Gehirn-OP: Risiken bei der Entfernung von Klammern und alternative Behandlungsmethoden

Eine Operation am Gehirn, auch wenn sie minimalinvasiv durchgeführt wird, birgt stets gewisse Risiken. Die Entfernung von Klammern, die während einer solchen Operation eingesetzt wurden, ist dabei ein Aspekt, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken bei der Entfernung von Gehirn-OP-Klammern, alternative Behandlungsmethoden und weitere wichtige Aspekte im Zusammenhang mit Hirntumoren und Schädelöffnungen.

Glomustumoren im Mittelohr: Eine besondere Herausforderung

In Deutschland erkranken jährlich etwa 300 Menschen an sogenannten Glomustumoren im Mittelohr, oft unerkannt. Häufig sind Frauen über 40 Jahre betroffen. Diese meist gutartigen Tumore sollten möglichst rasch chirurgisch entfernt werden, da sie zu Hörverlust und Schäden an den umgebenden Hirnnerven und Gefäßen führen können. Sind die Risiken einer Operation zu groß, raten HNO-Ärzte auch zur Bestrahlung. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation hängt von individuellen Faktoren ab, die der Arzt bewusst abwägen muss.

Risiken und Vorteile der chirurgischen Tumorentfernung

Die chirurgische Tumorentfernung bietet zwei entscheidende Vorteile: Zum einen ist eine endgültige Heilung nur mit der Entfernung des Tumors möglich. Zum anderen kann das Gewebe nach dem Eingriff sorgfältig untersucht werden, um auszuschließen, dass es sich um einen möglicherweise bösartigen Tumor handelt. Die Operation ist jedoch schwierig, da das Innenohr von Knochen umgeben, dem Gehirn unmittelbar benachbart und der Tumor stark durchblutet ist. Dank der Entwicklung spezieller Katheter ist es Ärzten nunmehr möglich, die Gefäße des Tumors zu verschließen und so einen gefährlichen Blutverlust während des Eingriffs zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden: Bestrahlung

In Situationen, in denen die Risiken eines operativen Eingriffs zu hoch sind, kann eine weniger riskante Bestrahlung eine Alternative darstellen. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation wird auf der 82. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) diskutiert.

Kraniotomie: Die operative Eröffnung des Schädels

Eine Kraniotomie ist die chirurgische Eröffnung des Schädels, um Zugang zum Gehirn zu erhalten. Sie wird bei verschiedenen Erkrankungen wie Hirntumoren oder Hirnblutungen durchgeführt. Es gibt zwei Verfahren im Umgang mit dem Knochendeckel: die osteoplastische Kraniotomie und das osteoklastische Vorgehen (Kraniektomie).

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Wann wird eine Kraniotomie durchgeführt?

Die operative Eröffnung des Schädels (Kraniotomie) ist für nahezu alle neurochirurgischen Operationen am Gehirn oder an den Hirnhäuten notwendig. Bei der operativen Therapie folgender Erkrankungen wird sie eingesetzt:

  • Hirntumoren
  • Hirnblutung
  • Gesteigerter Hirndruck (Entlastungskraniotomie)
  • Gewinnung von Gewebeproben
  • Aussackung von Hirnarterien (Aneurysmata)
  • Hirnareale, die eine Epilepsie verursachen (Epilepsiechirurgie)
  • Hirnabszess

Mögliche Risiken einer Kraniotomie

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff kann es im Einzelfall zu Komplikationen kommen. Mögliche Risiken sind:

  • Blutung und Bluterguss (Hämatom), eventuell mit operativer Entlastung
  • Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen oder Embolien)
  • Infektion
  • Wundheilungsstörung
  • Ästhetisch unbefriedigende Narbenbildung
  • Narkosekomplikationen

Besondere Risiken der Schädeleröffnung und der Operation am Gehirn können sein:

  • Verletzung von gesundem Hirngewebe
  • Epileptische Anfälle (Epilepsie)
  • Austritt von Hirnflüssigkeit (Liquor)/ Liquorfistel
  • Gedächtnisstörungen
  • Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Lähmungen
  • Sprachstörungen (z. B. Aphasie oder Dysarthrie)
  • Ansammlung von Luft in der Schädelhöhle (Pneumocephalus)
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Einige dieser Komplikationen wie epileptische Anfälle können auch erst Wochen bis Monate nach der Operation auftreten, etwa infolge einer Narbenbildung im Gehirn.

Operationsklammern: Innovationen und potenzielle Komplikationen

Herkömmliche Operationsklammern bestehen überwiegend aus Titan. Komplikationen entstehen selten, aber sie können auftreten. Die Klammern, die nach Operationen meist im Körper verbleiben, können im Gewebe wandern, auf Nervenstränge drücken oder Störelemente bei CT- oder MRT-Scans darstellen.

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Magnesiumlegierung: Eine innovative Alternative

Forscher an der japanischen Kobe Universität haben gewöhnliche Operationsklammern weiterentwickelt. Die aus einer Magnesiumlegierung hergestellten, neuen Klammern können sich selbst im Gewebe abbauen. Die Klammern aus Japan bestehen aus einer Magnesiumlegierung, die auch Kalzium und Zink enthält. Sie können bis zu 5 mm groß hergestellt werden. Im Versuch mit Mäusen zeigte sich, dass nach 12 Wochen bereits fast die Hälfte einer Klammer im Gewebe abgebaut war. Die vollständige Klammer soll innerhalb eines Jahres vollständig abgebaut und vom Körper ausgeschieden sein. Die Klammern sind auch kein Hindernis bei CT-Scans. Das Gewebe, in welchem die Klammer gesetzt wurde, entzündete sich während des Abbauprozesses nicht. Auch andere Nebenwirkungen blieben aus. Auch die Blutwerte hinsichtlich Magnesium blieben innerhalb normaler Parameter.

Wachoperationen: Einblick in die Gehirnfunktion

Eine Wachoperation ist eine spezielle Form der Hirnoperation, bei der der Patient während eines Teils des Eingriffs wach ist. Dies ermöglicht es den Chirurgen, wichtige Funktionen wie Bewegungen oder Sprache in Echtzeit zu überprüfen und so das Risiko von Schäden an diesen Funktionen zu minimieren.

Der Ablauf einer Wachoperation

Während der Wachoperation werden dem Patienten Fragen gestellt oder er wird aufgefordert, bestimmte Bewegungen auszuführen. Der Grund für diese Tests: Funktionen wie Bewegungen oder auch Sprache können während einer Vollnarkose nicht zuverlässig überprüft werden. Nur mithilfe der Bewegungen des Patienten können die Ärzte erkennen, ob sie den Leitungsbahnen zu nahekommen, die die Bewegungsbefehle des Gehirns in die Muskeln senden. Über Elektroden am Kopf des Patienten kann die Leitungsfähigkeit von Gehirn und Nerven gemessen und damit deren Unversehrtheit geprüft werden. „Über eine Stimulationselektrode, mit der die Hirnoberfläche direkt stimuliert wird, überprüfen wir, ob dieser Abschnitt des Hirngewebes eine Bewegungsfunktion hat“, erklärt der Chefarzt. „Durch die Stimulation mit einer bestimmten Stromstärke und Frequenz wird bewirkt, dass dieser Hirnbezirk vorübergehend nicht mehr arbeiten kann.“

Psychische Belastung nach einer Hirntumor-OP

Es ist ratsam, nach einer Hirntumor-OP nicht nur die organischen Folgen zu sehen, die man zu Hause oder in einer (anstrengenderen) ambulanten Reha gut in den Griff bekommt. Die Belastung der Psyche sollte nicht unterschätzt werden.

Die Bedeutung einer Anschlussheilbehandlung (AHB)

Es wäre ratsam, den Gedanken an eine AHB zuzulassen. Es ist nach der heutzutage nur noch sehr kurzen Aufenthaltsdauer in der Klinik gut, diese Zeit von meist nur 3 Wochen (früher waren es 4 Wochen) nach einer Erholungsphase von 2 Wochen durchzuführen. Zu Hause schafft man meist alles, aber in der Rehaklinik wird einem einiges an alltäglichen Pflichten abgenommen und durch helfende, verwöhnende oder eben auch psychisch aufbauende und stabilisierende Therapien sinnvoll ersetzt.

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