Seit Jahren ranken sich hartnäckige Gerüchte um den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Spekulationen über Krebs, Parkinson oder Demenz machen immer wieder die Runde. Der Kreml dementiert diese Behauptungen jedoch stets. Putin selbst geht nun in die Offensive und beteuert seine Gesundheit. Doch was ist wirklich dran an den Gerüchten? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Theorien und Indizien, die im Laufe der Zeit aufgetaucht sind.
Putins Dementi und die Inszenierung des starken Mannes
Wladimir Putin selbst erklärte, er sei bei bester Gesundheit und habe sich kürzlich im Krankenhaus durchchecken lassen. "Gott sei Dank war alles gut", sagte der 73-Jährige in Moskau. Der Kreml hat in der Vergangenheit immer wieder Putins gute physische Verfassung herausgestellt. Bilder von ihm mit freiem Oberkörper in der Wildnis oder beim Tauchgang nach antiken Amphoren im Meer sollten den Eindruck eines vitalen und starken Mannes vermitteln. Auch am Steuerknüppel eines Kampfjets wurde Putin fotografiert. Diese Aufnahmen sollten den Gegensatz zu seinem kranken und unbeliebten Vorgänger Boris Jelzin demonstrieren.
Spekulationen um Putins Gesundheit
Entgegen dem Narrativ des starken Mannes gab es zuletzt immer wieder Spekulationen um Putins Gesundheit. Längere Abwesenheiten und auffällige Bewegungen bei öffentlichen Auftritten nährten die Gerüchte um eine mögliche Erkrankung oder gar den Einsatz von Doppelgängern.
Auffällige Bewegungen beim Alaska-Gipfel
Beim Alaska-Gipfel zwischen Putin und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump fielen Beobachtern auffällige Bewegungen des russischen Staatschefs auf. Putin beugte sein Knie hin und her, verlagerte das Gewicht und wippte auf den Zehenspitzen. Dies führte in den sozialen Netzwerken zu einer Debatte über eine mögliche Parkinsonerkrankung. Der Kreml kommentierte dies jedoch nicht.
Behauptungen über einen Herzinfarkt
Ein russischer Telegram-Blog behauptete im Oktober 2023, Putin habe einen Herzinfarkt erlitten und sei von Ärzten reanimiert worden. Obwohl die Glaubwürdigkeit des Berichts als niedrig eingeschätzt wurde, sah sich der Kreml zu einem Dementi genötigt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von falschen westlichen Medienberichten und dementierte auch die Behauptung, Putin habe Doppelgänger, die bei Auftritten für ihn agierten.
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Auffällige Fußbewegungen bei einem Treffen mit Lukaschenko
Bereits im Februar 2023 sorgten Putins Fußbewegungen bei einem Treffen mit dem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko für Aufsehen. Die offizielle Videoaufnahme zeigte, dass Putin seine Füße kaum stillhalten konnte.
Der steife rechte Arm: KGB-Training oder Parkinson?
Ein weiteres auffälliges Merkmal Putins ist sein steifer rechter Arm beim Gehen. Während sein linker Arm locker mitschwingt, liegt der rechte Arm relativ steif am Körper an. Dies führte ebenfalls zu Spekulationen über eine mögliche Parkinsonerkrankung.
Die "Gang des Schützen"
Eine Gruppe von Neurologen veröffentlichte im Fachmagazin "British Medical Journal" eine Studie, in der sie eine andere Hypothese aufstellten: Die Armbewegungen des Präsidenten könnten auf seine Zeit beim einstigen sowjetischen Geheimdienst KGB zurückgehen, wo Agenten intensiv an der Waffe ausgebildet wurden. Die Neurologen fanden in einem "Ausbildungshandbuch von früheren KGB-Mitarbeitern" Anweisungen, dass Agenten beim Laufen ihren Arm immer am Körper angelegt halten müssen, damit sie gegebenenfalls schnell ihre Waffe ziehen können. Die Wissenschaftler bezeichneten diese Gangart als "Gang des Schützen".
Expertenmeinungen und Ferndiagnosen
Trotz der zahlreichen Spekulationen warnen Experten vor voreiligen Ferndiagnosen. John Hardy, Neurogenetiker am UK Dementia Research Institute, betonte, dass er Neurogenetiker und kein Neurologe sei. "Meiner Meinung nach gibt es keine Anzeichen für Parkinsonismus", sagte er. Ray Chadhuri, ein Neurologe an der Universität London, stimmte dieser Einschätzung zu: "Die Parkinson-Krankheit und Parkinsonismus sind sehr schwer zu diagnostizieren und könnten nur durch eine gründliche neurologische Untersuchung vor Ort festgestellt werden." Caroline Rassell, Geschäftsführerin von Parkinson's UK, erklärte, dass es keinen definitiven Diagnosetest gebe und die Krankheit nur nach einer Untersuchung durch einen Neurologen oder Spezialisten bestätigt werden könne.
Weitere Gerüchte um Putins Gesundheit
Neben Parkinson gibt es immer wieder Gerüchte um weitere Erkrankungen Putins, darunter Krebs, starke Schmerzen und psychische Probleme.
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Krebs
Die Vermutung, dass der russische Präsident an Krebs leidet, hält sich seit Jahren hartnäckig. Es gab Spekulationen über Schilddrüsenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Prostatakrebs. Ein Investigativbericht aus Russland zeigte, dass ein auf Schilddrüsenkrebs spezialisierter Onkologe Putin über Monate in Sotschi betreut haben soll.
Starke Schmerzen
Ein aufgedunsenes Gesicht und ein verzerrtes Gesicht wurden von einigen Experten als Anzeichen für starke Schmerzen und eine Behandlung mit Steroiden interpretiert. Steroide können jedoch auch zu psychischen Veränderungen führen, der sogenannten Cortison-Psychose.
Der Kreml hält Informationen unter Verschluss
Der Kreml hält sich sehr bedeckt, was den Gesundheitszustand des Präsidenten angeht. Dies führt zu einem Informationsvakuum, das Spekulationen und Gerüchten Tür und Tor öffnet.
Die Bedeutung des Gesundheitszustands für Putins Macht
Spekulationen über Putins Gesundheit sind nicht nur medizinischer Natur, sondern haben auch politische Implikationen. Der Politikwissenschaftler Marcel Dirsus erklärte, dass ein Sturz Putins am ehesten aus dem inneren Zirkel kommen könnte. Dafür müsse es nicht einmal ein Volksaufstand sein - schon die Wahrnehmung, Putin könne seine Rolle nicht mehr erfüllen, könnte gefährlich werden.
Körpersprache als Indiz?
Einige Experten analysieren Putins Körpersprache, um Rückschlüsse auf seinen Gesundheitszustand zu ziehen. Stefan Verra, ein Körpersprachen-Experte, wies die Spekulationen über Putins zittrige Beine beim Alaska-Gipfel als haltlos zurück. Er erklärte, dass Putin seit Jahrzehnten einen bewegten, unruhigen Stand habe und es sich dabei um ein Muster handele, das bei ihm immer wieder zu beobachten sei.
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Parkinson: Symptome und Frühwarnzeichen
Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der Gehirnzellen, die Dopamin herstellen und für die Bewegung zuständig sind, nach und nach absterben. Ein typisches Symptom ist das Zittern von Händen und Füßen im Ruhezustand. Die Krankheit kündigt sich jedoch oft schon viel früher mit Warnzeichen an, die nichts mit der Motorik zu tun haben, wie z.B. ein eingeschränkter Geruchs- und Geschmackssinn, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Erektionsstörungen und eine veränderte Handschrift.