Trigeminusneuralgie und Östrogene: Ein möglicher Zusammenhang

Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Trigeminusneuralgie und östrogenen Hormonen gibt, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Obwohl noch keine abschließenden Antworten vorliegen, deuten einige Beobachtungen und Studien darauf hin, dass hormonelle Schwankungen, insbesondere des Östrogenspiegels, eine Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Trigeminusneuralgie-Symptomen spielen könnten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Kopfschmerzen und Migräne

Statistisch gesehen sind Frauen häufiger von Migräne betroffen als Männer. Die Ursachen für diese Ungleichverteilung werden in der Kopfschmerzforschung seit jeher diskutiert. Ein Aspekt, der dabei immer wieder in den Fokus rückt, sind die natürlichen Schwankungen im weiblichen Hormonhaushalt.

Die Rolle von Sexualhormonen bei Migräne

Professor Christian Wöber, Leiter der Kopfschmerzambulanz am AKH Wien, hat beobachtet, dass bei seinen weiblichen Patienten Hinweise darauf zu erkennen sind, dass die Sexualhormone eine Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielen könnten. Die Schwankungen im Hormonspiegel, die innerhalb eines typischen Verlaufs des weiblichen Zyklus auftreten, könnten Migräneattacken begünstigen. So zeigt sich oft eine Verbesserung hinsichtlich der Migräne nach der Menopause, wenn sich der Östrogenspiegel auf einem konstanten Niedrigstand einpendelt. Auch die geringere Migränebelastung bei schwangeren Patientinnen, bei denen der Östrogenspiegel gleichbleibend hoch ist, deutet auf einen möglichen Zusammenhang hin.

Der weibliche Zyklus und seine hormonellen Veränderungen

Der Menstruationszyklus beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation, während der die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Zu Beginn des Zyklus ist der Östrogenspiegel niedrig. Mit der Reifung der Eizellen in den Eierstöcken steigt der Östrogenspiegel allmählich an (Follikelphase). Der steigende Östrogenspiegel sorgt für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Bis zum Eisprung steigt der Östrogenspiegel immer weiter an. Nach dem Eisprung (Ovulation) kommt es zur Lutealphase, in der sich aus dem verbleibenden Follikel der Gelbkörper bildet, der Progesteron produziert. Progesteron erhält die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut. Wird die Eizelle nicht befruchtet, bauen sich Gelbkörper und Progesteronproduktion ab, was zum Abfall von Östrogen und Progesteron und schließlich zur Ablösung der Gebärmutterschleimhaut führt.

Menstruelle Migräne: Ein erhöhtes Risiko rund um die Menstruation

Eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2018 analysierte die Forschungsliteratur zur Rolle der Sexualhormone bei der Entstehung von Migräne. Die Analyse zeigte, dass bei Migränepatientinnen im sogenannten fruchtbaren Alter mit einem typischen weiblichen Zyklus das Risiko für eine Migräneattacke rund um die Menstruation signifikant höher ist. Die Phase, in der Frauen besonders anfällig für Migräneattacken sind, erstreckt sich von den zwei Tagen vor der Menstruation bis zu den drei Tagen danach. Diese Phase ist von einem starken Umschwung im Östrogen- und Progesteronspiegel geprägt.

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Der Trigeminusnerv als möglicher Vermittler

Die Schwankungen im Östrogenspiegel während des weiblichen Zyklus könnten Zellen im Trigeminus beeinflussen. Der Trigeminus ist ein Gehirnnerv, dem bei der Vermittlung von Impulsen, die Migräneattacken auslösen, eine entscheidende Rolle zugeschrieben wird. Eine mögliche Erklärung könnte darin liegen, dass über den Trigeminus vermittelte Nervenimpulse zu einer Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute führen und diese Entzündungen sich dann in Form der typischen pulsierenden, pochenden Migränekopfschmerzen äußern. Sexualhormone könnten so auf den Trigeminus einwirken, dass er sensibler auf jene Impulse reagiert, die zu Migräneattacken führen.

Drei italienische Forscherinnen griffen in einer Übersichtsstudie aus dem Jahr 2020 die Vermutung auf, dass die Hormone, die den weiblichen Zyklus regulieren, über ihre Wirkung auf den Trigeminus das Migränegeschehen beeinflussen könnten. Ihre Annahme: Sexualhormone könnten sowohl auf die Häufigkeit als auch auf die Schwere von Migräneattacken einen Einfluss haben.

Östrogenabfall in den Wechseljahren und seine Auswirkungen

Eine US-amerikanische Übersichtsstudie von 2020 vergleicht die regelmäßige menstruelle Migräne von Frauen im fruchtbaren Alter mit der Migränebelastung, die sich bei Frauen innerhalb der sogenannten „Wechseljahre“ einstellen kann. Es wird eine Gemeinsamkeit darin gesehen, dass in beiden Fällen die Migränebelastung dann zunimmt, wenn der Östrogenspiegel abfällt: Bei menstrueller Migräne steige die Gefahr für Migräneattacken regelmäßig mit dem plötzlichen Abfall des Östrogenspiegels rund um die Menstruation. In den Wechseljahren gelte das Gleiche für diejenige Phase, in der zur Vorbereitung auf die Menopause und im Übergang in die Postmenopause.

Hormonelle Empfängnisverhütung: Ein möglicher Einfluss auf menstruelle Migräne

Bereits 2014 hatte ein US-amerikanisches Forscherteam in einer Übersichtsstudie bemerkt, dass die Erkenntnisse um eine mögliche Zunahme von Migränebeschwerden bei einem abfallenden Östrogenspiegel einen Ansatzpunkt für weitere Forschungen hinsichtlich einer eventuellen Beeinflussung der menstruellen Migräne durch hormonelle Empfängnisverhütung bieten könnten. Zu dieser Frage fand die Forschung aber bis heute keine abschließende Antwort.

Atypischer Gesichtsschmerz und mögliche hormonelle Zusammenhänge

Eine persönliche Erfahrung schildert den Zusammenhang zwischen atypischem Gesichtsschmerz, Zahnproblemen und möglicherweise hormonellen Veränderungen. Die Betroffene litt jahrelang unter atypischem Gesichtsschmerz, der sich erstmals nach einer Nasenhöhlenentzündung bemerkbar machte. Nach dem Ziehen eines kaputten Zahns reduzierten sich die Schmerzen deutlich. Eine niedrigdosierte antidepressive Therapie hilft, die Schmerzen zu kontrollieren. Versuche, die Dosis zu reduzieren oder eine Pause einzulegen, führten jedoch immer wieder zu massiven Schmerzen. Die Schmerztherapeutin riet, die Erhaltungsdosis nicht zu unterschreiten, da der Schmerz sonst möglicherweise nicht mehr auf die Therapie ansprechen könnte.

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Es wird auch ein möglicher Zusammenhang mit dem Karpaltunnelsyndrom (KTS) erwähnt, das ebenfalls mit dem Östrogenentzug in Verbindung gebracht wird. Obwohl viele Frauen mit KTS nicht mit Östrogenentzug konfrontiert sind, tritt die Erkrankung häufig in den Wechseljahren oder der Menopause auf.

Aromatherapie und hormonelle Beeinflussung

Japanische Forscher untersuchten den Einfluss verschiedener Aromen auf den Oxytocin-Spiegel im Speichel bei postmenopausalen Frauen. Die Ergebnisse zeigten, dass die meisten Öle außer Weihrauch einen Anstieg des Oxytocin-Spiegels bewirkten. In der Diskussion wird auf die Übereinstimmung bezüglich Oxytocin-Anregung durch Salbei bei schwangeren Frauen hingewiesen. Weiterhin wird die angstlösende Wirkung von Linalool mit der Oxytocin-Erhöhung von Lavendel in Zusammenhang gebracht. Dies deutet auf mögliche Zusammenhänge zwischen Aromen, Hormonen und neurologischen Prozessen hin.

Weitere Faktoren, die Rückenschmerzen bei Frauen beeinflussen

Es gibt Faktoren wie anatomische Unterschiede und hormonelle Veränderungen im Laufe des Lebens, beispielsweise während des Menstruationszyklus, Schwangerschaft oder Menopause, die dazu beitragen, dass Frauen vermehrt an Rückenschmerzen leiden. Frauen können besonders in der Lendenwirbelsäule, aufgrund anatomischer Unterschiede, Schmerzen haben. Der weibliche Körper hat evolutionsbedingt häufig eine etwas stärker gekrümmte untere Wirbelsäule, was die Belastung der Bandscheiben und der Muskulatur erhöht. Rückenschmerzen bei Frauen in den Wechseljahren können durch hormonelle Veränderungen verursacht werden, die zu Muskelabbau und Veränderung der Knochensubstanz führen. Dies kann die Stabilität der Wirbelsäule beeinträchtigen und Schmerzen verursachen. Altersbedingte Veränderungen der Wirbelsäule (Osteoporose, Arthrose), Stress und ein inaktiver Lebensstil können ebenfalls eine Rolle spielen.

Mastzellen und ihre mögliche Rolle bei verschiedenen Erkrankungen

Eine pathologisch gesteigerte Mastzellaktivität kann sich in verschiedenen Erkrankungen und gesundheitlichen Störungen äußern. Oft können mehrere Begleiterkrankungen parallel bestehen. Mastzellen sind an vielen Pathomechanismen beteiligt, jedoch muss bei den hier genannten Erkrankungen nicht zwingend eine Mastzellaktivierungsstörung vorliegen.

Es werden verschiedene Erkrankungen genannt, bei denen Mastzellen eine Rolle spielen könnten, darunter:

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  • Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
  • Rosazea
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Allergisches Asthma
  • Endometriose
  • Migräne
  • Posturales Tachykardiesyndrom (POTS)
  • Fibromyalgie
  • Reizdarmsyndrom (RDS)
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Multiple Chemikaliensensitivität (MCS)
  • Interstitielle Cystitis (IC)
  • Angststörung

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