Hirntumor: Lebenserwartung und Statistik

Ein Hirntumor, auch intrakranielle Neoplasie oder Tumor cerebri genannt, ist eine Erkrankung, die sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern kann, darunter Persönlichkeitsveränderungen und Sehstörungen. Es gibt verschiedene Arten von Hirntumoren, und die Art des Tumors beeinflusst die Behandlung und die Lebenserwartung.

Was ist ein Hirntumor?

Der Begriff "Hirntumor" bezieht sich zunächst nur auf eine Raumforderung (d. h. eine Ansammlung von Gewebe oder eine Schwellung) im Gehirn. Primäre Hirntumoren werden in WHO-Grade eingeteilt. Die Überlebensrate ist bei niedriggradigen WHO-Tumoren besser als bei hochgradigen WHO-Tumoren.

Arten von Hirntumoren

Es gibt vier WHO-Kategorien:

  • WHO-Grad 1: Diese Gruppe umfasst Meningeome, die von den Hirnhäuten ausgehen, und Neurinome (Schwannome), die vom Nervensystem ausgehen, meist vom Gehörnerv. Beide sind fast immer gutartig. Auch das pilozytische Astrozytom wird in diese Kategorie eingeordnet.

  • WHO-Grad 2: Diese Gruppe umfasst das diffuse Astrozytom und das langsam wachsende Oligodendrogliom. Beide Unterformen gehören zu den Gliomen (neuroepitheliale Tumore), die von den sogenannten Stützzellen (Gliazellen) des zentralen Nervensystems (ZNS, d. h. Rückenmark und Gehirn) ausgehen.

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  • WHO-Grad 3: Hierzu gehören unter anderem das anaplastische Astrozytom und das schnell wachsende anaplastische Oligodendrogliom.

  • WHO-Grad 4: Zu dieser Gruppe gehören das Medulloblastom und das Glioblastom.

Häufigkeit von Hirntumoren

In Deutschland wurde im Jahr 2014 etwa 7.000 Mal die Diagnose eines bösartigen Hirntumors gestellt. Bösartige Hirntumoren machen damit etwa zwei Prozent aller neu auftretenden Krebserkrankungen in Deutschland aus. Meningeome machen etwa 30 Prozent der häufigsten Tumoren des zentralen Nervensystems aus.

Die verschiedenen Arten von Hirntumoren treten am häufigsten zu unterschiedlichen Zeiten im Leben auf. Dies lässt sich am Beispiel der Untergruppe der Astrozytome veranschaulichen: Während das pilozytische Astrozytom (WHO-Grad 1) bereits bei Kindern vorkommt, treten das diffuse (WHO-Grad 2) und das anaplastische Astrozytom (WHO-Grad 3) durchschnittlich mit Mitte 30 auf. Bösartige Tumoren wie das Medulloblastom (WHO-Grad 4) können jedoch auch bereits im Kindesalter auftreten. Das Glioblastom, ein weiteres Mitglied der vierten Gruppe, tritt durchschnittlich im Alter von 60 Jahren auf. Hirntumoren können also in jedem Alter auftreten. Betrachtet man den statistischen Mittelwert aller Unterformen von Hirntumoren, so treten diese am häufigsten zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Auch im Kindesalter gibt es einen kleinen Häufigkeitsgipfel im Auftreten von Tumoren.

Ursachen und Risikofaktoren

Bisher wurden keine sicheren Ursachen für primäre Hirntumoren gefunden. Es wurden jedoch Risikofaktoren identifiziert, die zu einem erhöhten Auftreten dieser Tumoren führen können:

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  • Eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich, beispielsweise aufgrund eines vorangegangenen Tumorgeschehens in diesem Bereich, kann ein Risikofaktor sein.
  • Erbliche Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome von Hirntumoren

Es gibt einige Symptome, die auf einen Hirntumor hindeuten können. Dazu gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Das erstmalige Auftreten von epileptischen Anfällen
  • Neurologische Auffälligkeiten: Beispielsweise kann eine Körperseite nicht mehr oder nur eingeschränkt bewegt werden (Halbseitenlähmung). Hierbei kann es zusätzlich zu Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühlen oder Kribbeln kommen. Außerdem können Sprach- oder Sehstörungen auftreten.
  • Wesensveränderung: Die Persönlichkeit der Betroffenen kann sich zunehmend verändern, außerdem kann eine Gedächtnisschwäche auftreten.

Es ist wichtig, die neurologischen Ausfälle im Rahmen eines Schlaganfalls von denen eines Hirntumors zu unterscheiden. Diese treten bei einem Schlaganfall typischerweise "schlagartig" von einer Sekunde auf die nächste auf. Beim Hirntumor entwickeln sie sich eher über einen gewissen Zeitraum und verschlechtern sich mit der Zeit, was für einen Schlaganfall untypisch wäre. Eine neu aufgetretene Halbseitenlähmung oder Sprachstörungen sind jedoch in beiden Fällen ein Grund, sofort in einer neurologischen Notfallambulanz vorstellig zu werden.

Anhand der Symptome lassen sich ein bösartiger Hirntumor und ein gutartiger Hirntumor nicht voneinander unterscheiden. Aufgrund eines möglicherweise schnelleren, aggressiveren Wachstums nehmen die Beschwerden bei einem WHO-Grad-4-Tumor wie dem Glioblastom jedoch tendenziell schneller zu als beispielsweise bei einem langsam wachsenden Meningeom.

Die Symptome bei Mann und Frau unterscheiden sich in der Regel nicht. Es gibt jedoch auch Hirntumore, die Hormone produzieren können. Hierzu zählt vor allem das Prolaktinom, das beim Mann zu einer Schwellung der Brustdrüse (Gynäkomastie) und einem Potenzverlust führen kann, während es bei der Frau häufig dazu führt, dass die Brust Milch absondert (Galaktorrhö) und die Regelblutung der betroffenen Frau ausbleibt (Amenorrhö).

Warnzeichen für einen erhöhten Hirndruck

Hirntumore können mit zunehmender Größe und unter anderem auch im Endstadium der Tumorerkrankung zu einem erhöhten Hirndruck führen. Dieser kann bewirken, dass wichtige Gehirnstrukturen eingeklemmt werden und ist damit potenziell lebensbedrohlich. Als Warnzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn können unter anderem folgende Anzeichen auftreten:

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  • Bewusstseinsstörungen, die von einer abnormalen Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit reichen können
  • Übelkeit und Erbrechen, unabhängig von der Nahrungsaufnahme (Nüchternerbrechen)
  • Unterschiedlich große Pupillen der beiden Augen
  • Auftreten von Doppelbildern (Diplopie)

Wo hat man Schmerzen bei einem Hirntumor?

Kopfschmerzen im Rahmen eines Hirntumors treten meist diffus im Kopf auf, das bedeutet, dass man sie nicht genau lokalisieren kann. Außerdem treten die Kopfschmerzen bevorzugt am frühen Morgen und in der Nacht auf und bessern sich häufig im Tagesverlauf. Durch das zunehmende Wachstum des Tumors können auch die Schmerzen mit der Zeit zunehmen. Herkömmliche Schmerzmittel wirken meist nur zeitweise oder gar nicht dagegen.

Kopfschmerzen können jedoch auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten, unter anderem im Rahmen einer Migräne, aber auch als Begleitsymptom, beispielsweise bei einer Erkältung, bei erhöhtem Blutdruck oder bei vermehrtem Stress.

Diagnose von Hirntumoren

Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor, kann ein bildgebendes Verfahren helfen, diesen zu erkennen. Es wird eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes durchgeführt, wobei letztere den Gehirntumor zuverlässiger darstellen kann. Eine CT kann dagegen in Notfallsituationen mit Anzeichen für einen erhöhten Hirndruck das bessere Verfahren sein.

Anhand der Bildgebung kann der Verdacht auf einen Hirntumor geäußert und anhand des charakteristischen Aussehens auf die vermutete Tumorform geschlossen werden. Bestätigen kann man das Vorliegen der entsprechenden Tumorform jedoch nur durch die Untersuchung des betroffenen Hirngewebes unter dem Mikroskop. Dieses gewinnt man durch die komplette Entfernung des Tumors (Operation) oder durch die Entnahme einer Biopsie (Gewebeprobe). Bei gutartig erscheinenden Raumforderungen ist eine Entnahme von Gewebe in vielen Fällen nicht notwendig.

Eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion, Lumbalpunktion) kann Aufschluss über die Ursache der Raumforderung geben. Sie dient dem Ausschluss von entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems.

Behandlung von Hirntumoren

Aufgrund der verschiedenen Arten von Gehirntumoren sollte die Methode der Behandlung individuell auf die betroffene Person zugeschnitten werden. Bei einem gutartigen Hirntumor, der keine Symptome verursacht, kann von einer Therapie gänzlich abgesehen werden.

Wenn durchführbar, sollte in allen anderen Fällen eine möglichst vollständige Entfernung des Hirntumors durch eine Operation (OP) erfolgen. Das entnommene Gewebe kann anschließend unter dem Mikroskop untersucht und der Tumor in den entsprechenden WHO-Grad eingeteilt werden.

Außerdem gibt es in vielen Fällen die Möglichkeiten der Bestrahlung sowie der Chemotherapie, die auch in Kombination eingesetzt werden können (Radiochemotherapie). Der Roboter "ZAP-X" stellt für einige Tumore bis 3,5 Zentimetern Größe eine neue Sonderform der Bestrahlung dar. Hierbei werden die Tumorzellen so gezielt bestrahlt, dass das umliegende gesunde Hirngewebe bestmöglich geschont wird. Die Therapie soll es Betroffenen ermöglichen, die Strahlentherapie im Idealfall ambulant und ohne lange stationäre Aufenthalte durchführen zu können.

Eine weitere neue Therapieform beim Glioblastom sind die Tumortherapiefelder (TTP).

Lebenserwartung bei Hirntumoren

Die Überlebenschance bei einem Gehirntumor ist neben individuellen Faktoren von dem vorliegenden WHO-Grad abhängig. Im Folgenden stellen wir Ihnen die jeweilige statistische Prognose vor. Bei der Prognose handelt es sich um diejenige mit Therapie des Tumors:

  • WHO-Grad 1: Die Überlebensrate liegt in den ersten zehn Jahren bei über 95 Prozent. Außerdem ist bei vollständiger Entfernung des Tumors eine Heilung möglich.
  • WHO-Grad 2: Betroffene überleben durchschnittlich länger als fünf Jahre.
  • WHO-Grad 3: Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei zwei bis drei Jahren.
  • WHO-Grad 4: Die Überlebenszeit liegt bei Monaten bis Jahren, in Abhängigkeit von dem entsprechenden Hirntumor.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Statistiken Durchschnittswerte sind und die tatsächliche Lebenserwartung eines Patienten von vielen Faktoren abhängt, darunter die Art des Tumors, sein Grad, seine Lage, die allgemeine Gesundheit des Patienten und die Wirksamkeit der Behandlung.

Glioblastom: Eine besondere Herausforderung

Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Es ist ein schnell wachsender Tumor, der sich oft in umliegendes Hirngewebe ausbreitet. Die Behandlung des Glioblastoms ist eine Herausforderung, und die Prognose ist in der Regel schlecht. Die Standardbehandlung umfasst eine Operation zur Entfernung des Tumors, gefolgt von einer Strahlentherapie und Chemotherapie.

Zusammenfassung

Hirntumoren sind seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen. Die Lebenserwartung bei einem Hirntumor hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Art des Tumors, sein Grad, seine Lage, die allgemeine Gesundheit des Patienten und die Wirksamkeit der Behandlung. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Hirntumoren, darunter Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Die Forschung auf dem Gebiet der Hirntumoren schreitet stetig voran, und es werden ständig neue Therapien entwickelt.

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