Die Angst, andere zu nerven: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Angststörungen sind weit verbreitete psychische Erkrankungen, von denen etwa ein Viertel der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen ist. Fachleute unterscheiden verschiedene Formen, darunter Panikstörung, generalisierte Angststörung und soziale Phobie. Diese Erkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Angst über das normale Maß hinausgeht und die Betroffenen in ihrem Alltag erheblich beeinträchtigt, sei es im persönlichen, familiären, sozialen oder beruflichen Bereich. Häufig treten auch körperliche Symptome auf.

Was sind Angststörungen?

Bei Angststörungen ist die Angstreaktion nicht angemessen. Betroffene haben sehr starke Ängste, schätzen die tatsächliche Gefahr falsch ein oder haben eine Angstreaktion ohne erkennbaren Auslöser. Solche Erkrankungen können die Lebensqualität erheblich einschränken. Es ist jedoch nicht einfach, die genaue Grenze zwischen angemessener und krankhafter Angst zu ziehen.

Wann sind Ängste normal?

Angstgefühle sind eine normale Reaktion auf Situationen, die man als bedrohlich empfindet. Die Angst aktiviert den Körper, etwa für Flucht oder Kampf. Auf psychischer Ebene sorgt sie dafür, dass wir Gefahren meiden oder diese mit erhöhter Vorsicht und Aufmerksamkeit bewältigen.

Wie häufig sind Angststörungen?

Angststörungen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen. Etwa ein Viertel aller Menschen erkrankt im Laufe ihres Lebens einmal an einer Angststörung. Im Jahr 2023 erhielten knapp acht Prozent der Erwachsenen in Deutschland die Diagnose einer Angststörung - davon etwa doppelt so viele Frauen wie Männer. Laut einer bundesweiten Befragung des Robert Koch-Instituts empfanden 2023 jedoch 13 Prozent der Erwachsenen eine auffällige Belastung durch Angstsymptome.

Ursachen von Angststörungen

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Angststörungen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken können:

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  • Belastende Lebensereignisse: Tod oder Trennung der Eltern, Krankheit oder Alkoholmissbrauch in der Familie, Scheidung.
  • Erziehungsstil: Abweisende oder überbehütende Erziehungsstile.
  • Geschlecht: Frauen erkranken häufiger an einer Angststörung als Männer.
  • Genetische Faktoren: Aus der Familie heraus können neben einer vorgelebten „Ängstlichkeit“ möglicherweise auch genetische Faktoren eine Rolle für die Entwicklung von Angststörungen eine Rolle spielen. Aus rein medizinischer Sicht geht man davon aus, dass nicht ein einzelnes, sondern mehrere Gene für Angsterkrankungen verantwortlich sein können. Untersuchungen haben ergeben, dass Verwandte ersten Grades von an Angststörungen Leidenden öfter als andere Menschen, die nicht dieser Konstellation ausgesetzt sind, selbst mit dauerhaften Ängsten leben. Dies wird allerdings eingeschränkt durch die Annahme, dass diese Betroffenen mit ihren Verwandten ersten Grades in Eltern-Kind-Beziehung stehen und hier auch die soziale Prägung wieder einen beträchtlichen Einfluss geltend macht.

Es gibt auch lerntheoretische Modelle als mögliche Erklärung für die Entstehung von Angststörungen. Solche Modelle gehen davon aus, dass sich Angst als fehlerhafter Lernprozess entwickelt:

  • Im Anfang stehen Sorgen, die primär im Rahmen belastender Lebensereignisse (wie Scheidung, Tod des Partner, Arbeitsplatzverlust) auftreten. Bei entsprechender Veranlagung können diese Sorgen chronisch werden. Die Betroffenen nehmen innere und äußere Reize (wie körperliche Beschwerden) als bedrohlich wahr und schätzen die eigene Fähigkeit, Probleme zu lösen, als unzureichend ein - die Sorgen intensivieren sich.
  • Dazu beitragen können noch weitere Mechanismen wie etwa der Versuch, die sorgenvollen Gedanken zu unterdrücken.

Manche Experten gehen davon aus, dass früh im Leben entstandene Konflikte die Symptome einer Angsterkrankung verursachen, wenn sie zu unangemessenen (neurotischen) Lösungsversuchen führen.

  • Im Falle einer Generalisierten Angststörung sollen die Betroffenen sicherheitsgebende Beziehungserfahrungen unzureichend verinnerlicht haben. Der Grund sind oftmals verunsichernde Beziehungserfahrungen mit den Eltern (z.B. weil diese ebenfalls eine Angsterkrankung hatten).

Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter) sind offensichtlich ebenfalls in Angsterkrankungen involviert. Angstpatienten weisen diesbezüglich nämlich zahlreiche Unterschiede im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen auf, wie Untersuchungen belegen.

  • Bislang ist aber noch unklar, wie Neurotransmitter und Angststörungen genau zusammenhängen. Auf alle Fälle scheint aber der Botenstoff Serotonin eine Rolle zu spielen: Bei Angststörungen sind nämlich Medikamente wirksam, welche die Kommunikation der Nervenzellen über diesen Botenstoff verbessern.

Symptome von Angststörungen

Charakteristisch ist übermäßige Angst. Betroffene fühlen sich etwa nervös, unruhig und angespannt oder empfinden eine drohende Gefahr. Auch können sie zum Grübeln neigen und Probleme damit haben, ihre Sorgen zu kontrollieren oder sich zu konzentrieren. Auch eine erhöhte Reizbarkeit ist möglich. Körperliche Angstsymptome kommen häufig hinzu.

Viele Betroffene vermeiden angstauslösende Situationen, ertragen sie nur unter Angst oder wenn beispielsweise eine Vertrauensperson mit dabei ist.

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Bei einer Angststörung sind die Symptome so schwerwiegend, dass sie das alltägliche Leben beeinträchtigen. Einschränkungen können zum Beispiel im persönlichen, familiären, sozialen oder beruflichen Bereich entstehen.

Oft suchen Betroffene wegen körperlicher Symptome, die bei einer Angstreaktion auftreten können, ärztlichen Rat. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Herzklopfen, Herzrasen
  • Zittern, Beben
  • Mundtrockenheit
  • Schwitzen, Hitzegefühl, Kälteschauer
  • Enge im Hals, Erstickungsgefühl, Atemnot
  • Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
  • Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel, Benommenheit
  • Taubheits-, Kribbelgefühle
  • Gefühl der Unwirklichkeit
  • Schlafprobleme
  • Harndrang
  • Erröten

Angstauslösende Situationen und die Gedanken und Empfindungen der Betroffenen sind je nach Angststörung unterschiedlich. Die drei großen Arten von Angststörungen - Panikstörung, Phobie und generalisierte Angststörung - lassen sich klar voneinander abgrenzen. Bei allen Formen treten jedoch starke Ängste auf.

Welche Angststörungen gibt es?

Klassischerweise unterscheiden Ärztinnen und Ärzte folgende Angsterkrankungen:

  • Panikstörung: Bei der Erkrankung kommt es immer wieder zu plötzlichen Panikattacken, die aus heiterem Himmel auftreten können. Eine Panikattacke ist zeitlich begrenzt. Für gewöhnlich erreichen die Symptome innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und klingen normalerweise innerhalb einer Stunde ab. Die Symptome treten rasch und gleichzeitig auf. Charakteristisch sind intensive Angst oder Befürchtungen sowie körperliche Angstsymptome. Auch die Furcht, augenblicklich zu sterben, ohnmächtig zu werden oder die Kontrolle zu verlieren, kann Teil einer Panikattacke sein. Panikattacken sind ein Symptom, das auch bei anderen psychischen Erkrankungen und anderen Angststörungen, zum Beispiel bei der Agoraphobie, vorkommen kann.
  • Agoraphobie (wörtlich übersetzt „Platzangst“): Übermäßige Angst tritt in Situationen auf, in denen Flucht schwierig ist und keine Hilfe verfügbar sein könnte - etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, Menschenmengen, Warteschlangen und wenn man sich allein außerhalb des Hauses aufhält. Betroffene fürchten in diesen Situationen negative Folgen, etwa eine Panikattacke oder andere stark beeinträchtigende oder peinliche körperliche Symptome wie in Ohnmacht zu fallen, Herzbeschwerden oder Schwindelgefühle.
  • Generalisierte Angststörung: Betroffene leiden unter einer ständigen Besorgtheit und Anspannung. Diese bezieht sich auf Alltägliches wie Familie, Gesundheit, Finanzen, Schule und Beruf. Körperliche und psychische Angstsymptome treten nicht wie bei einer Panikstörung als Angstanfall gleichzeitig auf, sondern in wechselnder Kombination als unterschwelliger Dauerzustand.
    • Eine generalisierte Angststörung kann sich sowohl psychisch als auch körperlich äußern. Zu den psychischen Beschwerden gehören andauernde, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen. Die Ängste betreffen verschiedene Bereiche des Lebens. Sie sind keine Reaktion auf eine Bedrohung und auch nicht auf bestimmte Dinge oder Situationen beschränkt. Weil sich die Angst auf alles Mögliche beziehen kann oder sich gar nicht mehr mit konkreten Anlässen in Verbindung bringen lässt, sprechen Fachleute von „generalisierter“ Angst.
    • Menschen mit einer generalisierten Angststörung können sich zum Beispiel in einem Moment ängstigen, dass ihr Partner auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall haben könnte. Im nächsten Augenblick fürchten sie, dass ihr Kind auf dem Weg zur Schule überfahren wird; dann, dass sie ihren Schlüssel verlieren könnten, und schließlich, dass sie am nächsten Tag einen Herzinfarkt bekommen. Sie machen sich praktisch über alles Sorgen - über große wie kleine und sogar über völlig belanglose Dinge. Viele fürchten auch die Angst selbst oder machen sich Sorgen darüber, dass sie sich dauernd Sorgen machen. Die ständigen Befürchtungen schränken das tägliche Leben deutlich ein und können die Stimmung verdüstern. Vor allem, wenn gleichzeitig eine Depression besteht, kann eine Angststörung das Gefühl verstärken, das Leben sei nicht mehr lebenswert.
    • Als Reaktion auf Angst setzt die Nebenniere das Hormon Adrenalin frei. Es beschleunigt viele Körperfunktionen - normalerweise, um die Wachsamkeit und Reaktionsbereitschaft kurzfristig zu erhöhen: Das Herz schlägt schneller, die Atemzüge werden kurz und flach. Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung hält dieser normalerweise nur kurze körperliche Alarmzustand mit Herzrasen oder -klopfen und Kurzatmigkeit oft länger an. Er wird dann als sehr unangenehm erlebt.
    • Mögliche weitere Symptome sind unter anderem Benommenheit, Nervosität oder Schwindel. Häufig sind auch Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen und Magenbeschwerden.
    • Sich ständig zu ängstigen, ist erschöpfend und kann zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen.
  • Soziale Angststörung (soziale Phobie): Menschen mit sozialer Phobie sind besorgt, dass sie in sozialen Situationen Verhaltensweisen oder Angstsymptome zeigen, die von anderen negativ bewertet werden. Solche Situationen sind etwa Unterhaltungen, das Halten einer Rede, ein Essen im Restaurant, Behördengänge, Arztbesuche oder mit Vorgesetzten sprechen.
    • Eine soziale Phobie ist eine Angststörung. Dies bedeutet, dass das hauptsächliche Gefühl, das in bestimmten Situationen ausgelöst wird, Angst ist. Alle Menschen kennen das zeitweilige Erleben von Angst. Ungefähr 40% der Bevölkerung nennen sich "schüchtern", ohne an einer psychischen Störung zu leiden. Angst an sich ist ein ganz normales und sinnvolles Gefühl und hat die Funktion, uns vor gefährlichen Situationen zu warnen und zu schützen. Zumeist sind dies Situationen wie das Essen und Sprechen in der Öffentlichkeit, die Begegnung mit Bekannten in der Öffentlichkeit, die Teilnahme an kleinen Gruppen oder auch das Hinzukommen zu kleinen Gruppen (in Arbeitskreise, auf Feiern etc.). Diese Situationen lösen große Angst aus, und es entsteht der Wunsch, diese Situationen zu vermeiden. Dabei äußert sich Angst auf verschiedenen Ebenen und tritt in Gedanken, Gefühlen, Körperreaktionen und im Verhalten auf.
  • Spezifische Phobie: Betroffene haben unverhältnismäßige Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen. Beispielsweise vor Tieren wie Spinnen oder Hunden, vor dem Fliegen mit dem Flugzeug, vor Höhen, geschlossenen Räumen oder vor dem Anblick von Blut und Verletzungen.
  • Außerdem kann man den selektiven Mutismus und eine Störung mit Trennungsangst zu den Angststörungen zählen. Kinder mit selektivem Mutismus sprechen in bestimmten sozialen Situationen nicht - zum Beispiel in der Schule. In anderen Situationen, etwa zu Hause mit der Familie, sprechen sie jedoch.
  • Trennungsangst kann nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen auftreten.

Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?

Einen Arzttermin sollten Sie vereinbaren, wenn Sie unter Ängsten leiden. Besonders, wenn Sie einer oder mehrerer der folgenden Aussagen zustimmen:

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  • Ich denke mehr als die Hälfte des Tages über meine Ängste nach.
  • Ich werde durch die Ängste in meiner Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt.
  • Wegen meiner Ängste werde ich immer depressiver.
  • Wegen meiner Ängste habe ich schon Suizidgedanken gehabt.
  • Ich bekämpfe meine Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
  • Wegen meiner Ängste ist meine Partnerschaft ernsthaft in Gefahr.
  • Wegen meiner Ängste habe ich Probleme im Beruf oder bin deswegen arbeitslos.

Wer hilft bei einer Angststörung weiter?

Möchten Sie sich wegen einer Angststörung behandeln lassen, können Sie sich zunächst an Hausarzt oder Hausärztin wenden. Diese können Sie an entsprechende Fachleute überweisen. Sie können sich auch direkt an ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten wenden oder an Institutsambulanzen mit psychiatrischer, psychosomatischer oder psychologischer Ausrichtung. Auf psychenet.de finden Sie zahlreiche Anlaufstellen - auch für akute Krisensituationen.

Was passiert, wenn man eine Angststörung nicht behandelt?

Angststörungen verschwinden nur selten von selbst. Eine Ausnahme sind spezifische Phobien, die häufig bei Kindern auftreten und sich dann abschwächen oder verschwinden. Eine soziale Angststörung verläuft unbehandelt eher kontinuierlich, während generalisierte Angststörung, Agoraphobie und Panikstörung eher in Phasen verlaufen.

Werden Angststörungen früh erkannt, lassen sie sich in der Regel leichter behandeln. Ein langer Krankheitsverlauf, kann den Therapieerfolg ungünstig beeinflussen. Zudem ist es möglich, dass eine erfolgreich behandelte Angststörung später erneut auftritt.

Wie stellt man eine Angststörung fest?

Die Diagnose kann etwa ein Psychiater oder eine Psychiaterin stellen. Dafür spricht er oder sie ausführlich mit den Betroffenen und schließt körperliche Ursachen oder den Einfluss von Drogen, Alkohol und Medikamenten für die Beschwerden aus.

Auf psychologischer Seite grenzen sie Angststörungen von anderen psychischen Erkrankungen ab, bei denen ebenfalls Angst als Symptom auftreten kann. Dies ist etwa bei Zwangserkrankungen oder der Posttraumatischen Belastungsstörung der Fall. Sie achten außerdem darauf, ob möglicherweise gleichzeitig weitere psychische Erkrankungen bestehen.

Nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) liegt eine Generalisierte Angststörung vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Es bestehen seit mindestens sechs Monaten Anspannung, Besorgnis und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme, mit folgenden Befunden:
    • vegetative Symptome wie erhöhte Herzfrequenz, Schwitzen, Zittern oder Mundtrockenheit
    • Symptome im Bereich von Brustkorb oder Bauchraum (Atembeschwerden, Beklemmungsgefühle, Schmerzen im Brustkorb, Missempfindungen im Bauch)
    • psychische Symptome (Schwindel, Gefühl von Unwirklichkeit, Angst vor Kontrollverlust, Angst zu sterben)
    • Allgemeinsymptome (Hitzewallungen oder Kälteschauer, Missempfindungen auf der Haut = Parästhesien)
    • Symptome der Anspannung (verspannte Muskeln, Ruhelosigkeit, Kloßgefühl im Hals)
    • andere unspezifische Symptome (wie Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Einschlafstörungen)
  • Zudem machen sich die Betroffenen ständig Sorgen, etwa dass sie selbst oder nahestehende Personen einen Unfall erleiden oder erkranken könnten. Sie meiden möglichst Aktivitäten, die sie als gefährlich empfinden. Hinzu kommen - wie oben beschrieben - Sorgen über ihre ständige Sorgen ("Meta-Sorgen").

Für die Diagnose einer Angsterkrankung wie der Generalisierten Angststörung ist es auch notwendig, dass vorher andere mögliche Ursachen für die belastenden Symptome und Beschwerden des Patienten ausgeschlossen werden. Zu den häufigsten Differenzialdiagnosen einer Angsterkrankung zählen zum Beispiel:

  • Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Brustenge (Angina pectoris), Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen
  • neurologische Erkrankungen wie Migräne, Multiple Sklerose
  • Störungen des Hormonhaushaltes wie Unterzucker (Hypoglykämie), Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), Überschuss an Kalium oder Kalzium, akute intermittierende Porphyrie
  • weitere Krankheitsbilder wie gutartiger Lagerungsschwindel (benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel)

Die organischen Differenzialdiagnosen lassen sich mithilfe verschiedener Untersuchungen ausschließen. Wichtig sind eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen (z.B. Messung von Blutzucker, Kalium und Kalzium, Blutbild) sowie eine Elektrokardiografie (EKG).

Gegebenenfalls können noch weitere Untersuchungen sinnvoll sein, darunter etwa eine Prüfung der Lungenfunktion und/oder eine Bildgebung des Schädels (mittels Kernspintomografie oder Computertomografie).

Welche Behandlung hilft bei Angststörungen?

Angststörungen lassen sich gut behandeln. Infrage kommen vor allem eine Psychotherapie und Medikamente. Aber auch Selbsthilfemaßnahmen können unterstützend wirken. Psychotherapie und Medikamente können jeweils allein oder auch gemeinsam eingesetzt werden.

Psychotherapie

Expertinnen und Experten raten bei vielen Angststörungen zur kognitiven Verhaltenstherapie. In der Therapie erhalten Sie unter anderem Informationen über die Erkrankung, überprüfen gemeinsam, welche Gedanken die Angststörung aufrechterhalten, bauen Vermeidungsverhalten ab und erproben neue Verhaltensweisen. Zum Beispiel in einer Expositionsbehandlung, bei der Sie sich gezielt der gefürchteten Situationen aussetzen. Eine Expositionstherapie wird insbesondere bei spezifischen Phobien empfohlen.

Bei Panikstörung, Agoraphobie, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie kann auch eine psychodynamische Therapie infrage kommen. In der Therapie sollen Sie unter anderem unbewusste Bedeutungen Ihrer Angstsymptome herausfinden, sich angstbesetzten Situationen stellen und diese in der Therapie besprechen. Vor allem bei sozialen Ängsten soll die Therapie Erfahrungen, in wichtigen Beziehungen beschämt worden zu sein, korrigieren. Bei sozialer Phobie ist als weitere Therapieform die systemische Therapie möglich.

Wie medikamentöse Therapien kann auch eine Psychotherapie Nebenwirkungen haben.

Medikamente

Zur Behandlung von Angststörungen gibt es verschiedene Medikamente. Panikstörung, Agoraphobie, generalisierter Angststörung und soziale Phobie werden vor allem mit Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) behandelt.

Die Medikamente machen nicht abhängen, benötigen aber eine gewisse Zeit bis sie wirken. Sie können je nach Wirkstoff unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen - etwa Übelkeit, Schwindel und sexuelle Störungen, wie Erektionsprobleme und vermindertes sexuelles Verlangen.

Ergänzende Maßnahmen und Selbsthilfe bei Angst

  • Körperliche Aktivität und Sport, können zur Besserung der Symptome beitragen. Sport alleine reicht zur Therapie aber nicht aus.
  • Zu viel Alkohol und Nikotin können eine Angsterkrankung ungünstig beeinflussen. Manche Menschen können auch durch zu viel Koffein Angstsymptome bekommen.
  • Entspannungstechniken kommen in einigen Psychotherapien vor. Sie sollen die körperliche Anspannung, die bei Angst entsteht, reduzieren. Solche Verfahren können die Beschwerden jedoch auch verstärken. Daher sollten sie individuell besprochen und ausprobiert werden.
  • Eine Internetbasierte Therapie kann im Sinne einer Anleitung zur Selbsthilfe zum Beispiel zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn oder therapiebegleitend gemacht werden.
  • Eine Virtuelle-Realität-Expositionstherapie kann etwa für Menschen mit sozialer oder spezifischer Phobie infrage kommen. Man setzt sich dem Angstauslöser nicht in Wirklichkeit aus, sondern in der virtuellen Realität, einer computergenerierten dreidimensionalen Umgebung in Echtzeit.
  • Vor angstauslösenden Situationen sollte man nicht flüchten. Sich bei der Konfrontation aber auch nicht überfordern und daher besser schrittweise vorgehen. Menschen mit sozialer Phobie können zum Beispiel üben, Fremde anzusprechen.
  • Für manche kann der Austausch in Selbsthilfegruppen unterstützend sein.

Krankheitsverlauf und Prognose

Viele Betroffene interessiert vor allem eine Frage: Ist eine generalisierte Angststörung heilbar? Tatsache ist - nur selten verschwinden die Symptome von alleine. Bei vielen Patienten verfestigen sich die ständigen Ängste vielmehr und werden zum ständigen Begleiter.

Wenn aber Menschen mit generalisierter Angststörung eine Therapie machen, lassen sich Angstsymptome erkennen und reduzieren. Dadurch gewinnen die Betroffenen an Lebensqualität und sind oft auch wieder in der Lage, am Berufs- und Sozialleben teilzunehmen. Dabei gilt: Je früher die Erkrankung behandelt wird, desto besser die Aussicht auf Erfolg.

Insgesamt fällt die Prognose schlechter aus als bei anderen Angststörungen. Eine generalisierte Angststörung verläuft also oft chronisch. Außerdem wird eine generalisierte Angststörung nicht immer erkannt und daher auch nicht therapeutisch behandelt. Das liegt mitunter daran, dass sie selten alleine auftritt, sondern in der Regel durch andere Probleme verdeckt wird.

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