Funktionen im Gehirn beeinflusst, könnte eine Rolle spielen.
Brain Fog und Corona
Auch Menschen, die dauerhaft oder über längere Zeit unter den Folgen einer Infektion mit dem Corona-Virus leiden, klagen oft über "Brain Fog". Betroffene sind nicht nur häufig körperlich schnell erschöpft, auch konzentriertes Denken fällt ihnen schwer.
Eine wissenschaftliche Hypothese sagt, dass sich die Entzündungsreaktion bei diesen Menschen auch nach der scheinbaren Genesung von Covid noch im Darm fortsetzt. Das wiederum könnte für eine verminderte Produktion von Serotonin sorgen, die Konsequenzen für die Arbeit des Gehirns hat. Ein ähnlicher Mechanismus wurde im Rahmen der Studie auch bei anderen Virusinfektionen beobachtet. Allerdings ist hier noch weitere Forschung nötig.
Weitere Ursachen
Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die zu Brain Fog beitragen können:
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- Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung mit einem Übermaß an leeren Kohlenhydraten oder Zucker kann zu einem schnellen Anstieg und Abfall des Insulinspiegels führen, was die Gehirnleistung beeinträchtigt. Auch ein Mangel an hochwertigen Fetten, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, kann die mentale Leistungsfähigkeit schwächen.
- Unverträglichkeiten und Allergien: Bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien, insbesondere gegen Gluten, können ebenfalls Brain Fog auslösen. Auch Glutamat und künstliche Süßstoffe können bei manchen Menschen negative Auswirkungen haben.
- Flüssigkeitsmangel: Eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr kann bereits bei geringer Unterversorgung zu Konzentrationsproblemen führen, da das Gehirn zu einem großen Teil aus Wasser besteht.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Rosenwurz oder Magnesium kann ebenfalls zu Brain Fog führen.
- Schlafmangel: Unzureichender oder unruhiger Schlaf beeinträchtigt die Regeneration des Gehirns und kann die Denkleistung am nächsten Tag massiv beeinträchtigen.
- Stress: Dauerhafter Stress führt zur Ausschüttung von Cortisol, das freie Radikale begünstigt und die Gehirnzellen schädigen kann.
- Kaffee-Entzug: Der Verzicht auf Koffein kann vorübergehend Entzugserscheinungen wie Brain Fog und Kopfschmerzen verursachen.
- Bewegungsmangel: Mangelnde körperliche Aktivität führt zu einer schlechteren Durchblutung des Gehirns und kann Brain Fog begünstigen.
- Umweltgifte: Der Kontakt mit Umweltgiften wie Formaldehyd oder Polychlorierten Biphenylen kann ebenfalls zu Brain Fog führen.
Was kann man gegen Brain Fog tun?
Die gezielte Behandlung von "Brain Fog" als Folge von Krankheiten oder medizinischen Therapien ist in vielen Fällen deshalb problematisch, weil die Wissenschaft noch nicht die genauen Mechanismen verstanden hat, die für die Probleme im Gehirn sorgen. Neben Long Covid gilt das auch für "Brain Fog" in Folge von Chemotherapien, der bei manchen Menschen noch Monate oder Jahre nach der Behandlung anhalten kann.
Für Symptome in den Wechseljahren könnten nach momentanem Forschungsstand Veränderungen im Gehirn verantwortlich sein, die aber in wesentlichen Teilen reversibel sein sollen. Auch kurz vor und nach der Geburt haben viele Frauen das Gefühl, sich schlecht konzentrieren zu können oder Dinge zu vergessen. Tatsächlich sind bei Schwangeren permanente Veränderungen des Gehirns als Vorbereitung auf die Zeit als Mutter dokumentiert. Allerdings legen Studien nahe, dass die selbst wahrgenommenen Probleme oft mit der Lebenssituation von Frauen kurz vor oder nach einer Geburt zu tun haben könnten - also zum Beispiel mit Schlafmangel und vielen zusätzlichen Aufgaben, die es im Kopf zu behalten gilt. Das Gehirn funktioniert nicht schlechter als vorher. In solchen Fällen erleichtern Notizen den Alltag.
Selbsthilfe gegen Brain Fog
Punktgenaue Behandlungen gegen "Brain Fog" existieren in solchen Fällen leider nicht, hilfreich kann es aber schon sein, gesünder zu schlafen, sich mehr zu bewegen oder Stress abzubauen. Auch eine gute Ernährung sorgt dafür, dass das Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgt wird. Achten sollte man hier auf Kohlenhydrate aus Vollkorn, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (etwa aus Nüssen, Avocados oder Lachs), Eiweiß (vor allem aus mageren Milchprodukten, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchten und Nüssen), Gemüse und Obst sowie mindestens anderthalb Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag.
Ärztliche Behandlung
Der "Brain Fog" ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Oberbegriff für eine Reihe von Symptomen, die von unterschiedlichen Erkrankungen verursacht sein können. Deshalb werden Ärztin oder Arzt versuchen, die Ursache zu finden und zu behandeln, falls dies möglich ist.
Zur Behandlung von Diabetes oder ADHS zum Beispiel gibt es Medikamente. Depressionen oder Angstzustände können mit Psychotherapien oder Antidepressiva behandelt werden. Solange das keine Linderung bringt, können Betroffene versuchen, sich mit den Symptomen zu arrangieren, um ihr Leben bestmöglich weiterzuführen. Pausen geben im Alltag dem Gehirn die Möglichkeit, sich zu erholen.
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Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der kognitiven Funktion
Neben den bereits genannten Maßnahmen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die kognitive Funktion zu verbessern:
- Kognitives Training: Gezieltes Gehirntraining kann die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern und die Automatisierung von Arbeitsschritten fördern.
- Erinnerungshilfen: Elektronische Geräte oder andere Erinnerungshilfen können den Alltag erleichtern.
- Physische Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere aerobes Konditionstraining, kann die Bildung neuer Nervenzellen anregen.
- Soziale Interaktionen: Regelmäßige soziale Kontakte und mentale Stimulation spielen eine wichtige Rolle für die kognitive Gesundheit.
- Antioxidantien: Eine ausreichende Zufuhr von Antioxidantien wie Vitamin C kann helfen, oxidativen Stress im Körper zu reduzieren und die Gehirnzellen zu schützen.
Langsames Denken und Intelligenz
In unserem Gehirn konkurrieren schnelle und instinktive Gedanken mit langsamen, aber viel anstrengenderen logischen Denkprozessen. Kein Wunder, dass wir zu bequemen, aber voreiligen Schlüssen tendieren, bei Statistiken versagen und unser Wissen überschätzen. So zumindest die These des Psychologen Daniel Kahneman, der mit diesen Ideen vom „langsamen“ und „schnellem“ Denken vor etwa zehn Jahren einen Bestseller landete.
Eine Studie aus dem Labor der Neurowissenschaftlerin Petra Ritter vom Berlin Institute of Health (BIH) liefert neue Belege für diese Theorien und wie diese im Organ verdrahtet sein könnten. Gehirnsimulationen ihrer Gruppe zeigen, dass intelligente Personen zwar einfache Aufgaben schnell und ohne Fehler lösen - aber beim Auskniffeln komplexerer Probleme mehr Zeit benötigen als Menschen, die in kognitiven Tests eher schlecht abschneiden.
Menschen, die schwierige Fragen zwar schnell, aber fehlerträchtiger beantworteten, besitzen zeitlich weniger gut aufeinander abgestimmte Hirnareale. Denn noch bevor alle Gehirnregionen alle nötigen Verarbeitungsschritte beenden können, springt das Gehirn zu einer passend scheinenden Lösung. Je komplizierter das Problem, desto eher kommt es dabei zum Fehlschluss.
Bei komplexen Aufgaben müssten die Gedanken im Arbeitsgedächtnis festgehalten werden, während man weitere Lösungen sucht und alles letztlich miteinander in Einklang bringt, erklären die Forschenden. Dieses Sammeln von Beweisen dauere manchmal länger, führe dann aber auch zu besseren Ergebnissen.
Sowohl im lebenden Menschen als auch im Computer seien die Gehirne bei Intelligenten besser synchronisiert, erklären die Forschenden, und zwar auf der Ebene des gesamten Gehirnnetzwerks bis auf die Ebene einzelner Nervengruppen hinein. Diese stärkere Synchronisierung ermögliche es Nervenschaltkreisen im Frontallappen des Großhirns, Entscheidungen länger hinauszuzögern.
Es findet eine Art Wettlauf zwischen den beteiligten Nervengruppen statt. Bei einer schwierigen Entscheidung unterscheiden sich ihre Signale nur geringfügig und sind wenig eindeutig, hält die Gruppe fest. Kommt dann zufälliges Hintergrundrauschen dazu, werden die Nervengruppen dazu gezwungen, voreilige Schlüsse zu ziehen. Bei einer Synchronisation befindet sich das System in einem „robusten Zustand“, sagt Ritter. Rauschereignisse führten dann nicht so leicht zu falschen Entscheidungen.
Trainingseffekt
Wie kann man dem eigenen Gehirn helfen, weniger Denkfehler zu machen? „Die Synchronisation im Gehirn kann systematisch verändert werden“, sagt BIH-Professorin Ritter. „Beispielsweise kann das mit Neurofeedback trainiert werden.“ Hierbei handelt es sich ein computergestütztes Gehirntraining. Ob das jedoch wirklich einen Einfluss auf das „langsame Denken“ hat, müsse noch untersucht werden.