Ein Taubheitsgefühl oder Hitzegefühl im Unterbein in Verbindung mit hohem Blutdruck kann beunruhigend sein. Diese Symptome können auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hinweisen, die von harmlosen Zuständen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für diese Symptome, insbesondere im Zusammenhang mit hohem Blutdruck, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Hoher Blutdruck (Hypertonie) ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der in Deutschland rund 25 Millionen Menschen betroffen sind. Oftmals verläuft er schleichend und wird erst spät erkannt, da er lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome verursacht. Unbehandelter Bluthochdruck kann jedoch schwerwiegende Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden nach sich ziehen. Taubheitsgefühl und Hitzegefühl im Unterbein können in manchen Fällen Begleiterscheinungen von Komplikationen sein, die durch hohen Blutdruck entstehen. Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen, um frühzeitig die richtige Behandlung einzuleiten.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch als Schaufensterkrankheit bekannt, ist eine häufige Ursache für Durchblutungsstörungen in den Beinen. In Deutschland leiden schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Menschen über 60 Jahren an dieser Erkrankung. Bei der pAVK kommt es zu einer Verengung oder einem Verschluss der Arterien, die die Beine mit Blut versorgen. Dies wird meist durch Arteriosklerose verursacht, bei der sich Kalk und Fett an den Gefäßwänden ablagern.
Ursachen und Risikofaktoren der pAVK
Die Hauptursache für die pAVK ist die Arteriosklerose, auch bekannt als Gefäßverkalkung. Dabei lagern sich Plaques, bestehend aus Kalk, Blutfetten, Blutgerinnseln und Bindegewebe, an der Innenwand der Arterien ab und verengen so die Gefäße.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose und somit auch einer pAVK gehören:
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- Rauchen: Nikotin schädigt die Gefäße und fördert die Ablagerung von Plaques.
- Hoher Blutdruck: Erhöhter Blutdruck belastet die Gefäßwände und beschleunigt die Arteriosklerose.
- Hohe Blutfettwerte: Insbesondere ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel trägt zur Plaquebildung bei.
- Diabetes mellitus: Diabetes schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
- Bewegungsmangel und Übergewicht: Diese Faktoren fördern die Entstehung von Arteriosklerose.
- Genetische Faktoren: Eine familiäre Veranlagung kann das Risiko für Gefäßerkrankungen erhöhen.
Symptome der pAVK
Die Symptome der pAVK hängen vom Schweregrad der Erkrankung und dem Ausmaß der Durchblutungsstörung ab. In frühen Stadien verursacht die pAVK oft keine Beschwerden. Mit fortschreitender Erkrankung können folgende Symptome auftreten:
- Claudicatio intermittens (Schaufensterkrankheit): Krampfartige Schmerzen in den Beinen, insbesondere in den Waden, Oberschenkeln oder im Gesäß, die bei Belastung auftreten und in Ruhe wieder verschwinden. Die Betroffenen müssen aufgrund der Schmerzen immer wieder stehen bleiben, was zum Begriff "Schaufensterkrankheit" geführt hat.
- Ruheschmerzen: In fortgeschrittenen Stadien treten die Schmerzen auch in Ruhe auf, vor allem nachts, wenn die Beine waagerecht liegen.
- Kältegefühl und Taubheit: Die betroffenen Beine fühlen sich oft kalt und taub an.
- Blasse oder bläulich-marmorierte Haut: Die Haut kann aufgrund der mangelnden Durchblutung blass oder bläulich verfärbt sein.
- Schlechte Wundheilung: Wunden an den Füßen oder Beinen heilen schlecht und können sich leicht entzünden.
- Gangrän (Gewebsuntergang): In schweren Fällen kann es zum Absterben von Gewebe kommen, was sich durch schwarz verfärbte Stellen, meist an den Zehen, äußert.
Diagnose der pAVK
Die Diagnose der pAVK erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und verschiedene nicht-invasive Tests:
- Knöchel-Arm-Index (ABI): Messung des Blutdrucks an Arm und Knöchel. Ein niedriger ABI-Wert deutet auf eine pAVK hin.
- Doppler-Sonographie: Ultraschalluntersuchung der Beinarterien, um Verengungen oder Verschlüsse zu erkennen.
- Belastungstest: Messung der schmerzfreien Gehstrecke auf einem Laufband.
- Angiographie: Röntgenuntersuchung der Blutgefäße mit Kontrastmittel, um den genauen Verlauf der Arterien darzustellen.
Behandlung der pAVK
Die Behandlung der pAVK zielt darauf ab, die Durchblutung der Beine zu verbessern, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Sie umfasst in der Regel folgende Maßnahmen:
- Änderung des Lebensstils:
- Raucherentwöhnung: Der wichtigste Schritt, um das Fortschreiten der pAVK zu verlangsamen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie wenig gesättigten Fetten und Cholesterin.
- Regelmäßige Bewegung: Gehtraining ist eine wichtige Maßnahme, um die Durchblutung der Beine zu verbessern und die schmerzfreie Gehstrecke zu verlängern.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht belastet die Gefäße und sollte reduziert werden.
- Medikamentöse Therapie:
- Thrombozytenaggregationshemmer: Medikamente wie Aspirin oder Clopidogrel, die die Verklumpung von Blutplättchen verhindern und so das Risiko von Blutgerinnseln reduzieren.
- Statine: Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken und die Plaquebildung verlangsamen.
- Durchblutungsfördernde Medikamente: Medikamente wie Pentoxifyllin oder Cilostazol, die die Durchblutung der Beine verbessern können.
- Blutdrucksenkende Medikamente: Medikamente, die den Blutdruck senken und so die Gefäße entlasten.
- Interventionelle und operative Maßnahmen:
- Perkutane transluminale Angioplastie (PTA): Ein Katheterverfahren, bei dem die verengte Arterie mit einem Ballon aufgedehnt und gegebenenfalls ein Stent eingesetzt wird, um das Gefäß offen zu halten.
- Bypass-Operation: Ein chirurgischer Eingriff, bei dem eine Umleitung um die verengte oder verschlossene Arterie herum gelegt wird, um die Durchblutung wiederherzustellen.
- Atherektomie: Ein Verfahren, bei dem die Plaques in der Arterie mit einem speziellen Katheter entfernt werden.
Bluthochdruck und seine Auswirkungen auf die Beine
Hoher Blutdruck kann nicht nur die Entstehung einer pAVK begünstigen, sondern auch direkt zu Beschwerden in den Beinen führen. Durch den erhöhten Druck werden die Blutgefäße geschädigt und können sich verengen. Dies kann zu einer verminderten Durchblutung der Beine und Füße führen, was sich in Form von Taubheitsgefühl, Kältegefühl oder auch Schmerzen äußern kann.
Direkte Auswirkungen von Bluthochdruck auf die Gefäße
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt die Innenwände der Arterien. Es entstehen kleine Risse, in denen sich Cholesterin und andere Substanzen ablagern können. Dies führt im Laufe der Zeit zu einer Verhärtung und Verengung der Arterien (Arteriosklerose). Die Folge ist eine verminderte Durchblutung der Organe und Gewebe, einschließlich der Beine.
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Indirekte Auswirkungen von Bluthochdruck auf die Beine
Hoher Blutdruck kann auch indirekt zu Beschwerden in den Beinen führen, indem er andere Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen verstärkt. So kann er beispielsweise die Entstehung von Diabetes mellitus begünstigen oder zu erhöhten Blutfettwerten führen. Diese Faktoren wiederum erhöhen das Risiko für eine pAVK und andere Durchblutungsstörungen.
Andere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl und Hitzegefühl im Unterbein
Neben der pAVK und den direkten Auswirkungen von hohem Blutdruck gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Taubheitsgefühl und Hitzegefühl im Unterbein:
- Neuropathie: Schädigung der peripheren Nerven, z.B. durch Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vitaminmangel.
- Bandscheibenvorfall: Druck auf Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbelsäule.
- Restless-Legs-Syndrom: Unruhige Beine mit einem starken Bewegungsdrang, oft begleitet von Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Taubheitsgefühl oder Hitzegefühl in den Beinen verursachen.
- Durchblutungsstörungen anderer Ursache: Z.B. Vaskulitis (Gefäßentzündung) oder Raynaud-Syndrom (krampfartige Verengung der Blutgefäße in den Fingern und Zehen).
Diagnose und Abklärung
Bei Taubheitsgefühl und Hitzegefühl im Unterbein, insbesondere in Verbindung mit hohem Blutdruck, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei wird er unter anderem den Blutdruck messen, die Pulse in den Beinen tasten und die Hautfarbe und Temperatur der Beine beurteilen.
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B.:
- Neurologische Untersuchung: Prüfung der Nervenfunktion, um eine Neuropathie auszuschließen.
- Elektromyographie (EMG): Messung der Muskelaktivität, um Nervenschäden zu erkennen.
- Blutuntersuchungen: Überprüfung von Blutzucker, Blutfetten, Entzündungswerten und anderen Parametern.
- Bildgebende Verfahren: Röntgen, CT oder MRT, um andere Ursachen wie Bandscheibenvorfall oder Gefäßverengungen auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung von Taubheitsgefühl und Hitzegefühl im Unterbein richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer pAVK oder anderen Durchblutungsstörungen stehen die Verbesserung der Durchblutung und die Behandlung der Risikofaktoren im Vordergrund. Bei einer Neuropathie können Medikamente zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Nervenfunktion eingesetzt werden. Bei einem Bandscheibenvorfall kann eine konservative Therapie mit Schmerzmitteln und Physiotherapie ausreichend sein, in manchen Fällen ist jedoch eine Operation erforderlich.
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Unabhängig von der Ursache ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu pflegen, um die Gefäßgesundheit zu fördern und das Risiko für weitere Komplikationen zu reduzieren. Dazu gehören:
- Ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige Bewegung
- Raucherentwöhnung
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Gute Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten
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