Alkohol und seine Auswirkungen auf das Gehirn und die Produktivität

Der Konsum von Alkohol ist ein weit verbreitetes Phänomen, das in vielen Kulturen tief verwurzelt ist. Er wird oft mit Geselligkeit, Entspannung und Genuss assoziiert. Die Auswirkungen von Alkohol auf den Körper und insbesondere auf das Gehirn sind jedoch komplex und vielfältig. Während einige Studien aufzeigen, dass ein moderater Alkoholkonsum positive Effekte haben kann, warnen andere vor den erheblichen Risiken, die mit übermäßigem Konsum verbunden sind. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Alkoholkonsums, seine Auswirkungen auf das Gehirn und die Produktivität und gibt Ratschläge für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol.

Die Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn

Veränderungen in der neuronalen Morphologie

Ein Forschungsteam der Universität zu Köln und der Universitäten Mannheim und Heidelberg hat herausgefunden, dass bereits eine einmalige Gabe von Alkohol dauerhafte Veränderungen in der Morphologie der Neurone verursachen kann. Insbesondere der Aufbau der Synapsen und die Dynamik der Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle, werden durch Alkohol beeinflusst. Mithilfe des genetischen Modellsystems Drosophila melanogaster, einer Fruchtfliege, konnte gezeigt werden, dass sich durch die Veränderungen der Wanderung der Mitochondrien in den Synapsen die belohnende Wirkung von Alkohol reduziert. Diese Ergebnisse legen nahe, dass bereits einmaliger Konsum die Grundlage für Alkoholabhängigkeit legen kann.

Die morphologische Umgestaltung von Nervenzellen ist eine bekannte Grundlage für Lernen und Gedächtnis. Diese sogenannten zellulären Plastizitätsmechanismen, die für Lernen und Gedächtnis von zentraler Bedeutung sind, gelten ebenfalls als Kernstück der Bildung assoziativer Erinnerungen für drogenbezogene Belohnungen. Daher könnten einige der beobachteten morphologischen Veränderungen die ethanolbezogene Gedächtnisbildung beeinflussen.

Akute neuronale Wechselwirkungen

Die meisten wissenschaftlichen Forschungen haben die Auswirkungen eines chronischen Alkoholkonsums auf den Hippocampus untersucht. Deswegen ist wenig über die akuten neuronalen Wechselbeziehungen kritischer Risikofaktoren, wie einem ersten Alkoholrausch im frühen Alter, bekannt. Ethanolabhängige molekulare Veränderungen bilden die Grundlage für dauerhafte zelluläre Veränderungen nach einer einmaligen, akuten Ethanolintoxikation.

Das Team überprüfte seine Hypothese anhand Forschungen an der Fruchtfliege und im Mausmodell und konnte durch Ethanol verursachte Veränderungen in zwei Bereichen feststellen: der sogenannten mitochondrialen Dynamik sowie dem Gleichgewicht zwischen den Synapsen der Nervenzellen. Um die Energie optimal an die Zellen abgeben zu können, bewegen sich die Mitochondrien. Die Bewegung der Mitochondrien war in den mit Ethanol behandelten Zellen gestört. Auch das chemische Gleichgewicht zwischen bestimmten Synapsen war gestört.

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Alkohol und Dopamin

Alkohol kann unterstützend auf das Gehirn einwirken, damit die dortigen Rezeptoren mehr Dopamin ausschütten. Leider hat langfristiger, zu starker Alkoholkonsum aber auch den Effekt, dass jene Rezeptoren langsam abgebaut werden. Geht es einer Person beim Alkoholkonsum nur darum, den rauschartigen Zustand wieder zu erreichen, muss die Menge Alkohol also bei zu häufigem Konsum immer weiter gesteigert werden. Alkohol und Dopamin kann somit in dem konkreten Moment ein sehr gewünschter und angenehmer Effekt sein. Sofern im Übermaß angewendet, sind dies jedoch trügerische Glücksmomente, die - sofern ein gesundes Maß überschritten wird - in eine Abhängigkeit führen können.

Der Alkohol wird als einzige (schnelle) Lösung des Problems wahrgenommen, aber ist gleichzeitig der Auslöser für den anschließend niedrigeren Dopaminspiegel. In klaren Momenten ist vielen Alkoholikern zwar bewusst, dass ihr Verhalten keine langfristige Lösung ist. Alkohol und Dopamin hängen bei Alkoholabhängigen somit eng zusammen und es fällt Betroffenen meist sehr schwer, aus diesem Teufelskreis selbst auszubrechen. In vielen Fällen sollten sie dies außerdem nicht versuchen, da ein eigenmächtiger Alkoholentzug ebenfalls schwere Nebenwirkungen hat.

Alkohol und Gedächtnis

Studie der Universität Essex

Eine Studie der Universität Essex hat ergeben, dass Alkoholkonsum einen positiven Effekt auf das Erinnerungsvermögen und damit den Lernerfolg haben kann. In einem Test mit 88 Probanden kam heraus, dass diejenigen, die sich am Tag zuvor einige Drinks gegönnt hatten, sich an das neu Gelernte besser erinnern konnten als diejenigen, die keinen Alkohol getrunken hatten. Insgesamt ließ sich sogar feststellen, dass je mehr Alkohol die Testpersonen zu sich genommen hatten, desto besser ihr Erinnerungsvermögen war.

Dem Forscherteam zufolge könnte das an dem positiven Effekt liegen, den Alkohol auf die Aufnahmefähigkeit ausübt. Denn das Gehirn wird zwar bei jedem weiteren Glas unfähiger, neue Informationen aufzunehmen. Dafür hat es dadurch gleichzeitig mehr Ressourcen, die vor dem Konsum aufgenommenen Informationen im Gedächtnis abzuspeichern.

Einschränkungen der Studie

Es ist wichtig zu beachten, dass die Studie der Universität Essex einige Einschränkungen aufweist. Mit nur 88 Teilnehmern, von denen gerade einmal 45 Alkohol konsumiert haben, ist die Studie nicht repräsentativ. Zudem ging aus der Studie hervor, dass der Alkohol sich lediglich nach dem Lernen positiv auf das Erinnerungsvermögen auswirkt - nicht währenddessen.

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Alkohol als Belohnungssystem

Unser Gehirn ist darauf programmiert, Verhalten zu belohnen, das unser Überleben sichert. Ursprünglich war dieses System dafür gedacht, uns zum Essen, Trinken und zur Fortpflanzung zu motivieren. Wenn wir Alkohol konsumieren, schüttet unser Gehirn Dopamin aus - den „Wohlfühl-Neurotransmitter“. Dieser Botenstoff ist verantwortlich für das Gefühl der Belohnung und Befriedigung.

Jedes Gefühl mit Alkohol zu ‚belohnen‘, ist ein zuverlässiger Weg, Deine emotionale Intelligenz zu zerstören. Du belohnst Dich dafür, dass Du Gefühle unterdrückst. Ob Stress, Langeweile, Angst oder sogar Freude - wenn wir diese Emotionen regelmäßig mit Alkohol „behandeln“, verlernen wir, sie auf natürliche Weise zu verarbeiten.

Wege zur Veränderung

Es ist wichtig, die automatische Verknüpfung zwischen bestimmten Situationen und Alkohol zu durchbrechen. Die Forschung zeigt, dass grundlegende Gewohnheitsänderungen etwa 21-66 Tage benötigen. Bereite Dich mental vor, habe eine alkoholfreie Alternative parat und überlege Dir im Vorfeld eine einfache Antwort auf die Frage, warum Du nicht trinkst.

Die Entscheidung, Alkohol nicht mehr als Belohnungssystem zu nutzen, ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbestimmung und emotionaler Intelligenz. Jeder Tag, an dem Du Dich bewusst für eine gesündere Alternative entscheidest, ist ein Erfolg.

Moderater Alkoholkonsum und kognitive Funktionen

Im Vergleich zu Nicht-Trinkern verbessert ein moderater Alkoholkonsum die kognitiven Funktionen. Ein geringer bis moderater Alkoholkonsum scheint die kognitiven Fähigkeiten positiv zu beeinflussen. Im Vergleich zu Nicht-Trinkern oder starken Trinkern geht ein moderater Konsum mit einer höheren kognitiven Funktionskurve und einem geringeren geistigen Abbau einher.

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Als "geringer bis moderater Alkoholkonsum" definierten die Forschenden der Studie weniger als acht Drinks pro Woche bei Frauen und weniger als 15 Drinks pro Woche bei Männern. Als Drink gelten laut Mitteilung etwa 150 Milliliter Wein oder 350 Milliliter Bier. Bei Personen mit diesem Trinkverhalten sei die Wahrscheinlichkeit für einen kognitiven Abbau um 34 Prozent geringer als bei Abstinenzlern. Auch bei den getesteten geistigen Fähigkeiten schnitten die moderaten Trinker signifikant besser ab.

Es wird vermutet, dass der nachgewiesene positive Effekt des moderaten Konsums auf die kognitive Funktion über eine schützende Wirkung des Alkohols auf Blutgefäße vermittelt ist. Das passe zu dem Wissen, dass Demenz oft durch Gefäßschäden verursacht werde.

Alkoholabhängigkeit

Alkoholkonsum mit der anfänglich entspannenden Wirkung hat Schattenseiten: In psychiatrischen Kliniken werden jährlich etwa 200.000 Personen mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit behandelt. Jeden Tag verlieren etwa 200 Menschen in Deutschland ihr Leben als direkte oder indirekte Folge von Alkoholkonsum.

Risikofreier Konsum?

Risikofrei ist der Alkoholkonsum nie, er geht immer mit Gefahren einher. Von einem schädlichen Gebrauch sprechen Fachleute, wenn Menschen regelmäßig zu viel trinken und dabei körperliche oder psychische Schäden durch den Alkoholkonsum in Kauf nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert eine risikoarme Menge des Zellgifts Alkohol wie folgt: Bei Männern sind es maximal 24 Gramm Reinalkohol am Tag - das entspricht etwa zwei Gläsern Bier je 0,3 Liter - an höchstens 5 Tagen in der Woche. Bei Frauen liegt der Wert bei nur 12 Gramm Reinalkohol. Da ihr Flüssigkeitsgehalt im Körper niedriger ist als bei Männern, führt die gleiche Menge Alkohol bei Frauen zu einer höheren Alkoholkonzentration im Blut.

Phasen der Alkoholabhängigkeit

Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich in der Regel sehr individuell. Fachleute definieren bei dem Krankheitsverlauf jedoch vier Phasen:

  • Voralkoholische Phase: Eine Person trinkt zunächst gelegentlich, dann fast täglich. Sie versucht, mithilfe des Alkohols Stress abzubauen und negative Emotionen oder Gedanken zu vertreiben, was anfangs meist auch funktioniert.
  • Anfangsphase (Prodromalphase): Der Konsum steigert sich. Die Konsumentin oder der Konsument trinkt immer wieder heimlich, zum Teil schon morgens. Typisch für diese Phase ist außerdem, sich Vorräte anzulegen und auch heimlich zu trinken.
  • Kritische Phase: Der oder die Erkrankte ist nicht mehr in der Lage, Beginn, Menge und Ende des Trinkens frei zu bestimmen. Zunehmend entgleitet Trinkenden die Kontrolle über das eigene Leben.
  • Chronische Phase: Häufig ist eine Alkoholikerin oder ein Alkoholiker tagelang betrunken und konsumiert bereits am Morgen, um die Entzugserscheinungen zu dämpfen und einfache Tätigkeiten erledigen zu können. Körper und Gesundheit werden immer mehr vernachlässigt, es kommt zu Zusammenbrüchen und Klinikeinweisungen.

Warnzeichen und Kriterien für Alkoholismus

Bei den meisten Betroffenen kreisen die Gedanken ständig ums Trinken, sobald der Konsum selbst zur Problemlösungsstrategie wird: Wer ständig seinen Kummer ertränkt oder seinen Groll herunterschluckt, ist stark gefährdet, abhängig zu werden. Achten Sie auf folgende Warnzeichen:

  • Sie sind unfähig, ohne Alkohol zu entspannen und sich wohlzufühlen.
  • Wenn Sie nicht trinken, sind Sie unruhig und leiden an Schlafstörungen.
  • Sie haben Gedächtnislücken nach dem Trinken.
  • Sprechen Angehörige Sie auf Ihren Alkoholkonsum an, gibt es Streit.
  • Sie haben häufig Schuldgefühle, weil Sie trinken.

Von einer Alkoholabhängigkeit sprechen Fachleute, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien innerhalb der letzten zwölf Monate gleichzeitig erfüllt waren:

  • Sie verspüren das starke Verlangen, Alkohol zu trinken.
  • Sie haben Probleme, Trinkmenge oder -zeitraum zu kontrollieren.
  • Sie haben körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern (Tremor), Schwitzen, Spannungszustände, Kreislaufprobleme oder Schlafstörungen.
  • Sie benötigen immer größere Mengen Alkohol, um die gleiche Rauschwirkung zu erleben (Toleranzentwicklung).
  • Sie vernachlässigen vermehrt andere Interessen oder Aktivitäten. Sich Alkohol zu beschaffen, zu trinken oder sich davon zu erholen, nimmt eine zentrale Rolle in Ihrem Tagesablauf ein.
  • Sie trinken Alkohol, obwohl Sie schädliche Folgen davontragen, die Ihnen bewusst sind - wie zum Beispiel Leberschäden oder Depressionen.

Hilfe bei Alkoholabhängigkeit

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen für Menschen, die ihren Alkoholkonsum reduzieren oder beenden möchten. Dazu gehören Hausärzte, Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und Therapieeinrichtungen.

Entzugsbehandlung

Alkoholkonsum führt dazu, dass das Gehirn Botenstoffe wie Gammaaminobuttersäure (GABA) ausschüttet. GABA hemmt die Reizweiterleitung, wobei sich die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn bei dauerhaftem Alkoholkonsum an diese Wirkung anpassen können. Bleibt die Alkoholzufuhr aus, ist das Nervensystem übererregt. Zitternde Hände, Schwitzen, erhöhter Blutdruck und Puls sind meist erste Anzeichen für einen Entzug.

In der Regel findet eine körperliche Entzugsbehandlung stationär in einem Fachklinikum statt. Bei milden Entzugssymptomen kann auch eine ambulante Behandlung sinnvoll sein. Um den möglichen Folgen eines Entzugs vorzubeugen sowie die Beschwerden zu lindern, kann Ihnen Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt Medikamente wie Clomethiazol oder Benzodiazepine verschreiben. Die körperliche Entgiftung dauert meist etwa ein bis zwei Wochen.

Studien zeigen, dass Menschen im Anschluss an einen sogenannten qualifizierten Entzug häufiger abstinent bleiben. Ergänzend zu der körperlichen Entgiftung können Sie hier beispielsweise in psychotherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen reflektieren, warum Sie trinken, und diese Motivation nachhaltig verändern.

Entwöhnungsbehandlung

Fachleute empfehlen einen nahtlosen Übergang von der Entzugs- zur Entwöhnungsbehandlung. Letztere dauert meist zwischen acht und zwölf Wochen und kann stationär als Reha-Maßnahme in einem Fachklinikum erfolgen.

Die Wirkung von Alkohol auf den Körper

Rauschwirkung

Wenn Sie Alkohol trinken, gelangt dieser in erster Linie über das Verdauungssystem in Ihre Blutbahn. Je nachdem, wie viel und wie schnell Sie trinken, ob Sie männlich oder weiblich sind, wie viel Sie wiegen und wie schnell Ihr Körper den aufgenommenen Alkohol abbauen kann, steigt Ihr Alkoholpegel individuell an. Gemessen wird die Konzentration des Alkohols im Blut in Promille. Die euphorisierende und entspannende Wirkung des Alkoholkonsums entfaltet sich bis etwa 0,3 Promille. Gleichzeitig verändert sich auch schon Ihr Wahrnehmungsvermögen: Sie können zum Beispiel Entfernungen nicht mehr exakt einschätzen und auch Ihre Urteilsfähigkeit lässt nach.

Schon ab 0,5 Promille entwickeln die meisten Konsumierenden Koordinations- und Konzentrationsstörungen, hören und sehen schlechter und werden reizbarer. Ab 0,8 Promille verstärken sich Gleichgewichtsstörungen. Alkoholisierte Personen überschätzen ihre Fähigkeiten meist stark - ihr Unfallrisiko steigt. Spätestens mit 1,0 Promille können sich "ungeübte" Trinker kaum noch klar artikulieren. Sie verlieren ihre Hemmungen und ihre Stimmung schwankt oft zwischen Glückseligkeit, Frustration und Aggression. Kreislaufprobleme und Herz-Rhythmus-Störungen können auftreten. Hohe Trinkmengen können außerdem bis hin zu epileptischen Anfällen, Atemlähmung sowie einem tödlichen Koma führen.

Körperliche Schäden

Alkohol kann die Schleimhäute, Organe, Muskeln und Nervenzellen schädigen und so die Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen fördern. Welche Schäden auftreten, ist individuell und von Körperorgan zu Körperorgan unterschiedlich. Am häufigsten sind:

  • Alkoholische Fettleber, Leberzirrhose
  • Herzmuskelerkrankungen, Bluthochdruck
  • Impotenz
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse und in der Folge Diabetes mellitus
  • Magenschleimhautentzündung, Magengeschwüre
  • Übergewicht
  • Nervenschädigungen (Polyneuropathien)

Das Hauptabbauprodukt von Alkohol, Acetaldehyd, kann die DNA von Zellen schädigen. Somit steigert schädlicher Alkoholkonsum das Risiko für verschiedene Krebserkrankungen wie Mundhöhlen - und Rachenkrebs, Kehlkopf - und Speiseröhrenkrebs, Leberkrebs, Dick- und Enddarmkrebs sowie bei Frauen auch das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.

Alkohol hindert den Körper außerdem daran, Nährstoffe wie Vitamin B1 oder Folsäure aufzunehmen. Chronischer Konsum begünstigt daher Mangelerscheinungen und auch Kleinhirnschwund. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann bei Kindern unter anderem zu Kleinwuchs, verminderter Intelligenz, Herzfehlern oder Verhaltensstörungen führen (Fetales Alkoholsyndrom).

Psychische Schäden

Zu den möglichen psychischen Schäden durch dauerhaften Alkoholkonsum gehören:

  • Persönlichkeitsveränderungen wie mangelndes Selbstwertgefühl, Aggressivität oder verstärkte Eifersucht
  • Depressionen, Angsterkrankungen
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen (Demenz), Intelligenzminderung

Alkohol und Emotionsregulation

Alkohol kann entspannend und stimmungsaufhellend wirken und soziale Interaktionen erleichtern. Manche Menschen setzen ihn gezielt zur Belohnung und zum Stressabbau ein, aber auch um mit negativen Gefühlen besser umgehen zu können. In vielen Kulturen gehört er als Genussmittel bei geselligen Anlässen dazu.

Das Feierabendbier

Manche Menschen trinken am Abend Alkohol, um sich den Übergang vom Arbeitsalltag zum Feierabend zu erleichtern. Zunächst hat das Trinken von Alkohol auch meist eine stimmungsaufhellende und stressreduzierende Wirkung. Nach etwa ein bis zwei Stunden schüttet der Körper aber vermehrt Cortisol und Adrenalin aus, was Nervosität und Anspannung zur Folge hat. Statt uns abschalten zu lassen, verschlimmert Alkohol also langfristig das Stressproblem und macht stressanfälliger.

Das Ritual des Feierabendbieres ist mit Entspannung, Genuss und Wohlbefinden verbunden. Die positive Wahrnehmung kann zudem durch angenehme soziale Interaktionen verstärkt werden, zum Beispiel der After-Work-Drink im Kollegenkreis. Diese angenehmen Erlebnisse aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn - und das Gehirn „merkt“ sich diese wiederholten positiven Erfahrungen.

Gesündere Alternativen zum Stressabbau

  • Bewegung macht den Kopf frei. Machen Sie nach der Arbeit einen schönen Spaziergang, eine kleine Radtour oder gehen Sie ins Fitnessstudio.
  • Fahren Sie mit dem Rad zur Arbeit. So können Sie schon auf dem Nachhauseweg durch die körperliche Betätigung Stress abbauen.
  • Nehmen Sie sich mehr Zeit für sich und gönnen Sie sich regelmäßige Pausen im Alltagsstress.
  • Haben Sie ein Hobby, das Sie schon länger vernachlässigen? Nehmen Sie es wieder auf. Oder versuchen Sie ein Neues, wie meditatives Malen.
  • Trainieren Sie Übungen zur Achtsamkeit und bauen Sie diese in Ihren Arbeitsalltag ein.
  • Versuchen Sie es bei Stress und Anspannung mit einem Entspannungsverfahren wie der Progressiven Muskelentspannung oder mit Autogenem Training.

Vernünftige Grenzen beim Alkoholkonsum

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat unlängst ein Statement abgegeben, dass es beim Alkoholkonsum keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gäbe. Das bedeutet, dass nach derzeitigem Kenntnisstand keine Schwelle existiert, ab der die schädlichen Wirkungen von Alkohol beginnen. Sicher risikofrei ist nur Alkoholabstinenz. Als risikoarm galten bis vor kurzem Grenzen von zwölf Gramm für Frauen (etwa ein kleines Glas Bier oder ein Achtel Wein), bei Männern das Doppelte. Mittlerweile gibt aber auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen keine Empfehlungen mehr für solche Grenzwerte.

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