Der Zusammenhang zwischen Multipler Sklerose und Candida Albicans: Eine umfassende Analyse

Einleitung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass genetische Prädisposition und Umweltfaktoren eine Rolle spielen. In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen hervorgehoben. Störungen des Darmmikrobioms, auch als Dysbiose bezeichnet, werden mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter auch Autoimmunerkrankungen wie MS.

In diesem Artikel werden wir den potenziellen Zusammenhang zwischen Candida albicans, einem Hefepilz, der natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, und Multipler Sklerose untersuchen. Wir werden uns die Auswirkungen von Salz auf das Darmmikrobiom, die Rolle von Infektionen bei der Krebsentstehung und die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit des Gehirns ansehen.

Der Einfluss von Salz auf das Darmmikrobiom und Multiple Sklerose

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass ein Übermaß an Kochsalz in der Nahrung das Darmmikrobiom beeinflussen und den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose negativ beeinflussen kann. Die Forscher fanden heraus, dass ein hoher Salzkonsum die Anzahl der Laktobazillen im Darm von Mäusen reduzierte. Gleichzeitig stiegen der Blutdruck und die Zahl von Th17-Helferzellen, Immunzellen, die mit Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen wie MS in Verbindung stehen.

Interessanterweise konnten die Forscher diese negativen Auswirkungen von Salz durch die Gabe von probiotischen Laktobazillen umkehren. Die Probiotika milderten die neurologischen Symptome von experimenteller autoimmuner Encephalomyelitis (EAE), einem Krankheitsmodell für Multiple Sklerose. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Mikrobiom ein wichtiger Faktor für durch Salz beeinflusste Erkrankungen ist.

Um diese Ergebnisse am Menschen zu bestätigen, untersuchten die Forscher die Bakteriengemeinschaft im Verdauungstrakt von zwölf gesunden Männern, die 14 Tage lang sechs zusätzliche Gramm Kochsalz täglich erhielten. Auch hier reagierten die Darmbakterien der Gattung Lactobacillus empfindlich, und die meisten waren nach 14 Tagen erhöhter Salzaufnahme nicht mehr nachweisbar. Gleichzeitig stiegen der Blutdruck und die Zahl der Th17-Helferzellen im Blut der Probanden.

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Diese Ergebnisse legen nahe, dass ein hoher Salzkonsum das Darmmikrobiom negativ beeinflussen und möglicherweise das Risiko für MS erhöhen oder den Krankheitsverlauf verschlimmern kann. Die therapeutische Wirksamkeit von Laktobazillen, die vor allem in fermentierten Speisen wie Sauerkraut, Joghurt oder Käse zu finden sind, ist mit den neuen Ergebnissen nicht bewiesen.

Infektionen und Krebs: Ein komplexer Zusammenhang

Seit mehr als 100 Jahren gibt es Belege dafür, dass bestimmte Krebserkrankungen bei Hühnern eine infektiöse Ursache haben. In den 1950er- und 1960er-Jahren kam es zu einer „Renaissance“ im Erkennen von Infektionen als Krebsursachen, vor allem durch die Pionierarbeiten von Rous und Ludwik Gross. Heute wissen wir, dass bestimmte Viren, spezifische Bakterien und parasitäre Infektionen zu regional sehr unterschiedlichen Krebserkrankungen führen können.

Es gibt verschiedene Mechanismen, die bei der infektionsbedingten Karzinogenese das entstehende Krebswachstum erklären. Bei der direkten infektiösen Karzinogenese verbleiben Gene oder virale Gesamt-DNA in den Krebszellen. Bei der indirekten infektiösen Karzinogenese ist keine Persistenz in den induzierten Krebszellen notwendig, aber das maligne Wachstum resultiert von einer spezifischen Entzündungsreaktion mit Sauerstoff-Radikalbildung, die in replizierenden Zellen zufällig Mutationen erzeugt.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Infektionen zu Krebs führen. Einige nicht-tumorigene Infektionen des Menschen, wie Adenovirus Typen 12 und 18 oder die Polyomaviren BK und JC, infizieren viele Menschen persistent, ohne Krebs zu erzeugen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass bestimmte Infektionen bei Tieren, insbesondere bei Haustieren, nach Aufnahme in den nichtnatürlichen Wirt (Mensch) potenzielle Krebserreger sein können.

Die Forschung hat gezeigt, dass der langfristige und erhöhte Konsum von rotem Fleisch sowie von Milch- und Molkereiprodukten mit erhöhten Dickdarm- und Brustkrebsraten in Verbindung gebracht werden kann. Muttermilch enthält spezifische Oligosaccharide, die humanspezifisch sind und in bovinen Milchen nicht vorkommen. Diese Oligosaccharide binden an Lektinrezeptoren der Zellmembranen und verhindern eine Infektion der entsprechenden Zellen durch verschiedene Erreger. Darüber hinaus hat diese Bindung auch einen Schutzeffekt gegen das frühzeitige Auftreten von multipler Sklerose (MS) und einzelnen Tumorerkrankungen.

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Das Gehirnmikrobiom: Eine neue Perspektive auf neurologische Erkrankungen

In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend die Existenz eines Gehirnmikrobioms postuliert. Das Gehirnmikrobiom soll aus einer Teilmenge von etwa 20% des Darmmikrobioms bestehen. Die hämatogene Streuung mit Überwindung der Blut-Hirn-Schranke wird bei neurologischen Infektionen am häufigsten beobachtet. Die Blut-Hirn-Schranke kann durch Verletzungen, Entzündungen, zugrundeliegenden Erkrankungen, extrazellulärer DNA und Lipopolysacchariden (LPS) der Bakterien beeinträchtigt und für Mikroorganismen durchlässig werden.

Es gibt Hinweise darauf, dass spezifische zerebrale Mikroorganismen wie Chlamydia pneumoniae, H. pylori und Cutibacterium acnes, sowie Candida- und Malassezia-Arten zu einer Neuroinflammation führen können. Mikrobiom-bezogene Triggerfaktoren für prionogene beta-Amyloid- und Tau-Aggregation sind u. a. spezifische bakterielle extrazelluläre DNA und LPS, die ins Zentralnervensystem gelangen können.

Die Biopsiebefunde von lebenden Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zeigten im Vergleich zu Epilepsiepatienten signifikant höhere mikrobielle Sequenznachweise. Proteobakterien der weißen Hirnsubstanz bei progressiver MS waren mit höheren Entzündungsmarkern assoziiert, verglichen mit dem relapsing-remitting Subtyp. Im Gegensatz zu C. albicans konnten Candida glabrata, C. krusei und C. parapsilosis in Tiermodellen mit MS ins ZNS vordringen und die ersten beiden führten zu einer MS-Verschlechterung.

Die Rolle von Pilzen im Mikrobiom

Pilze spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem und im menschlichen Mikrobiom. Sie produzieren Substanzen, die Bakterien in Schach halten und unser Immunsystem stimulieren können. Erbgutanalysen belegen, dass im menschlichen Darm bis zu 1.400 unterschiedliche Mikrobenarten auf engstem Raum zusammenleben, darunter Bakterien, Pilze, Archaeen und Viren. Sie konkurrieren um Nahrung, Platz und Einfluss im Mikrobenfilz und interagieren miteinander über die Sprache der Mikroorganismen, kleine Moleküle, die ausgetauscht werden.

Nach einer Antibiotikakur vermehren sich manche Mikroben unkontrolliert und verdrängen andere, was zu Missklängen mit weitreichenden Konsequenzen führen kann. In Jena, am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie, hat man sich die Mammutaufgabe gestellt, die biochemischen Gespräche der Mikroben zu entziffern, um den Schlüssel zum Verständnis chronischer Krankheiten, einschließlich psychiatrischer Störungen, zu finden.

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Die Bedeutung der Darmflora für Multiple Sklerose

Die Darmflora hat einen grossen Einfluss auf das Wohlergehen des Menschen. Nun wurde auch ein direkter Zusammenhang zwischen Darmflora und Multipler Sklerose (MS) nachgewiesen. Forscher haben bestimmte Bakterien identifiziert, die im Darm von MS-Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden erhöht oder reduziert vorzufinden waren.

Störungen der Intestinalflora werden mit einigen Darmerkrankungen und allergischen Erkrankungen des atopischen Formenkreises in Zusammenhang gebracht. Wird das Gleichgewicht zwischen protektiven und potenziell pathogenen Spezies gestört, kann es zur Überwucherung mit proteolytischen Keimen sowie zur Vermehrung von Hefen wie Candida albicans kommen.

Die quantitative Darmfloraanalyse liefert wichtige Hinweise auf die Ursachen funktioneller Abdominalbeschwerden. Neben der qualitativen Untersuchung des Stuhls auf obligat pathogene Erreger umfasst die quantitative Darmfloraanalyse die Keimzahlbestimmung von aeroben und anaeroben Indikatorkeimen (Protektivflora), Keimen mit ausgeprägtem proteolytischem Stoffwechsel und Pilzen.

Diagnostische Marker für Darmerkrankungen

Es gibt verschiedene diagnostische Marker, die zur Beurteilung der Darmgesundheit verwendet werden können. Calprotectin und Lactoferrin sind Marker für Entzündungen im Darm. Das sekretorische Immunglobulin A (sIgA) spielt eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr im Darm. Pyruvatkinase (PK) ist ein Enzym, das bei der Zellproliferation eine Rolle spielt und bei gastrointestinalen Tumoren erhöht sein kann. Makroskopisch nicht erkennbares (okkultes) Blut im Stuhl kann bei zahlreichen pathologischen Prozessen des Gastrointestinaltraktes nachweisbar sein. α1-Antitrypsin (α1-AT) eignet sich zur Diagnostik und Verlaufskontrolle des intestinalen Proteinverlustes. Pankreatische Elastase (PE) wird zur Beurteilung der exokrinen Pankreasfunktion verwendet. Die Bestimmung der 24 h-Stuhlfettausscheidung kann als Screening-Test zum Nachweis einer Steatorrhoe bei Verdacht auf Malabsorbtion oder Maldigestion durchgeführt werden. Gallensäuren (GS) spielen eine wichtige Rolle bei der Resorption von Fettsäuren im Dünndarm. Zonulin reguliert die Permeabilität der Tight Junktions (TJ) des Darmepithels.

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