Gehirnerschütterung: Dauer und Heilungsprozess

Eine Gehirnerschütterung, auch als Commotio cerebri bekannt, ist eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas (SHT Grad 1). Sie entsteht durch eine Gewalteinwirkung auf den Kopf, die zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns führt. Obwohl das Gehirn nicht bleibend geschädigt wird, benötigt es Zeit, um sich zu regenerieren. Die Dauer der Heilung einer Gehirnerschütterung kann variieren, und es gibt verschiedene Faktoren, die den Genesungsprozess beeinflussen können.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Der Begriff Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) ist veraltet. Heutzutage wird sie als leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas angesehen. Es handelt sich um eine Verletzung des Schädels mit Gehirnbeteiligung. Zeichen dafür sind Bewusstseinsstörungen, auch Erinnerungslücken können auftreten. Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma dauert die Bewusstlosigkeit definitionsgemäß nicht länger als eine halbe Stunde. Außerdem hält ein Gedächtnisverlust (Amnesie) nicht länger als 24 Stunden an. Betroffene erholen sich von einer Gehirnerschütterung meist vollständig. Sie sollten sich aber bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ärztlich untersuchen lassen.

Symptome einer Gehirnerschütterung

Zu den typischen Anzeichen einer Gehirnerschütterung gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Verwirrtheit
  • Verlangsamung im Denken
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration und Orientierung
  • Gedächtnisverlust
  • Bewusstlosigkeit (in manchen Fällen)
  • Nackenschmerzen
  • Denkstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Schlafstörungen
  • Ausgeprägte Müdigkeit (Fatigue)
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Nervosität
  • Depressive Verstimmungen
  • Veränderter Geruchs- oder Geschmackssinn

Die Symptome können unmittelbar nach dem Ereignis auftreten oder sich erst Stunden oder Tage später zeigen. In der Regel klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage oder Wochen ab. Bei manchen Betroffenen können jedoch über einige Wochen bis Monate weiterhin Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafschwierigkeiten, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit oder Reizbarkeit bestehen.

Ursachen einer Gehirnerschütterung

Eine Gehirnerschütterung entsteht durch eine Gewalteinwirkung auf den Kopf, beispielsweise infolge von:

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  • Stürzen
  • Sportverletzungen
  • Verkehrsunfällen
  • Arbeitsunfällen
  • Haushaltsunfällen
  • Stoß, Schlag, Sturz oder Zusammenprall

Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma kommt es nicht zu einer schwerwiegenden Hirnschädigung, jedoch werden Nervenstrukturen durch die Erschütterung vorübergehend in ihrer Funktion beeinträchtigt.

Diagnostik einer Gehirnerschütterung

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und des Unfallhergangs
  • Körperlicher Untersuchung: Überprüfung der neurologischen Funktionen
  • Bildgebenden Verfahren: In manchen Fällen werden Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt, um andere Verletzungen auszuschließen.

Therapie einer Gehirnerschütterung

Die Therapie einer Gehirnerschütterung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Regeneration des Gehirns zu unterstützen. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Körperliche und geistige Ruhe: In den ersten Tagen nach der Gehirnerschütterung sollten sowohl körperliche als auch geistige Anstrengungen vermieden werden. Aktivitäten wie Fernsehen, Arbeiten am Computer, Lesen und Sport sollten zunächst eingeschränkt werden.
  • Schrittweise Wiederaufnahme von Alltagsaktivitäten: Entgegen früheren Annahmen können Betroffene sich relativ frühzeitig (etwa 24 bis 72 Stunden nach dem Ereignis) und in enger Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt wieder an Alltagsaktivitäten herantasten, da das eine schnellere Genesung fördert. Überlasten sollten sie sich jedoch nicht.
  • Medikamentöse Behandlung: Bei Bedarf können Medikamente gegen Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit verordnet werden. Keinesfalls sollten Betroffene nach einer Gehirnerschütterung auf eigene Faust Medikamente einnehmen.
  • Verzicht auf Alkohol: Während der Erholungsphase nach einer Gehirnerschütterung sollten Sie auf Alkohol verzichten, denn Alkohol und Drogen können den Heilungsverlauf deutlich verzögern und Sie einem weiteren Verletzungsrisiko aussetzen.

Einfluss der Bildschirmzeit auf die Heilungsdauer

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die Bildschirmzeit in den ersten 48 Stunden nach einer Gehirnerschütterung einen Einfluss auf die Dauer der Gehirnerschütterung-Symptome haben kann. Die Studie ergab, dass eine geringere bzw. besser keine Nutzung elektronischer Bildschirme für die ersten 48 Stunden nach einer Gehirnerschütterung die Dauer der Gehirnerschütterung-Symptome um durchschnittlich 4 Tage verkürzen kann.

Studiendetails

In einer randomisierten, kontrollierten Studie wurden 125 Teilnehmer im Alter zwischen 12 und 25 Jahren untersucht, die innerhalb von 24 Stunden nach dem Trauma in die Notaufnahme des Krankenhauses kamen. Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:

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  • Gruppe 1: Uneingeschränkte Bildschirmzeit erlaubt
  • Gruppe 2: Verzicht auf jegliche Art von Bildschirmen für 48 Stunden

Die Studie zeigte, dass die Gruppe mit eingeschränkter Bildschirmzeit eine kürzere Dauer der Gehirnerschütterung-Symptome aufwies. Dies könnte Kinder, die schneller wieder aktiv werden wollen (Freunde, Freizeit, Sport, Schule usw.) motivieren, für eine überschaubare Zeit ihre Medienzeit einzuschränken.

Art der Bildschirmnutzung

Es kommt aber offenbar auch auf die Art der Bildschirmnutzung an. Andere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Bildschirmnutzung, die beispielsweise soziale Kommunikation und Lernen (Videokonferenzen, SMS, Chat) ermöglichen auch vorteilhaft sein können. Denn: Das Gehirn benötigt offenbar doch auch „fördernde“ Umwelteinflüsse, um sich zu erholen. Ein gewisses Maß an kognitiver, „produktiver“ Aktivität nach der akuten Phase könnte also ein Vorteil sein, selbst wenn diese Aktivität mit Bildschirmen verbunden ist.

Es sind also noch zukünftige Studien erforderlich, um die Auswirkungen verschiedener Arten der Bildschirmnutzung während der akuten Phase nach einer Gehirnerschütterung zu bestimmen und zu untersuchen.

Auswirkungen auf die Rückkehr zu Schule und Sport

Obwohl die Dauer der Gehirnerschütterung-Symptome in der „medienbefreiten“ Gruppe deutlich kürzer war, gab es in dieser Studie keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Zeit bis zur Rückkehr in die Schule oder den Sport. Es kommt aber natürlich auch nicht immer nur auf das „OB“ (die Kinder in die Schule gehen können), sondern auch auf das „WIE“ (fühlen sie sich dann) an! Ohne Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen fühlen sich Kinder in ihrem Alltag doch besser!

Empfehlungen für die Behandlung

Laut den Autoren der Studie und dem dazu gehörigen Editorial wird diese Studie die Empfehlungen für die Behandlung einer Gehirnerschütterung grundlegend verändern: Neue Richtlinien werden wahrscheinlich Begrenzungen der Bildschirmzeit für die ersten 48 Stunden nach der Verletzung als empfohlene Behandlung beinhalten.

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Wann ist schnelle Hilfe erforderlich?

In fast allen Fällen sollte ärztliche Hilfe hinzugezogen werden. Nur wenn Menschen nach einer relativ leichten Gewalteinwirkung am Kopf völlig beschwerdefrei sind, unter 60 Jahre alt und auch sonst gesund sind, kann eine ärztliche Vorstellung zunächst unterbleiben. Bei Symptomen wie:

  • Bewusstlosigkeit
  • Wiederholtem Erbrechen
  • Krampfanfällen
  • Unklarem Sprechen
  • Unterschiedlich großen Pupillen

sollte umgehend der Notruf 112 verständigt werden.

Gehirnerschütterung beim Baby

Ein Sturz vom Wickeltisch oder aus dem Hochstuhl ist schnell passiert - und sollte immer ärztlich untersucht werden. Kleinkinder und Babys können andere Symptome als Erwachsene aufweisen und die Beurteilung des Schweregrads ist schwieriger, weil sie sich nicht äußern können. Liegt eine Gehirnerschütterung vor, treten bei Babys Symptome wie Erbrechen, Unruhe und Weinen, Veränderungen im Schlafmuster und Reizbarkeit auf. Möglicherweise zeigt der Säugling weniger Interesse an seiner Umgebung, auch Trinkunlust kann vorkommen. Im Zweifel ist der Rettungsdienst hinzuzuziehen.

Folgeerkrankungen

Eine Gehirnerschütterung heilt normalerweise ohne Folgeschäden ab. Manche Betroffene klagen jedoch noch längere Zeit über Symptome. Wie schnell eine Person sich im Einzelfall von einer Gehirnerschütterung erholt, ist sehr individuell. Die übriggebliebenen Symptome sollten individuell behandelt werden. Dazu eignen sich etwa eine Schmerztherapie, physiotherapeutische und psychotherapeutische Maßnahmen.

Vorbeugende Maßnahmen

Sie können viel tun, um einer Gehirnerschütterung vorzubeugen. Sorgen Sie dafür, dass Sie oder Ihre Angehörigen beim:

  • Radfahren
  • Skifahren
  • Inlineskaten
  • Reiten

einen passenden Helm tragen. Im Auto sollte sich jeder anschnallen, kleine Kinder benötigen einen geeigneten Kindersitz. Ältere Menschen können Stürzen vorbeugen, indem Sie Stolperfallen (wie z. B. Teppiche) aus der Wohnung entfernen. Bewegungs- und Koordinationsübungen stärken zudem die Muskulatur und das Gleichgewicht. Bei einem Sportunfall sollte das Training oder Spiel abgebrochen werden. Wer trotz Gehirnerschütterung weitermacht, riskiert Folgeerkrankungen. Babys sollten Sie auf dem Wickeltisch nicht allein lassen.

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