Operation Spastik: Ein umfassender Überblick

Die Spastik, eine Erhöhung der Muskelspannung, ist eine häufige Folge frühkindlicher Hirnschädigungen und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Spastik, von den Ursachen und Auswirkungen bis hin zu innovativen Behandlungsmethoden und persönlichen Erfahrungen von Betroffenen.

Was ist Spastik?

Spastik ist eine Bewegungsstörung, die durch eine erhöhte Muskelspannung gekennzeichnet ist. Sie entsteht durch Schädigungen im Gehirn oder Rückenmark, die die Steuerung der Muskeln beeinträchtigen. Bei Menschen mit Spastik sind bestimmte Muskeln ständig angespannt, was zu Steifheit, unwillkürlichen Muskelkrämpfen und eingeschränkter Beweglichkeit führen kann.

PD Dr. med. habil. Haberl erklärt, dass die Spastik durch eine frühkindliche Hirnschädigung verursacht wird und eine schwere Gangstörung zur Folge haben kann. Betroffene Patienten bewegen sich oft nur auf Zehenspitzen fort oder sind sogar an den Rollstuhl gebunden.

Ursachen und Auswirkungen der Spastik

Die Hauptursache für Spastik ist eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks. Dies kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:

  • Frühkindliche Hirnschädigung (Infantile Zerebralparese)
  • Schlaganfall
  • Trauma
  • Enzephalitis
  • Geburtskomplikationen
  • Rückenmarksverletzungen

Die Auswirkungen der Spastik können vielfältig sein und hängen vom Schweregrad der Erkrankung und den betroffenen Muskelgruppen ab. Zu den häufigsten Auswirkungen gehören:

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  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Muskelsteifheit und -krämpfe
  • Schmerzen
  • Gangstörungen
  • Haltungsstörungen
  • Erschwerte Alltagsaktivitäten
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität

Innovative Behandlungsmethoden der Spastik

Selektive Dorsale Rhizotomie (SDR)

Die selektive dorsale Rhizotomie (SDR) ist ein mikrochirurgischer Eingriff, bei dem sensorische Nervenwurzeln im Bereich des unteren Rückenmarks durchtrennt werden. Ziel ist es, die Spastizität abzuschwächen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Frau Dr. medic. erläutert, dass die SDR auf der Ebene des Rückenmarks die Spastik auslöst. Bei dem Eingriff werden die Nervenfasern gesucht, die besonders viele spastische Impulse übertragen und diese werden dann durchtrennt. Es ist wichtig zu betonen, dass Fasern, die die Funktionsfähigkeit aller Wurzeln aufrechterhalten, nicht durchtrennt werden.

Jennifer Summers vom King’s College London und Mitarbeiter berichten, dass es bei fast allen Kindern in den ersten beiden Jahren nach der Operation zu einer Verbesserung der motorischen Fähigkeiten kam. Auch die Lebensqualität der Kinder verbesserte sich in verschiedenen Bereichen signifikant.

T. S. Park von der Washington University School of Medicine in St. Louis und Mitarbeiter befragten 95 Patienten, deren Operation bereits 20 bis 28 Jahre zurückliegt. Fast alle (91 %) waren der Meinung, dass die Operation ihre Lebensqualität positiv beeinflusst hat und die überwiegende Mehrheit (88 %) würde anderen Patienten zu der Operation raten.

SDR in der Pädiatrischen Neurochirurgie der Charité Berlin

In der Pädiatrischen Neurochirurgie der Charité Berlin wird die Technik der uni-segmentalen, mikroskopischen selektiven dorsalen Rhizotomie seit 2008 angewendet. Mit einer Erfahrung von mehr als 150 Rhizotomien wird diese Operation aktuell durch Herrn PD Dr. med Matthias Schulz und Herrn Prof. Dr. med. Ulrich-Wilhelm Thomale durchgeführt. Sie reduziert die durch die Spastik ausgelösten Schmerzen in den großen Gelenken. Im Gegensatz zu allen bisherigen operativen Ansätzen kommt sie mit einem minimalen Zugang zur Wirbelsäule über einen ca. 5 cm langen Schnitt aus.

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C7-Nerventransfer

Ein Team um Wen-Dong Xu von der Fudan-Universität in Shanghai hat eine Operation entwickelt, um mithilfe der unbeschädigten Hirnseite die Spastik zu durchbrechen und die Beweglichkeit des gelähmten Armes zu verbessern. Für die Operation wird ein Spinalnerv C7 der gesunden Seite zur gelähmten Seite umgeleitet.

Wie die Forscher berichten, kam es in den ersten 12 Monaten nach der Operation bei den 18 operierten Patienten im Vergleich zu 18 nicht operierten Patienten zu einer deutlichen Besserung in der Fugl-Meyer-Skala zur motorischen Erholung und in der modifizierten Ashworth-Skala zur Spastizität.

Intrathekale Baclofen-Therapie (ITB)

Die intrathekale Baclofen-Therapie (ITB) ist eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Spastik. Dabei wird eine Medikamentenpumpe implantiert, die kontinuierlich das Muskelrelaxans Baclofen in den Rückenmarkkanal abgibt.

Diese Therapieform ermöglicht eine gezielte und dosierte Medikamentengabe, wodurch die systemischen Nebenwirkungen reduziert werden können. Michele, eine Patientin mit schwerer Spastik, berichtet, dass sie nach Beginn der ITB-Therapie ohne Hilfsmittel laufen konnte und sich wieder aktiv am Leben beteiligen konnte.

Botox-Therapie

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von Spastik ist die Botox-Therapie. Dabei wird das Nervengift Botulinumtoxin in die betroffenen Muskeln injiziert, um die Muskelspannung zu reduzieren.

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Ein Patient berichtet von seinen Erfahrungen mit der Botox-Therapie und der Baclofen-Pumpe. Obwohl sein Antrag auf eine stationäre Botox-Therapie zunächst abgelehnt wurde, konnte er schließlich durch die Implantation einer Baclofen-Pumpe eine deutliche Linderung seiner Spastik erreichen.

Persönliche Erfahrungen mit der Operation Spastik

Niki Ritter, ein 14-jähriger Junge, strahlt. Auf die Frage, wie es ihm nach der Operation geht, antwortet er mit nur einem Wort: „Gut!“ Ende Februar flog er mit seinen Eltern in die USA für eine aufwändige OP, die seine Spastik heilen könnte - möglich gemacht hatten das auch viele Spenden aus der Region.

Kai, ein sechs Jahre alter Junge, wurde im Altonaer Kinderkrankenhaus operiert, um ihn von der spastischen Lähmung zu befreien. Nach der Operation ist die Spastik aus Kais Beinen verschwunden. "Aber das Laufen muss er erst wieder neu erlernen. Denn sein Gehirn muss die Bewegungsabläufe neu koordinieren, weil er seine Muskeln anders bewegen muss, wenn sie eine normale Spannung haben und keine Spastik", erklärt Kunkel.

Michele war als Ehefrau, Mutter und im Beruf als medizinische Fachangestellte voll ausgelastet und glücklich. Ihr Leben änderte sich schlagartig, als ihr jemand bei der Arbeit ein Krankenhausbett in den Rücken rammte. Ihre Spastik konnte durch die Implantation einer Baclofen-Pumpe deutlich reduziert werden, wodurch sie wieder ein aktives Leben führen konnte.

Arun, ein weiterer Patient, litt unter Spastik infolge einer Rückenmarksverletzung. Auch er konnte durch die ITB-Therapie eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität erreichen.

Wichtige Aspekte bei der Behandlung von Spastik

  • Interdisziplinäre Betreuung: Die Behandlung von Spastik erfordert ein interdisziplinäres Team von Spezialisten, darunter Neurologen, Neurochirurgen, Orthopäden, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Psychologen.
  • Individuelle Therapieplanung: Die Therapie muss individuell auf die Bedürfnisse und den Schweregrad der Erkrankung des Patienten abgestimmt werden.
  • Langzeitbetreuung: Die Behandlung von Spastik ist oft ein langfristiger Prozess, der eine kontinuierliche Betreuung und Anpassung der Therapie erfordert.
  • Realistische Erwartungen: Es ist wichtig, realistische Erwartungen an die Behandlung zu haben. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstständigkeit des Patienten zu fördern.

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