Gehirn einfach malen: Eine Anleitung zur Förderung der Kreativität und des optimalen Gehirngebrauchs

Einführung

In einer Welt, die oft die linke Gehirnhälfte bevorzugt, ist es wichtig, die rechte, kreative Seite zu aktivieren und beide Hemisphären miteinander zu verbinden. Dieser Artikel bietet Anleitungen und Übungen, um das Zeichnen zu erlernen und gleichzeitig das Gehirn optimal zu nutzen.

Die Bedeutung der Gehirnhälften

Wenn die linke (verbale) und rechte (nonverbale) Gehirnhälfte gleichmäßig genutzt und miteinander verbunden werden, arbeitet das Gehirn optimal. Dies führt zu mehr Kreativität und einem verbesserten Wohlbefinden. Unser Bildungssystem neigt jedoch dazu, die linke Gehirnhälfte zu bevorzugen.

Der Verlust der kindlichen Kreativität

Fast alle Vorschulkinder malen unbekümmert drauf los und können mühelos zwischen dem bildlichen R-Modus (der rechten Gehirnhälfte) und dem für das Sprechen wichtigen L-Modus ihres Gehirns umschalten. Eine wichtige Veränderung findet im Gehirn statt, wenn sie zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr das Schreibenlernen abgeschlossen haben und ihnen die Bilder der Buchstaben „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind. Viele Kinder behaupten dann: „Ich kann nicht malen.“ Es fällt ihnen schwer, vom schreibenden L-Modus in den R-Modus „zurückzuschalten“.

Übung 1: Die Gesichterübung

Diese Übung hilft, den Unterschied zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte beim Zeichnen zu erfahren.

  1. Zeichnen Sie eine Vase, die gleichzeitig zwei Gesichter im Profil zeigt.
  2. Als Rechtshänder beginnen Sie mit dem rechten Gesicht (das nach links blickt), von oben nach unten. Denken Sie sich selbst ein Gesicht aus, anstatt die Figur direkt abzumalen.
  3. Zeichnen Sie nun auf der anderen Hälfte des Papiers das andere, spiegelverkehrte Gesicht. Es sollte dem ersten ähneln.

Was ist geschehen?

  • Das erste Gesicht wurde vom L-Modus angefertigt: Sie haben aus der Erinnerung symbolische Formen gezeichnet.
  • Das zweite Gesicht wurde vom R-Modus gezeichnet. Um ein symmetrisches Profil zu schaffen, mussten Sie sich auf die reine Form der ersten Linie konzentrieren, die Sie nun nicht mehr benannt oder in ihrer Bedeutung als Stirn, Nase erkannt haben.

Wiederholen Sie die Gesichterübung so oft Sie können.

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Übung 2: Das Abzeichnen im R-Modus

Mit dem einfachen Trick, Vorlagen um 180 Grad zu drehen, können Sie jede Strichzeichnung im R-Modus nachzeichnen.

  1. Nehmen Sie sich etwa 1/2 Stunde Zeit.
  2. Betrachten Sie ein Bild (z.B. Picassos Porträt von Igor Strawinsky) mindestens 1 Minute lang. Sehen Sie dabei nur auf die Linien: in welchem Winkel sie zusammentreffen, ob sie gerade sind oder geschwungen.
  3. Beginnen Sie oben mit dem Abzeichnen (z.B. dem Stuhl, auf dem Strawinsky sitzt). Fügen Sie wie bei einem Puzzle eine Linie an die andere.
  4. Vertrauen Sie darauf, dass sich nach einiger Zeit Ihr L-Modus von selbst ausschaltet.
  5. Drehen Sie Ihr fertiges Bild herum.

Übung 3: Blindes Konturenzeichnen

Das blinde Konturenzeichnen ist die am weitesten gehende Abschaltung des L-Modus Ihres Gehirns.

  1. Setzen Sie sich so, dass Sie Ihre Zeichenhand ungehindert auf dem Papier bewegen können.
  2. Zeichnen Sie alle Konturen Ihrer Hand, die Sie sehen, und blicken Sie dabei nie auf das, was Sie zeichnen.
  3. Bewegen Sie Ihren Blick ganz langsam, Millimeter um Millimeter, an einer Randlinie Ihrer Hand entlang, und bewegen Sie im gleichen Tempo Ihren Stift über das Papier.
  4. Achten Sie darauf, dass Ihr Blick eine durchgehende Linie bildet, Sie also nie an einer neuen Stelle ansetzen, sondern auf der alten Linie „zurückfahren“.

Wenn Sie diese Übung wiederholen, wird Ihr kritischer L-Modus („Du kannst doch gar nicht zeichnen!“) immer weiter zurück gedrängt, und der Weg zu einer ganz neuen Wahrnehmung ist frei.

Die Herausforderung des Zeichnens aus dem Kopf

Viele Anfänger sind unzufrieden, wenn sie versuchen, etwas aus dem Kopf oder aus der Fantasie zu zeichnen. Dies liegt daran, dass unser Gehirn Informationen filtert und Klischees abspeichert (z.B. ein Mensch hat einen runden Kopf, einen geraden Körper, Arme und Beine). Versucht man nun, etwas zu zeichnen, entsteht eine Abbildung, die diese Klischees wiedergibt.

"Sehen lernen"

Man muss beim Zeichnen lernen, die Dinge unvoreingenommen zu betrachten, so als würde man das, was man zeichnen will, zum ersten Mal sehen. Das ist es, was man beim Zeichnen lernen als „Sehen lernen“ bezeichnet. Selbst das Abzeichnen vom realen Modell ist eine große Herausforderung, was zeigt, wie unrealistisch die Erwartung ist, etwas einfach aus dem Kopf zeichnen zu können. Ein Motiv aus dem Kopf zu zeichnen gelingt in der Regel nur, wenn man das Objekt bereits unzählige Male abgezeichnet hat.

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Die Rolle des Gehirns beim Zeichnen

In Büchern, auf Internetseiten, die sich mit dem Thema beschäftigen, in Anleitungen und Ratgebern sowie in Kursen wird immer wieder erklärt, dass jeder das Zeichnen lernen kann. Nun wird sich so mancher aber vielleicht fragen, was das Gehirn denn mit dem Zeichnen zu tun haben soll.

Kinder zeichnen meist ganz spontan und ohne sich großartig Gedanken zu machen. Sie nehmen einfach einen Stift und ein Stück Papier zur Hand und malen drauflos. Ob das Männchen, das Haus, das Tier, der Baum oder das Auto, das sie gezeichnet haben, Ähnlichkeit mit der realen Vorlage hat oder ob nicht, kümmert sie wenig. Ab etwa dem zehnten Lebensjahr ändert sich diese natürliche, unverfälschte Haltung. Die Zeichnungen aus frühen Kindertagen wirken irgendwie komisch und falsch. Stattdessen wird zunehmend versucht, genau hinzusehen und so zu zeichnen, wie die Motive tatsächlich aussehen.

Die linke und rechte Gehirnhälfte beim Zeichnen

Die Schwierigkeit, die sich dabei ergibt, besteht darin, dass das, was die Augen sehen, nicht mit dem übereinstimmt, was die linke Gehirnhälfte an Wissen gespeichert hat. So weiß die linke Gehirnhälfte beispielsweise, dass sich ein Würfel aus sechs gleichgroßen Flächen zusammensetzt. Für die Augen hingegen wirken die Flächen unterschiedlich groß und je nach Perspektive ändern sich diese Größenverhältnisse auch noch.

Die Arbeitsweise des Gehirns damit zu erklären, dass sich das Gehirn in eine rechte und eine linke Gehirnhälfte einteilen lässt und jeder der beiden Gehirnhälften bestimmte Fähigkeiten zugeordnet werden können, ist sicherlich sehr stark vereinfacht. Aber durch diese sehr vereinfachte Erklärung lässt sich recht gut veranschaulichen, wie Daten verarbeitet werden.

Beim Zeichnen geht es zunächst einmal darum, ein Motiv mit den Augen abzutasten. Dabei kümmert sich die visuelle Wahrnehmung nicht um das Motiv als solches, sondern zerlegt es in Einzelteile und nimmt Linien, Striche, Punkte, Kurven und Winkel wahr. Für die Verarbeitung von solchen bildlichen Daten und Informationen ist die rechte Gehirnhälfte zuständig. Die Schwierigkeit besteht nun aber darin, dass sich im Zuge der Datenverarbeitung auch die linke Gehirnhälfte einschaltet. Die linke Gehirnhälfte ist für das begriffliche Denken verantwortlich und ruft die Informationen ab, die sie zu einem bestimmten Begriff oder Symbol abgespeichert hat. Die rechte Gehirnhälfte ist, vereinfacht erklärt, für das bildliche Denken zuständig. Beim Zeichnen, bei dem es ja darauf ankommt, Bilder zu sehen und wiederzugeben, wäre also die rechte Gehirnhälfte gefordert. Da die linke, begriffsorientierte Gehirnhälfte jedoch ihre vorhandenen Informationen beisteuert, fällt es vielen schwer, das zu zeichnen, was sie tatsächlich sehen.

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Zeichentechniken und Regeln

Aus diesem Grund beschäftigen sich viele Anleitungen und Kurse mit den verschiedenen Zeichentechniken und den Regeln zum Aufbau von Motiven, zur Perspektive oder zum richtigen Setzen von Lichtern und Schatten. Das Zeichnen ist prinzipiell weniger eine Frage des Talents oder der Fähigkeit, einen Stift gekonnt über das Papier zu führen. Stattdessen ist das Zeichnen in erster Linie eine Frage des richtigen Sehens. Dies wiederum lässt sich trainieren, indem verstärkt mit der rechten Gehirnhälfte gearbeitet und die linke Gehirnhälfte gleichzeitig ausgetrickst wird.

Übungen zum Aus"tricksen" der linken Gehirnhälfte

  1. Abpausen: Zu Übungszwecken ist es sehr hilfreich, wie ein Fotokopierer vorzugehen. Besonders zu bekannten Motiven wie beispielsweise Bäumen, Häusern oder Gesichtern sind nämlich viele Informationen abgespeichert, die unbewusst in die Zeichnung einfließen. Ein bewährter Trick, um einen Baum oder ein Haus zu zeichnen, besteht darin, ein Blatt Papier auf die Fensterscheibe zu legen und die Konturen nachzufahren. Durch dieses Abpausen entsteht eine Skizze, die anschließend weiter ausgearbeitet werden kann. Genauso lassen sich Motive mithilfe von Fotos üben.
  2. Vorlage auf den Kopf stellen: Eine andere Möglichkeit, um die linke Gehirnhälfte beim Zeichnen auszutricksen, besteht darin, die Vorlage auf den Kopf zu stellen. Dadurch erkennt die linke Gehirnhälfte keine typischen Symbole und weil sie deshalb auch keine dazugehörigen Informationen beisteuern kann, überlässt sie die Arbeit der rechten Gehirnhälfte. Diese wiederum kann sich ohne Einmischungen auf das konzentrieren, was die Augen sehen.
  3. Spiegel verwenden: Ein probates Mittel aus der Trickkiste ist aber auch ein Spiegel. Dreht sich der Zeichner um und sieht er sich seine Zeichnung in einem Spiegel an, werden ihm Stellen auffallen, die noch nicht stimmig sind und überarbeitet werden sollten.

Wie man anfängt: Grundlagen des Zeichnens

  1. Grundausstattung: Papier, Bleistifte, ein gut beleuchteter Arbeitsplatz.
  2. Freies Zeichnen: Beginnen Sie jede Zeichenübung mit dem Zeichnen von wilden Formen und Strichen, Kreisen, Bögen usw., um Körper und Geist zu lockern. Achten Sie darauf, wie Bleistifte und Papier zusammenwirken, und experimentieren Sie mit unterschiedlicher Intensität.
  3. Zeichnen nach der Natur: Um Zeichnen zu lernen, sollte man zunächst nach der Natur zeichnen, da man dadurch Kriterien hat. Man kann sehen und benennen, was richtig und was falsch ist.

Das Zusammenspiel von Gehirn, Augen und Hand

Zeichnen ist das Zusammenwirken von Gehirn, Augen und Hand. Die Augen erzeugen ein Bild, in dem Sie sich einen rechteckigen Rahmen vor Ihrem Auge vorstellen und das, was Sie sehen, ist Teil des Bildes, um den ein Rahmen liegt. Suchen Sie sich einen Mittelpunkt und zeichnen Sie um den Mittelpunkt des Bildes herum, was Sie sehen. Füllen Sie die Flächen, die noch unbearbeitet sind, nach und nach auf. Zunächst die Kanten der Gegenstände. Sie können gerne schon versuchen, Helle und Dunkle Bereiche herauszuarbeiten.

Zeichnen als Entspannungstechnik

Die Nachfrage an Stiften ist in den letzten Jahren gestiegen. Ausmalbücher für Erwachsene liegen im Trend, ebenso wie Zentangle-Kurse, in denen man lernt, über das Zeichnen einfacher Muster zu entspannen. Beim Malen sind wir fokussiert und bekommen den Kopf frei. Zentangle ist eine Technik, bei der man durch das Zeichnen bestimmter Muster (Blumen, Körbe oder Katzen) entspannt. Über verschiedene Striche, Punkte, Kreise und Kurven entstehen so vielfältige Muster. Zeichnen hilft, Stress zu regulieren und etwas ausgeglichener zu werden. Während des Zeichnens kann man einfach nur entspannen oder sich auch gezielt mit bestimmten Emotionen auseinandersetzen. Es soll auch helfen, Blockaden aufzulösen. In der Kunsttherapie wird genau das gemacht: Indem man seine Gefühle darstellt, bekommt man einen besseren Zugang zu sich selbst. Das Gehirn reagiert auf Kunst über das Belohnungszentrum und ruft entsprechend angenehme und anregende Gefühle hervor. Wer regelmäßig zeichnet, verändert sogar sein Gehirn.

Tipps für mehr Abwechslung beim Zeichnen

Um Abwechslung und neue Impulse in das Zeichnen zu bekommen, lohnt es sich, verschiedene Stifte oder Materialien zu benutzen:

  • Buntstifte: Eignen sich sehr gut für Zeichnungs-Einsteiger und zum Colorieren.
  • Fasermaler: Sind sehr farbintensiv und eignen sich für Comics, Mangas oder Grafik- oder Produktdesign.

Kreative Ideen für den Kunstunterricht

In der Schule sollen wir im Fach Kunst in einen Schuhkartondeckel unsere Gefühle bei einer Prüfung künstlerisch umsetzten. Eine Idee ist, ein Gehirn in die Mitte zu kleben.

Anleitungen zum Nachstellen eines Gehirnmodells:

  1. Styroporkugel: Eine größere Styroporkugel (2-5 Euro) in zwei Hälften (eine größere und eine kleinere) schneiden, wobei nur eine Hälfte (die größere) benötigt wird. Diese Hälfte etwas ins Ovale mit einem Küchenmesser abformen und dann nochmals halbieren. Hirn in Farbdruck 2 x ausdrucken (von oben, nicht seitlich) und mit halb Bastelleim, halb Wasser Mischung (wie Kleister) an die Styroporhälften ankleben. Nach dem Trocknen die beiden Hälften mit einem kleinen Pappetrennstück aneinanderkleben, sodass ein leichter Spalt dazwischen ist. Statt der Styroporkugel kann man auch Zeitungsknäuel und Tixo nehmen, um die Grundform zu schaffen.
  2. Montageschaum: Eine Sprayflasche mit Montageschaum im Baumarkt kaufen. Den Schaum gegen einen aufrechten Karton sprühen und die entstehenden Wülste beim Sprühen geschickt übereinander führen, sodass sie wie eine Gehirnhälfte aussehen. Zwei spiegelbildliche Hälften mit Schaschlik Stäben aneinander stecken.
  3. Zeitungspapier: Zwei Außenseitenzeitungspapier (Größe etwa wie von Bild oder SZ) mit möglichst vielen Falten so in Form knüllen, dass es wie die beiden Gehirnhälften in Draufsicht aussieht.
  4. Strickliesel: Aus Stoffwürsten, die mit einer Strickliesel hergestellt wurden, ein Gehirn basteln.

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