Gehirn einschalten: Eine Comic-Erklärung zum gehirngerechten Lernen und Wissensaufbau

Jedes Kind ist ein Wunderwerk des Lernens. Ohne Pauken, Grammatikstunden oder stupides Auswendiglernen erwerben Kinder ihre Muttersprache. Früher hieß es: Stillsitzen, lesen, wiederholen - eine Einheitsmethode für alle. Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute wissen wir, dass jedes Kind anders lernt. Eltern und Lehrer müssen den individuellen Lerntyp erkennen und den Lernstoff entsprechend aufbereiten.

Individuelle Lernwege erkennen

Es gibt so viele Lerntypen wie Kinder. Die Wissenschaft hat verschiedene Kategorien aufgestellt, aber für Eltern und Lehrer ist vor allem eines wichtig: Dem Kind die Möglichkeit geben, selbst herauszufinden, wie es am besten lernt.

  • Lernen mit und ohne Musik: Ob klassische Klänge von Bach oder moderne Beats aus den 1960ern, die Lautstärke kann variiert werden.
  • Lernen in verschiedenen Haltungen: Die Vorstellung vom aufrechten Sitzen im 90°-Winkel ist überholt. Manche bevorzugen es, sich anzulehnen, andere sitzen lieber vornübergebeugt.
  • Lernen vor und nach dem Essen: Während der eine nach dem Essen müde wird, ist ein anderer besonders leistungsfähig.
  • Lernen mit oder ohne direkte Betreuung: Manche Kinder arbeiten lieber selbstständig und klären Fragen erst später mit einem Erwachsenen.

Es ist wichtig, dem Kind die Freiheit zu geben, seine eigene Lernumgebung und -methode zu finden. Kinder haben oft ein intuitives Gespür dafür, was für sie funktioniert.

Gehirn-gerechtes Lernen nach Vera F. Birkenbihl

Der Begriff "gehirn-gerecht" stammt von Vera F. Birkenbihl, einer Pionierin der deutschen Lernforschung. Sie war der Ansicht, dass jeder Lernstoff so aufbereitet werden kann, dass er vom Gehirn optimal aufgenommen wird. Dafür müssen wir jedoch die Funktionsweise unseres Gehirns verstehen.

Das Wissensnetz-Modell

Birkenbihl entwickelte das Modell des Wissensnetzes. Stell dir vor, dein Gehirn ist ein riesiges Spinnennetz, das alles umfasst, was du bereits weißt. Neue Informationen sind wie Fliegen, die auf dieses Netz zufliegen. Wenn die Information etwas Ähnliches im Netz findet, bleibt sie hängen und verdichtet das Netz. Je dichter das Netz, desto leichter bleiben neue Informationen hängen.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Beispiel: Der Lehrer erklärt im Deutschunterricht den Begriff "Substantiv". Felix hat das Wort noch nie gehört und kann nichts damit anfangen. Kevin hingegen kennt den Begriff "Substanz" von seinem Vater, einem Chemiker. Kevin kann das neue Wort leichter speichern, weil es in seinem Wissensnetz bereits eine ähnliche Information gibt.

Das Wissensnetz erweitern

Um das Wissensnetz zu fördern, muss man dem Gehirn Informationen anbieten. Hier einige Anregungen:

  • Lesen: Ermutige Kinder zum Lesen, egal ob Bücher oder Zeitschriften. Lesen fördert das Sprachverständnis und die Ausdrucksfähigkeit.
  • Fernsehen: Interessante Magazine und Dokumentationen, besonders für Kinder, können komplexe Themen durch das Zusammenspiel von Sprache und Bildern verständlicher machen.
  • Vorbild sein: Kinder lernen von ihren Eltern. Wenn Eltern selbst lesen und sich für Dokumentationen interessieren, wird das Kind dies eher übernehmen.
  • Alltägliche Erlebnisse: Ein Großteil des Wissensnetzes bildet sich durch alltägliche Erlebnisse. So lernt ein Kind seine Muttersprache, indem es von Menschen umgeben ist, die sie sprechen.
  • Fremdsprachen: Filme im Originalton mit Untertiteln sind eine gute Möglichkeit, mit fremden Sprachen in Kontakt zu kommen.

Das Spiel "Stadt-Land-Fluss"

Das bekannte Spiel "Stadt-Land-Fluss" ist eine einfache und unterhaltsame Methode zur Erweiterung des Wissensnetzes. Die Themenliste kann beliebig erweitert werden.

Mind Mapping: Kreativität und Struktur vereinen

Der Engländer Tony Buzan entdeckte eine Arbeitstechnik wieder, die bereits im Mittelalter populär war: Mind Mapping. Diese Methode entspricht der Arbeitsweise des Gehirns und regt die Kreativität an.

Wie funktioniert Mind Mapping?

Mind Mapping verbindet bildhafte und sprachliche Darstellung von Sachverhalten. Es entsteht ein Bild, das Stichworte zueinander in Beziehung setzt.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

So geht's:

  1. Verwende unliniertes Papier.
  2. Zeichne ein Bild, um das zentrale Thema der Mind Map darzustellen.
  3. Denke über die Hauptthemen (entsprechend Kapitelüberschriften) nach.
  4. Schreibe diese Themen mit einem Wort in Blockschrift auf einen Hauptast.
  5. Füge eine zweite Gedankenebene in Form von Zweigen hinzu.
  6. Verwende bei der Gestaltung der Mind Map Schlüsselworte, Pfeile und Codes.
  7. Rahme einzelne Hauptäste und deren Verzweigungen ein.

Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche beim Anwenden der Mind-Mapping-Methode Spaß haben. Manchmal ist es sinnvoll, ein Mind Map abseits der Regeln zu gestalten. Das ist in Ordnung. Mind Mapping ist so einfach, dass sogar Kinder es sehr schnell erlernen.

Mind Mapping sollte so früh wie möglich erlernt und in die eigene Arbeitsweise integriert werden, da diese Technik im Berufsleben immer häufiger zur Visualisierung eingesetzt wird. Auch hier gilt, dass Eltern und Erzieher Vorbildfunktion haben.

Die Lernkartei: Wissen im Griff

Die Lernkartei ist eine bewährte Methode, um Wissen zu festigen und zu wiederholen.

Was wird benötigt?

  • Ein kleiner Karteikasten im Format DIN A6 oder DIN A7.
  • Passende Karteikarten, liniert, kariert oder blanko.
  • Einteilungsblätter für den Karteikasten.

So funktioniert die Lernkartei

  1. Beschrifte die Karteikarten: Auf die Vorderseite kommt eine Frage, auf die Rückseite die Antwort.
  2. Lege die beschrifteten Karten in den Karteikasten und platziere die Einteilungsblätter so, dass 5 Abteilungen entstehen.
  3. Nimm die vorderste Karteikarte aus dem Kasten.
  4. Lies die Frage auf der Vorderseite und versuche, sie in Gedanken zu beantworten.
  5. Überprüfe die Antwort anhand der Kartenrückseite.
  6. Wenn du die Frage richtig beantwortet hast, stecke die Karte in der zweiten Abteilung ganz ans Ende.
  7. Wiederhole diesen Vorgang so lange, wie Karten in der ersten Abteilung vorhanden sind.
  8. Ist die erste Abteilung leer, wiederhole den Vorgang mit den Karten aus der zweiten Abteilung und stecke sie bei richtiger Beantwortung in die dritte Abteilung.
  9. Fahre so mit der dritten und vierten Abteilung fort.

Regelmäßiges Üben ist wichtig. Die Lernkartei kann überallhin mitgenommen werden. Es gibt sie auch als Computerprogramm, was zusätzliche Lernmotivation bieten kann.

Brain Food: Ernährung für das Gehirn

Der Mensch ist, was er isst. Wissenschaftler haben bewiesen, dass die Ernährung einen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns hat.

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

Was sollten Studenten im Examensstress essen?

Statt Traubenzuckerorgien sind stärkehaltige und ballaststoffreiche Produkte ratsam. Auch Studentenfutter ist nicht schlecht.

Wie verarbeitet der Körper Nahrung?

Glukose (Einfachzucker) wird zwar benötigt, aber Mehrfachzucker, der in stärkehaltigen Produkten enthalten ist, wird während der Verdauung langsam aufgespalten und gelangt allmählich in die Blutbahn.

Welche Getränke sind empfehlenswert?

Studenten sollten versuchen, täglich drei Liter Wasser, frische Säfte und Kräutertees zu trinken. Kaffee sollte nur in Maßen genossen werden.

Ein ideales Frühstück für das Gehirn

Magerjoghurt, Buttermilch, Kefir und Magerquark sind ein idealer Start in den Tag.

Brain Food in der Kantine

Bestimmte Nahrungskombinationen fördern die Produktion von Neurotransmittern und Hormonen im Gehirn. Achte auf die richtige Kombination von frischem Gemüse, Fisch, Geflügel, Linsengerichten und guten Ölen.

Optogenetik: Gedankensteuerung mit Licht

Gero Miesenböck und Alexander Gottschalk sind Pioniere der Optogenetik. Sie manipulieren Lebewesen gentechnisch, um sie mit Licht zu steuern.

Gero Miesenböck: Der Herr der Fliegen

Miesenböck baute einen Lichtsensor in die Zellen von Taufliegen ein. Der Sensor reagiert auf Licht und aktiviert bestimmte Nervenzellen. Die Fliegen heben ab, auch wenn sie es nicht wollen. Miesenböck hat sogar die Geruchsvorlieben der Fliegen verändert.

Alexander Gottschalk: Fernsteuerung von Fadenwürmern

Gottschalk verwendet den Fadenwurm Caenorhabditis elegans als Versuchstier. Mit Lichtsignalen kann er die Bewegungen des Wurms beeinflussen. Er nutzt Channelrhodopsin 2, ein Eiweiß aus Grünalgen, das sich mit blauem Licht an- und ausschalten lässt. Er hat auch Halorhodopsin entwickelt, das mit gelbem Licht aktiviert wird und als Gegenspieler zu Channelrhodopsin 2 wirkt.

Florian Engert: Fische in der Matrix

Florian Engert versetzt Zebrafische in eine virtuelle Welt, in der sie sich frei bewegen können. Er kombiniert diese virtuelle Realität mit Optogenetik, um die Aktivität der Nerven im Fisch zu kontrollieren.

Karl Deisseroth und Stefan Herlitze: Optogenetik bei Säugetieren

Karl Deisseroth und Stefan Herlitze haben optogenetische Methoden zur Forschung mit Säugetieren entwickelt. Sie schleusen die Gene für die Lichtsensoren in das Gehirn von Mäusen ein und können so deren Verhalten mit Licht beeinflussen.

Gedächtnistricks für den Alltag

Neben den genannten Methoden gibt es noch weitere Tricks, um das Gedächtnis zu verbessern:

  • Türöffnungen: Das Durchgehen durch Türöffnungen kann das Gedächtnis beeinflussen. Versuche, dir bewusst zu machen, was du gerade tust, bevor du eine Tür durchgehst.
  • Faust ballen: Wenn du Rechtshänder bist, balle deine rechte Faust, bevor du dir etwas merken musst, und balle deine linke Hand, wenn du dich daran erinnern musst.
  • Schlaf: Dein Gehirn verarbeitet Informationen während des Schlafs und konsolidiert sie in dein Langzeitgedächtnis. Sorge für ausreichend Schlaf (7-9 Stunden).
  • Meditation: Meditation und Achtsamkeit können dir dabei helfen, wichtige Erinnerungen länger im Gedächtnis zu behalten.
  • Sport: Sport erhöht den Ausstoß eines Proteins, das die Gesundheit von Neuronen unterstützt und die Bildung neuer Zellen fördert. Besonders Gewichtheben ist empfehlenswert.
  • Elaborate Probe: Denke darüber nach, wie sich neue Informationen auf das bezieht, was du bereits weißt.
  • Kaugummi kauen: Kaugummi kauen kann bei visuellen und audiogedächtnisaufgaben helfen, insbesondere für die Erinnerung im Langzeitgedächtnis.
  • Spieleabende: Organisiere wöchentliche Spieleabende, um dein Gedächtnis zu trainieren.
  • Lautes Vorlesen: Lautes Vorlesen kann dir dabei helfen, dich später an das Gelesene zu erinnern.
  • Hintergrundmusik vermeiden: Hintergrundmusik kann ablenkend wirken.

Verirrungen: Das eigene Denken einschalten

Leo Tolstoi sagte: "Die Verirrung hört deshalb nicht auf, Verirrung zu sein, weil die Mehrzahl sie teilt." Es ist wichtig, das eigene Denken einzuschalten und Recht von Unrecht zu unterscheiden. Wilhelm Busch schrieb in seinem Gedicht "Woher, wohin?": "Ewig an des Lebens Küsten wirst du scheiternd untergehn." Wir sollten die Vergangenheit als Lehrer nutzen, aber unser "Wohin" nicht aus den Augen verlieren.

tags: #gehirn #einschalten #comic