Gehirn, Klartraum und wissenschaftliche Illustrationen: Eine Reise ins Bewusstsein des Träumens

Träume sind ein faszinierendes Phänomen, das die Menschheit seit jeher beschäftigt. Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir träumen? Und was bedeutet es, sich bewusst zu sein, dass man träumt - ein Zustand, der als Klartraum bekannt ist? Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Klarträume, ihre neuronalen Grundlagen und ihre potenziellen Anwendungen.

Bewusstsein im Schlaf: Mehr als nur An oder Aus

Prof. Dr. stellt fest: Bewusstsein ist keine Frage von Alles oder Nichts. In der Nacht durchlaufen wir verschiedene Bewusstseinsstufen. Dabei verändert sich die Vernetzung der einzelnen Regionen in unserem Gehirn auf signifikante Weise. Im Traum sind wir ähnlich wie im Wachzustand „naive Realisten“: Wir erleben eine Welt, die wir für die Wirklichkeit halten.

Was sind Klarträume?

Klarträume, auch luzide Träume genannt, sind Träume, in denen sich der Träumende bewusst ist, dass er träumt. Im Gegensatz zu normalen Träumen, in denen wir die Traumwelt als real empfinden, ermöglicht der Klartraum eine Distanzierung von der Traumhandlung. Klarträumer können sogar in das Geschehen eingreifen, Abläufe verändern und ihre Fantasien steuern.

Paul Tholey, ein Psychologe und führender deutscher Klartraumforscher, erklärt: "Klarträume sind solche Träume, in denen man völlige Klarheit darüber besitzt, dass man träumt und nach eigenem Entschluss handeln kann".

Die Häufigkeit von Klarträumen

Klarträume sind kein seltenes Phänomen. Eine repräsentative Umfrage von Traumforscher Michael Schredl ergab, dass 51 Prozent der Befragten in Deutschland Klarträume aus eigener Erfahrung kennen. Jeder Fünfte träumt sogar einmal im Monat klar.

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Die neuronalen Grundlagen von Klarträumen

Die moderne Hirnforschung hat begonnen, die neuronalen Grundlagen von Klarträumen zu ergründen. Studien mit bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) haben gezeigt, dass bei Klarträumern bestimmte Hirnregionen aktiver sind als bei normalen Träumen.

Der präfrontale Kortex: Das Kontrollzentrum des Gehirns

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der präfrontale Kortex, insbesondere der dorsolaterale präfrontale Kortex und der frontopolare Kortex. Diese Hirnregionen sind für höhere kognitive Funktionen wie Selbstreflexion, Entscheidungsfindung und Handlungsplanung verantwortlich.

Forscher der Max-Planck-Institute für Bildungsforschung in Berlin und für Psychiatrie in München haben herausgefunden, dass bei Klarträumern der Bereich im Gehirn größer ist, der es ermöglicht, sich über das eigene Denken Gedanken zu machen. Hirnforscher um Elisa Filevich vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin haben darum im Gehirn nach einem solchen Zusammenhang gesucht. Bei Klarträumern ist das vordere Stirnhirn größer, welches auch für die Metakognition eine wichtige Rolle spielt.

Funktionelle Konnektivität im Schlaf

Michael Czisch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München hat Klarträume mittels Kernspintomographie untersucht. Dabei konnten die Forscher erkennen, wie die Aktivität des gesamten Gehirns während verschiedener Schlafphasen und während des Wachens variiert. Im Wachzustand sind die Zentren des menschlichen Gehirns so miteinander verknüpft, dass sowohl in einzelnen Regionen, also auf engem Raum, die Signale optimal übermittelt werden, aber gleichzeitig auch längere Strecken in raschen Schritten durchmessen werden können. Techniker sprechen von einem Small-World-Netzwerk. Beim Einschlafen, also im leichten Schlaf, nimmt die globale Vernetzung zu, aber die Verbindungen bekommen einen eher zufälligen, chaotischen Charakter. Im Tiefschlaf beobachten die Forscher dagegen eine verstärkte lokale Clusterbildung, so als seien die einzelnen Regionen mit sich selbst beschäftigt. Jedoch führt der Verlust der Kommunikation über längere Strecken dazu, dass die Kapazität des Gehirns, Informationen zu bündeln, stark verringert ist - ein Zustand der Bewusstlosigkeit, der ähnlich unter Narkose auftritt.

Wie man Klarträume induzieren kann

Obwohl nicht jeder Mensch von Natur aus ein Klarträumer ist, gibt es verschiedene Techniken, um die Wahrscheinlichkeit für luzide Träume zu erhöhen.

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Reality Checks: Die Überprüfung der Realität

Eine einfache Methode ist die Durchführung von sogenannten "Reality Checks" im Wachzustand. Dabei hinterfragt man regelmäßig seine Umgebung und prüft, ob man sich gerade in der Realität befindet. Zum Beispiel kann man versuchen, sich die Nase zuzuhalten und zu atmen. Wenn dies gelingt, befindet man sich wahrscheinlich in einem Traum.

Traumtagebuch: Die Dokumentation der Traumwelt

Das Führen eines Traumtagebuchs kann ebenfalls hilfreich sein, um Klarträume zu fördern. Indem man seine Träume regelmäßig aufschreibt, schärft man sein Bewusstsein für die Traumwelt und erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Traum zu erkennen, dass man träumt.

MILD und WILD: Zwei Wege zum Klartraum

Generell unterscheidet die Forschung hierbei zwei verschiedene Wege: die DILD Technik und die WILD Technik. Während DILD für die Klarheit gewinnende Technik steht, konzentriert sich WILD auf die Klarheit bewahrende Technik. Bei der DILD Methode macht sich der Träumende aktiv bewusst, dass er nicht mehr wach und damit nicht mehr in der Realität ist. Das Ergebnis: Das Gehirn übernimmt den "Reality Check" in den Schlaf. Dem Träumenden wird bei der Abfrage bewusst, dass er schläft. Im Gegensatz dazu steht die WILD Methode. Hierbei macht sich der noch wache Mensch seinen Zustand bewusst und auch den bald eintretenden Schlaf.

Die potenziellen Anwendungen von Klarträumen

Klarträume sind nicht nur ein faszinierendes Phänomen, sondern bergen auch ein großes Potenzial für verschiedene Anwendungen.

Therapie von Albträumen

Ein vielversprechender Ansatz ist die Behandlung von wiederkehrenden Albträumen. Indem man im Klartraum die Kontrolle über die Trauminhalte übernimmt, kann man die Angst auslösenden Szenarien verändern und die Albträume überwinden.

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Verbesserung von Fähigkeiten

Sportwissenschaftler Daniel Erlacher (Uni Bern) in einer Studie belegt hat. Wenn Menschen bewusst träumen, können sie beispielsweise Bewegungs- und Trainingsabläufe im Schlaf ausführen.

Kreativität und Problemlösung

Klarträume können auch genutzt werden, um die Kreativität zu fördern und Probleme zu lösen. Indem man im Traum mit verschiedenen Szenarien experimentiert, kann man neue Ideen entwickeln und innovative Lösungen finden.

Kritik und offene Fragen

Obwohl die Forschung zu Klarträumen in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat, gibt es noch viele offene Fragen. Zum Beispiel ist noch nicht vollständig geklärt, wie genau Klarträume im Gehirn entstehen und welche Rolle die verschiedenen Hirnregionen dabei spielen. Auch die langfristigen Auswirkungen von Klartraumtechniken sind noch nicht ausreichend untersucht.

Fazit

Klarträume sind ein faszinierendes Phänomen, das uns einen Einblick in die Tiefen unseres Bewusstseins ermöglicht. Die wissenschaftliche Forschung hat begonnen, die neuronalen Grundlagen von Klarträumen zu ergründen und ihre potenziellen Anwendungen zu untersuchen. Ob zur Therapie von Albträumen, zur Verbesserung von Fähigkeiten oder zur Förderung der Kreativität - Klarträume bieten ein großes Potenzial für die persönliche Entwicklung und die wissenschaftliche Forschung.

Die Fähigkeit zum Klarträumen hängt offenbar direkt mit dem Nachdenken über das eigene Denken zusammen: Der für die sogenannte Metakognition verantwortliche Hirnbereich ist bei Klarträumern größer als bei anderen Menschen, haben Wissenschaftler herausgefunden. Manche Menschen sind sich während des Schlafens bewusst, dass sie gerade träumen. Bei diesem sogenannten Klarträumen kann der Schlafende den Traum manchmal sogar selbst mitgestalten. Die meisten Klarträumer erleben dieses Phänomen aber nicht mehr als ein paar Mal im Jahr und nur sehr wenige fast täglich. Andere Menschen wiederum erleben dieses Phänomen nur extrem selten oder sogar überhaupt nicht. Dabei ist bekannt, dass spezifische Hirnregionen für das Klarträumen verantwortlich sind, die sich sogar künstlich dazu anregen lassen. Doch wie kommt es, dass die einen klarträumen und die anderen nicht? Obwohl diese Verbindung naheliegt, war bisher unklar, ob Klartraum und Metakognition tatsächlich miteinander zusammenhängen.

Die Traumwelt erscheint den meisten Menschen zunächst real, obwohl ein wichtiger Kreislauf der Realität im Schlaf unterbrochen ist. Im Wachzustand reagieren wir auf die Impulse unserer Sinne und setzten sie in körperliche Aktivität um. Hier beginnt die Grenze zwischen normalem Traum und luzidem Traum: Der Klarträumer weiß, dass sein Körper schlafend im Bett liegt und demnach nicht physisch im Traum unterwegs sein kann. Wer das Klarträumen beherrscht, kann seine Fantasien steuern wie ein Regisseur. Die Folge: Der Schläfer kann im Traum in das Geschehen eingreifen, aktiv Abläufe verändern, Personen oder Szenen in seinem Sinn verändern.

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