Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das im Laufe des Lebens Veränderungen unterliegt. Eine Abnahme des Hirnvolumens, auch Gehirnschrumpfung genannt, kann verschiedene Ursachen haben. Während eine gewisse Schrumpfung im Alter normal ist, kann sie auch ein Anzeichen für eine neurologische Erkrankung sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gehirnschrumpfung und die damit verbundenen Krankheitsbilder.
Physiologische Gehirnschrumpfung im Alterungsprozess
Mit zunehmendem Alter ist eine Abnahme des Hirnvolumens ein natürlicher Prozess. Diese altersbedingte Schrumpfung betrifft vor allem die graue Substanz, die für die Informationsverarbeitung im Gehirn zuständig ist. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Schrumpfung variieren von Person zu Person.
Neurodegenerative Erkrankungen als Ursache der Gehirnschrumpfung
Neurodegenerative Erkrankungen sind durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet. Dieser Zelluntergang führt zu einer deutlichen Schrumpfung des Gehirns und beeinträchtigt die kognitiven Funktionen.
Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft weltweit mehr als 26 Millionen Menschen. In Deutschland leiden rund 700.000 Menschen an dieser Erkrankung. Typische Anzeichen sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Beeinträchtigungen des Denk- und Urteilsvermögens.
Im Gehirn von Alzheimer-Patienten sterben Nervenzellen ab, was zu einer Schrumpfung des Gehirns um bis zu 20 Prozent führen kann. Zwischen den Nervenzellen bilden sich Eiweißablagerungen, die sogenannten Amyloid-Plaques. Diese Plaques spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit.
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Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Medikamenten, die das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen können. Ein vielversprechender Ansatz ist der Einsatz von Nanopartikeln, um Medikamente gezielt ins Gehirn zu transportieren. Nanopartikel sind winzige Fettkügelchen, die mit Medikamenten beladen und mit Ankermolekülen versehen werden können. Diese Ankermoleküle erkennen bestimmte Strukturen in der Blut-Hirn-Schranke und transportieren die Nanopartikel und das Medikament ins Gehirn.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Die Frontotemporale Demenz (FTD), früher als Morbus Pick bekannt, betrifft häufig Menschen unter 65 Jahren. Bei dieser Erkrankung werden Bereiche im Gehirn, die für Verhalten, Persönlichkeit, Sprache oder Bewegung zuständig sind, zunehmend beschädigt. Die FTD zeichnet sich durch eine Störung und letztendlich einen Zelluntergang des Stirn- und Schläfenlappens des Gehirns aus.
Die Medizin unterscheidet zwischen zwei Hauptformen der FTD:
- Verhaltensvariante: Hier verändern sich vor allem das Verhalten und die Persönlichkeit des Patienten. Typische Symptome sind Persönlichkeitsveränderungen, sozialer Rückzug, Apathie, Verlust von sozialem Bewusstsein, fehlende Einsicht, schlechte Impulskontrolle und Enthemmung.
- Sprachvariante: Bei dieser Variante ist in erster Linie die Kommunikationsfähigkeit des Patienten beeinträchtigt. Es entwickeln sich verschiedene Sprachstörungen, die stetig fortschreiten. In der Medizin wird die Sprachvariante der FTD unter dem Fachbegriff primär progressive Aphasien zusammengefasst. Es gibt verschiedene Unterformen, wie die semantische Variante (Schwierigkeiten, Bezeichnungen und Gegenstände in Einklang zu bringen), die progrediente nicht-flüssige/agrammatische Variante (Schwierigkeiten, flüssig zu sprechen und Sätze zu bilden) und die logopenische Variante (Probleme beim Finden der richtigen Wörter).
Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit ist eine weitere neurodegenerative Erkrankung, die zu Gehirnschrumpfung führen kann. Sie ist gekennzeichnet durch den Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich des Gehirns, der für die Bewegungskontrolle wichtig ist. Typische Symptome sind Muskelzittern, Steifheit, langsame Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen.
Huntington-Krankheit
Die Huntington-Krankheit ist eine erbliche neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns gekennzeichnet ist. Dies führt zu unwillkürlichen Bewegungen, kognitiven Beeinträchtigungen und psychischen Problemen.
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Zerebelläre Ataxie
Die zerebelläre Ataxie ist eine neurologische Störung des Kleinhirns. Dieses Areal im hinteren Teil des Gehirns koordiniert unsere Bewegungen und hält uns im Gleichgewicht. Bei der zerebellären Ataxie ist diese Fähigkeit beeinträchtigt. Betroffene Menschen können Schwierigkeiten beim Gehen, Sprechen und Greifen oder auch bei kontrollierten Augenbewegungen haben.
Die zerebelläre Ataxie kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Genetische Ursachen: Mutationen in Genen, die an der Entwicklung und Funktion des Kleinhirns beteiligt sind.
- Erworbene Ursachen: Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Entzündungen, toxische Einflüsse (Alkohol, Medikamente, Schwermetalle)
- Degenerative Ursachen: Verschlechterung des Kleinhirns im Laufe der Zeit aufgrund von nicht-genetischen Faktoren.
- Tumorbedingte Ursachen: Tumore im Bereich des Kleinhirns oder in benachbarten Regionen.
Ein Forschungsteam hat eine neue Art der zerebellären Ataxie entdeckt, die durch Autoantikörper namens Anti-DAGLA verursacht wird. Diese Antikörper richten sich gegen Kleinhirnzellen und führen zu einer schweren Entzündung.
Andere Ursachen für Gehirnschrumpfung
Neben den genannten Erkrankungen können auch andere Faktoren zu einer Gehirnschrumpfung beitragen:
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann zu einer Schädigung des Gehirngewebes und damit zu einer Schrumpfung führen.
- Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Kopfes können das Gehirn schädigen und zu einer Schrumpfung führen.
- Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann Nervenzellen schädigen und zum Absterben bringen.
- Mangelernährung: Ein Mangel an wichtigen Nährstoffen kann die Gesundheit des Gehirns beeinträchtigen und zu einer Schrumpfung führen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen des Gehirns können zu einer Entzündung und Schädigung des Gehirngewebes führen.
- Multiple Sklerose: Diese Autoimmunerkrankung kann Entzündungen im Gehirn und Rückenmark verursachen, die zu einer Schrumpfung führen können.
- Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom: Eine Multisystemdegeneration des Zentralen Nervensystems, die zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auftritt.
- Durchblutungsstörungen des Gehirns: Wiederholte, kleine und häufig unbemerkt gebliebene Schlaganfälle können zu einer Unterbrechung in der Durchblutung verschiedener Gehirnareale führen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Gehirnschrumpfung erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus neurologischer Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT).
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Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Gehirnschrumpfung. Bei neurodegenerativen Erkrankungen gibt es derzeit keine Heilung, aber es gibt Medikamente und Therapien, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. Bei anderen Ursachen, wie z.B. Alkoholmissbrauch oder Mangelernährung, kann eine Änderung des Lebensstils helfen, die Gehirnschrumpfung zu stoppen oder sogar umzukehren.