Das Schopenhauer-Gehirn-Paradox: Eine philosophische Herausforderung

Die Entwicklung schreitet voran: Der Kosmos mit seinen Strukturen, das Leben auf der Erde, die menschliche und künstliche Intelligenz, sowie unser Verständnis davon. Dieses Buch ist der menschlichen und nichtmenschlichen Natur auf der Spur. Es handelt von Grundsatzfragen der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, von Präzisierungen der modernen Naturphilosophie und von vielen weiteren Facetten humanistischer Kultur. Leitidee ist die Einheit des Wissens im Lichte der Evolution.

Einführung in das Gehirnparadox

Arthur Schopenhauer, einer der bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, präsentierte eine Philosophie, die auf Kants transzendentalem Idealismus aufbaute und gleichzeitig östliche Weisheiten integrierte. Ein zentrales Problem in Schopenhauers System ist das sogenannte Gehirnparadox, das sich aus der Beziehung zwischen Gehirn und Vorstellung ergibt. Dieses Paradox stellt die Frage, wie das Gehirn, das selbst eine Vorstellung sein soll, gleichzeitig die Quelle aller Vorstellungen sein kann.

Das Gehirnparadox nach Schopenhauer

Nach Schopenhauer ist das Gehirn, wie alle Vielfalt dieser Welt, nur eine Erscheinung des metaphysischen Willens und somit bloß eine Vorstellung. Andererseits aber entsteht die Vorstellung im Gehirn. Der Philosophiehistoriker Eduard Zeller wies bereits 1873 darauf hin, dass sich ein Widerspruch ergebe, wenn laut Schopenhauer “die Vorstellung ein Produkt des Gehirns und das Gehirn ein Produkt der Vorstellung” sei (1). Zu diesem vermeintlichen Widerspruch, auch Zellerscher Zirkel genannt, schrieb der Philosoph Dieter Birnbacher: “Ein Teil der physischen Welt, das Gehirn, kann unmöglich Erscheinung und zu- gleich Quelle aller Erscheinungen sein. Als Quelle aller Erscheinungen kann das Gehirn nicht selbst zur Erscheinungswelt gehören.

Der Zellersche Zirkel

Der sogenannte "Zellersche Zirkel" beschreibt genau dieses Problem: Wenn das Gehirn eine Vorstellung ist, wie kann es dann gleichzeitig die Quelle der Vorstellungen sein? Das Gehirn als Teil der physischen Welt kann unmöglich sowohl Erscheinung als auch Ursprung aller Erscheinungen sein.

Schopenhauers Antwort auf das Paradox

Arthur Hübscher hat zu diesem Gehirnparadox in seiner zur Wirkungsgeschichte Schopenhauers sehr informativen Darstellung Denker gegen den Strom. “Die realistische und die idealistische Betrachtungsweise [d. h. die Vorstellung als Produkt des Gehirns einerseits und das Gehirn als Produkt der Vorstellung andererseits] stehen miteinander in unver- söhnlichem Konflikt. Die Gegenäußerung kann sich auf Schopenhauer selbst berufen, der dem vorgeblichen Widerspruch durchaus ins Auge gefaßt hat: Es ist ebenso wahr, daß die Materie eine bloße Vorstellung des Erkennenden , wie daß der Erkennende ein Produkt der Materie sei. Es verhält sich ähnlich wie bei den beiden entgegengesetzten Behauptungen über eine Hohlkugel - sie sei konkav und sie sei konvex gewölbt -, Behauptungen, die man durch die Einsicht zusammenbringt, daß es auf den Standort des Betrachters - innerhalb und außerhalb der Kugel - ankommt. Somit wäre diese Welt - je nach dem Standort des Betrachters - in all ihrer Vielheit eine “empirische Realität”, zugleich aber auch (als Manifestation des einen Willens) eine metaphysische Einheit.

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Schopenhauer selbst war sich dieses Widerspruchs bewusst und versuchte, ihn aufzulösen. Er argumentierte, dass es ebenso wahr sei, dass die Materie eine bloße Vorstellung des Erkennenden ist, wie dass der Erkennende ein Produkt der Materie sei. Diese Perspektiven ähneln den entgegengesetzten Behauptungen über eine Hohlkugel, die je nach Standort des Betrachters konkav oder konvex erscheint.

Die empirische Realität und die metaphysische Einheit

Die Welt ist demnach, je nach Standpunkt des Betrachters, eine empirische Realität in ihrer Vielfalt und gleichzeitig eine metaphysische Einheit als Manifestation des einen Willens. Diese Feststellung erinnert an die Aussage des von Arthur Schopenhauer hoch verehrten Buddha: “Alles ist eine Einheit”, so lehrt eine Weltweisheit, “alles ist eine Vielheit von je für sich bestehenden einzelnen Substanzen“, so lehrt eine andere. Diese beiden Enden vermeidend, verkündet der Vollendete in der Mitte die wahre Lehre.(4) Diese Worte deuten darauf hin, dass der Buddha es ablehnte, die Welt einseitig nur als Einheit oder Vielheit, d. h. nur im idealistischen oder realistischen Sinne zu interpretieren. Vielleicht kommt eine solche Auffassung auch im Hinblick auf das oben dargelegte Gehirnparadox der Wahrheit näher als das im Abendland übliche Entweder-oder-Denken.

Die Wahrheit im Paradox

In allen Jahrhunderten hat die arme Wahrheit darüber erröten müssen, dass sie paradox war: und es ist doch nicht ihre Schuld. Sie kann nicht die Gestalt des thronenden allgemeinen Irrtums annehmen. Da sieht sie seufzend auf zu ihrem Schutzgott, der Zeit, welcher ihr Sieg und Ruhm zuwinkt, aber dessen Flügelschläge so groß und langsam sind, dass das Individuum darüber hinwegstirbt, So bin denn auch ich mir des Paradoxen [… in meiner Philosophie] sehr wohl bewußt, kann jedoch nicht der Wahrheit Gewalt anthun. (6)

Idealität von Raum und Zeit

In Anlehnung an Kants Philosophie gebrauchte Schopenhauer das Wort Idealität im Zusammenhang mit der Tatsache, dass jede Wahrnehmung abhängt von der Beschaffenheit der Wahrnehmungsorgane, also vor allem des Gehirns, und der hierbei geltenden biologischen Gesetzmäßigkeiten. Das bedeutet, dass die Welt, wie sie mit den Sinnen wahrgenommen wird, d. h., wie sie in der Anschauung dem Anschauenden erscheint, nur eine Vorstellung des Anschauenden ist, also dass dieser nicht wahrnimmt, wie die Welt an sich ( Ding an sich ) ist.

Kants Einfluss

Laut Kants Kritik der reinen Vernunft, die für Schopenhauers Philosophie von grundlegender Bedeutung ist, sind Raum und Zeit sowie Kausalität lediglich Anschauungsformen. Sie sind bereits vor aller Anschauung, also von vornherein (apriori), als Funktionen des Gehirns angelegt (s. dazu auch > Individuation). Das mit den Sinnen Aufgenommene erscheint mittels der Gehirnfunktionen als etwas, das von Kant Erscheinung und von Schopenhauer Vorstellung genannt wurde. Somit werden, wie oben erwähnt, die Dinge nur wahrgenommen, wie sie aufgrund der Gehirnfunktionen erscheinen und nicht wie sie an sich sind.

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Die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich

Auf diesem von Kant nachgewiesenen Zusammenhang und der damit verbundenen strikten Unterscheidung zwischen Erscheinung bzw. Vorstellung und dem Ding an sich beruhen die wesentlichen Aussagen von Schopenhauers Erkenntnislehre, welche ohne die eben kurz begründete Idealität von Raum und Zeit nicht zu verstehen ist. Alles in der Welt erscheint neben- und nacheinander in Raum und Zeit als Vielheit ( principium individuationis ). Wenn aber Raum und Zeit lediglich Gehirnfunktionen sind, dann ist alle wahrgenommene Vielheit bloß ein Gehirnphänomen. Was aber nicht durch Raum und Zeit (sowie Kausalität) bedingt ist, wäre demnach nicht Vielheit, sondern Einheit, die Schopenhauer Wille nannte (Kants Ding an sich ).

Schopenhauers idealistische, monistische Philosophie

So kam Schopenhauer in Anlehnung an Kant zu einer idealististischen, monistischen Philosophie, die im Ergebnis den Lehren des Mahayana-Buddhismus, insbesondere des ZEN, und des altidischen, von Shankara geprägten Advaita-Vedanta ähnelt, ja wahrscheinlich sogar letztlich mit ihnen übereinstimmt. Arthur Schopenhauers überaus bedeutsame philosophische Leistung besteht somit auch darin, dass durch sie eine Brücke geschaffen wurde zwischen der an Kant orientierten westlichen Philosophie und den spirituellen Erkenntnissen des alten Indiens!

Raum und Zeit im Schopenhauer-Lexikon

Die folgende Darstellung ist aus dem Schopenhauer-Lexikon von Julius Frauenstädt (2. Band, Leipzig 1871, Stichworte: Raum und Zeit , 257 f. “Der einleuchtendste und zugleich einfachste Beweis der Idealität des Raumes ist, dass wir den Raum nicht, wie alles Andere, in Gedanken aufheben können. Bloß ausleeren können wir ihn. Aber ihn selbst können wir auf keine Weise los werden. Was wir auch tun, wohin wir uns auch stellen mögen, er ist da und hat nirgends ein Ende; denn er liegt allem unserm Vorstellen zu Grunde und ist die erste Bedingung desselben. Dies beweist ganz sicher, dass er unserm Intellekt selbst angehört, ein integrierender Teil desselben ist und zwar der, welcher den ersten Grundfaden zum Gewebe desselben, auf welches danach die bunte Objekten-Welt aufgetragen wird, liefert. Ist nun aber der Raum offenbar eine Funktion, ja eine Grundfunktion unseres Intellekts selbst; so erstreckt sich die hieraus folgende Idealität auch auf alles Räumliche, sofern es räumlich ist, also sofern es Gestalt, Größe und Bewegung hat. Auch die so genauen und richtig zutreffenden astronomischen Berechnungen sind nur dadurch möglich, dass der Raum eigentlich in unserm Kopfe ist. Dass der Kopf im Raume sei, hält ihn nicht ab, einzusehen, dass der Raum doch nur im Kopfe ist. (P II, 46 fg.; I, 18 fg. G 82. W II, 37-40 und 55, Tafel der Praedicabilia a priorides Raumes. N. Vorrede XIII-XVI. H.

Die Idealität der Zeit

“Die von Kant entdeckte Idealität der Zeit hat schon einen genügenden Beweis an der gänzlichen Unmöglichkeit, sie hinwegzudenken, während man Alles, was in ihr sich darstellt, sehr leicht hinwegdenkt. (W II, 37.) Die Idealität der Zeit ist eigentlich schon in dem, der Mechanik angehörenden Gesetze der Trägheit enthalten, welches im Grunde besagt, dass die bloße Zeit keine physische Wirkung hervorzubringen vermag, daher sie, für sich allein, an der Ruhe oder Bewegung eines Körpers nichts ändert. Schon hieraus ergibt sich, dass sie kein physisch Reales, sondern ein transzendental Ideales sei, d. h. nicht in den Dingen, sondern im erkennenden Subjekt ihren Ursprung habe. Dass die Zeit überall und in allen Köpfen vollkommen gleichmäßig fortläuft, ließe sich sehr wohl begreifen, wenn dieselbe etwas rein Äußerliches, Objektives, durch die Sinne Wahrnehmbares wäre, wie die Körper. Aber das ist sie nicht. Auch ist sie keineswegs die bloße Bewegung oder sonstige Veränderung der Körper; diese vielmehr ist in der Zeit, welche also von ihr schon als Bedingung vorausgesetzt wird; denn die Uhr geht zu schnell, oder zu langsam, aber nicht mit ihr die Zeit, sondern das Gleichmäßige und Normale, worauf jenes Schnell und Langsam sich bezieht, ist der wirkliche Lauf der Zeit. Die Uhr misst die Zeit, aber sie macht sie nicht. Wenn alle Uhren stehen blieben, wenn die Sonne selbst stillstände, wenn alle und jede Bewegung oder Veränderung stockte; so würde dies doch den Lauf der Zeit keinen Augenblick hemmen, sondern sie würde ihren gleichmäßigen Gang fortsetzen und nun, ohne von Veränderungen begleitet zu sein, verfließen. Dabei ist sie dennoch nichts Wahrnehmbares, nichts äußerlich, objektiv Gegebenes. Da bleibt keine andere Annahme übrig, als dass sie in uns liege, unser eigener, ungestört fortschreitender mentaler Prozess, die Form unseres Vorstellens sei. (P II, 43 fg.; I, 108.

Schopenhauer über die Metaphysik

Zur Idealität der Zeit und ihre Bedeutung für die Metaphysik schrieb Arthur Schopenhauer mit Hinweis auf Kant: “Man ist mit Einem Male, zu seiner Verwunderung, da, nachdem man, zahllose Jahrtausende hindurch, nicht gewesen, und, nach einer kurzen Zeit, eben so lange wieder nicht zu seyn hat. - Das ist nimmermehr richtig, sagt das Herz: und selbst dem rohen Verstande muß aus Betrachtung dieser Art eine Ahnung der Idealität der Zeit aufgehn. Diese aber, nebst der des Raumes, ist der Schlüssel zu aller wahren Metaphysik ; weil durch dieselbe für eine ganz andere Ordnung der Dinge, als in der Natur ist, Platz gewonnen wird.” ( P II, 303 f.)

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Das Gehirnparadox im Kontext der Idealität

Trotz Idealität des Raumes gilt Schopenhauers Satz: “Zwar ist der Raum nur in meinem Kopf; aber empirisch [meiner Erfahrung nach] ist mein Kopf im Raum”(W II, 22). Dieses hier aufgeworfene Problem erinnert an das Gehirnparadox im Zellerschen Zirkel, wonach laut Schopenhauers Philosophie das Gehirn, wie alle Vielfalt in dieser Welt, nur eine Erscheinung des (metaphysischen) Willens und somit bloß eine Vorstellung sei, doch anderseits entsteht diese Vorstellung im Gehirn, welches aber selbst nur eine Vorstellung ist. Zur möglichen Lösung dieses grundsätzlichen Problems s.

Die Bedeutung der Metaphysik

Der obige Hinweis Schopenhauers auf die Metaphysik ist auch deshalb bedeutsam, weil Schopenhauer die Magie als praktische Metaphysik bezeichnete. Deshalb wird in Frauenstädts Schopenhauer-Lexikon (a. a. O., S. 258) mit Recht auf “das Hellsehen als eine Bestätigung der Idealität des Raumes” und auf Schopenhauer-Zitate zum Thema Magie verwiesen.

Das Verhältnis von Gehirn und Vorstellung

Das Verhältnis von Gehirn und Vorstellung ist ein Problem in Arthur Schopenhauers Philosophie, nämlich ein Gehirnparadox , denn nach Schopenhauer ist das Gehirn, wie alle Vielfalt dieser Welt, nur eine Erscheinung des metaphysischen Willens und somit bloß eine Vorstellung. Andererseits aber entsteht die Vorstellung im Gehirn.

Schopenhauer und die Exoterik

Seit Längerem befindet sich die Philosophie in einem Prozess der Aufspaltung - auf der einen Seite in einen esoterisch-akademischen Zweig mit immer »kleinteiligeren« und voraussetzungsreicheren Problemstellungen sowie Veröffentlichungsstandards, die sich de­nen der Naturwissenschaften annähern, auf der anderen Seite in einen exoterisch-populärphilosophischen Zweig, der die Jedermannsfragen nach dem Woher und Wohin, nach dem Sinn des Le­bens und dem richtigen Handeln aufgreift und den Dialog nicht nur mit Fachkollegen, sondern mit der breiten Öffentlichkeit sucht. Schopenhauer gehört in dieser Dichotomie eindeutig zu den Exoterikern, und das dürfte zumindest zu einem Teil das weiter-hin lebhafte Interesse an seiner Philosophie erklären. Schopenhauer hat sich nicht nur mit der für ihn charakteristischen Deutlichkeit von der »Universitätsphilosophie« seiner Zeit abgesetzt, er hat die Popularität auch bewusst gesucht und zumindest posthum gefunden. Die sprachliche Brillanz und die Erfahrungsnähe seiner Schriften haben dafür gesorgt, dass er das Publikum über ein ganzes halbes Jahrhundert in seinen Bann gezogen hat. Dass dieser Bann in einem gewissen Maße bis heute anhält, zeigt sich nicht zuletzt in der zeitlichen Dichte des Erscheinens dreier Werke, die eine Orientierungshilfe für alle sein wollen, die sich näher mit dieser Philosophie befassen wollen: das 2014 in erster und 2017 in er­weiterter Auflage erschienene Schopenhauer-Handbuch des Metzler-Verlags, der Grundriss Schopenhauer des Meiner-Verlag (der gegenwärtig Schopenhauers Werk in einer neuen historisch-kritischen Ausgabe herausbringt) und das bei UTB für den Herbst 2021 angekündigte Schopenhauer-Lexikon. Während es sich beim Handbuch um ein Gemeinschaftswerk (unter der Herausgeberschaft von Daniel Schubbe und Matthias Koßler) von ca. 50 Autoren und beim Lexikon um ein ebensolches (unter der Herausgeberschaft von Daniel Schubbe und Jens Lemanski) von ca. 75 Autoren handelt, geht der Grundriss auf einen alleinigen Verfasser zurück, den seit Langem als Schopenhauer-Experten bekannten Trierer Philosophen Peter Welsen.

Das Schwanken zwischen Idealismus und Naturalismus

Interessanterweise ist W.s Umgangsweise mit dieser Ambivalenz stellenweise ihrerseits ambivalent: Ihren Kulminationspunkt, das auf Zeller zurückgehende sogenannte »Ge­hirnparadox«, nach dem das Gehirn nicht zugleich der transzendentale Erzeuger der Natur und als biologisches Organ Teil der so erzeugten Natur sein kann, deutet er einerseits als Missverständnis (29), bezweifelt aber an anderer Stelle (41 FN) dennoch, ob das tran szendentale Verständnis der raumzeitlichen Erscheinungswelt, das Schopenhauers für sich reklamiert, mit seiner materialistischen Anthropologie vereinbar ist. Auch an der Selbstgewissheit, mit der Schopenhauer manche seiner Philosopheme als Wahrheiten be­hauptet, etwa im Zusammenhang mit seiner Überzeugung von der Möglichkeit einer Fortdauer nach dem Tod trotz Verlust von Be­wusstsein, Individualität und Zeitlichkeit (231 FN), kann der Hermeneutiker W. nicht umhin Anstoß zu nehmen, vor allem angesichts von Schopenhauers Betonung der Relativität und Vorläufigkeit aller Metaphysik.

Schlussfolgerung

Das Schopenhauer-Gehirn-Paradox bleibt eine faszinierende Herausforderung für das Verständnis der Beziehung zwischen Geist und Materie. Schopenhauers Versuch, dieses Paradox durch die Unterscheidung von empirischer Realität und metaphysischer Einheit aufzulösen, bietet einen tiefen Einblick in seine Philosophie. Die Idealität von Raum und Zeit, beeinflusst von Kant, spielt eine entscheidende Rolle in Schopenhauers Erkenntnistheorie und führt zu einer monistischen Weltanschauung, die Parallelen zu östlichen Weisheitslehren aufweist. Trotz der Komplexität und potenziellen Widersprüche bleibt Schopenhauers Werk ein bedeutender Beitrag zur Philosophie, der auch heute noch zur Reflexion anregt.

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