Viele Menschen erleben im Laufe ihres Lebens das Gefühl, dass ihr Gehirn sich elektrisiert anfühlt. Dieses Phänomen, oft als "Brain Zaps" oder "Kribbeln im Hirn" bezeichnet, kann beunruhigend sein, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Dennoch ist es wichtig, die Ursachen zu verstehen und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was sind Brain Zaps?
Brain Zaps werden oft als kurze, elektrische Schock-Empfindungen beschrieben, die sich im Gehirn ausbreiten. Der Begriff „Zap“ ahmt lautmalerisch das Gefühl nach, das viele Betroffene beschreiben: ein kurzes „Zapp“ oder „Bzzt“ im Kopf, als ob ein elektrischer Impuls durch das Gehirn schießen würde.
Anders als bei einem echten elektrischen Schock sind Brain Zaps jedoch nicht gefährlich, auch wenn sie sich beunruhigend anfühlen können. Sie stellen keine Schädigung des Gehirns dar, sondern sind eher als vorübergehende Störung in der Kommunikation zwischen den Nervenzellen zu verstehen.
Das Spektrum der Brain-Zap-Empfindungen kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Manche beschreiben sie als:
- Elektrische Entladungen: Ein plötzliches, blitzartiges Gefühl, ähnlich einem leichten Stromschlag, der durch den Kopf schießt.
- Summende Vibrationen: Ein kurzes, vibrierendes Summen im Gehirn, als ob ein kleiner Motor für Sekundenbruchteile anspringt.
- „Brain Shivers“: Manche sprechen von „Gehirnschauern“ - ein wellenartiges Kribbeln, das durch den Kopf fließt.
- „Brain Drops“: Ein plötzliches Gefühl, als würde im Kopf etwas „fallen“ oder „absacken“.
- Lichtblitze oder optische Störungen: Besonders bei Augenbewegungen können Brain Zaps von kurzen visuellen Phänomenen begleitet sein, etwa dem Gefühl, als würde das Sichtfeld kurz „ruckeln“ oder „springen“.
Diese Empfindungen dauern typischerweise nur Sekundenbruchteile bis wenige Sekunden an, können aber mehrmals täglich auftreten. Während manche Menschen sie kaum wahrnehmen, können sie für andere sehr störend sein und sogar Alltagsaktivitäten beeinträchtigen.
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Begleitsymptome von Brain Zaps
Brain Zaps treten selten allein auf. Häufig werden sie von einer Reihe weiterer Empfindungen begleitet:
- Momentaner Schwindel: Ein kurzes Schwanken oder Taumeln, als würde der Boden unter den Füßen nachgeben.
- Kurzzeitige Desorientierung: Ein flüchtiges Gefühl, nicht zu wissen, wo man ist oder was gerade passiert.
- Ohrgeräusche: Ein kurzes Summen, Klingeln oder „Wuschen“ in den Ohren, das mit dem Zap synchronisiert sein kann.
- Übelkeit: Ein flüchtiges Gefühl der Übelkeit, ähnlich wie bei einer Reisekrankheit.
- Herzrasen: Eine kurze Episode von schnellem Herzschlag, oft als Reaktion auf den Schreck, den der Brain Zap ausgelöst hat.
- Angstwelle: Ein plötzliches Aufflackern von Unruhe oder Besorgnis, besonders wenn die Zaps unerwartet auftreten.
Diese Begleitsymptome können die Erfahrung von Brain Zaps noch beunruhigender machen, besonders wenn Sie nicht wissen, woher sie kommen oder was sie bedeuten.
Die Neurobiologie hinter Brain Zaps
Um Brain Zaps besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die komplexe Maschinerie Ihres Gehirns. Stellen Sie sich Ihr Gehirn als ein hochentwickeltes Kommunikationsnetzwerk vor, in dem Milliarden von Nervenzellen (Neuronen) ständig miteinander „sprechen“. Diese Kommunikation erfolgt durch elektrische Impulse und chemische Botenstoffe, die sogenannten Neurotransmitter.
Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA arbeiten wie Musiker in einem perfekt eingespielten Orchester zusammen. Jeder hat seine Rolle, und gemeinsam erschaffen sie die „Symphonie“ Ihres Bewusstseins, Ihrer Gedanken und Gefühle.
Bei Brain Zaps gerät dieses fein abgestimmte Zusammenspiel kurzzeitig aus dem Takt. Dies geschieht besonders häufig, wenn der Spiegel bestimmter Neurotransmitter - vor allem Serotonin - plötzlichen Schwankungen unterliegt. Es ist, als würde ein wichtiger Musiker im Orchester einen Takt aussetzen, was zu einer kurzen, aber spürbaren Disharmonie führt.
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Besonders interessant ist die Rolle der sogenannten Raphe-Kerne - Ansammlungen von Nervenzellen im Hirnstamm, die für die Produktion von Serotonin zuständig sind. Diese Kerne senden serotonerge Nervenbahnen in verschiedene Hirnregionen, darunter auch solche, die für Wahrnehmung und Bewusstsein wichtig sind.
Wenn der Serotoninspiegel plötzlich schwankt, kann es zu vorübergehenden „Kommunikationsstörungen“ in diesen Bahnen kommen. Diese Störungen können sich als Brain Zaps manifestieren - als kurze elektrische Entladungen, die Sie bewusst wahrnehmen.
Häufige Ursachen von Brain Zaps
Brain Zaps entstehen nicht aus dem Nichts. In den meisten Fällen gibt es klare Auslöser, die diese ungewöhnlichen Empfindungen hervorrufen können. Das Verständnis dieser Ursachen ist der erste Schritt, um wirksame Strategien gegen Brain Zaps zu entwickeln.
Medikamentenbedingte Brain Zaps
Die mit Abstand häufigste Ursache für Brain Zaps ist das Absetzen oder Reduzieren bestimmter Medikamente, die auf das Serotonin-System im Gehirn einwirken. Dazu gehören:
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs): SSRIs wie Fluoxetin (Prozac), Sertralin (Zoloft), Escitalopram (Lexapro) und Paroxetin (Paxil) gehören zu den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva. Sie wirken, indem sie den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen. Wenn Sie diese Medikamente plötzlich absetzen oder die Dosis stark reduzieren, kann es zu einem abrupten Abfall des Serotoninspiegels kommen. Ihr Gehirn, das sich an den höheren Serotoninspiegel gewöhnt hat, reagiert auf diesen plötzlichen Abfall mit „Protestsignalen“ - den Brain Zaps. Interessant ist, dass nicht alle SSRIs gleichermaßen Brain Zaps verursachen. Medikamente mit einer kürzeren Halbwertszeit (der Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffs aus dem Körper ausgeschieden wird) - wie Paroxetin und Venlafaxin - scheinen häufiger zu Brain Zaps zu führen als solche mit längerer Halbwertszeit wie Fluoxetin.
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs): SNRIs wie Venlafaxin (Effexor) und Duloxetin (Cymbalta) wirken auf zwei Neurotransmittersysteme: Serotonin und Noradrenalin. Dies macht sie zu wirksamen Antidepressiva, kann aber auch bedeuten, dass das Absetzen mit stärkeren Entzugserscheinungen verbunden ist - einschließlich besonders intensiver Brain Zaps.
- Benzodiazepine und andere angstlösende Medikamente: Medikamente wie Diazepam (Valium), Alprazolam (Xanax) und Lorazepam (Tavor) wirken beruhigend, indem sie den GABA-Stoffwechsel im Gehirn beeinflussen. GABA ist ein hemmender Neurotransmitter, der die Aktivität des Nervensystems reduziert. Beim Absetzen dieser Medikamente kann es zu einem „Reboundeffekt“ kommen - einer übermäßigen Erregbarkeit des Nervensystems, die sich unter anderem in Brain Zaps äußern kann.
- Schlafmittel (Hypnotika): Medikamente wie Zolpidem (Ambien) und Zopiclon (Ximovan) können beim Absetzen ähnliche Effekte wie Benzodiazepine hervorrufen, einschließlich Brain Zaps.
- Andere Psychopharmaka: Auch das Absetzen anderer Psychopharmaka wie trizyklischer Antidepressiva, MAO-Hemmer oder bestimmter Neuroleptika kann mit Brain Zaps verbunden sein, wenn auch seltener als bei SSRIs und SNRIs.
Weitere Auslöser für Brain Zaps
Obwohl Medikamente die häufigste Ursache sind, können Brain Zaps auch durch andere Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden:
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- Stress und Erschöpfung: Anhaltender Stress versetzt den Körper in einen Alarmzustand und kann die empfindliche Balance der Neurotransmitter stören. In Zeiten extremer Erschöpfung oder nach Stressperioden berichten manche Menschen von Brain-Zap-ähnlichen Erfahrungen, auch ohne Medikamenteneinnahme.
- Schlafmangel und gestörte Schlafmuster: Schlaf ist essentiell für die Regeneration und „Neukalibrierung“ des Gehirns. Bei chronischem Schlafmangel oder stark gestörten Schlafmustern kann es zu Unregelmäßigkeiten in der neuronalen Aktivität kommen, die Brain Zaps begünstigen. Besonders interessant ist die Beziehung zwischen Brain Zaps und dem Einschlaf- oder Aufwachprozess. Manche Menschen berichten von Brain Zaps genau in diesen Übergangsphasen - wenn das Gehirn vom Wachzustand in den Schlaf übergeht oder umgekehrt.
- Alkohol und andere Substanzen: Alkohol, Koffein und bestimmte Drogen können den Neurotransmitterhaushalt im Gehirn beeinflussen. Besonders der „Kater“ nach Alkoholkonsum oder der Entzug von koffeinhaltigen Getränken kann mit Brain-Zap-ähnlichen Symptomen einhergehen.
- Nährstoffmängel: Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe spielen eine wichtige Rolle für die gesunde Funktion des Nervensystems. Insbesondere Mängel an B-Vitaminen (besonders Vitamin B12 und B6), Magnesium und Omega-3-Fettsäuren können die Empfindlichkeit des Nervensystems erhöhen und möglicherweise zu Brain Zaps beitragen.
- Hormonelle Schwankungen: Einige Frauen berichten von Brain Zaps in Verbindung mit hormonellen Veränderungen - während des Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft oder in der Menopause. Dies deutet auf eine mögliche Wechselwirkung zwischen Hormonen und Neurotransmittern hin.
Wann sollten Sie bei Brain Zaps ärztliche Hilfe suchen?
Brain Zaps sind in der Regel harmlos, wenn auch unangenehm. Es gibt jedoch Situationen, in denen Sie einen Arzt aufsuchen sollten:
- Plötzliches Auftreten ohne erkennbare Ursache: Wenn Sie Brain Zaps erleben, ohne dass Sie Medikamente abgesetzt haben oder einer der anderen bekannten Auslöser vorliegt, sollten Sie einen Arzt konsultieren. In seltenen Fällen können elektrische Empfindungen im Kopf auf andere neurologische Zustände hindeuten.
- Zunehmende Intensität oder Häufigkeit: Wenn die Brain Zaps mit der Zeit stärker oder häufiger werden, statt abzuklingen, ist dies ein Grund zur Vorsicht. Normalerweise sollten Brain Zaps nach dem Absetzen von Medikamenten mit der Zeit weniger werden.
- Begleitende neurologische Symptome: Wenn die Brain Zaps von anderen neurologischen Symptomen begleitet werden, wie anhaltender Schwindel, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder starke Kopfschmerzen, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.
- Starke psychische Belastung: Wenn die Brain Zaps zu erheblicher Angst, Panikattacken oder depressiven Verstimmungen führen, ist professionelle Hilfe angezeigt.
Ein produktives Gespräch mit Ihrem Arzt über Brain Zaps kann Ihnen helfen, Klarheit und Unterstützung zu erhalten. Dokumentieren Sie Ihre Erfahrungen, bereiten Sie Ihre Medikamentengeschichte vor und formulieren Sie Ihre Fragen. Seien Sie offen und ehrlich, damit Ihr Arzt Ihnen bestmöglich helfen kann.
Polyneuropathie als mögliche Ursache
Es ist wichtig zu erwähnen, dass ein Gefühl von "Elektrisieren" im Körper, insbesondere in den Extremitäten, auch ein Symptom einer Polyneuropathie (PNP) sein kann. Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, zu dem alle außerhalb des Zentralnervensystems liegenden Anteile der motorischen, sensiblen und autonomen Nerven gehören.
Symptome der Polyneuropathie
Typische Symptome einer Polyneuropathie sind sensible Reizerscheinungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen, Stechen, Elektrisieren und sensible Ausfallerscheinungen wie Pelzigkeitsgefühl, Taubheitsgefühl, Gefühl des Eingeschnürtseins, Schwellungsgefühle sowie das Gefühl, wie auf Watte zu gehen. Oft bestehen eine Gangunsicherheit, insbesondere im Dunkeln, und ein fehlendes Temperaturempfinden mit schmerzlosen Wunden.
Ursachen der Polyneuropathie
Die meisten Polyneuropathien sind keine eigenständige Erkrankung, sondern das Erkennbarwerden einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung. Daher sind auch die Ursachen vielgestaltig. Folgende Grunderkrankungen sind häufig mit einer Polyneuropathie assoziiert:
- Diabetes mellitus
- Alkoholmissbrauch
- Entzündungen (Borreliose, Lepra)
- Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen
- Hämatologische und rheumatologische Erkrankungen
- Tumorerkrankungen
- Bestimmte Medikamente
- Langzeitbehandlung auf einer Intensivstation
- Organtransplantationen
- Erbliche Neuropathien
Die häufigste Ursache für eine Polyneuropathie sind der Diabetes mellitus oder ein übermäßiger Alkoholkonsum.
Diagnose und Behandlung der Polyneuropathie
Die klinische Diagnose einer Polyneuropathie wird anhand von Anamnese und dem klinisch-neurologischen Befund gestellt. In einer neurologischen Untersuchung werden Muskelkraft, Sensibilität und Muskeleigenreflexe geprüft. Am häufigsten beginnen die Symptome und Ausfälle an den unteren Extremitäten, meist an den Füßen oder Fußspitzen.
Bei der neurophysiologischen Untersuchung mit Elektroneurographie (ENG) werden mit Stromimpulsen periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen. Die Elektromyographie (EMG) untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.
Entscheidend ist stets die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. bei Diabetes mellitus eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung, das strikte Vermeiden von Alkohol oder die Behandlung einer Tumorerkrankung. Bei autoimmunvermittelten, entzündlichen Polyneuropathien gibt es verschiedene gegen die Entzündung wirkende Medikamente (Immunglobuline, Kortikoide, Immunsuppressiva). Bei schweren Verläufen kann auch eine Blutwäsche durchgeführt werden. Bei erblichen Neuropathien gibt es bisher keine Therapie.
Tipps zur Vorbeugung und Verbesserung der Lebensqualität bei Polyneuropathie
- Regelmäßige Kontrolle der Füße auf Druckstellen
- Tragen von bequemem Schuhwerk
- Meidung von Druck
- Nutzung professioneller Fußpflege
- Verbesserung des Lebensstils mit regelmäßiger körperlicher Betätigung (150 min Ausdauersport/Woche z. B. Walken, Radfahren, Schwimmen)
- Blutzucker kontrollieren (bei Diabetes)
- Alkohol vermeiden
7 wirksame Strategien gegen Brain Zaps
Zum Glück gibt es verschiedene Ansätze, um Brain Zaps zu lindern oder zu bewältigen. Hier sind sieben bewährte Strategien, die Ihnen helfen können:
- Langsames Ausschleichen von Medikamenten: Der häufigste Rat von Ärzten bei medikamentenbedingten Brain Zaps ist ein langsames, schrittweises Reduzieren der Dosis über einen längeren Zeitraum - oft Wochen oder sogar Monate. Dies gibt Ihrem Gehirn Zeit, sich an die veränderten Neurotransmitterspiegel anzupassen.
- Ernährung anpassen: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend B-Vitaminen, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren kann die Nervenfunktion unterstützen.
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Neurotransmitterbalance zu verbessern.
- Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf, um die Regeneration des Gehirns zu fördern.
- Koffein und Alkohol meiden: Reduzieren Sie den Konsum von Koffein und Alkohol, da diese Substanzen die Neurotransmitterbalance stören können.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und die Neurotransmitterproduktion anregen.
- Ablenkung: Wenn Brain Zaps auftreten, versuchen Sie, sich abzulenken, z. B. durch Lesen, Musik hören oder ein Gespräch mit Freunden.
Nervenschmerzen wie Stromschläge
Nervenschmerzen, die ein Gefühl wie Stromschläge im Körper anfühlen, weisen typischerweise auf eine Nervenreizung oder -schädigung hin. Wenn Nerven eingeklemmt oder verletzt werden, können sie scharfe, elektrisierende Empfindungen übertragen. Sie kommen auch bei anderen Krankheiten vor, bei denen die Nervenfunktion beeinträchtigt ist. Der Schmerz kann an verschiedenen Stellen des Körpers, einschließlich Armen und Beinen, spürbar sein.
Ursachen von Nervenschmerzen
- Nervenkompression: Eine Nervenkompression tritt auf, wenn Druck auf einen Nerven ausgeübt und so seine normale Funktion gestört wird. Häufige Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom oder Ischias.
- Nervenentzündung (Neuritis): Eine Nervenentzündung entsteht, wenn ein Nerv gereizt wird, anschwillt und entzündet ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen.
- Multiple Sklerose (MS): Bei Multipler Sklerose kann es aufgrund einer Schädigung der Nervenhülle, dem sogenannten “Myelin”, zu Nervenschmerzen kommen.
- Diabetische Neuropathie: Bei Diabetes sind Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, oft auf eine Erkrankung namens “diabetische Neuropathie” zurückzuführen.
Diagnose von Nervenschmerzen
Die Diagnose der Ursache von Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, gelingt durch mehrere wichtige Schritte. Zunächst ist eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch einen Arzt entscheidend. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt auch Reflexe und Muskelkraft beurteilt. Zu den diagnostischen Verfahren können bildgebende Untersuchungen wie MRT- oder CT-Scans gehören, um nach etwaigen Bandscheibenvorfällen oder Tumoren zu suchen, die möglicherweise auf Nerven drücken.
Behandlung von Nervenschmerzen
Um mit Nervenschmerzen umzugehen, die sich wie Stromschläge anfühlen, müssen sowohl die zugrunde liegenden Ursachen als auch die Symptome angegangen werden. Bei einer Nervenkompression können Physiotherapie oder entzündungshemmende Medikamente Linderung verschaffen.
Karpaltunnel-Syndrom (KTS)
Beim Karpaltunnel-Syndrom gerät der Nervus medianus unter Druck, der an einer Engstelle durch das Handgelenk führt. Ursache ist meist eine Schwellung, die durch belastende Bewegungen entsteht, ferner durch nächtliches Schlafen mit abgeknickten Handgelenken, starke Gewichtszunahme oder hormonelle Einflüsse wie Schwangerschaft und Wechseljahre.
Erste Symptome sind ein Kribbeln in den Spitzen der ersten drei Finger, vom Daumen bis zum Mittelfinger. „Das Kribbeln fühlt sich elektrisierend und brennend an“, so Buchner. Schüttelt man die Hände, verschwinden die Missempfindungen häufig. Im weiteren Verlauf können Schmerzen auftreten, die nachts sogar bis in den Arm ziehen.
Diagnose und Behandlung des KTS
Um zu klären, ob ein KTS vorliegt, erfragt der Neurologe zunächst Vorgeschichte und Beschwerden. Dann folgen meist zwei einfache Tests (Phalen-Test und Hoffmann-Tinel-Zeichen) und eine elektrische Diagnostik (Elektroneurographie).
Im Anfangsstadium hilft es mitunter, Belastungen zu vermeiden, etwa mit einer Handschiene, die ein Abknicken der Gelenke verhindert. Am häufigsten und am wirksamsten ist jedoch nach wie vor die Operation, die bei anhaltenden Beschwerden unumgänglich wird.
Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie schießen blitzartig Schmerzen in eine Gesichtshälfte ein. Manchmal passiert das ohne äußeren Anlass und kann so schmerzhaft und überraschend sein, dass die Betroffenen für Sekunden wie gelähmt sind. Oft gibt es aber auch auslösende Faktoren („Trigger“).
Die Symptome der klassischen Trigeminusneuralgie entstehen wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen dem Blutgefäß, welches eng am Nervus trigeminus (fünfte Hirnnerv) anliegt, und dem Nerv selbst.
Triggerreize der Trigeminusneuralgie
Die Trigger können bei der Trigeminusneuralgie sehr unterschiedlich sein. Oft rufen ganz alltägliche Dinge den Schmerz hervor. Dazu gehören:
- Berühren des Gesichtes
- Lächeln beziehungsweise Lachen
- Kauen beziehungsweise Essen kalter oder heißer Speisen
- Trinken
- Zähneputzen
- Waschen des Gesichtes
- Sprechen
- Auftragen von Make-up
- Rasieren
- Zugluft
Symptome der Trigeminusneuralgie
- Schwere blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden, beispielsweise Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch
Wenn Sie Symptome einer Trigeminusneuralgie verspüren, sollten Sie Ihre hausärztliche Praxis aufsuchen.
Sensibilitätsstörungen
Nervenschädigungen können sich durch vielerlei Symptome bemerkbar machen. Unter anderem ist die Symptom-Ausprägung abhängig von der Art der geschädigten Nerven (somatische oder motorische Nerven) sowie davon, welche Teile des Nervensystems betroffen sind (zentrales oder peripheres Nervensystem). Neben einem allgemeinen neuropathischen Schmerz, der mit Zunahme der Erkrankungsdauer auch an Intensität zunimmt, gibt es zahlreiche andere Symptome. Charakteristisch für den neuropathischen Schmerz ist, dass er sowohl anhaltend brennend, als auch ganz plötzlich und ohne Vorwarnung in Form von stechenden Schmerzen auftreten kann.
Sind somatische Nerven geschädigt, ist oft das Schmerzempfinden der Patienten gestört. Begleitet werden die Nervenschädigungen von einem Kribbeln, Brennen oder Pelzigkeitsgefühl in den betroffenen Körperregionen, das von den Patienten oft auch als „Ameisenlaufen“ beschrieben wird. Wenn motorische Nerven von der Schädigung betroffen sind, bedeutet dies, dass der Muskel, der von dem betroffenen Nerv gesteuert wird, nicht mehr versorgt wird und sich somit motorische Ausfallerscheinungen zeigen können. Nervenschädigungen können auch zu Symptomen auf der vegetativen Ebene führen, beispielsweise zu Schlafstörungen. Daneben können auch Störungen in der Schweißproduktion beziehungsweise ganz allgemein in der Regulation der Körpertemperatur auftreten. Leidet ein Patient unter Herzrhythmusstörungen, so muss ebenfalls nicht immer eine kardiologische Erkrankung die Ursache dafür sein - auch dies kann ein Anzeichen sein, dass vegetative Nerven geschädigt sind. Als weiteres Symptom einer vegetativen Nervenschädigung können Potenzstörungen auftreten, wenn die entsprechenden Nervenimpulse durch den Parasympathikus fehlen. Damit erweitern sich die Blutgefäße nicht und es kann kein Blut in den Schwellkörper fließen.
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